Musiktipp: „The Great Escape“ von Ingo Vogelmann

Ingo Vogelmann (ja, der Produzent meiner Band) hat über die letzten Tage da ja einen Countdown runtergezählt. Ich wusste ja schon was kommt, weil er mich schon hat reinhören lassen – ein bisschen hibbelig musste ich aber warten, bis „The great escape“ auch offiziell zu haben ist durfte ich nicht viel verraten. Jetzt ist es soweit.

Das ist noch nicht das „große“ neue Album „Whereever you are“, an dem Ingo schon seit jetzt bald 2 Jahren arbeitet, wenn ich mich da richtig erinnere, sondern ein „Zwischendurch-Album“ – ich verstehe das als eine Art Präludium für WYA, und als solches funktioniert es auch perfekt.

„The Great Escape“ erinnert mich an die guten alten Zeiten, als Oldfield noch richtige Musik machen konnte. Ingo hat da ein sehr feines Stück elektronische Musik hingezaubert – in guter Tradition der „alten“ Meister, nicht nur wegen der „klassischen“ Tracklängen – „A Vast Island…“, als finales Stück, ist über eine halbe Stunde lang – hatte ich die alten Oldfields erwähnt? – aber das ist schon alles altmodische daran, weil Sounds und Stimmung schön frisch und modern rüberkommen.

Was mir persönlich am meisten gefällt: es ist durch und durch positiv, aufbauend und optimistisch. In einer Zeit, in der sich der Entertainment-Mainstream in Pessimismus, Dysthopien und dem Abfeiern von Endzeitphantasien ergeht und so etwas wie Zuversicht oder Hoffnungen von Berufs-Zynikern als „naiv“ und Menschen, die solche formulieren, bestenfalls als blauäugige Träumer, schnell aber auch als „Gutmenschen“ oder „Sozialromantiker“ diffamiert werden, eine wunderbare und kostbare Ausnahme.

Es ist, als ob endlich frische, saubere Luft in ein Tal hereinweht, in dem wochenlang die Luft einer Smogglocke festhing. Aufatmen, durchatmen, Kraft tanken. Müde Minen hellen auf, man hört wieder Lachen und schaut in freundliche Gesichter.

Wer mich kennt, weiß ja, dass ich auf Soundtracks und ähnliche Sachen stehe. Orchestrale, aber auch elektronische. Ich höre auch bis heute regelmäßig in die guten alten Oldfield-Alben rein, und auch Vangelis und Jarre laufen bei mir bis heute immer wieder mal. Ich mag es, wenn Musik Dramaturgie hat und Bilder im Kopf auslöst. „The Great Escape“ macht genau das, vom ersten Track an.

„What if“ baut Spannung auf, lässt einen ein wenig in Träumereien schweben, um dann bei aller Chilligkeit der Sounds es einem weiter in den Fingern kribbeln zu lassen. Und schon in diesem ersten Track lässt Ingo seine Lust an etwas vertrackteren rhythmischen Metriken raus.

„Planet of the Grapes überrascht dann mit karibischem Flair, aber typisch Ingo mit einigen Glitches, Rhythmus- und Stimmungswechseln. Macht sehr Spaß, das Teil.

„Places in Your Mind“ baut dann sehr gediegene Sound-Scapes auf, träumerisch und meditativ.

„Lost in Thoughts“ beschreibt genau das: wandernde Gedanken, mal hierhin, mal dorthin, im Kreis, Fäden liegenlassend, andere wieder aufnehmend. Und dann…

„A Vast Island in an Unknown Sea“. Haaammeeer! Eine halbe Stunde, die nicht langweilig wird. Alle Überlegungen der vorangegangenen Tracks münden hier jetzt in Taten. Ingo baut hier tolle Spannungsfelder auf, mit sich steigernden Soundlandschaften und mit vertrackten Rhythmen und Rhytmenwechseln, ohne dass Groove verloren geht, im Gegenteil, gerade die Fünfer und Siebener-Zählungen tragen und wiegen und treiben, und man legt sich einfach rein und lässt sich davontragen auf einen bilderreichen Rundflug über Strände, Klippen, Wälder, Wasserfälle, Berge und Seen. Vast Island ist mein absoluter Favourite.

Fazit: wer elektronische Musik mag und mal zur Abwechslung wieder was optimistisches und aufbauendes in seinen Player laden möchte: Hier gehts lang.

 


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