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Frau Osthoff und die Medien

Da Frau Osthoff immer noch nicht tut, was Medien und Soap-Konsumvolk so erwartet haben (und Politiker, die sich gern in einer solchen Umgebung geschmĂŒckt hĂ€tten, wohl, anders kann ich mir deren “EnttĂ€uschungâ€? und “UnverstĂ€ndnisâ€? nicht erklĂ€ren, denn unverstĂ€ndlich ist daran bei objektiver Betrachtung garnichts) wird das Medienvolk von der Journallie nun auf die schon wĂ€hrend der EntfĂŒhrung begonnene Linie eingeschworen, nur kein Bedauern zu zeigen, sollte dieser “leichtsinnigenâ€? Frau doch noch was passieren (meine Meinung dazu schrob ich dort in den Kommentaren ja schon).

All diesen Schreiberlingen, die in meinen Augen keinen Schimmer von journalistischem Handwerk zu haben scheinen, sei dieses ARD-Interview mit Dr. Michael MĂŒller-Karpe vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz, der dort Projekte mit dem Irak koordiniert, ans Herz gelegt, um vielleicht ein bisschen was ĂŒber die HintergrĂŒnde zu verstehen.

tagesschau.de: [
] Womit hat sich Frau Osthoff im Irak beschÀftigt?

Michael MĂŒller-Karpe: Susanne Osthoff hat sich bereits Anfang der neunziger Jahre dafĂŒr eingesetzt, dass die Raubgrabungen, die damals begannen, einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden. [
]

tagesschau.de: Welchen Stellenwert hat ihre Arbeit fĂŒr die ArchĂ€ologie?

MĂŒller-Karpe: Den kann man gar nicht hoch genug einschĂ€tzen. [
] Susanne Osthoff wollte darauf aufmerksam machen. Allerdings wollte man das nicht hören. [
] Da wurden Aufnahmen gemacht, die jetzt stĂ€ndig gezeigt werden: vorne Susanne Osthoff, die ein Interview gibt, hinten Leute, die in einer archĂ€ologischen StĂ€tte graben. Der Kommentator sagt dann, dies sei Susanne Osthoff bei archĂ€ologischen Ausgrabungen. Das ist Unsinn! Es handelt sich dabei um Raubgrabungen! [
] Und noch nicht einmal jetzt wird es richtig dargestellt.

tagesschau.de: Warum sind die WiderstĂ€nde denn so groß?

MĂŒller-Karpe: Es ist eine fĂŒr Deutschland höchst brisante und peinliche Angelegenheit. Deutschland ist einer der wenigen Staaten, die die Unesco-Konvention von 1970 zum KulturgĂŒterschutz nicht unterzeichnet haben. Diese Konvention besagt, dass man die Gesetze, die andere LĂ€nder zum Schutz ihres kulturellen Erbes erlassen haben, respektiert. Den eigenen BĂŒrgern wĂŒrde dann der Handel mit RaubgĂŒtern aus solchen LĂ€ndern untersagt.

[
]

Da steckt eine finanzkrÀftige Lobby dahinter, die mit Hehlerware aus Raubgrabungen Geld verdient und die ganz offen mit dem Verlust deutscher ArbeitskrÀfte droht, wenn die Gesetze strenger werden.

[
]

tagesschau.de: Heißt das auch: Wenn Susanne Osthoff diese Arbeit nicht machen wĂŒrde, dann wĂŒrde sie im Zweifelsfall niemand machen?

MĂŒller-Karpe: Das ist richtig.

Das ganze Interview unbedingt bei tagesschau.de: “Man kann ihre Arbeit nicht hoch genug einschĂ€tzenâ€? lesen!

Unter anderem tĂ€ten einem Journalisten auch ein paar Gedanken ĂŒber die HintergrĂŒnde, warum es einer Bundesregierung so wichtig ist, dass Frau Osthoffs Projekte, die von der öffentlichen Hand mitfinanziert wurden, ab sofort so schön diskreditiert werden. Tipp: Regierungsentscheidungen heutzutage erscheinen nicht zu Unrecht nicht etwa als unter dem Primat des Gemeinwohls sondern unter dem betriebswirtschaftlicher Überlegeungen gefĂ€llt.

Wie gut, da einen Grund gefunden zu haben, hier ein paar zigtausend Euro auf einen Schlag einsparen zu können. Wenn die EmpfĂ€ngerin von Fördermitteln erfolgreich als “fanatischâ€? u.Ă€. diskreditiert ist, geht das problemlos. So Ă€hnlich, wie das ja auch bei Einsparungen von Sozialleistungen wegen “Sozialschmarotzernâ€? funktioniert und wie das in einer entsolidarisierten Gesellschaft, in der sich keiner mehr fĂŒr eine Allgemeinheit mitverantwotlich fĂŒhlen muss, eben so ĂŒblich ist. Und dass das auf fruchtbaren Boden fĂ€llt zeigt ein Blick in manche Kommentare bei Herrn Bittner (der dagegen selbst zeigt, dass es noch Journalisten gibt, die nicht jeden gewĂŒnschten “Volkstrendâ€? mitmachen).

Diese ganze verfickte hirnlose kurzsichtige Scheiß-Egomanen-Gesellschaft kotzt mich allerdings langsam nur noch an.

Nachtrag: Das Ganze erscheint schon bei leichtem Wegkratzen einer dĂŒnnen Schicht als eine (noch dazu sehr platte) politische Kampagne, die ein nur noch peinlich zu nennender “Profijournalismusâ€? auch noch mitspielt - vor lauter “schnell noch einen Artikelâ€? wird sich da nichtmal 5 Minuten Zeit genommen, auch nur ansatzweise an dieser dĂŒnn ĂŒbertĂŒnchten OberflĂ€che zu kratzen und ein bis zwei Gedanken daran zu verschwenden, welche Interessen die Politik bei dieser Schmierenkomödie verfolgen könnte. Die Zeiten, Spins gut verpacken zu mĂŒssen, sind wohl vorbei, es reichen schon die blödesten Funzeln um einen heutigen “Journalistenâ€? zu blenden. Dinge in ZusammenhĂ€nge zu bringen, die eine Zeitfrist von zwei Wochen ĂŒberschreiten kann da eh kaum einer mehr, wie’s aussieht (links via Jens).

Nachtrag2: Ein schöner Kommentar im Tagesspiegel: Susanne von Arabien, der eine schöne und treffende Polemik enthĂ€lt - verlinke ich hier mal, auch um die Journalisten, die sich entgegen des (fĂŒr mich so erscheinenden) Trends differenzierende Sichtweisen zeigen nicht ĂŒber den pauschalen Kamm der oben Charakterisierten Möchtegern-Journalisten zu scheren, auch wenn auch hier noch nicht ganz verstanden wurde, was die Frau da wirklich tat/tut im Irak (und wem das ein Dorn im Auge zu sein scheint):

[
] Prominente, die sonnige StrÀnde oder Steuerparadiese bevorzugen, werden deshalb auch nicht expatriiert. Sie will ihre Arbeit fortsetzen, trotz der Gefahr. Tun das Hilfsorganisationen, Reporter, Unternehmer nicht auch, im Irak und anderen Krisen- und Kriegsgebieten? Weil sie tun, was unsereins sich nicht zutraut, zollt man ihnen Respekt. [
]

(via EoK)

Nachtrag3: Interessante Diskussionen auch drĂŒben bei rebellmarkt.

Nachtrag4: Wer sich etwas umfassender - und seriöser - ĂŒber Frau Osthoff und ihre Arbeit informieren möchte, fĂŒr den ist der Wikipedia-Artikel ĂŒber sie u.U. ein brauchbarer Ausgangspunkt. Schön bestĂ€tigt sich da auch mein Eindruck, dass der Versuch, Frau Osthoffs Reputation zu diskreditieren, tatsĂ€chlich von der FAZ auszugehen scheint. Im Weblinkteil gibt es auch ein paar interessante weiterfĂŒhrende Links, u.a. zur NYT etc.

Nachtrag5 (29.12.05): Klar, da zerrt man also nun eine durch jahrelange Ohnmacht in ihrer Arbeit zu Recht frustrierte, von den Boulevardmedien vom Opfer zum TĂ€ter gemachte und durch wochenlange Geiselhaft erfolgreich traumatisierte Person vor die Kamera (wohl noch etwa mit dem Argument, dass man das einer Öffentlichkeit schulde oder was?) und wundert sich, dass da nix bei rauskommt? Außer fĂŒr die BILD, die sich wie nicht anders zu erwarten in einem Zusammenhang zwischen “irrâ€?, “radikaler Moslemâ€? und Ă€hnlichem vorurteilsgesĂ€ttigten Stichworten pseudomoralisch das Maul zerreißt, da gleich neben dem Pin-Up-Girl.

Zum GlĂŒck gibt es wenigstens bei der Netzeitung ein bisschen Reflexion ĂŒber den hier immer offensichtlicher werdenen journalistischen Dilettantismus, der sich von Anfang an durch den “Fall Osthoffâ€? zieht, der IMO keiner ist, sondern ein “Fall Journalistenversagenâ€? und ein Fall “Politikerversagenâ€? wie auch ein “Fall BĂŒrgerversagenâ€?, denn der gemeine Unterschichtenfernseh-Zuschauer frisst ja scheinbar alles an Gammeljournalismus, was ihm vorgeworfen wird und scheißt es kurz danach in jede Ecke weiter. Das sollt’ ihm mal mit Lebensmitteln passieren, was er sich da medial verfĂŒttern lĂ€sst, da kĂ€m’ er ja aus dem Kotzen nicht mehr raus.

Ich wĂŒnsche jedem, der Frau Osthoff da jetzt in seinen bequemen Sessel pupsend be- oder gar verurteilt drei und mehr Jahre Arbeit unter schwersten existenziell belastenden Bedingungen, allein gelassen von Politik, uninteressant fĂŒr Medien, und am Ende völlig fĂŒr die Katz, und dann vier Wochen EntfĂŒhrung durch Leute, die wahrscheinlich nichtmal die englische oder deutsche Bedienungsanleitung der Handgranaten, Maschinengewehre und Raketenwerfer lesen können, die sie mit sich rumschleppen und auf sie richten. Dann gießen wir noch öffentlich einen großen Eimer Moral-GĂŒlle ĂŒber das Privatleben, wĂ€hrend die tatsĂ€chliche Leistung völlig im Dunkeln bleibt, weil medial uninteressant, und dann wird man in ein Studio geschubst, voll mit Journalisten-Dilettanten, die keine Ahnung haben, worum es geht. Dazu noch die HĂ€me von selbstgerechten wohlgenĂ€hrten RTL2-News-Guckern und BILD-Lesern, die keine hundertstelsekunde lang auch nur versuchen, sich in eine solche Lage reinzuversetzen aber einen völlig selbstverstĂ€ndlich auf niedrigstem persönlichem Niveau aburteilen und beleidigen (und das Ganze als Teil ihrer “Meinungsfreiheitâ€? bezeichnen).

Dann will ich sehen, ob derjenige auf teilweise wirklich blödsinnige Fragen klare und stringente Antworten liefern kann und wie er auf im Vorwurfston moralischer Überlegenheit vorgetragene Forderungen nach “Dankbarkeitâ€? beantwortet.

P.S.: Dr. Dean kam auf die einfache Idee, Frau Osthoffs Interview-Aussagen von dem umliegenden Geplapper zu befreien und stellt eine relativ klare inhaltliche Linie fest, zumindest jedenfalls ist das Ergebnis weniger wirr, wie mit dem anderen Redestrang. Dass da irgendwie zwei Leute jeweils von völlig anderen Dingen sprachen hab’ ich auch gemerkt (das ist wie jeweils die HĂ€lfte zweier verschiedener Dialoge aus zwei verschiedenen Filmen gegeneinander geschnitten), aber so genau hatte ich mir’s noch nicht angeschaut. Doch ja, so geht das eigentlich sehr gut. Und ein paar schöne Hintergrundinfos zum Thema Raubgrabungen etc. hat er auch gefunden.

Solange mir keiner von den besserwisserischen GroßmĂ€ulern, die da jetzt ĂŒber Osthoffs “irrenâ€? Auftritt ablĂ€stern, zeigt, dass er durch solche Situationen kommend in einer solchen Situation auch nur einen Tick besser agieren kann möge man sich mir gegenĂŒber mit Urteilen, die sich auf dieses Interview stĂŒtzen, sehr zurĂŒckhalten, wenn er keine gepfefferte Antwort vertragen kann, OK?

Nachtrag6 (29.12.05): Nach der EnttÀuschung mit der SZ (Link da oben) versöhnt mich dieses Interview wieder, das den Fokus mal wieder auf allgemeine Fakten und weg vom hÀmischen Ausverkauf des Privatlebens lenkt:

[
]
SZ: Ihre Erfolge, so heißt es, seien bei allem Engagement dĂŒrftig gewesen.

Sommerfeld: Das ist nicht wahr. Seit den frĂŒhen Neunzigern, seit den Zeiten des Embargos, haben sich Hilfsorganisationen ihre Sprach- und Ortskenntnisse zunutze gemacht. Und abgesehen von der humanitĂ€ren Arbeit: Was sie fĂŒr die ArchĂ€ologie geleistet hat, kann man gar nicht hoch genug schĂ€tzen.

Dass es heute ein Bewusstsein fĂŒr Raubgrabungen gibt, ist auch und vor allem ihr Verdienst. Sie hat eine Weltöffentlichkeit hergestellt fĂŒr den Schutz jahrtausendealter Hochkulturen. Das Unesco-Team hat sich die Raubgrabungen aus der Luft angesehen, sie hat Fernsehteams dorthin gebracht und es geschafft, dass es ĂŒberhaupt Bilder gibt. Am spektakulĂ€rsten war ein Bericht in der New York Times aus Isin vor zwei Jahren. Die Aufnahmen sind bis heute fast die einzigen Bilder von Raubgrabungen. Dass Großbritannien und die Schweiz die Unesco-Konvention zum Schutz von Kulturgut ratifiziert haben, hĂ€ngt damit zusammen.

[
]

SZ: Als Simona Pari und Simona Torretta nach ihrer EntfĂŒhrung 2004 freigelassen wurden, feierte sie ganz Italien, obwohl auch sie erklĂ€rt hatten, dass sie in den Irak zurĂŒckkehren wollen. Der grĂ¶ĂŸte Teil der deutschen Öffentlichkeit hat sich Susanne Osthoff gegenĂŒber schon wĂ€hrend der EntfĂŒhrung distanziert und ablehnend verhalten.

Sommerfeld:
Sie eignet sich nicht als Identifikationsfigur, sie ist nicht zu Weihnachten nach Deutschland gekommen, nicht in Talkshows aufgetreten. Bei vielen herrscht der Eindruck: Die will uns nicht. Und sie ist Muslimin. Der Islam aber wirkt so fremd und gefÀhrlich, dass ein Mensch, der sich freiwillig in diesen Kulturkreis begibt, nicht ganz normal sein kann. Das ist das eine. Vielleicht liegt in der Ablehnung aber auch eine projizierte Furcht: Wenn sie etwas unternimmt gegen die Not im Irak - gegen alle WiderstÀnde - warum tue ich nichts?

(via Dave-Kay)

Nachtrag7 (31.12.05): Schön, die FAZ kann nicht nur Verschwörungstheorien (braucht dafĂŒr aber eine Elke Heidenreich)

Nachtrag8 (31.12.05): Ein weiterer Aspekt in der Welt am Sonntag: “Der BND hat sie ausgepreßt und weggeworfenâ€? - und damit mehr offene Fragen, warum die Frau auch von Seiten der Politik so aggressiv angemacht wird


Nachtrag9 (1.1.06): So, und mit diesem Artikel in der FAZ, in dem die Bearbeitung des Interviews Frau Osthoffs im ZDF kritisch hinterleuchtet wird stellt Patrick Bahners den in meinen Augen durch jenen Verschwörungstheorie-Artikel (oben) arg ramponierten Ruf der FAZ wieder halbwegs her, vor allem, wenn er auch das eigene Blatt nicht aus der Kritik lÀsst (Hervorhebung von mir):

[
] Just zu dem Zeitpunkt, da in der deutschen Presse, auch in dieser Zeitung, Zweifel an der SeriositĂ€t von Susanne Osthoffs archĂ€ologischem und humanitĂ€rem Engagement artikuliert wurden, verweigerten ihr die Therapeuten vom ZDF die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Man ließ ihr den Appell, die Deutschen sollten sich einmal „Gedanken ĂŒber den Hintergrund machen, daß sie nicht weit von dem Ganzen entfernt sindâ€?.

Es klingt wie eine Weltverschwörungstheorie, wenn sie anfĂŒgt: „Irak ist auch bei uns, ich habe ja erwĂ€hnt warumâ€?, aber dieses vorher ErwĂ€hnte ist der Bearbeitung zum Opfer gefallen [
]

(Link via Dr. Dean)

Nachtrag9 (3.1.06): Georg Meggle, Professor fĂŒr Philosophie an der UniversitĂ€t Leipzig mit Themenschwerpunkten u.a. Kommunikation, Kollektive IntentionalitĂ€t und Terrorismus, analysiert das Interview des ZDF in der Telepolis und kommt zu völlig anderen SchlĂŒssen als der grĂ¶ĂŸte Teil der Medien und der Öffentlichkeit. (Und damit zu einem Ergebnis, das mich doch ein wenig beruhigt, denn es bestĂ€tigt auch meine eigene EinschĂ€tzung, so dass ich wohl davon ausgehen kann, noch nicht völlig verscheuklappt zu sein):

[
] Der Kern der Botschaft der ArchĂ€ologin Susanne Osthoff ist sinngemĂ€ĂŸ dieser: Verdammt noch mal, unterscheidet doch endlich zwischen dem mir persönlich Zugestoßenen (ein “kurzes Verbrechenâ€?) und dessen grĂ¶ĂŸerem Kontext: Das “kurze Verbrechenâ€? an mir hat eine “lange Geschichteâ€?! Anders ausgedrĂŒckt: Wie wollt Ihr meinen Fall – d.h., mich – “verstehenâ€?, wenn Euch der (historische) Kontext derart egal ist?

Dieser Appell steckte schon in der dritten Antwort von Osthoff - und bis dahin waren auch ihre SĂ€tze noch weitgehend grammatisch korrekt. Der Appell blieb absolut wirkungslos. Die TV-Sprecherin – und sicher nicht nur sie - war auf diesem Ohr völlig taub. Kontext war im Rahmen dieser Sendung keiner vorgesehen. Ein tieferes VerstĂ€ndnis gehörte nicht zum Programm. “Verstehen Sie?â€? Auch dieses Signal ging ins Leere.

Es bleiben einige Thesen von Susanne Osthoff, die nach ErklÀrungen und dann wohl auch nach weiteren Diskussionen verlangen. [
]

Unbedingt lesen! Und spĂ€testens jetzt auch gleich (nochmal) das (nicht gekĂŒrzte) ZDF-Interview Und am besten vorher noch das bei al jazeera, denn darauf wird ja immer mal Bezug genommen, es also als bekannt vorausgesetzt), das, wie ich fĂŒrchte, von all denen, die ĂŒber Frau Osthoff so schnell und einfach den Stab brechen, noch nicht einmal wirklich ernsthaft gelesen wurde!

(via Kommentare bei lautgeben)

Nachtrag10 (3.1.06): Auch in der TAZ beginnt manch einer zu ahnen, dass das, was da abends im ZDF zu sehen und hören war nicht unbedingt das war, was tatsÀchlich kommuniziert wurde oder werden sollte:

[
] Susanne Osthoff nutzt die Gelegenheit, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass im Irak bittere Not herrscht. An ihrem mit Sturheit gewappneten Eigensinn zerbricht der vom ZDF sorgfĂ€ltig eingefĂ€delte Text. Eine aufregende, emotionsgeladene und glĂŒcklich ĂŒberstandene EntfĂŒhrungsgeschichte war geplant. Aber Osthoff ist gegen allen “privaten Pipifaxâ€?: Wichtig wĂ€re es, “dass die BĂŒrger mal solche Dinge erfahren: weshalb wir da ĂŒberhaupt noch etwas tunâ€?. Noch wĂ€hrend sie ihre Hilfslieferungen fĂŒr vierzig irakische Familien organisierte, ging ihr das Geld fĂŒr die Miete im bayerischen Glonn aus. “Mein Vermieter hatte ja keine Gnade.â€? Und: “Ich habe aber gewusst, dass die Leute [im Irak] noch Ă€rmer sind als ich.â€? [
]

Nachtrag11 (4.1.06): Die Medienmaschine hat ihren Anspruch auf Personality wohl durchgesetzt - Frau Osthoff spielt nun ein wenig mehr nach deren Regeln, und schon werden die Töne ihr gegenĂŒber freundlicher und fairer. Schade nur, dass Fairness seitens Medien scheinbar nicht von vornherein gegeben wird sondern erst kommt, wenn man tut, was sie wollen.

Ein (ich weiß: ungebetener, aber
) Ratschlag von mir: sie sollte tatsĂ€chlich “mitspielenâ€?, mit etwas GlĂŒck schauen dann wenigstens ein paar Politiker und Verwaltungsbeamte doof aus der WĂ€sche, denn natĂŒrlich ist das so, dass man auch den Medien Dinge, die sie möchten und erwarten nur gegen Gegenleistung gibt. Hier wĂ€re eine solche, eben der Arbeit und dem Engagement Frau Osthoffs ebensoviel Platz einzurĂ€umen, als Bedingung dafĂŒr zu setzen, dass man auch “Personalityâ€?-Themen zulĂ€sst, die eigentlich keinen Arsch was angehen. Wer das System nicht Ă€ndern kann muss es wohl versuchen zu nutzen


Nachtrag12 (6.1.06): Auch RTL versucht nun, den von den Medien zerstörten Ruf Frau Osthoffs wieder ein wenig herzustellen (via Dr.Dean). Ist da nach doch inzwischen sehr massiver Kritik der letzten Zeit an den Medien ein allgemeines Umschwenken, gar eine aus Selbsterkenntnis gewonnene Einsicht zu erkennen, oder ist man nur zufrieden, weil Frau Osthoff den Forderungen der Medien nun doch ein wenig entgegenkommt und “persönlichesâ€? zulĂ€sst, die Medien sich also “erfolgreichâ€? sehen, Frau Osthoff gegenĂŒber ihren Willen mit Druck durchgesetzt zu haben?

Vor allem aber bin ich mal gespannt, ob das Thema “Raubgrabungenâ€? mit diesem nun endlich doch noch erfolgreich auf’s Private verlagerten Schwerpunkt nochmal je aufs Tablett kommt. Nein, von den Medien erwarte ich das nun wirklich nicht - aber u.U. schafft Frau Osthoff es, wenn sie nun nach den vorgegebenen Regeln spielt, hier doch nochmal einen unerwarteten Schachzug einzubringen


Nachtrag13 (10.1.06): Nachdem Frau Osthoff nun bei Beckmann war (hier mit Real-Video - und hier gleich der Kurzverriss) und damit dem “BedĂŒrfnisâ€? der Medien (die das freilich als BedĂŒrfnis des Zuschauers kaschieren) nach Personality und emotionalem Inhalt endlich entsprochen hat, so dass diese in den letzten Tagen sichtlich versuchten, einiges von dem, was sie kaputt gemacht haben wieder zu relativieren, gibt es sogar richtig selbstkritische Töne zur selbstgewĂ€hlten Aufgabe der Massenmedien und zu deren Methodik, die sich um Fakten und HintergrĂŒnde nicht bemĂŒht solange nur genug Emotion vermittelt werden kann:

[
] Wir sind eben, seit ein paar Jahren, keine Überbringer von Nachrichten mehr, wir verkaufen Emotionen, erzĂ€hlen Geschichten, entwerfen Weltbilder, wir suchen nicht Distanz, sondern NĂ€he, wir vermengen das, was in den Zeitungen frĂŒher voneinander getrennt wurde, wir machen es inzwischen fast alle so Ă€hnlich wie „Bild“. Jede Geisel muss fĂŒr eine runde Geschichte stehen, ihr Schicksal muss eine Botschaft enthalten, sie darf nicht einfach nach Hause gehen, erleichtert sein und schweigen. Wer schweigt, macht sich verdĂ€chtig.

Wenn diese Maschine erst einmal lĂ€uft, kann keine Macht sie anhalten, so lange, bis es uns langweilig wird. Osthoff wurde Opfer eines Verbrechens, sie muss sich deshalb nicht fĂŒr ihr Leben rechtfertigen. Sie muss nicht sympathisch sein. Solche SĂ€tze sind Theorie. In der Praxis sieht es so aus, dass Osthoff sich bei ihren ersten Medienauftritten dumm angestellt hat und jetzt vor der Frage steht, ob sie als verrĂŒckte Rabenmutter in die Geschichte eingehen möchte, wer will das schon. Also musste sie zu Beckmann gehen, und Beckmann stellte ihr die Mutter aller Fragen: „Was war das fĂŒr ein GefĂŒhl?“ [
]

Damit schließe ich fĂŒr mich dieses Thema zumindest halb zufrieden ab, denn fĂŒr einen Journalismus, der es zumindest stellenweise noch schafft, sich selbst und seine Mechanismen zu reflektieren gibt es noch Hoffnung. Auch die, dass aus dieser Selbsterkenntnis vielleicht doch noch mal die Einsicht erwĂ€chst, dass Journalismus, so er professionell sein will, nicht nur bestimmte Dinge besser nicht macht, will er sich noch selbst im Spiegel ansehen, sondern vielleicht sogar wieder seine Aufgabe findet: im Berichten ĂŒber HintergrĂŒnde, Fakten, ZusammenhĂ€nge, die Zeitrahmen von mehr als drei Wochen umfassen und in professioneller Recherche und Handwerk, das den Bedarf an Wissen bedient. Und nicht nur den kurzfristiger Soap-Unterhaltung. Denn dafĂŒr sind andere da. Vielleicht passiert sowas ja irgendwann, wenn die Beckmanns und Kerners und wie sie alle heißen endlich aufhören, Vorbild fĂŒr den Journalismus zu sein anstatt abschreckendes Beispiel, wie es sein sollte


Das war dann wohl der letzte Nachtrag einer der letzten NachtrĂ€ge, viel mehr ist nun erstmal nicht mehr zu erwarten, denke ich. Weitere weiterfĂŒhrende Links könnt ihr gerne (und werde ich ggf.) trotzdem noch in die Kommentare setzen. Die lohnen sich ĂŒbrigens auch zu lesen, denn ein paar Links, die ich jetzt nicht hier in den Artikel ĂŒbernommen habe, gibt es dort auch jetzt schon.

(Danke an Silke, die mir die obigen Links unten in die Kommentare schrieb)


denn einen hab’ ich noch:

Nachtrag14 (11.1.06): Auch die SZ verreisst die Beckmann-Sendung. Oder besser: den Beckmann. Und mit Recht.

[
] GĂ€nzlich verbieten sich all die anderen Fragen, die zuletzt von der sensationsgierigen Allgemeinheit an die Adresse der ehemaligen Geisel gestellt wurden. Es geht Außenstehende schlicht nichts an, wie gut sich Susanne Osthoff um ihre Tochter kĂŒmmert, wie das VerhĂ€ltnis zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern ist, wie stark sie raucht, oder wie medientauglich sie ist. Völlig deplaciert - weil womöglich gefĂ€hrlich - ist eine öffentliche Diskussion ĂŒber ihr VerhĂ€ltnis zum Bundesnachrichtendienst.

Reinhold Beckmann muss sich vor diesem Hintergrund die Frage gefallen lassen, warum er all diese NebensÀchlichkeiten in seiner Sendung eine volle Sendezeit lang thematisiert hat.

Um als Einzelgast bei ihm geladen zu werden, reicht ein Ministeramt in der Regel nicht aus. Da mĂŒsste sich schon die Kanzlerin oder ein Ă€hnliches Kaliber die Ehre geben. Im Gegensatz zu der Irak-Expertin ist die Kanzlerin allerdings seit Jahrzehnten im Umgang mit den Medien geschult. Susanne Osthoff hingegen war bis vor wenigen Wochen ein Mensch, dem die Medien keinerlei Beachtung schenkten (Anmerkung Sven: zumindest nicht die deutschen). All die wohlfeilen Kritiker der gebĂŒrtigen Bayerin sollten sich daher die ehrliche Frage stellen, wie glatt und geschmeidig sie wohl bei einem jĂ€hen Auftritt in einer 75-Minuten-Sendung mit der ungewöhnlich hohen Quote von 22,5 Prozent rĂŒberkĂ€men.

[
]

Doch die PrioritĂ€ten des Reinhold Beckmann waren offensichtlich anders gelagert. Das vorranige Ziel des Fernsehmanns lautete wohl, Teilhaber zu werden an der medialen Inszenierung, zu der der EntfĂŒhrungsfall Osthoff inzwischen verkommen ist. Diese Gelegenheit wollte er sich bei aller echten oder unechten EinfĂŒhlsamkeit nicht entgehen lassen.

(via Dave-Kay)

Nachtrag15 (14.1.06): FĂŒr diese Zusammenstellung (beim Demagogen) diverser Beckmann-Bashings seitens einiger namhafter Feuilletons auf Beckmanns Behauptung, seine Schmierigkeit beim Osthoff-Interview, die ihm von z.B. Antje Vollmer vorgeworfen wurde sei “weder beim Zuschauer noch in den Feuilletons angekommenâ€? lohnt es sich, doch nochmal einen Nachtrag zu machen. Und natĂŒrlich, dem Link zu folgen :-)


39 Kommentare »

  1. MMarheinecke meint dazu:,

    28. December, 2005
    @ 10:10

    Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der “Verdachtâ€? auftaucht, Frau Osthoff habe mit ihren EntfĂŒhrern kooperiert, Verschwörungstheoretiker gibt es in unter Politikern und Journalisten ja genug.
    Das sie eine gewisse Symphathie mit ihren EntfĂŒhrern erkennen lĂ€ĂŸt, ist relativ normal (jedenfalls bei Geiselnehmer, die ihre Geiseln “anstĂ€ndigâ€? behandeln - in der Psychologie als “Stockholm Syndromâ€? bekannt: http://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom.)

    Was Frau Osthoff wirklich auf Al-Jazeera sagte, paßt genau in das Schema “Stockholm Syndromâ€?, auch wenn mir fĂŒr das hier jedes VerstĂ€nd fehlt:
    “She described her captors as “poor peopleâ€? and said that she “cannot blame them for kidnapping her, as they cannot enter [Baghdad’s heavily fortified] Green Zone to kidnap Americans.â€?

    http://english.aljazeera
.

  2. Sven meint dazu:,

    28. December, 2005
    @ 11:54

    Naja, ich kenne die Frau nicht, drum werde ich da keine Psycho-Spekulationen anstellen. Am Ende kann es mit der selben Wahrscheinlichkeit so sein, dass sie in gewisser Hinsicht Recht hat. Aber genau das sorgt bei vielen nicht dafĂŒr, sich Spekulationen oder gar Urteile zu enthalten, sondern im Gegenteil: wo nichts faktisches nachvollziehbar ist wird mit der Inbrunst der Überzeugung wildest rumgesabbelt, denn das kann ja eh keiner nachprĂŒfen.

    Auch die Alltagssituation da unten kenne ich nicht. Die kennt “nicht einmalâ€? der ach so große Möchtegern-â€?Experteâ€? Scholl-Latour, der immer dann ausgegraben wird, wenn ein Informationsvakuum statt mit Fakten mit heißer Klischeeluft zu fĂŒllen ist, damit darin wohlig realitĂ€tsfern herumspekuliert werden kann.

    Ich kann also weder allgemeines Setting, noch akute Situationen noch beteiligte Personen auch nur ansatzweise einschĂ€tzen. Was auch IMO garnicht nötig wĂ€re, wĂŒrden da nicht selbsternannte “Expertenâ€? eine ebensolche daherfabulieren. Da die auch nicht mehr einschĂ€tzen können als ich kann denen ihr Geseier auch nichts anderes sein als völlig wilde Fabuliererei. Denn deren Situation und Setting kann ich gut einschĂ€tzen. Nur deren Person nicht, weil ich ja auch diese nicht kenne. Aber immerhin macht das bei mir zwei drittel mehr Informationen aus, die es mir ermöglicht, deren Gefasel in einem Maß zu beurteilen, die weit hörhere Wahrscheinlichkeit auf “Zutreffenâ€? zeigt als alles, was die da sabbeln können.

    (Die “Kooperationsspekulationâ€? gibt es -> zwischen manchen Zeilen (nichtmal gut versteckt) ĂŒbrigens schon. FAZ goes BILD. Selten sowas Schlechtes gelesen. Verkauft der Autor etwa mesopotamische AntiquitĂ€ten, fragt man sich da
)

    Was das “Stockholmsyndromâ€? betrifft: Kann sein, kann nicht sein, kann was ganz anderes sein. Wie gesagt: je mehr Unbekannte, desto besser kann spekuliert werden. Kann man machen. Privat. Muss man aber nicht. Vor allem nicht “professionellâ€?.

  3. Brian Griffin meint dazu:,

    28. December, 2005
    @ 20:57

    @MMarheinecke: DarĂŒber zu diskutieren, welche Folgen die Geiselhaft fĂŒr Frau Osthoff hatte, ist mĂŒĂŸig. SpĂ€testens aber, wenn wir Hobbypsychologen es anhand von ein paar Sekunden TV-Material versuchen, wird es komplett sinnfrei.

    Glaubt man den wie ĂŒblich gut unterrichteten Quellen, war Frau Osthoff allerdings schon immer so. Irgendwo zwischen engagiert bis eigensinnig (manche nennen es fanatisch) bzw. schwierig zu kontrollieren. Und ja, das ist fĂŒr die Scherbenmafia ein Problem. FĂŒr die Regierung auch.

  4. MMarheinecke meint dazu:,

    28. December, 2005
    @ 22:33

    Hi,
    das “Stockholm Syndromâ€? brachte ich deswegen ins GesprĂ€ch, weil es die offenkundigen Differenzen zwischen dem, was Frau Osthoff selbst ĂŒber die Geiselhaft berichtet: http://www.netzeitung.de/spezial/irak/374978.html “Zu der Bedrohung wĂ€hrend ihrer gut dreiwöchigen EntfĂŒhrung sagte Osthoff:
    «Da hat man gar kein GefĂŒhl mehr, weil man nĂ€mlich stĂ€ndig kurz vor dem Tod steht.» Sie sei «teilweise gefesselt» gewesen. «Wenn es in Arabien keine Gnade gĂ€be, wĂ€re ich im Kofferraum (des Autos ihrer EntfĂŒhrer) nach einer Stunde schon eliminiert worden und dann in den Kanal daneben reingeschmissen worden», berichtete die 43-JĂ€hrige.â€?) â€?
    und ihren SympathĂ­ebekundungen fĂŒr ihre Peiniger zwanglos erklĂ€rt. Und zwar ohne die Frau zu einer “verrĂŒcktenâ€? “verantwortungslosenâ€? “Fanatikerinâ€? zu stempeln..
    Sie ist halt auch nur ein Mensch.

  5. Meinung meint dazu:,

    29. December, 2005
    @ 01:20

    Auf, auf zum fröhlichen Jagen

    Die Deutsche Susanne Osthoff ist zur öffentlichen Person geworden. Gar eine Unperson?

    Blick ĂŒber den Zaun

    Osthoff im Wortlaut

    Susanne Osthoff gab dem ZDF ein Interview, dessen Wortlaut in voller LĂ€nge wiedergegeben wird.
    


  6. blogotronic » dumm ist nur, wer dummes tut meint dazu:,

    29. December, 2005
    @ 13:46

    [
] p.s.: wer mehr (und fundierter) lesen will, findet infos und links zum thema bei herrn scholz (1, 2 und 3) und herrn scholz (via sannïżœe in den kommentaren). sehr zu empfehlen! [
]

  7. sagichdoch? » Chrobog selber Schuld? meint dazu:,

    29. December, 2005
    @ 14:04

    [
] (Und irgendwie krieg’ ich das garnicht so stark formuliert, dass es satirisch ( -> ĂŒberzogen) zu dem erscheint, was mit Frau Osthoff gemacht wird. Im Gegenteil, mir scheint, ich komme nichtmal richtig ran an die RealitĂ€t
) [
]

  8. Sven meint dazu:,

    29. December, 2005
    @ 16:08

    an die “Vollidiotenâ€? (Name ist Programm?): anonym vorgetragene Beleidigungen, die offensichtlich aus reiner Troll-Motivation heraus erfolgen wandern in den Orkus. Ritschratsch.

  9. Asatru :: Nornirs Ætt » Blog Archive » Der “Fall Osthoffâ€? meint dazu:,

    29. December, 2005
    @ 16:38

    [
] Weitere HintergrĂŒnde bietet die Wikipedia und einige Weblogartikel und dranhĂ€ngende Diskussionen. Von Sven um 17:35   [link] [
]

  10. B-29 meint dazu:,

    29. December, 2005
    @ 22:09

    http : //www. rclineforum. de/forum/thread.php?threadid=101730


    Entlich spricht jemand mir aus was mich schon lange ankotzt!!
    Die Stubenhocker und PillePalle in Malle Touris die noch nie aus ihrer heilen Neckermann Welt herraus gekommen sind scheien wieder nach dem Feuer fĂŒr die Hexe!! Und unsere auch so machtgeilen Politiker stoßen ins gleiche Horn weils ja Stimmen bringen könnte.
    Stellt euch mal vor Fr. Osthoff hĂ€tte nach der EntfĂŒhrung der Presse zur VerfĂŒgung gestanden wĂ€re erst mal nach Deutschland heim und zur Bild und hĂ€tte selber alles geschildert incl. aller Projekte - was wĂŒrden die Journailie dann schreiben ? - etwa “Heldenhafte Deutsche Archeologin lĂ€ĂŸt sich von radikalen fundamentalistischen EnfĂŒhrern nicht unterkriegenâ€? ?

  11. Sven meint dazu:,

    29. December, 2005
    @ 23:53

    ach du Schande, na da sind ja wirklich die Volldurchblicker beisammen *Ă€chz* - BILD gewinnt :-(

    Witzig schon fast das stĂ€ndige Nachplappern der Legende, Frau Osthoff hĂ€tte sich “nicht mal bedanktâ€? (Linksuche 10 sekunden in Google)

  12. Mela meint dazu:,

    30. December, 2005
    @ 03:22

    Am Tisch von - angesichts von Lebensberichten ĂŒber Margarete Steiff tief bewegten , aber ansonsten kaltschnĂ€uzigen - Ă€ltlichen, frauenbewegten Treehuggern, ist die Theorie des ‘das hat sie doch selbst eingefĂ€delt’ schon lĂ€ngst salonfĂ€hig.
    Ich durfte ein derartiges GesprÀch ungebeten mitbekommen.

    Ansonsten wundert es mich bei jedem neuen EntfĂŒhrungsfall, das jeder zwar schon mal vom Stockholmsyndrom gehört hat, aber alle Rummeckern wenn sich EntfĂŒhrte dementsprechend benehmen


  13. Liisa meint dazu:,

    30. December, 2005
    @ 20:15

    Im Grunde tritt nur wieder mal zutage, daß die MĂ€r von den ach so toleranten Deutschen nur eine MĂ€r ist. Wehe jemand paßt nicht ins ĂŒbliche Schema oder erfĂŒllt nicht die Erwartungen, dann wird schnell deutlich wie dĂŒnn bei vielen der Firniß der Toleranz und der Menschlichkeit ist.

  14. sabine_k meint dazu:,

    31. December, 2005
    @ 01:17

    Ich kann gar nicht sagen, wie wohl BeitrĂ€ge hier tun, nachdem man diesen MedienmĂŒll im Umgang mit Susanne Osthoff die letzten Tage hat miterleben mĂŒssen! War es eigentlich je offensichtlicher, wie da ein Mensch systematisch demontiert werden soll? Aus kaum noch durchschaubaren Interessen ? In diesem Zusammenhang Dank fĂŒr diverse links, die immerhin zeigen, dass es noch nicht ganz funktioniert !!!

  15. Iris meint dazu:,

    31. December, 2005
    @ 13:35

    Tut gut zu sehen, dass doch nicht alle in der geistigen Umnachtung versunken sind, die sich - ausgehend von den Hetzkampagnen zahlreicher Schmierfinken (nein, Journalisten mag ich die nicht nennen) und politisch Verantwortungsloser - in den letzten Tagen um uns ausgebreitet hat.

  16. Grumpf! meint dazu:,

    3. January, 2006
    @ 10:49

    Die Fehler der Susanne Osthoff

    Frau Osthoff hat einen Fehler gemacht: sie hat, bevor sie ihr sicherlich erlittenes Trauma mit Hilfe von Psychologen aufgearbeitet hat, ein Interview gegeben. Und nicht nur das, sie hat es gegeben, ohne sich von Medienberatern schulen zu lassen, wie es


  17. sagichdoch? » Bund deutscher Juristen stellt Journallie bloß meint dazu:,

    3. January, 2006
    @ 23:58

    [
] Erschreckend dabei ist weniger, dass der “professionelle Journalismusâ€? zu Gunsten des schnellen Artikels jegliches Handwerkszeug verlernt zu haben scheint und weder den “BDJâ€? ĂŒberprĂŒft hat (mit einer einfachen whois-Abfrage hĂ€tte man schonmal gesehen, dass es da keine greifbaren Verantwortlichen gibt, da die Registrierung “by privateâ€? ĂŒber einen Registrar in Arizona, USA lief und die Website der “Juristenâ€? selbst auch nicht einmal ein Impressum aufweist.) noch nach den Namen des angeblichen “Strafrichters am Bundesgerichthofâ€? geschaut hat. Diesen Dilettantismus der “Profisâ€? bei Presse wie Politik muss man wohl inzwischen als Regelfall hinnehmen, in dem Punkt habe ich schon lange resigniert. [
]

  18. Kommentare aus der AMAZONAS-Box meint dazu:,

    4. January, 2006
    @ 17:05

    Nicht Frau Osthoff 
 (akt.)

    Nicht Frau Osthoff ist pervers, sondern die Situation, in der die irakische Bevölkerung lebt. Goedart Palm/Telepolis.
    und noch:
    Doch ist der Frieden, der

  19. sagichdoch? » Stoiber auch “irrâ€?? meint dazu:,

    5. January, 2006
    @ 10:35

    [
] Wenn Nicht-Medienprofis, noch dazu kurz nach lebensbedrohenden Erfahrungen, vor laufender Kamera Schwierigkeiten in stringenter und eloquenter Formulierung des gesprochenen Wortes zeitigt, ist eine solche Person (bestenfalls!) “irrâ€?. [
]

  20. martinm.twoday.net meint dazu:,

    7. January, 2006
    @ 16:10

    Stockholm Syndrom

    Unter dem “Stockholm Syndromâ€? versteht man ein psychologisches Ph

  21. Iris meint dazu:,

    8. January, 2006
    @ 19:52

    Hi Sven, hier ist noch ein Link, der vielleicht einigen mal bewusst macht, wie gefĂ€hrlich die Kost aus der Medien-GerĂŒchtekĂŒche fĂŒr Frau Osthoff ist:
    http: //www.netzeitung.de/vermischtes/376500.html

  22. Sven meint dazu:,

    8. January, 2006
    @ 22:01

    Oh, danke, die letzten beiden AbsĂ€tze sind sehr interessant. Und natĂŒrlich ein Armutszeugnis fĂŒr die Medien, aber auch fĂŒr gewisse Polit-Kreise, die diesen BND-Kram stĂŒtzen.

  23. Ivi meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 05:15

    Hmmm
 also wenn man das alles hier so Liest und die Nachrichten Verfolgt.
    Frau Osthoff hat es ja anscheinend geschafft das alles und fast jeder ĂŒber sie Redet :-) Mir tuhen einfach nur die Menschen leid die Ihr helfen wollten und auf die Straße gegangen sind, hat sich schon mal jemand gefragt ob diese Menschen das noch mal Machen wĂŒrden fĂŒr entfĂŒhrte MitbĂŒrger??? nach dem was jetzt alles gelaufen ist mit Frau Osthoff !?! .

  24. Iris meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 07:11

    “Frau Osthoff hat es ja anscheinend geschafft das alles und fast jeder ĂŒber sie Redetâ€?

    Ja klar, Frau Osthoff hat natĂŒrlich bloß deswegen jahrelang im derzeit wohl gefĂ€hrlichsten Kriegsgebiet gearbeitet, sich da entfĂŒhren, wochenlang unter entwĂŒrdigenden Bedingungen und Todesangst gefangenhalten, anschließend von der Journaille durch den Dreck ziehen und sich zur Krönung auch noch als BND-Spitzel denunzieren lassen, nur damit hier jeder ĂŒber sie redet. Geht’s noch? Ich glaub’, Du bist hier falsch. Das hier ist nicht ‘Deutschland Sucht Den Superstar’ oder irgend so ‘ne Nachmittags-Talkshow, wo irgendwelche mediengeilen Typen sich als Volldeppen prĂ€sentieren, nur damit se mal ins Fernsehen kommen. Hier geht es um ein echtes Leben.

  25. Sven meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 08:35

    Mir tun diese Menschen, die auf die Straße gingen, auch Leid: weil auch ihr Engagement durch verschiedene Medien und Politikeraktionen in den Dreck gezogen wurden, wie schon Frau Osthoffs Engagement selbst auch. Und ich frage mich auch, ob beim “nĂ€chsten Malâ€? diese Menschen sich nochmal trauen, entgegen jeglicher Gefahr, durch Medien und Stammtisch-Politiker als blöde hingestellt zu werden, auf der Straße öffentlich Position zu beziehen und SolidaritĂ€t zu zeigen (Ich weiß nicht, Iris, ob Ivi die Schelte so verdient hat, denn den Kommentar kann man auch in diese Richtung verstehen - auch wenn die Formulierung, dass “Frau Osthoff das geschafftâ€? habe (die natĂŒrlich garnichts “geschafftâ€? hat, denn ihr waren im wahrsten Wortsinne die HĂ€nde gebunden), und nicht etwa die Medien, die so lauthals und spekulativ “berichtetenâ€?, etwas unglĂŒcklich die Verantwortungen in eine falsche Richtung zu verweisen scheint ;-) WĂ€re schön, Ivi, wenn du das nochmal klĂ€ren könntest, wie das gemeint war).
    Wenn sie das aber nicht mehr tun, teils aus Resignation, teils, weil sie auf öffentliche Demontagekampagnen reingefallen sind und diesen “glaubenâ€?, dann ist es in diesem Land wieder erfolgreich ein paar Grad kĂ€lter geworden als es eh schon ist.

    SolidaritĂ€t gegenĂŒber Menschen (mit all ihren “gutenâ€? und “schlechtenâ€? Eigenschaften) ist in dieser Gesellschaft, die andere Menschen nur mehr nach stereotyp-pauschalen Klischee- und RollenmaßstĂ€ben be- oder gar verurteilt, die sie aus Soap-Operas gelernt haben, nicht mehr opportun. Die Tendenz geht wohl hin zu einer Eiszeit :-(

  26. silke meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 10:36

    Heute abend 9.1.05 in der ARD bei Beckmann 22:45 gibt es ein 75min Interview mit Susann Osthoff (http://www.daserste.de/beckmann/)

    Übrigens wie schnell Medien die Seite wechseln hat die Bild-Zeitung gestern abend wieder vorgefĂŒhrt. Erst in der Online-Ausgabe eine Schlagzeile der Art: Osthoff fĂŒr TV-Interview in Deutschland und wann sieht sie endlich ihre Tochter. War nur kurze Zeit online, dann kam Mutter und Tochter fallen sich um den Hals


    Leider unterscheiden sich die so genannten seriösen Zeitungen nicht mehr von der Bild-Zeitung.

    Eine weitere sehr interessante Seite sind die Zerrbilder bei R-Archiv (www.r-archiv.de, einfach die Suche benutzen). Dort wird die merkwĂŒrdige Rolle von AA und BND sowie den Indiskretionen von den gerne in der Presse mit “aus Sicherkeitskreisenâ€? titulierten Personen beleuchtet.

  27. silke meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 10:53

    Upps, bei meinem Beitrag ist Frau Osthoff ein e abhanden gekommen, Susanne Osthoff muß es natĂŒrlich heissen

  28. Sven meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 11:49

    Wenn Frau Osthoff in der Netzeitung so zitiert wird:

    Osthoff bestĂ€tigte nach Angaben des Sprechers der ARD-Sendung »Beckmann« allerdings, dass sie Mitarbeitern der deutschen Botschaft in Bagdad manchmal Hinweise auf drohende Gefahren oder die Lage in bestimmten Gebieten gegeben habe. Dies sei «in einem Krisen- und Kriegsgebiet wie dem Irak unter Landsleuten absolut selbstverstĂ€ndlich», so Osthoff. Die Botschaftsmitarbeiter hĂ€tten sich ihr gegenĂŒber aber «nicht als BND-Mitarbeiter zu erkennen gegeben, sondern als Diplomaten».

    Dann mag es sogar aus Sicht des BND so sein, dass sie “fĂŒr diesen tĂ€tigâ€? war - aber das hĂ€tte man ihr dann vielleicht auch besser gesagt. Ich denke, dass sie dann sehr viel weniger “Hinweiseâ€? gegeben hĂ€tte, weshalb man ihr imo wahrscheinlich wohl eben deshalb lieber nicht gesagt hat, wer ihr da Informationen aus’m Kreuz leiert. Frau Osthoffs GefĂŒhl, “Benutzt und weggeworfenâ€? geworden zu sein ist unter diesen UmstĂ€nden nur nochmehr nachvollziehbar.

    Dass sie jetzt in die (Medien)Offensive geht und das Ganze so, dass sie den Medien in deren “BedĂŒrfnissenâ€? spielregeltechnisch entgegenkommt und damit die Medien keinen “Grundâ€? (perverserweise genug) mehr sehen “mĂŒssenâ€?, sie in die Pfanne zu hauen, sondern im Gegenteil ihr als “Ausgleichâ€? Gelegenheit bieten, ihre Sicht und ihre Themen (auch) anzubringen, dĂŒrfte so manchen Sesselpupser hinter irgendwelchen Schreibtischen ins Schwitzen bringen, denke ich mal - die Medien sind Huren, wenn Sesselpupser auf deren LoyalitĂ€t ihnen gegenĂŒber gehofft haben, dĂŒrfte das eine trĂŒgerische Hoffnung sein, wenn Frau Osthoff die Medien nun doch noch mit Personality, GefĂŒhl und “menschelnâ€? bedient. :-)

  29. ivi meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 11:59

    Ich meinte damit das Frau Osthoff bereits laut Medien schon einmal ins visier der EntfĂŒher genommen worden wahr und man sie gewarnt hatte. Ich kritiesire Ihre Arbeit nicht um gottes willen kann ich garnicht!!!, nur Verstehen das man trotz warnung das mich jemand entfĂŒhren will oder oder oder, immer noch in diesem Land bleibt kann ich nicht verstehen.

    Ich fĂŒr meinen Teil kann nur sagen das ich hoffe das mir und anderen
    Menschen das nicht Passiert den beim nĂ€chstem Mal könnte es sein das ĂŒberhapt kein Mensch mehr etwas tut,man kann jetzt den Menschen die auf die Straße gegangen sind einfach nur dankbar sein das sie es gemacht haben,das es ĂŒberhaupt in der heutigen geselschaft noch so etwas wie Herz gibt.

    Kritik am deutschen Krisenmanagement
    Die ArchĂ€ologin kritisierte, dass der deutsche Krisenstab nicht frĂŒhzeitig einen Mittelsmann bestellt habe. Trotzdem bedankte sie sich ausdrĂŒcklich beim Krisenstab und allen, die zur Beendigung der Geiselnahme beigetragen haben. “Ich bin jedem dankbar, der sich fĂŒr mich engagiert hat und fĂŒr mich seine Zeit geopfert hat. Ich konnte nicht wissen, dass in den Kirchen Kerzen fĂŒr mich angezĂŒndet worden sind. Ich musste schauen, dass ich ĂŒberlebe und körperlich durchhalte. Aber ich bin eine KĂ€mpferin.â€?

    http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5118670_REF1,00.html

  30. Iris meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 13:36

    “nur Verstehen das man trotz warnung das mich jemand entfĂŒhren will oder oder oder, immer noch in diesem Land bleibt kann ich nicht verstehen.â€?

    Ich schon. Erstens hat sie inzwischen viele Freunde da, die auf ihre Hilfe angewiesen sind 
deren Leben u.U. auch von ihrer Hilfe abhĂ€ngt. Könntest Du Deine Freunde einfach so im Stich lassen, wenn man Dir sagt, Du wĂ€rst in Gefahr? Verdammt noch mal, da herrscht Krieg! Alle Menschen sind da in Gefahr. Außerdem sind nun mal die KulturschĂ€tze, die sie den Menschen dieses Landes erhalten will, da. Vielleicht mag diese Arbeit vielen Kulturbanausen hier (die in darin höchstens luxuriösen Vitrinenschmuck sehen, mit deren Besitz sie sich in ihren Kreisen brĂŒsten können) nicht wichtig genug erscheinen. Doch diese KulturschĂ€tze sind Zeugen der arabischen Geschichte. Man beraubt diese Menschen also ihrer Geschichte, wenn man sie ihnen wegnimmt und verschachert. Ich denke, fĂŒr eine wirklich engagierte ArchĂ€ologin, als die Susanne Osthoff von ihren Berufskollegen beschrieben wurde, war das Grund genug, sich der Gefahr zu stellen.

    Im ĂŒbrigen arbeiten auch nach wie vor viele europĂ€ische Reporter und Diplomaten im Irak, obwohl sie da permanent in Lebensgefahr schweben (so wie jeder andere auch in einem Kriegsgebiet). Und ich denke, auch die sind sich der Gefahr bewusst. Sind die in Deinen Augen alle leichtsinnig? Oder wĂŒrdest Du fĂŒr sie auch jetzt noch auf die Straße gehen und fĂŒr ihre Freilassung eintreten, wenn einer von ihnen entfĂŒhrt wĂŒrde?

  31. ivi meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 14:01

    “Doch diese KulturschĂ€tze sind Zeugen der arabischen Geschichteâ€?

    Stimmt das is auch wichtiger als Menschenleben

    Man sollte vielleicht erst mal daran denken den Krieg dort zu beenden anstand an KultuschÀtze zu denken, sorry aber die leute haben nichts von KultuschÀtzen wenn se nicht mehr am Leben sind.

  32. Iris meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 14:40

    “Man sollte vielleicht erst mal daran denken den Krieg dort zu beenden anstand an KultuschĂ€tze zu denkenâ€?

    Das tun die, die das Zeug im Auftrag DEUTSCHER KĂ€ufer da rausschleppen aber auch nicht. Die warten nicht 
denn da ist viel Geld zu holen. Und Geld ist fĂŒr viele eben wichtiger als Menschenleben. Darum ist da ja ĂŒberhaupt Krieg.

    Im ĂŒbrigen sehe ich das auch nicht so, dass Susanne Osthoff ihre Arbeit wichtiger ist als Menschenleben. Immerhin war sie lt. Aussagen einiger ihrer Mitstreiter eine der wenigen, die dringend benötigte Medikamente in die Kampfgebiete gebracht hat. Darum hab’ ich auch in meinem Beitrag von eben zuerst die Menschen angefĂŒhrt, denen sie sich verpflichtet fĂŒhlt und erst an zweiter Stelle ihre Arbeit (die aber nun mal der Grund ist, warum sie ĂŒberhaupt in den Irak ging).

  33. Sven meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 15:18

    Wieso muss man alles gegeneinander in einen “entweder - oderâ€?-Zusammenhang setzen? KulturschĂ€tze, Geschichte usw. sind “wichtigâ€?, denn sie stiften IdentitĂ€ten und sorgen fĂŒr Selbstvertrauen - aber sind langfristige “Werteâ€?. Menschenleben, akut gefĂ€hrdet, sind eine kurzfristige Angelegenheit. Beide sind IMO gleich “wertigâ€?, aber so weit weg von einander, dass man sie nicht als Gegensatzpaar “entweder Kultur oder Menschenlebenâ€? aufstellen darf. Das sind schon keine Birnen und Äpfel mehr, so unterschiedliche Aspekte weisen diese zwei Themenbereiche auf.

    Ich wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass langsam mal Dinge, die eigenstĂ€ndig in ihren Werten und Aspekten sind, auch in ihrer EigenstĂ€ndigkeit belassen wĂŒrden und nicht nach augustinischem “unum verumâ€?-Prinzip gegeneinander gestellt werden, um eines davon verwerfen zu können/mĂŒssen. “Wichtigerâ€?? Das ist ein wertender Vergleich, der voraussetzt, dass man auch vergleichbares nebeneinander stellt. Dinge, die sich strukturell wie Werte-inhaltlich nicht Ă€hnlich sind in einen solchen Vergleich zu zwingen tut letztlich beiden Themen Unrecht.

    Zur Frage des “VerstĂ€ndnissesâ€?: natĂŒrlich kannst du das nicht “verstehenâ€? - ich auch nicht. Aber nicht etwa, weil “esâ€? unverstĂ€ndlich ist, sondern weil wir andere Personen, mit anderen Lebensmittelpunkten und anderen Entwicklungen sind.

    Aber nachvollziehen kann ich es ansatzweise. Wenn ich mir z.B. vorstelle, dass es hier “menschlichâ€? immer ungemĂŒtlicher wird, Freiheiten eingeschrĂ€nkt werden, Tendenzen zum Überwachungsstaat hinfĂŒhren usw., so dass ich mir ĂŒberlege, ob ich hier wirklich bleiben will - und mich dennoch dafĂŒr entscheide, weil ich mich hier verantwortlich fĂŒhle, gegenĂŒber Freunden und Familie (und nun komm mir keiner mit “Frau Osthoffs Familie ist doch in Deutschlandâ€? - das ist sie im “GefĂŒhlssinneâ€? offensichtlich ja nicht, und nur um diese Ebene geht es nunmal in einer solchen Frage), da haue ich nicht einfach ab, nur weil es “ungemĂŒtlichâ€? wird.

    Die “VollkaskomentalitĂ€tâ€?, die mancher Politiker Frau Osthoff zuschrieb, nur weil sie es sich offenhĂ€lt wieder dorthin zu gehen, wo sie ihre Verantwortung fĂŒhlt und ihren Lebensmittelpunk und berufliche Aufgabe sieht (denn dass sie das in absehbarer Zeit tĂ€te hat sie nie gesagt!) sehe ich eher bei denen, denen jedes Risiko als Grund oder Vorwand dient, Engagement zu verweigern oder abzubrechen.

    Und ich bin heilfroh (und die “Weltâ€? kann dies auch sein) dass diese Einstellung nicht bei jedem zu finden ist. Denn sonst gĂ€be es niemanden, der/die sich fĂŒrs Rote Kreuz/Halbmond, fĂŒr THW, fĂŒr UNESCO und fĂŒr all die vielen anderen Hilfsprojekte in Gefahr begĂ€be und Hilfe leistete, und z.B. Minen rĂ€umt, HilfsgĂŒter transportiert, medizinische Hilfe leistet, aber eben auch dafĂŒr sorgt, dass nach Beendigung einer Krise noch etwas da ist, auf das das Land und die Menschen dann kulturell aufbauen können (von wegen “wichtigerâ€?), ob in Sri Lanka (wo seit Jahrzehnten BĂŒrgerkrieg herrscht), im Sudan, in Äthiopien, Kambodscha, Neu Guinea, Afghanistan oder sonstwo. Die ZustĂ€nde in anderen Krisengebieten sind da u.U. keinen Deut anders, vielleicht sogar auch mal schlechter, nur weil nicht so intensiv berichtet wird wie ĂŒber den Irak. Und/Aber auch im Irak gibt es “Alltagâ€?, und der (und eine “Gewöhnungâ€? an ZustĂ€nde und Situationen) ist ausschlaggebend fĂŒr das “Sicherheitsempfindenâ€? von jemandem dort, und nicht etwa das, was in einem fernen Land Schlagzeilen ĂŒber ein anderes Land macht.

    Nach Schlagzeilen zu urteilen (und nach dem Wunsch mancher “Sicherheitspolitikerâ€? sollte das auch “endlichâ€? so sein) mĂŒsste man sich hier vor allem in GroßstĂ€dten ja auch wahnsinnig “bedrohtâ€? fĂŒhlen, speziell z.B. wenn man U-Bahn fahren will oder muss (â€?Wie kann man nurâ€?) - in London wartet an jeder Ecke ein Islamist mit ‘ner Bombe um den Bauch und wer mit dem Auto nach Paris fĂ€hrt muss sich nicht wundern, wenn es WĂ€rmeentsorgt wird? Oder denk’ an die 70-er Jahre in der “BRDâ€?, da musste man Angst haben, von der RAF erschossen oder zerbombt zu werden? Wer in dieser Zeit in Bonn oder Frankfurt wohnen blieb handelte unverantwortlich? Manch einer, der Berichterstattung aus dieser Zeit im Ausland verfolgte könnte durchaus dieser Meinung gewesen sein, denn da herrschen ja bĂŒrgerkriegsĂ€hnliche ZustĂ€nde, Angst und Schrecken


    Nein, niemand kann etwas/ eine Situation “verstehenâ€? ohne einen entsprechenden Erfahrungshintergrund und ohne (jahrelang) gemachte konkrete Erfahrung einer Situation. Man ist angewiesen auf Wahrnehmung aus zweiter oder gar dritter Hand, und Wahrnehmung ist immer subjektiv und von Motivationen durchfĂ€rbt. Ob man will oder nicht.

    Ein wenig Skepsis in das Bild, das wir uns von einem Bild das auf einer einer Beschreibung einer Wahrnehmung nochmals anderer, dritter oder vierter basiert, machen, wie sie uns die Medien liefern, ist da durchaus angebracht. Das, was Frau Osthoff mir als Bild zeichnet ist auch “nurâ€? ihre subjektive Wahrnehmung, diese aber basiert wenigstens auf eine direkte und jahrelange Erfahrung. Ich bin geneigt, dieses Bild als nĂ€her an einer konkreten RealitĂ€t anzuerkennen als das, was mir ein Reporter aus Kairo (was vom Irak genausoweit weg ist wie ich) auf Grund eines Telefonats mit einem auslĂ€ndichen Diplomaten in der grĂŒnen Zone Bagdads zeichnet oder eines von einem Reporter, der zwar vor Ort ist, aber nur fĂŒr einen Kurztrip von ein-zwei Wochen, womöglich noch eskortiert und abgeschirmt vom “echten Lebenâ€? dort und vorher in Brasilien ĂŒber den Samba berichtete und nachher von den MonsunĂŒberschwemmungen in Indien berichtet


  34. Iris meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 15:42

    ‘KulturschĂ€tze, Geschichte usw. sind “wichtigâ€?’

    Das sehe ich auch so. Sie sind imo fĂŒr die Menschheit von unbezahlbarem Wert. Ich hoffe, das kam in meinem Beitrag auch zum Ausdruck.
    Doch ich wollte auch Ivi verstĂ€ndlich machen, dass Susanne Osthoff in meinen Augen Menschenleben nicht gleichgĂŒltig sind, weil sie sich fĂŒr den Schutz dieser KulturschĂ€tze einsetzt (und das in einer Lage, in der sich die Iraker allein nicht gegen diesen skrupellosen Kulturraub wehren können).

  35. Sven meint dazu:,

    9. January, 2006
    @ 16:30

    Ich will nicht versĂ€umen, mich bei Ivi fĂŒr die weiteren ErlĂ€uterungen zu bedanken - ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist, in einer so offensichtlich festen Meinungsstruktur wie hier (wobei ich mir durchaus einbilde, mir diese Meinung mit guten Argumenten erst erarbeitet und dann gefestigt zu haben ;-) ) eine von dieser ein wenig “abzuweichendeâ€? zu vertreten. Ich hoffe, dass die Gegenargumente auch als Argumentation an der Sache ankamen und nicht als “Angriffâ€? auf die Person.

  36. ivi meint dazu:,

    10. January, 2006
    @ 04:28

    nein Sven ich habe diese nicht als Angriff auf meine Person gesehen, ich denke jeder hat eine andere Meinung und wie du schon sagtest eine andere Wahrnehmung.

  37. silke meint dazu:,

    10. January, 2006
    @ 20:29

    Ein wie ich finde sehr schöner Artikel zur Medienberichterstattung ist im Tagespiegel erschienen.
    Jeder ist eine Geisel: http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/11.01.2006/2283285.asp

  38. MeOnly Weblog - Gespinst einer Netzbewohnerin meint dazu:,

    11. January, 2006
    @ 05:36

    GeschichtenerzÀhler

    Gern gelesen habe ich diesen erfrischend ehrlichen Artikel, ĂŒber das Medienspektakel um Susanne Osthoff und seine gesellschaftlichen Ursachen: Jeder ist eine Geisel* , geschrieben von Harald Martenstein fĂŒr den Tagesspiegel. Aufgelesen in einem


  39. silke meint dazu:,

    13. January, 2006
    @ 12:33

    Bisher nur bei der LinksZeitung zu lesen:

    Zuschauer schlĂ€gt Susanne Osthoff fĂŒr Grimme-Preis vor
    http://linkszeitung.de/content/view/6842/55/

    Demnach hat ein Mitarbeiter des Tagesspiegel den Vorschlag fĂŒr die Interviews beim ZDF und Beckmann eingereicht.

    Als BegrĂŒndung seht dort zu lesen:

    “BegrĂŒndet wurde der Vorschlag dem Bericht zufolge damit, dass Osthoff bei den Fernseh-Auftritten den «typischen festgefĂŒgten Projektionen, die sich Medien von Menschen und Geschehen machen, eindrucksvoll entzogen» und den Respekt eingefordert habe, den die Medienschaffenden vor ihren Objekten und ihrer Umwelt «lĂ€ngst verloren hĂ€tten». Zudem habe sie die Erwartungshaltung der öffentlichen Meinung «beispielhaft unterlaufen und damit gezeigt, worin Freiheit wirklich besteht: im Verzicht auf Beifall und Zustimmung anderer». Osthoff habe die Öffentlichkeit polarisiert und zum Nachdenken gebracht «wie kein zweiter TV-Akteur im Nominierungszeitraum».â€?

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