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Wir basteln uns einen Aufstand

Betreffend die “frommen” WĂĽnsche, abgefackelte Autos als Zeichen fĂĽr eine drohende Jugendrandale nach englischem Vorbild deuten zu wollen: Ja klar, die Medien werden schon irgendwas herbeigeredet, provoziert und eskaliert bekommen. Da gehen Politik und Medien mal wieder Hand in Hand und machen sich die Welt, wie sie sie grade brauchen. Die einen fĂĽr ihren Wahlkampf, die anderen fĂĽr ihre Auflage. WinWin

Bei facebook-Parties hat’s ja auch geklappt: die Parties wurden ja auch erst interessant zum wirklich hingehen und gucken, als die Boulevardmedien tagelang drauf aufmerksam machten und eine selffulfilling prohecy provoziert haben - dem normalen facebookuser war bis dahin diese Party völlig schnurz. Aber wenn BILD und SPON zusammen dem Mob sagen, dass er da hin muss kommt er auch brav und randaliert ein bisschen. Und BILD und SPON haben die nächste Schlagzeile frei Haus.

Das ist in Wirklichkeit natĂĽrlich nicht so, dass gaanz “plötzlich” brennende Autos die soziale Schieflage in DE zeigen. IMO brennen mehr Autos (so es wirklich mehr als “sonst” sind), weil das von den Medien in Schlagzeilen umgesetzt wird.

Wenn die Medien jetzt jeden Tag “Autowrack-Zählung” veranstalten, damit auch jeder merkt “Hey, das bringt ja was, auch ‘mein’ Auto wird gezählt und macht eine Schlagzeile!” werden es jeden Tag mehr. Man macht sich da gerade (mal wieder) die Schlagzeilen selber. Und die Schlagzeilen werden jeden Tag größer. Und die Zahl der “Anschläge” jeden Tag mehr. Und die Schlagzeilen jeden Tag größer. Und die Zahl der “Anschläge” jeden Tag mehr. Und die Schlagzeilen… (tbc)

Die soziale Schieflage gibts schon länger, mit ĂĽblen Auswirkungen auf die Gesellschaft, freilich - hat sich aber in DE in den letzten Wochen nicht von jetzt auf nachher signifikant so verschlimmert, dass jetzt hier in DE plötzlich mit mehr “Aufstand” zu rechnen wäre als noch vor einem Monat. Oder gar einem Jahr. Und im Vergleich zu anderen EU-Ländern sind die Verhältnisse noch ganz anders. Was nicht heiĂźt, dass sie gut wären. Sondern nur, dass man an unseren Nachbarn sehen kann, wie schlecht sie sein mĂĽssen (und wie schlecht sie werden können und auch hier werden, wenn man nicht rechtzeitig gegensteuert, davon bin ich ĂĽberzeugt), um eine signifikante Reaktion, von Protest mit definierten und formulierten Zielen und Forderungen bis zu unreflektierter Gewalt als Ausdruck blinder Wut, Frust und Ohnmacht.

Die brennenden Autos sind ein Popanz. Und vor lauter “die zĂĽnden Autos an!” wird gerade das, was AusbrĂĽche wie in London oder Paris verhindern könnte: das ĂĽberföllige Angehen der Ursachen wachsender sozialer Spannungen, genau nicht weiter betrachtet. Weils ja grad so schön brennt, da lassen sich viel schönere Bilderstrecken zum Klicks generieren mit basteln.

Und freilich auch die besseren politischen Aktionen als Reaktion drauf umsetzen: kleine Gesetzesverschärfung, ein paar Polizisten einstellen, fertig, es wurde was getan. Gegen die Autozündler.

Gegen das Problem der sozialen Spannungen, die durch immer extremere soziale Unterschiede erzeugt wird, lässt sich nämlich nicht “mal eben schnell” was tun, selbst wenn jemand das wollte - es ist ja allerdings das Gegenteil der Fall, derzeit wird nach wie vor die Umverteilung von unten nach oben immer weiter getrieben und verstärkt.

Weshalb auch kein Politiker, der schnell Schlagzeilen braucht (es ist Wahlkampf) sich damit die Finger verbrennen will. Und deshalb auch schön die Finger davon lässt. Er muss ja auch nix machen - die Medien liefern ja eine prima oberflächliche Alternative zum Thema….

Win Win
 

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Schmarotzerländer

Heute frĂĽh im Radio gehört: Hessen, Bayern und Baden-WĂĽrttemberg finden Solidarität ScheiĂźe und sehen im Länderfinanzausgleich “Sozialmissbrauch” seitens der “Nehmerländer”. Spontan die Formulierung “Schmarotzerländer” im Kopf gehabt.

Und die Ăśberlegung, dass ein Aussteigen aus dem Länderfinanzausgleich doch nur zu mehr WirtschaftsflĂĽchtlingen aus den ärmeren Bundesländern fĂĽhren wird. Da ist das Boot in den reichen Ländern dann ganz schnell voll, sie werden sich dann schĂĽtzen mĂĽssen vor der Brandenburger-Schwemme, vor plattdeutschen Schleswigern und ĂĽber spitze Steine stolpernden Bremern, die sich abgerissen und verlumpt von Schleppern ĂĽber die grĂĽne Grenze ThĂĽringens nach Bayern schieben lassen oder bei Ludwigshafen in ĂĽberfĂĽllten, lecken Kähnen sich ĂĽber den Rhein zu retten versuchen (wie viele bezahlen diesen Versuch mit dem Leben, weil die kaputten Schaluppen mitten im Fluss kentern oder von gewissenlosen holländischen Schubverbänden gerammt und versenkt werden) und behaupten, sie wĂĽrden verfolgt, dabei wollen sie nur an “unser Geld”, Mappus hängt in Stuttgart Plakate “Schwaben den Schwaben” auf, und in Hessen gewinnt die CDU mit Unterschriften “gegen Niederdeutsche” die nächsten Wahlen. Allenthalben hört man “Die schwätzet net wie mir, un indegriere wellet die sich a nedde” und ähnliche Ressentiments, “Und wie die sich schon anziehen!” schimpft der Allgäuer Almdudler-Sepp beim Anblick von Piet Heinersen, FlĂĽchtling aus einem kleinen ehemaligen Fischerdorf nahe dem berĂĽchtigten Piratennest Husum.

Die nächste soziale Katastrophe blĂĽht dann den Transferländern Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und ThĂĽringen, da in diese “sicheren Drittländer” die aufgegriffenen WirtschaftsflĂĽchtlinge wieder abgeschoben werden und dort in FlĂĽchtlingslagern zusammengepfercht werden, aber die durch den nicht mehr zu zahlenden Länderfinanzausgleich freien Gelder werden dann in diese Länder gepumpt, da diese drohen, die FlĂĽchtlinge sonst nicht zurĂĽckzunehmen, ….

SchweiĂźgebadet wachte ich auf - ich muss wohl nach den Nachrichten nochmal eingedöst sein….


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Der Herr Grupp war da gestern richtig wĂĽtend


Die gesamte Sendung in der ARD-Mediathek, denn der Mann wütete noch einiges hörenswerte mehr.

Ich wundere mich grade, dass er meinen Radar bisher völlig unterflogen hat. Trigema und deren tatsächliches “made in germany”-Prinzip war mir zwar bekannt, aber die Person Grupp hatte ich bisher nicht besonders auf dem Schirm.

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Auch eine Möglichkeit…

…unbequeme BSG-Richter loszuwerden: man stellt sie auf’s Abstellgleis.

[…] Dem vierten Senat blieben laut Meyer nur einige wenige Fragen im Zusammenhang mit dem Wiedervereinigungsrecht. Nach Auffassung des Senatsvorsitzenden hat die Streichung der Zuständigkeit politische GrĂĽnde. Sein Senat habe wiederholt Gesetze wegen Zweifel an deren Verfassungsmäßigkeit dem Bundesverfassungsgericht zur PrĂĽfung vorgelegt. Karlsruhe habe die Zweifel bei einem GroĂźteil der Gesetze geteilt und diese gekippt. […]

(via)

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Ein reiches Land

SPON: Hartz IV, ein Drama in vier Akten

Jahrelang hat die Familie auf ihr Studium gespart - jetzt ist der Vater arbeitslos und beantragt Hartz IV. Während MitschĂĽler Autos geschenkt bekommen, schlägt Christina Schmitt, 19, sich mit den Formularen ihrer Eltern herum und verzweifelt an der Behördenwelt. Protokoll eines Dramas. […]

MenschenwĂĽrde? BĂĽrgerrechte? Grundrechte? FĂĽr manche sind ja offensichtlich schon rudimentärste Mitbestimmungsrechte fĂĽr diese Leute unverständlich, und da geht’s “nur” um ein Kreuzchen alle paar Jahre.

Es sind ja schon lange keine AuĂźenseiter und Gesellschaftsränder mehr, die durch den Rost fallen. Es kann quasi jedem* passieren. Die Gefahr, BĂĽrger letzter Klasse zu werden, bar aller Rechte inklusive seiner MenschenwĂĽrde, beschränkt sich lange schon nicht mehr auf kleine Gruppen mit Kombinationen verschiedener Risikofaktoren - zur Risikogruppe gehört jeder, der nicht ĂĽber soviel Kapital verfĂĽgt, dass er von den Zinsen leben könnte oder sich in Kreisen bewegt, die ihr eigenes “soziales Auffangnetz” haben in Form von Pöstchenruhesitzen, Millionenabfindungen u.ä.. Also mindestens 80% der hiesigen Bevölkerung.

Ob das den restlichen 10-20% eigentlich bewusst ist? Dass sie die Minderheit sind? Achja, Bundeswehr im Innern, Stasi 2.0 und ähnliches liegt ja auf dem Tisch - offensichtlich muss diese Frage also mit “Ja” beantwortet werden….

*solang er nicht Manager oder Politiker oder sonstwie selbstdefinierte “Elite” von Beruf ist

Nachtrag: Dass da System dahintersteckt war ja schon stets eine Vermutung. Die offensichtlich von Monitor bestätigt werden konnte (aus den Kommentaren gefischt)

P.S.: Ich vergesse fĂĽr die nächsten Wahlen jedenfalls nicht, wer dieses perverse System hier installiert hat: SPD und GrĂĽne, mit den Stimmen der CDU/CSU, denen das aber “eigentlich” noch zu wenig gewesen war, damals. Und unter Gemotze einer FDP, der das noch viel mehr zu wenig war als schon der CDU/CSU.

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Wer hat uns verraten


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An alle Dienstleister und Produzenten

die wie “PIN” meinen, es sei OK, denen, die fĂĽr sie arbeiten, nicht einmal einen Mindestlohn zahlen zu wollen: jeder Betrieb, von dem ich erfahre, dass er das so sieht oder gar macht, wird an mir keinen mĂĽden Cent verdienen, da ich dessen Produkte oder Leistungen meiden werde, indem ich versuchen werde, auf jeden Fall die Alternative zu finden, die es sinnvoll findet, dass ihre Mitarbeiter fĂĽr die Arbeit, die sie einbringen, auch einen vernĂĽnftigen Lebensunterhalt verdienen. Und dies nicht nur irgendwelchen Shareholdern vorbehalten ist. Und das gilt auch fĂĽr die, die meinen, einen Mindestlohn durch irgendwelche Tricks umgehen zu wollen. Egal, wie “legal” das ist.

Ich meine: wie pervers ist eine Denke, die einen Mindestlohn als “Gefahr” fĂĽr die Wirtschaft erachtet? So jemand halte ich selbst fĂĽr eine Gefahr. Nämlich fĂĽr eine fĂĽr die Gesellschaft. Um nicht zu sagen asozial. Im Sinne des Wortes.

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Auja, bitte…

tut das:

[…] FDP-Chef Guido Westerwelle sagte in der ARD, der “wirtschaftspolitisch vernĂĽnftige FlĂĽgel” der GrĂĽnen solle “jetzt einen klaren Schnitt machen” und zur FDP kommen. […]

(Quelle) - wenn die ElitedĂĽnkelnden Karrieristen weg sind, da, werden die GrĂĽnen ja vielleicht doch irgendwann mal wieder wählbar…. (via)

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Formulierungen

Wird ja grad wieder ĂĽber Kindergeld diskutiert (ja, es ist Wahlkampf, offensichtlich, man erinnert sich daran, dass auch Menschen mit normalen und geringen Einkommen ein bisschen “Macht” haben - zumindest alle 4 Jahre).

Kommt nur mir es komisch vor, wenn da - sowohl seitens Politik als auch seitens Medien - ausschlieĂźlich von “sozial schwachen” Familien geredet wird, wenn - von den dargestellten Kriterien fĂĽr die Klassifizierung, die rein “monetäre” sind, ausgehend - eigentlich “finanziell schwach” gemeint ist?

Und: was bedeutet das im RĂĽckschluss, wenn “kein Geld” gleichbedeutend mit “keine soziale Stärke” ist? Wer Geld hat ist sozial stark? Wer kein Geld hat wĂĽrde mehr haben, wäre er nur “sozial” etwas “kräftiger” gebaut (was immer das hieĂźe - nix konkretes jedenfalls - Schicksal? Selbst Schuld? Zufall?)?

Sprache kann schon manchmal verdammt verräterisch sein, finde ich.

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Uganda 2010

Das Ausspielen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen gegeneinander (bzw. erst das Aufstellen von solchen, denn die Gruppe “Arbeitslose” scheint zu groĂź zu sein um das “divide et impera”-Prinzip zu halten) geht weiter: Ă„ltere sollen länger ALG1 bekommen, aber natĂĽrlich nicht einfach so, nein, KĂĽndigungsschutz soll es noch weniger geben und/oder den jĂĽngeren die Bezugsdauern noch mehr gekĂĽrzt (warum denn deren eh schon kaum vorhandene soziale Sicherheitsleine nicht ganz wegkĂĽrzen?) .

Konkurrenzen aufbauen, damit die Leute nicht auf die Idee kommen, zu merken, dass sie im selben Boot sitzen - und zwar nicht in dem, in dem die Politiker sitzen, die da über ihr Wohl und Wehe entscheiden aus ihrer eigenen Position des nicht-betroffen-seins von irgendeines dieser Lebensumstände, die sie da für alle anderen immer unerträglicher zu gestalten wissen. Selbst für die, die ihre Entscheidungen am direktesten ausbaden.

Hartz und KĂĽndigungsschutz verknĂĽpfen? Warum denn nicht auch mit RuĂźfiltern, MautgebĂĽhren auf Autobahnen und vergĂĽnstigter Mehrwertsteuer auf Damenbinden? Hat in etwa genausoviel Zusammenhang….

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Keine Nachrichten mehr

So, jetzt ist es mal wieder so weit, ich verordne mir Abstinenz von Nachrichten, egal ob in der Glotze oder im Radio. Da krieg’ ich sonst nur Kreislauf von, von der verlogenen ScheiĂźe, die mir da aus PolitikermĂĽndern in vollster Ăśberzeugung entgegenquillt.

Den Ausschlag gab heute “Sozialdemokrat” MĂĽnte, der “soziale Gerechtigkeit” scheinbar darin erfĂĽllt sieht, dass es allen genauso ScheiĂźe zu gehen habe, wenn er nach dem altbekannten Muster “Es ist nicht einzusehen, dass es {insert beliebigen Gruppennamen here} besser geht als {insert irgendeinen anderen Gruppennamen, der mit der ersten in keinerlei Zusammenhang steht, auĂźer, dass auch dies eine Gruppe ist here}” das alte “wir spielen alle gegeneinander aus, dann wird sich keiner gegen uns wenden”-Spiel und natĂĽrlich das Bild des Sozialschmarotzenden “Selber Schuld”-Bildes bringt, denn freilich sind Arbeitslose unter 60 nur faule Säcke.

Was mich weniger aufregt ist das inhaltliche, denn von unseren realitätsfernen “Eliten” und sich sonstwie als was Besseres fĂĽhlenden ist man diese AttitĂĽden das ja seit Jahren gewohnt.

Was mich echt aufregt ist diese Ăśberzeugung, mit der hier unter Umgehung sämtlicher Logik “argumentiert” wird, um eben nicht zu sagen, gelogen, gehetzt und fĂĽr Dumm verkauft wird - es wird eben nicht argumentiert sondern nur stumpf behauptet und konstruiert, ohne Substanz und reale Zusammenhänge. Es wird ein Matsch von indifferenten Inhalten geliefert, der nicht mehr unterscheiden kann zwischen Meinung, Behauptung, Postulat und Tatsache, und so schĂĽtten die mir da einen Haufen niveaulosen, stinkenden SprachmĂĽll in die Ohren. Das ist akustische Luftverschmutzung und grenzt an Körperverletzung, wenn man sich klar macht, dass das ja von einem Hirn verarbeitet werden muss.

Diese gezeigte Dummheit und der damit verbundene Glaube, alle Zuhörer seien mindestens ebenso dumm und merken das nicht regt mich auf. 200 Puls! Echt!

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Reality Check

Hier bitte lesen gehen. Vor allem die, die denken, in diesem “Sozialstaat” ginge es bestimmten Leuten noch “zu gut” bzw. noch glauben, dass es einen Sozialstaat wie man ihn noch vor 20 Jahren in der Schule vorgestellt bekam auch heute noch gäbe.

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Medienvermeidung

Ach hätt’ ich heut bloß keine Nachrichten geguckt, dann müsste ich nicht wieder völlig genervt von unseren Politikerdarstellern sein, und ebenso von so manchem, der sich gern als Journalist sähe.

Amoklauf in einer Schule. Und wieder fällt keinem was anderes ein als irgendwas erschießen verbieten zu wollen, mal wieder irgendwelche Computerspiele am besten (denn das spielen diese Leute ja nicht, ist also für sie kein Verlust, im Gegensatz z.B. wäre das Angehen von Schützenvereinen unschön, denn dort kann man ja im Trachtenjankerl auf Stimmenfang gehen).

Von “Internetpolizei� ist die Rede, die “gewaltbereite Jugendliche aufspüren� soll. Von “Killerspielen, die in die gleiche Größenordnung wie Kinderpornogrphie gestellt werden� sollen. Und davon, dass “Gesetzgebung nicht vor der privaten Haustür aufhören� dürfe. OK, auch nichts Neues.

Ist ja auch fein, denn dann muss man sich - wie immer - nicht um die echten Ursachen kümmern, um eine Gesellschaft, die die, die es nicht packen nicht nur fallenlässt sondern noch dazu als “Sozialschmarotzer� oder ähnliches verunglimpft und ihnen nicht mal mehr das Recht zum Bejammern ihrer Situation zugesteht, geschweige denn natürlich, Möglichkeiten aufzuzeigen, sie ändern zu können.

Dann muss man sich nicht um den inzwischen noch stärker als zu meiner Zeit gewachsenen Druck und gnadenlosere Auslese in den Schulen kümmern - bzw. hinterfragen, ob dieser von der Politik ja so eingerichteten Verhältnisse nicht vielleicht doch keine so tolle Idee gewesen sein könnten. Dann muss man nicht zugeben, dass alle “Fordern und Fördern�-Sprüche reine PR sind, was das “ö� betrifft, in Zeiten immer weiter gekürzter oder gleich mal komplett gestrichener Etats für Jugendhäuser, Aktionen und Initiativen.

Wo bitte sind denn die Journalisten, die den Namen noch verdienen, und die den Stoibers, Merkels & Co. ihre dummen, populistischen Law & Oder-Sprüche um die Ohren hauen und sie mit der Realität konfrontieren, die mal eben garnichts mit Computerspielen, aber dafür viel mit sozialer Kälte, politischer und gesellschaftlicher Inkompetenz und einem von die Realität flüchtenden Politikern verursachte Stimmung zu tun hat, durch die immer weniger Menschen in immer engere Normen passen und die die aus dieser rausfallen keine Perspektive mehr für ihr Leben finden?

Wo sind die Journalisten, die einem Politiker, der seinen Müll in ihr Mikro seiert, einfach mal sagt: “Und diesen Schwachsinn meinen sie jetzt Ernst und soll die Antwort auf ein breites soziales Problem in unserer Gesellschaft von wenigen Gewinnern und immer mehr Verlieren sein? Das graue Zeug da zwischen ihren Ohren, benutzen sie das eigentlich auch irgendwann mal für was anderes als ihren momentanen persönlichen Vorteil oder volksverdummenden Blödsinn loszulassen? Welches Volk vertreten sie denn so als “Volksvertreter� eigentlich? Schon mal da drüber nachgedacht?�

Aber was reg’ ich mich auf - erstens hab’ ich das ja mehr als einmal alles schonmal gesagt, und zweitens wird wieder nichts anderes passieren als etwas wilder Aktionismus, irgendwelche Gesetzesverschärfungen, die noch mehr Leute willkürlich kriminalisieren, während “echte� Kriminalität immer noch nicht mehr wird, auch wenn es Medien und Politik so gerne anders hätten, und ich darf mich in einem Monat, einem Jahr, oder gleich morgen wieder fragen, warum eigentlich wieder alle ganz überrascht sind, denn letztlich ist das alles, Ursache wie Auswirkung, ein alter Hut.

Ich hab’ sowas von die Schnauze voll von diesen ganzen dilettantischen Arschlöchern da in Politik und Medien. Wenn man die wenigstens einfach ignorieren könnte in ihren Scheinwelten da, aber das geht ja auch nicht, denn es ist ja nicht nur dummes Geschwätz, die machen ja auch noch irgendwelches Zeugs, das dann sehr reale Auswirkungen hat auf z.B. auch mein Leben. Oder eben auf das von Leuten, die nie gelernt haben, mit ihrer Wut und ihrem Frust, überhaupt nicht wahrgenommen zu werden, und wenn, dann als “Loser�, der’s am besten auch nicht anders verdient hat, anders umzugehen als gewalttätig zu werden.

Und so erwarte ich die nächsten “überraschten� und “schockierten� Schlagzeilen von “unverständlichen� Taten.

Wenn der nächste Massenmörder allerdings ein Trachtenjankerl im Schrank hängen hat, dann möchte ich bitte sämtliche Trachtenumzüge verboten wissen. Und die Kundendatenbanken von “Landhaus Moden� sofort in die Rasterfahndung überführt. Und Leute, die sich öffentlich in Tracht zeigen bitte präventiv erstmal einbuchten.

Zum konkreten Thema hat Jens inzwischen ein paar Sachen zusammengetragen, wunderbar, dann kann ich mir das ja sparen.

Und die Nachrichten in den nächsten Tagen meiden.

Ist besser fĂĽr den Blutdruck.

Und senkt die Gefahr, Amok zu laufen.

Achso, und vielleicht liest ja mal einer von euch Politikern oder Journalisten den Abschiedsbrief des Typen, der da rumgeballert hat. Am besten, bevor er/sie den Mund aufmacht und irgendwelche eigenen “Überlegungen� zum Besten gibt.

Da steht nämlich, finde ich, ziemlich deutlich und eindeutig drin, warum er das gemacht hat - und das “warum� fragt ihr doch allenthalben, oder? Achso, rhetorische Frage, sorry dann…

Denn: Oh Wunder: es ist etwas völlig anderes als ihr interpretiert, hofft, vermutet, postuliert. Und, oh weiteres Wunder: es ist verständlich.

(bevor jetzt wer Panik kriegt: nein, nur weil ich etwas verstehe muss ich es nicht befürworten oder entschuldigen. Oder gar selber so sehen. Ich weiß, sollte klar sein. Aber ich sag’s lieber trotzdem nochmal. Nicht, dass die “Internet-Polizei� auf komische Gedanken…)

P.S.: an die, die die Veröffentlichung dieses Briefes Scheiße finden, weil sie “Glorifizierungen� fürchten, oder “Nachahmer�: Dann müsste man auch “Die Leiden des jungen Werther� von Goethe verbieten, um Selbstmord als Möglichkeit, aus jugendlicher Depression zu fliehen, als “Beispielhaft� auszuschließen. Aber so wie die große Mehrheit nunmal Alternativen auch zu dieser “Möglichkeit� findet, so findet eine Mehrheit auch Alternativen zu Amokläufen oder Gewalt im Allgemeinen.

Gegen Dinge allerdings, die versucht werden aus der Wahrnehmung zu nehmen, kann man sich nicht frei entscheiden, denn meine Entscheidungen kann ich nur an dem ausrichten, was ich auch wahrnehmen kann. Deshalb hat dieser Typ auch so entschieden: er konnte keine Alternative, keine Zukunft und keine “Verbesserungsmöglichkeit� wahrnehmen, um sich für diese und gegen die Destruktion zu entscheiden. Ja, teils liegt das an seiner eigenen Wahrnehmung, die ihn blind sein ließ gegenüber Alternativen. Aber teils liegt sowas auch an einer Gesellschaft und deren “Leitfiguren�, dass diese Alternativen nicht mehr als erreichbar gelten - oder gar als nicht (mehr) vorhanden…

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Things to come

Wieder mal ein völlig unsortierter Quer-Beet-Eintrag.

Erfahrungsgemäß ist uns England ja immer ein paar Jährchen voraus. Somit können sich Eltern hierzulande schonmal drauf einstellen, dass sie es sind, die als nächstes ins Visier von Politikern geraten werden, die sämtliche gesellschaftliche Gestaltungskraft und Phantasie verloren haben vor lauter Lobbyverstrickungen und Verantwortungslosigkeit.

Spätestens, wenn sich der Sozialschmarotzer und der Ausländer irgendwann als Buhmann und Ablenkung vom eigenen Versagen abgenutzt haben. Mal sehen, wann einer von der Laiin dann auch plötzlich einfällt, Eltern auf Volksliedkundekurse zu schicken. Lässt sich doch bestimmt prima verbinden mit einer neuen Popanzdiskussion über “Leitkultur� und “bildungsferne Unterschichten� oder so. Womit dann Sozialschmarotzer und Ausländer nicht ganz als Mittel zum Zweck verloren gehen, wäre ja auch schade um die schöne jahrelange Arbeit, diese Bilder aufzubauen…

Dass soziale Inkompetenz nicht unbedingt eine Domäne sogenannter “Prekariat-Schichten� sein muss, sondern sich durchaus auch (oder gerade?) in Gefilden wiederzufinden scheint, in denen mit einer Menge Geld gespielt (oder verbrannt) wird, beweist mir derzeit der Fall “StudiVZ“, der mich nebenbei an so manche Web-Seifenblasengeschichte des “New Economy�-Desasters vor einigen Jahren erinnert.

Bildung im Sinne von “Wissen� oder “Information� macht jemanden in meinen Augen halt noch lange nicht gebildet - sondern die Kompetenz, dieses Wissen auch in sein alltägliches Denken und Handeln zu integrieren.

Den “bildungsfernen Schichten� kann man allerdings wenigstens zu Gute halten, dass sie dazu kaum eine Chance bekommen, weil Chancengleichheit hier zu Lande halt nur ein schönes Wort auf dem Papier ist (womit wir wieder bei unseren tollen inkompetenten Politikern wären, die ihren Job nicht machen). Diese Ausrede hat jemand wie jener Herr Dariani allerdings nicht, und wenn ich mir so anschaue, was der so treibt bekomme ich da doch erhebliche Zweifel, was die sozialen Kompetenzen von Leuten, die gern zu irgendwelchen “Eliten� gezählt werden, betrifft. Zumindest von dem Bild ausgehend, das sich mir da als Außenstehenden so aufdrängen muss.

Wobei bei dieser Geschichte die Person ja nicht wirklich wichtig ist, ja, als Beispiel für die Tendenz mancher Leute, “Öffentlichkeiten� schlicht zu unterschätzen und unüberlegt in jener zu agieren, aus welchen Gründen (Selbstüberschätzung, Realitätsferne, Ungeschick oder was auch immer) auch immer. Interessant ist es, zu sehen, dass manche “Geschäftsmodelle�, die vor Jahren einer ganzen Branche eine Krise einbrachte, die mehr Geld verbrannt hat als gesund gewesen wäre, auch heute noch gefahren werden. Wobei das eigentlich ja auch nicht wirklich verwunderlich ist, denn die in Geld umsetzbaren “Werte� des Internetz sind nunmal auch heute noch: Aufmerksamkeit und Daten. Womit wir bei der Frage wären, ob es wirklich egal ist, welche Art von Aufmerksamkeit man so hat…

Und um nichts als das letztere scheint es da zu gehen, und irgendwer wird schon einen Haufen Geld hinlegen, um die Daten der Leute, die ihre Daten da abgeliefert haben, kaufen und verwerten zu können. Wenn dabei aber versucht wird, das Märchen einer “Community�, am besten irgendwo im Hinterhof gegründet, aus Idealismus und Selbstlosigkeit, zu fahren allerdings ist heutzutage, also nach Jahren entsprechender ähnlicher Modelle, wohl nur noch unter “lächerlich� zu verbuchen.

Wenn mir sowas unehrlich vorkommt und ich Unehrlichkeit scheiße finde, auch (und gerade) in “geschäftlichen� Fragen, dann natürlich ist das meine persönliche Meinung auf Grund meiner persönlichen Wertmaßstäbe. Andere mögen da zynischer drauf sein und sagen “Das ist doch völlig normal und üblich� - das mag sogar sein, aber nur weil etwas “üblich� ist muss es mir nicht gefallen. Wie es mir ja auch nicht gefällt, dass sowas “üblich� ist. Und, unter Umständen, mag es weit mehr Leute geben, die sowas auch scheiße finden als Leute, die das als “normal� nicht weiter tangiert. Das zu berücksichtigen hielte ich nach wie vor für klug, wenn man nach wirklich langfristigem und nachhaltigem wirtschaftlichem Erfolg strebt. Aber wer will das schon, heutzutage…

A propos Bildung und Zukunft:

Derzeit werden in England kleine Traditions-Unis geplättet, man fängt mal bei diesen brotlosen Musikern an, Karans Ex-Uni, das “Dartington College of Arts�, ist da scheinbar in die Fänge von BWLern geraten, und wenn die Rechenschieber mal über Kunst und Kultur herfallen bleibt erfahrungsgemäß nicht mehr viel übrig.

Allerdings regt sich Widerstand, auch wenn der etwas unkoordiniert ist - sowas haben die 20-jährigen heutzutage halt nicht mehr gelernt, wie es scheint. Aber wer weiß, “learning by doing� ist auch eine effiziente Lernmöglichkeit, und so drücke ich den Studis und Profs dort die Daumen - vielleicht ist es ja noch nicht zu spät. Karan hat den Leuten, die sich um das Dartington College of Arts sorgen mal ein Blog eingerichtet, auf dem das aktuelle Geschehen dokumentiert wird.

Wie gesagt: erfahrungsgemäß ist uns England ja immer ein bis zwei Jährchen voraus - obwohl, in manchen Punkten bin ich mir da garnicht mehr so sicher…

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