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Traue keiner Umfrage, deren Fragen du nicht selbst…

… so formuliert hast, dass die Antwort so ausfallen muss, wie du es gerne hĂ€ttest. Am Beispiel des Bahnstreiks und angeblicher Stimmungsbilder der angeblichen Bevölkerung:

Gestern abend in den Tagesthemen: die ARD prĂ€sentiert die Ergebnisse einer Umfrage zum Bahnstreik. Danach haben die Deutschen mehr VerstĂ€ndnis fĂŒr die streikenden LokfĂŒhrer als noch im Vormonat. Und sie sehen die Schuld im Tarifkonflikt eher bei der Bahn.

Heute nun die genau entgegengesetzte Schlagzeile: “BundesbĂŒrger haben kein VerstĂ€ndnis fĂŒr neue Streiksâ€? - und wieder wird eine Umfrage zitiert. Haben die Tagesthemen-Kollegen Mist gebaut? Nichts da: hier sind Lobbyisten am Werk. Es kommt eben drauf an, wie man fragt. […]

Weiter im hr-Info-Blog: Bahnstreik: Deutsche dafĂŒr! Deutsche dagegen!

(INSM-nah? Na da muss man sich ja nicht wundern…)

3 Kommentare

Weil ja allenthalben

von “Aufschwung” einerseits und von “Inflation” andererseits geredet wird: der Normalverdiener mag sich fragen wo er denn sei, der “Aufschwung”, und auch, ob da was dran sei an der “Inflation”, die so plötzlich und so offensichtlich ĂŒberraschend unerwartet in den Medien auftaucht.

Ein Blick zum Statistischen Bundesamt mag da vielleicht helfen.

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Politischer Winkeladvokatismus mit der freiwilligen Arbeitslosenversicherung fĂŒr SelbststĂ€ndige

ibusiness schreibt ĂŒber den von der großen Koalition eingebrachten Änderungsantrag zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung fĂŒr SelbststĂ€ndige:

In einer Nacht- und Nebelaktion hat die Fraktion der CDU/CSU und SPD am 30.Mai einen Änderungsantrag fĂŒr das ‘Gesetz zur Fortentwicklung der Grundsicherung fĂŒr Arbeitsuchende’ eingebracht, nach dem langjĂ€hrigen SelbststĂ€ndigen die gerade erst eingefĂŒhrte Option zu einer freiwilligen Arbeitslosenversicherung von heute auf morgen gestrichen wird. “Eine fiese Mascheâ€? nennt sogar eine Regierungssprecherin dieses Vorgehen.

Und tatsĂ€chlich scheinen “unsere Volksvertreterâ€? zu glauben, sie mĂŒssten so manchem Gebaren gewisser Wirtschaftszweige mit Kleingedrucktem und verklausuliertem Hintenrum Konkurrenz machen: Da wird schnellstens ein “Änderungseintragâ€? eingebracht, der so kurzfristig wirksam werden soll, dass keinerlei Reaktionszeit möglich ist.

Laut diesem soll die Versicherungsoption nur noch SelbststÀndigen offen stehen, die sich nach dem 1.1.2004 selbststÀndig gemacht haben, alle anderen (auch ich, der ich mir das noch ausrechnen wollte, wie ich das vielleicht hinbekomme, immerhin hÀtte ich dazu noch ein Weilchen Frist gehabt) schauen in die Röhre - von gestern auf heute.

Der Witz dann noch dazu: eine Frist, in der ich mich doch noch schnell hĂ€tte anmelden können, lĂ€uft am Tag “vor der dritten Lesung dieses Gesetzesâ€? aus. Diese dritte Lesung findet heute statt, also am Tag der Änderung - was bedeutet: geht die Änderung durch, wĂŒrde es nicht mal was nĂŒtzen, heute noch schnell einen Antrag zu stellen. Da mĂŒsste ich schnell mal in die Zeitmaschine hĂŒpfen und gestern noch kurz auf’s Amt rennen. FĂŒr die anderen gilt die Deadline großzĂŒgigerweise bis zum Ende diesen Jahres.

Ja geht’s noch? Sind wir jetzt hier in der Politik glĂŒcklich auf Dialer- und Sternchentextniveau angekommen?

OK, damit zeigt diese Regierung mit ihrer Politik (wieder) ihr nicht vorhandenes Interesse an ihren theoretischen Auftraggebern (die BĂŒrger), von wegen “Förderung von Eigeninitiativeâ€? und sowas, wieder geht es gegen den Mittelstand, der noch aus Unternehmern besteht und nicht nur aus angestellten, austauschbaren und manchmal nicht mal branchenspezifischen oder -interessierten GeschĂ€ftsfĂŒhrern oder Vorstandsmanagern (oder noch schlimmer: Bankern), die meist vom echten “GeschĂ€ftâ€? eines Betriebes so weit entfernt stehen, dass ein Überleben manchen Betriebes manchmal nur ein Zufall sein kann.

So, wie es wohl Zufall sein muss, wenn diese Politik mal aus Versehen etwas fĂŒr den BĂŒrger beschließt und nicht gegen ihn. Aber, wie man sieht, solche ZufĂ€lligkeiten können zumindest in der Politik sehr schnell korrigiert werden. Soll nochmal wer sagen unsere “Volksvertreterâ€? seien zu langsam und wĂŒrden “Fehlerâ€? nicht schnell und unbĂŒrokratisch revidieren können - und zwar so, dass dem BĂŒrger keinerlei Handhabe bleibt, wenigstens “auf die Schnelleâ€? noch irgendwie reagieren zu können. So dass ibusinees denn auch das Fazit zieht:

[
] Was im Klartext heißt: Seit gestern ist fĂŒr langjĂ€hrige SelbststĂ€ndige der Zug fĂŒr die freiwillige Weiterversicherung höchstwahrscheinlich abgefahren. [
]

Nachtrag: Achso, und bei dieser ganzen manipulativen Winkelzieherei machen die Medien natĂŒrlich wieder mal willig mit. Ich will einfach nicht glauben, dass das keiner merkt, so durchsichtig ist das, was z.B. Spon da macht. Oder greift da wirklich eine umfassende Grundverblödung um sich???

Nachtrag: akademie.de rÀt dazu, auf die Verfassungswidrigkeit dieses Vorgehens zu bauen und auf jeden Fall doch noch einen Antrag zu stellen.

15 Kommentare »

  1. serotonic meint dazu:,

    1. June, 2006
    @ 15:52

    Wie bitte? Unfassbar! Ich persönlich habe da noch GlĂŒck und bin im Raster, aber was ist das denn bitte fĂŒr eine Handhabe? Nicht, dass es mich wundern wĂŒrde 
 aber ein bisschen rasend macht mich das jetzt schon.

  2. Sven meint dazu:,

    1. June, 2006
    @ 16:55

    Ja, allein schon dass man sich darĂŒber inzwischen schon nicht mehr wundern muss ist auch etwas, was einen rasend machen kann


  3. logog meint dazu:,

    1. June, 2006
    @ 17:49

    Naja, dafĂŒr kannst du demnĂ€chst mit nur 10.000 Euro eine GmbH anmelden. Was bei den jetzt schon im Europavergleich deutlich unterkapitalisierten deutschen Gesellschaften natĂŒrlich absolut voll im Trend liegt. Aber nach Ich AG und der Anmeldung einer Ltd. in GB natĂŒrlich wieder eine 1a-Möglichkeit fĂŒr Jungunternehmer sich haltende Selbstmordkandidaten Roulette zu spielen.

  4. schluesselkind meint dazu:,

    1. June, 2006
    @ 17:59

    Na, die 10.000 Euro GmbH kommt aber frĂŒhestens Anfang 2008. Sooo schnell geht das nicht. Was die Sache mit der Arbeitslosenversicherung fĂŒr SelbstĂ€ndige betrifft - was will man von Politikern erwarten, die allen Ernstes Null-Euro-Jobs propagieren. Ist ja erzieherisch sicher sehr wertvoll, dass die Hartz-IV-Bezieher jeden Tag arbeiten sollen, aber merken die nicht, dass sie damit wieder andere “regulĂ€reâ€? Jobs vernichten? Sind wirtschaftliche ZusammenhĂ€nge wirklich so kompliziert?

  5. Karan meint dazu:,

    1. June, 2006
    @ 19:21

    Achdugroßermist.

    So langsam werde ich nicht nur sauer, sondern stinkewĂŒtend. Und allmĂ€hlich habe ich das GefĂŒhl, daß ich mit dieser Wut was anderes machen will als sie nur hier in die Tasten zu hĂ€mmern.

    Hat irgendwer ‘ne konstruktive Idee, sonst grabe ich jetzt mal ein paar Pflastersteine aus


  6. Sven meint dazu:,

    1. June, 2006
    @ 19:42

    Ideen gibts -> hier
 :-D

  7. MMarheinecke meint dazu:,

    1. June, 2006
    @ 22:59

    Konstruktive Ideen habe ich leider keine, aber das paßt perfekt zur zur “Stallpflicht fĂŒr Langzeitarbeitsloseâ€? (Wer Gemeinde oder Landkreis verlĂ€ĂŸt, ohne das dies von Arbeitsvermittler genehmigt ist, kann alle AnsprĂŒche verlieren) und zur Obdachlosigkeit als Strafe fĂŒr dreimaliges “DrĂŒckenâ€? innerhalb eines Jahres (Wer dreimal Spargelstechen oder Hundekoteinsammeln verweigert, kriegt kĂŒnftig keinen Cent Arbeitslosengeld II mehr - auch nicht fĂŒr Miete und Heizung.)
    Es ist m. E. fraglich, ob die “Harz IVâ€? Gesetzgebung ĂŒberhaupt verfassungsgemĂ€ĂŸ ist.

    Wer Gemeinde oder Landkreis verlĂ€ĂŸt, ohne sich bei seinem »Arbeitsvermittler« abzumelden, verliert all seine AnsprĂŒche. Die Daumenschrauben werden stufenweise angezogen: Bei der zweiten »Pflichtverletzung« werden die BezĂŒge auf ein Drittel gekĂŒrzt, bei der dritten komplett gestrichen. Diese Bestimmungen stammen weder aus einer Dienstvorschrift des großdeutschen Reichsarbeitsdienstes noch aus George Orwells »1984«. Sie werden heute vom Deutschen Bundestag beschlossen und stehen im Entwurf zum »Gesetz zur Fortentwicklung der Grundsicherung fĂŒr Arbeitsuchende«.

  8. MMarheinecke meint dazu:,

    1. June, 2006
    @ 23:01

    (Der letzte Absatz ist ein Zitat aus der “Jungen Weltâ€? online, die ich sonst eher ablehenend zitiere.)

  9. marcc meint dazu:,

    1. June, 2006
    @ 23:28

    Ich bin inzwischen der Meinung, dass sie die Arbeitslosenversicherung fĂŒr Arbeitnehmer nicht rechnet.

    Um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben muss man 12 Monate einzahlen. Nach zwei Jahren hat man Anspruch auf die maximale UnterstĂŒtzungsdauer von 12 Monaten ALG I. Dann ist ALG II gleich fĂŒr alle.

    D.h. man könnte den Arbeitgeberbeitrag ausbezahlen und der Arbeitnehmer legt das Geld an. Wenn man das 40 Monate schafft, hat man (Single an der Bemessungsgrenze von 5250 Euro brutto) die Summe (27600 Euro) zusammen (60% vom Durchschnittsnetto der letzten 12 Monate) die man verteilt auf 12 Monate bekommt. (Ich bin jetzt nicht der SteuerkĂŒnstler, ich habe nur ich eine Internetberechnung genommen Steuerklasse 1, keine Kinder und keine AbzĂŒge angenommen.)

    Dennoch ist bei Nacht und Nebel ein Gesetz durchpeitschen nicht vertrauenserweckend.

  10. Schluesselkind meint dazu:,

    2. June, 2006
    @ 14:34

    Besonders bitter ist, dass dieses und viele andere Gesetze von Leuten gemacht werden, die nie im Leben auch nur im entfernstesten damit zu tun haben werden, weil sie sich jahrzehntelang in einem hermetisch abgeschlossenen ElfenbeintĂŒrmchen hochgesessen und und dabei eine kuschelweiche Absicherung fĂŒr alle Lebensrisiken erdient haben. Neulich gab es in “Hart aber fairâ€? (heisst diese Sendung so? - habe nur zufĂ€llig reingezappt) eine grandiose Diskussion zum Thema, warum Abgeordnete fĂŒr ihre Auslagen eine Pauschale bekommen und andere arbeitende Kreise der Bevölkerung, z.B. SelbstĂ€ndige, jeden Cent schriftlich nachweisen mĂŒssen. Die felsenfeste Überzeugung, was einem fĂŒr diese unglaublich verantwortungsvolle und aufreibende TĂ€tigkeit eines Abgeordneten zusteht, steht fern jeglicher RealitĂ€t. Wir leben auf unterschiedlichen Planeten.

  11. Sven meint dazu:,

    2. June, 2006
    @ 17:18

    Ja, Martin schrob -> das auch schon

  12. loellie meint dazu:,

    2. June, 2006
    @ 22:50

    »Gesetz zur Fortentwicklung der Grundsicherung fĂŒr Arbeitsuchende«

    groeoeoeoehl >>Fortentwicklung

  13. Sven meint dazu:,

    3. June, 2006
    @ 00:15

    Ja, die Grundsicherung wird fortentwickelt, bis sie irgendwann auch wirklich ganz fort ist
.

  14. loellie meint dazu:,

    3. June, 2006
    @ 09:50

    Komisch, ga hat es den groessten Teil meines Kommentars verschluckt 
 was solls, verstanden hat mans ja auch so.

    Was anderes, dank der geografischen Lage meines Wohnorts sind wir als dem Popcorn Kino und TV zugeneigten Konsumenten, ueppig mit Kanaelen ausgestattet, welche Filme und Serien im Zweikanalton ausstrahlen. Zusaetzlich haben wir uns der BBC wegen einen digital Receiver zugelegt. Da die entsprechenden Programme aber so wie ich es gern haette in keiner Zeitschrift gelistet sind, durchforste ich das Onlineprogramm verschiedener Sender im Netz.
    Falls es dich und deine Leser interessiert, kann ich gelegentlich auf Sendungen hinweisen.

    So wiederholt ab Montagnacht BBC2 eine dreiteilige Doku ueber den ‘Putsch’ der Tory’s, was zur aktuellen Diskussion die wir gerade andernorts fuehrten und hier zum Thema passt.

    Tory Tory Tory, eine dreiteilige Doku beschreibt den Werdegang des Thatcherism.
    11:20 pm - 12:20 am 60mins (Achtung Zeitverschiebung, also 00:20 - 01:20)

    Weiteres hier:
    http://news.bbc.co.uk/1/hi/uk_politics/4766446.stm

    Allein der Link ist schon Lesenswert

    Wer kein BBC empfaengt kann sein Gluck in verschlungen Niederungen versuchen. BBC-Programme als Public Domain zu bezeichnen mag formal juristisch nicht korrekt sein, aber da die BBC an einem Netzarchiv arbeitet 


  15. Sven meint dazu:,

    3. June, 2006
    @ 14:31

    Du musst aufpassen mit den < , das wird von WP schnell als HTML-Tag-Beginn interpretiert und dann verliert es alles was danach kommt
 wenn du unbedingt ein < brauchst schreibst du besser & l t ; (ohne Leerzeichen natĂŒrlich)

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Wenn politische Entscheidungen nicht mehr auf Fakten basieren

kommen Populisten wie die Schönbohms, SchĂ€ubles, Schillys, Kochs und wie sie alle heißen (Stoibers und Becksteins nicht zu vergessen) ihrem offensichtlichen Ziel, aus einem sozialen Rechtsstaat einen - gar schon willkĂŒrlich anmutenden - bĂŒrokratischen Obrigkeitsstaat, die dessen Einwohner in völliger Ohnmacht als Spielball der “MĂ€chtigenâ€? zurĂŒcklĂ€sst, zu machen gefĂ€hrlich nahe.

Denn gerade das stĂ€ndige “Sicherheitsâ€?-Gequatsche, das dem Otto Normal da draußen suggeriert, die Zeiten wĂŒrden immer gefĂ€hrlicher und unsicherer, Verbrechen all ĂŒberall, gegen das nur ein “hartes Vorgehenâ€? hĂŒlfe, basiert, wie das Wissenschaftsmagazin “nanoâ€? berichtete, auf einer vor allem durch die Boulevardisierung in den Medien zurĂŒckfĂŒhrbaren Verzerrung der RealitĂ€t und damit der Wahrnehmung eben jener seitens des BĂŒrgers.

[
]Obwohl man in den Nachrichten permanent ĂŒber Kriminaldelikte hört und liest, sinkt die Zahl der Straftaten in Deutschland tatsĂ€chlich von Jahr zu Jahr. Das hat Christian Pfeiffer, ehemaliger Justizminister von Niedersachsen und heutiger Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts des Bundeslandes anhand von Statistiken festgestellt: “Die gefĂŒhlte KriminalitĂ€tstemperatur entspricht absolut nicht der RealitĂ€t.â€? Im Vergleich zu vor zehn Jahren ging die Zahl der Morde um 40,8 Prozent zurĂŒck.

BankĂŒberfĂ€lle nahmen um 44,4 Prozent ab und die Zahl der WohnungseinbrĂŒche sank um 45,7 Prozent. [
]

nano: Immer weniger Verbrechen, doch die Angst wird grĂ¶ĂŸer

Nun ist das ja vom Effekt her nicht wirklich neu (und langsam weiß ich wieder, warum ich mein Blog mal so nannte wie es jetzt heißt), aber die These dass schwerpunktmĂ€ĂŸig “das Fernsehen Schuldâ€? sei ging mir da heute nicht mehr aus dem Kopf, denn mein Grundreflex ist eigentlich der, zu sagen (Ă€quivalent zu den dĂŒmmlichen Diskussionen um “Killerspieleâ€? und all den Quatsch) dass ich das eigentlich nicht so recht glauben kann. Und in der vereinfachten These einer “direktenâ€? KausalitĂ€t auch nicht tue, denn letztlich gewinnt man Kompetenz, hier Medienkompetenz, nicht durch Vermeidung (oder gar Verboten, wie die populistischen Politiker allenthalben aktionistisch aus solchen Studien schließen, um sich letztendlich aber nur um ihre eigenen Verantwortungen zu drĂŒcken) sondern durch reflektierte BeschĂ€ftigung mit entsprechenden Dingen.

Erschreckend und neu war fĂŒr mich allerdings die Information ĂŒber manche Konsequenz dieser Tendenzen, z.B. dass trotz RĂŒckgang der KriminalitĂ€t die GefĂ€ngnisse voller sind als je, weil das Strafrecht völlig gegen den Trend immer mehr verschĂ€rft wurde, immer mit dem Argument, “abschreckenâ€? zu mĂŒssen, zu Gunsten einer Sicherheit, die in Wahrheit schon lĂ€ngst grĂ¶ĂŸer war und ist als wie sie uns da verkauft wird. Warum? Vielleicht hat nano mit dieser These ja recht:

[
]Wie Justiz-Professor Bernhard Haffke von der Uni Passau herausgefunden hat, hat es seit 1998 im deutschen Strafrecht nur noch GesetzesverschĂ€rfungen gegeben. Bei fast allen grĂ¶ĂŸeren StraftatbestĂ€nden hob der Gesetzgeber die Strafandrohungen ganz wesentlich an. Dabei war die Zahl der Straftaten schon vorher kontinuierlich massiv zurĂŒckgegangen. Ein Grund fĂŒr diese VerschĂ€rfung könnte in der Legitimation des Staates liegen.

In Zeiten, in denen der Staat den BĂŒrgern offensichtlich keine ausreichende Sozial-, Renten- und Gesundheitsversorgung mehr anbieten kann und auch bei der Schaffung von ArbeitsplĂ€tzen versagt, muss er sich eben anders legitimieren. Um die hohen Ausgaben fĂŒr die eigene Unterhaltung zu rechtfertigen, propagiert die Politik den Sicherheitsstaat und die EinschrĂ€nkung von Freiheitsrechten, obwohl sie eigentlich die Demokratie schĂŒtzen soll. [
]

nano: Weniger Verbrechen - mehr Menschen sitzen im GefÀngnis

Dann fiel mir aber ein, dass es einen eklatanten Unterschied gibt zwischen dem, was man heute (nicht nur, aber dort noch immer sehr viel stĂ€rker) von den Privaten auf den Bildschirm geschmiert bekommt und dem, was ich von “Fernsehkonsumfreudigeneren Zeitenâ€? her kenne, bevor ich in den letzten Jahren selbst mein Medienverhalten Ă€nderte (nĂ€mlich, immer weniger und dafĂŒr immer gezielter und punktueller fern zu sehen - eben wegen jener VerĂ€nderungen). Heißt, anstatt (wie auch Pfeiffer allzuoft) stĂ€ndig nur QuantitĂ€ten gegeneinander zu stellen und lustige Kausalketten drauf aufzubauen, wĂ€re es wohl mal interessant, sich die qualitativen VerĂ€nderung des Wahrzunehmenden anzuschauen und mit dem abzugleichen, was die Leute aus ihren Wahrnehmungen auf die sie umgebende “RealitĂ€tâ€? zurĂŒckschließen.

In den letzten paar Jahren kamen gerade in den Privaten inflationĂ€r Formate auf, die bewusst die bisher halbwegs klaren Grenzen zwischen fiktionalen Inhalten (wie Krimis, Actionfilme o.Ă€.) und RealitĂ€t “vermittelndenâ€? (wie Reportagen und Dokumentationen) aufweichen - da werden jeden Tag auf mehreren Sendern von “echtenâ€? Richtern und “echtenâ€? StaatsanwĂ€lten o.Ă€. “FĂ€lleâ€? behandelt, einerseits so banal und damit “alltĂ€glichâ€? wie möglich, andererseits so schlecht “gestelltâ€?, dass es einen an die nachgespielten FĂ€lle von “XY-Ungelöstâ€? erinnert - und die waren ja auch “echtâ€?, das machte ja damals schon den Grusel aus.

Wenn das Argument korrekt ist, dass “Killerspieleâ€? und “Gewaltfilmeâ€? einen “normalâ€? sozialisierten Menschen nicht zum schießwĂŒtigen Gewaltmonster mutieren lassen, eben, weil (und diese Erfahrung kann ich voll und ganz bestĂ€tigen) schon Kinder sehr gut zwischen ihren fiktionalen Spielwelten, und eben auch denen im “gespieltenâ€? Film oder Computerspiel, und der “Welt in echtâ€? unterscheiden können, dann ist es wohl genau diese Tendenz, seitens der Massenmedien diesen Unterschied immer mehr verschwimmen zu lassen, die tatsĂ€chlich die fiktionale “kriminelleâ€? Welt in die völlig ungefĂ€hrliche RealitĂ€t als Wahrnehmung ohne reales GegenstĂŒck herĂŒberschwappen lĂ€sst.

Das Ergebnis sind völlig ĂŒberĂ€ngstliche Eltern und Großeltern, die ihre Kinder am liebsten nur noch mit Bodyguard “nach draußenâ€? lassen wĂŒrden und nicht mehr schlafen können, wenn der Sprössling beginnt, abends auf Parties zu gehen oder gar mal ĂŒber Nacht wegbleiben zu wollen, Menschen, die sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus trauen und Kinder, die durch das Beispiel ihrer Eltern und Großeltern tatsĂ€chlich schon richtige Phobien entwickeln und die Umwelt als potentiell bedrohlich beigebracht bekommen, und damit langsam eine wachsende AtmosphĂ€re gegenseitigen Misstrauens, das ich persönlich jetzt schon als unertrĂ€glich empfinde.

Und dann kommen die Herren Politiker auch noch und nutzen auf unverantwortlichste Art und Weise diese völlig unbegrĂŒndeten Ängste fĂŒr ihre Zwecke. Klar, wer Angst hat muckt nicht auf. Es gibt Dinge inzwischen, da muss man sich schon sehr anstrengen, fiktionale Vorstellungen streng von realistischen Handlungen getrennt zu halten.

Ob es da wirklich hilfreich ist, diese TrennungsschĂ€rfe auch noch bewusst und mit “Gewaltâ€? aufzuweichen? Nicht, dass eben jene Herren eines Tages aufwachen und um sie herum haben sich gerade die Fiktionen, die so “in echtâ€? freilich keiner wirklich wollen kann, Bahn in die RealitĂ€t gebrochen, die sie tatsĂ€chlich verhindern wollten
 man wird ja nochmal trĂ€umen dĂŒrfen
 noch, jedenfalls.

Mal sehn wie lange noch
.

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