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Schmarotzerländer

Heute früh im Radio gehört: Hessen, Bayern und Baden-Württemberg finden Solidarität Scheiße und sehen im Länderfinanzausgleich “Sozialmissbrauch” seitens der “Nehmerländer”. Spontan die Formulierung “Schmarotzerländer” im Kopf gehabt.

Und die Überlegung, dass ein Aussteigen aus dem Länderfinanzausgleich doch nur zu mehr Wirtschaftsflüchtlingen aus den ärmeren Bundesländern führen wird. Da ist das Boot in den reichen Ländern dann ganz schnell voll, sie werden sich dann schützen müssen vor der Brandenburger-Schwemme, vor plattdeutschen Schleswigern und über spitze Steine stolpernden Bremern, die sich abgerissen und verlumpt von Schleppern über die grüne Grenze Thüringens nach Bayern schieben lassen oder bei Ludwigshafen in überfüllten, lecken Kähnen sich über den Rhein zu retten versuchen (wie viele bezahlen diesen Versuch mit dem Leben, weil die kaputten Schaluppen mitten im Fluss kentern oder von gewissenlosen holländischen Schubverbänden gerammt und versenkt werden) und behaupten, sie würden verfolgt, dabei wollen sie nur an “unser Geld”, Mappus hängt in Stuttgart Plakate “Schwaben den Schwaben” auf, und in Hessen gewinnt die CDU mit Unterschriften “gegen Niederdeutsche” die nächsten Wahlen. Allenthalben hört man “Die schwätzet net wie mir, un indegriere wellet die sich a nedde” und ähnliche Ressentiments, “Und wie die sich schon anziehen!” schimpft der Allgäuer Almdudler-Sepp beim Anblick von Piet Heinersen, Flüchtling aus einem kleinen ehemaligen Fischerdorf nahe dem berüchtigten Piratennest Husum.

Die nächste soziale Katastrophe blüht dann den Transferländern Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Thüringen, da in diese “sicheren Drittländer” die aufgegriffenen Wirtschaftsflüchtlinge wieder abgeschoben werden und dort in Flüchtlingslagern zusammengepfercht werden, aber die durch den nicht mehr zu zahlenden Länderfinanzausgleich freien Gelder werden dann in diese Länder gepumpt, da diese drohen, die Flüchtlinge sonst nicht zurückzunehmen, ….

Schweißgebadet wachte ich auf - ich muss wohl nach den Nachrichten nochmal eingedöst sein….


3 Kommentare

Armut 2.0

Statistik ist eines. Anders ist, es direkt zu erleben, ob als Betroffener oder als Zeuge.

Ingo ist Zeuge. Und tut was.

Und komm mir niemand mit “Und die anderen?” - jeder Einzelne zählt. Und es zählt, Einzelne nicht allein zu lassen . Wenn das nämlich viele auch in ihrer Umgebung tun gibt es auch nicht mehr so viele “andere”.

Niemand verlangt von Einzelnen, die ganze Welt zu retten oder allen gleichzeitig zu helfen, die Hilfe brauchen. Aber wenn jeder Einzelne dort, wo er ist, tut, was er kann, für seine konkrete Umgebung und in seiner konkreten Erreichbarkeit, dann ist am Ende vielen geholfen. Viele Einzelfälle ergeben am Ende auch ein Ganzes.

Und wer weiß, ob man nicht selbst auch mal Hilfe braucht und froh ist, wenn es Menschen gibt, die sie einem tatsächlich - einfach so - geben, in dem Rahmen, wie es ihnen dann möglich ist.

Von denen, die zu einem großen Teil verantwortlich sind für diese Lage, Änderungen im Großen zu erhoffen ist schon lange müßig. Deshalb müssen wir im Kleinen zusammenhalten. Und wer weiß, vielleicht bringt uns die Erfahrung, dass das tatsächlich etwas bewirkt dazu, die anderen, denen das Kleine wurscht ist, weil sie sich für so groß halten, irgendwann auf ein neues Maß zurecht zu stutzen.

Aber solange das noch nicht der Fall ist müssen wir zusehen, dass in unserer Umgebung niemand durch den Rost fällt, wenn wir es verhindern können. Ich denke, das gehört sich einfach, aus Respekt vor dem Leben. Und aus Liebe. Was am Ende das selbe ist.

Wenn es kälter wird muss man zusammenrücken. Wer einen frierenden wärmt erhält sich selbst auch mehr Wärme und gerät weniger in Gefahr, selbst auszukühlen und zu erfrieren.

P.S.: es hat auch niemand was dagegen, wenn Ingos Geschichte auch auf anderen Blogs oder Foren weitererzählt wird und auch die ein oder andere Spende getätigt würde, egal ob Geld oder Ding. Und ja, bei solchen Themen neige ich zu Gefühligkeiten, lebt damit.

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