Wir basteln uns einen Aufstand
Betreffend die “frommen” WĂĽnsche, abgefackelte Autos als Zeichen fĂĽr eine drohende Jugendrandale nach englischem Vorbild deuten zu wollen: Ja klar, die Medien werden schon irgendwas herbeigeredet, provoziert und eskaliert bekommen. Da gehen Politik und Medien mal wieder Hand in Hand und machen sich die Welt, wie sie sie grade brauchen. Die einen fĂĽr ihren Wahlkampf, die anderen fĂĽr ihre Auflage. WinWin
Bei facebook-Parties hat’s ja auch geklappt: die Parties wurden ja auch erst interessant zum wirklich hingehen und gucken, als die Boulevardmedien tagelang drauf aufmerksam machten und eine selffulfilling prohecy provoziert haben - dem normalen facebookuser war bis dahin diese Party völlig schnurz. Aber wenn BILD und SPON zusammen dem Mob sagen, dass er da hin muss kommt er auch brav und randaliert ein bisschen. Und BILD und SPON haben die nächste Schlagzeile frei Haus.
Das ist in Wirklichkeit natĂĽrlich nicht so, dass gaanz “plötzlich” brennende Autos die soziale Schieflage in DE zeigen. IMO brennen mehr Autos (so es wirklich mehr als “sonst” sind), weil das von den Medien in Schlagzeilen umgesetzt wird.
Wenn die Medien jetzt jeden Tag “Autowrack-Zählung” veranstalten, damit auch jeder merkt “Hey, das bringt ja was, auch ‘mein’ Auto wird gezählt und macht eine Schlagzeile!” werden es jeden Tag mehr. Man macht sich da gerade (mal wieder) die Schlagzeilen selber. Und die Schlagzeilen werden jeden Tag größer. Und die Zahl der “Anschläge” jeden Tag mehr. Und die Schlagzeilen jeden Tag größer. Und die Zahl der “Anschläge” jeden Tag mehr. Und die Schlagzeilen… (tbc)
Die soziale Schieflage gibts schon länger, mit ĂĽblen Auswirkungen auf die Gesellschaft, freilich - hat sich aber in DE in den letzten Wochen nicht von jetzt auf nachher signifikant so verschlimmert, dass jetzt hier in DE plötzlich mit mehr “Aufstand” zu rechnen wäre als noch vor einem Monat. Oder gar einem Jahr. Und im Vergleich zu anderen EU-Ländern sind die Verhältnisse noch ganz anders. Was nicht heiĂźt, dass sie gut wären. Sondern nur, dass man an unseren Nachbarn sehen kann, wie schlecht sie sein mĂĽssen (und wie schlecht sie werden können und auch hier werden, wenn man nicht rechtzeitig gegensteuert, davon bin ich ĂĽberzeugt), um eine signifikante Reaktion, von Protest mit definierten und formulierten Zielen und Forderungen bis zu unreflektierter Gewalt als Ausdruck blinder Wut, Frust und Ohnmacht.
Die brennenden Autos sind ein Popanz. Und vor lauter “die zĂĽnden Autos an!” wird gerade das, was AusbrĂĽche wie in London oder Paris verhindern könnte: das ĂĽberföllige Angehen der Ursachen wachsender sozialer Spannungen, genau nicht weiter betrachtet. Weils ja grad so schön brennt, da lassen sich viel schönere Bilderstrecken zum Klicks generieren mit basteln.
Und freilich auch die besseren politischen Aktionen als Reaktion drauf umsetzen: kleine Gesetzesverschärfung, ein paar Polizisten einstellen, fertig, es wurde was getan. Gegen die Autozündler.
Gegen das Problem der sozialen Spannungen, die durch immer extremere soziale Unterschiede erzeugt wird, lässt sich nämlich nicht “mal eben schnell” was tun, selbst wenn jemand das wollte - es ist ja allerdings das Gegenteil der Fall, derzeit wird nach wie vor die Umverteilung von unten nach oben immer weiter getrieben und verstärkt.
Weshalb auch kein Politiker, der schnell Schlagzeilen braucht (es ist Wahlkampf) sich damit die Finger verbrennen will. Und deshalb auch schön die Finger davon lässt. Er muss ja auch nix machen - die Medien liefern ja eine prima oberflächliche Alternative zum Thema….







