Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:

Schreibtischtäter

Was ĂĽber Jahre hinweg kein Journalistenprofi geschafft hat - oder sich nie traute - stellten nun ein paar Studenten bei einem Besuch von Condoleeza Rice an der Stanford University bloĂź: Rice hat neben einem höchst seltsamen Geschichtsverständnis das Verhalten der Beteiligten in der Kommandokette der Bush-Administration in Bezug auf die Folterpraktiken der USA als eines entlarvt, das man wohl eindeutig als “Schreibtischtäter-Verhalten” bezeichnen muss. Rices Ansicht nach habe sie keine Folter erlaubt, weil ihre Anweisungen “vom Präsidenten authorisiert worden” seien und sie deshalb nicht “gegen die Vorschriften […] verstoĂźen” habe.

[…] by definition if it was authorized by the President, it did not violate our obligations under the Convention against Torture […]

Wenn ich das richtig einschätze, glaubt sie relativ verzweifelt selber daran, dass sie “rechtens” gehandelt habe und Gesetzestexte und entsprechend ausgelegte Anweisungen von “oben” alles so rechtfertigt, dass sie keinerlei Verantwortung - oder gar Schuld, deren Natur es ist, dass diese stets beim anderen zu liegen hat - fĂĽr ihre eigenen Handlungen zu tragen habe, da sie ihre Handlungen in der “Rechtssicherheit” von Vorschriften und Anweisungen und deren Auslegungen und Interpretationen begangen haben will.

Damit steht Condie letztlich aber nur in der Tradition der auch hierzulande grassierenden Methode, Entscheidungen in einer rein bĂĽrokratisch gedachten Art und Weise rein “juristisch” legitimieren zu wollen (Hierzulande werden nach diesem Muster zum Beispiel aus menschlicher Sicht völlig wahnwitzige Abschiebungen begrĂĽndet).

Also die Vorschriftengemäßheit einer Handlung - indem sie so in vorhandene Gesetze, Vorschriften und Anweisungen “eingepasst” wird, dass keine Anweisung, Vorschrift oder Gesetz verletzt worden ist - wird als alleiniger MaĂźstab fĂĽr die ethisch-moralische Bewertung der Tat genommen. Juristische “Rechtmäßigkeit” (wobei ĂĽber eine solche bekanntermaĂźen meiĂźt ja auch stets gestritten werden kann, da man auf diesem Gebiet alles so oder so auslegen kann, dieses Rechtsverständnis steht wohl in der guten Tradition der christlichen Bibelauslegung, die auch alles, was sie möchte, mit irgendeinem Bibelzitat begrĂĽnden kann, inklusive des völligen Gegenteils) wird mit Gerechtigkeit verwechselt. Oder gar, wenn es richtig zynisch wird, fehlende Gerechtigkeit damit gerechtfertigt und manchmal gar mit den Worten “aber so sind nunmal leider die Vorschriften” bedauert.

Die interessanten Teile, auch in Hinblick auf Condies “Vergesslichkeit” gegenĂĽber Aussagen des Roten Kreuzes (PDF) und ihrer Auslegung, wer bei ihr so alles die OSCE repräsentieren darf, hat Thomas Nephew hier nochmal schriftlich (englisch) festgehalten und kommentiert, aber weil ich oben etwas vom “seltsamen Geschichtsverständnis” schrob will ich diese Perle der Rice’schen Historiendeutung noch schnell nachliefern:

1ST QUESTIONER [3:30]: …even in World War II, as we faced Nazi Germany, probably the greatest threat that America has ever faced, even then…
RICE [3:37]: With all due respect, Nazi Germany never attacked the homeland of the United States.
1ST QUESTIONER [3:44]: They bombed our allies.
RICE [3:46]: Just a second. Three thousand Americans died in the Twin Towers and in the Pentagon.
1ST QUESTIONER [3:52]: Five hundred thousand died in World War II, and yet we did not torture the prisoners of war. […]


Achso, ich erinnere daran: es stellen sich aktuell zwei Menschen in Deutschland zur Wahl zum Bundeskanzler, von denen die eine, wäre sie damals schon an der Macht gewesen, Deutschland am Irakkrieg beteiligt hätte, und die sich an Bush ranschneckte und ihm versicherte, mit ihr wäre ihm so ein Desaster wie mit Schröder nicht passiert (das war echt das einzige, was dieser Typ richtig gemacht hat) und deren Innenminister ebenfalls kein Problem mit Folter zu haben scheint, solange es jemand anderes tut. Und der andere dafĂĽr verantwortlich ist, dass ein deutscher StaatsbĂĽrger, der von der CIA entfĂĽhrt, gefoltert und nach Guantanamo verschleppt wurde, dort um Jahre länger festgehalten wurde als “nötig” - oder auch nicht, denn man weiĂź ja, “die Vorschriften” und “alles im gesetzlichen Rahmen” und so…. FĂĽr mich macht das beide - nicht nur aus diesem Grund, aber wenns sonst nichts gäbe, wĂĽrde es auch reichen - unwählbar.

7 Kommentare

Zuhören. Zurückspulen. Nochmal zuhören

Sich Wort für Wort, das da gesprochen wird, bewusst machen. Und verstehen, worum es bei der “Terrorabwehr� wirklich geht. Und wofür die Verfassung faktisch abgeschafft wird und einem Überwachungsstaat Platz macht. Unter dem Applaus blinder und tauber Schafe.


Ordnungswidrigkeiten bedrohen “die innere Sicherheit�. Wer Ordnungswidrigkeiten begeht ist eine Gefahr für Staat und Volk. Ein Volksschädling, quasi.

Da darf man nicht drĂĽber diskutieren. Das muss man einfach machen.

Bürgerrechte? Demokratie? Verhältnismäßigkeit? Das ist doch alles linksextremes Terroristen-Vokabular!

Ich habe fertig.

(via)

P.S.: Achso, wer etwas Zeit hat kann sich auch die mp3 des HR2-�Der Tag�-Beitrages “Ein Gespenst geht um in Deutschland: Der Staatsfeind� downloaden oder beim Pantoffelpunk auf’m MP3-Player anhören. Lohnt sich.

Kommentieren

about: Lyssas Scoop

Lyssa landet einen Scoop: sie macht den ersten Video-Podcast ever mit einem Staatsoberhaupt Regierungschef. Vlogging mit Merkel (via Robert).

Sehr easy, sehr sympathisch. Manchen zu sympatisch, aber das kann ich jetzt nicht verstehen, denn warum soll eine Frau Merkel denn nicht als Mensch auch mal sympathisch rüberkommen? Sind wir schon so verhollywooded, dass es manche nicht ertragen können, dass jemand, der für eine Scheiß Politik steht, nicht offensichtlich “ein Böser� sein muss sondern ein ganz normaler Mensch mit Macken aber auch eben sympathischen Seiten ist und kein schwarz-weiß-Klischee?

OK, es ist auch Propaganda, aber auch hier würde ich doch denken, dass das die Leute durchaus unterscheiden können, das weiß doch wohl jeder einzuschätzen, will ich mal meinen, die Leute sind doch nicht doof. Ich mein: klar ist das Selbstdarstellung, was soll das denn auch sonst sein???

Vielleicht bringt es der politischen Klasse ja sogar was: die im Vodcast angesprochene Kritik an Merkels eigenem “Video-Podcast�, auch überraschend selbstkritisch von Merkel selbst vorgetragen, zeigt ein Problem auf, das im politischen Paralleluniversum ja symptomatisch ist: inkompetente Berater verdienen sich eine goldene Nase mit möglichst dilettantischem Halbwissen und die Beratenen, ausgestattet mit noch viel weniger Wissen, merke(l)n es nicht mal - Beträge unterhalb der Siebenstelligkeit scheinen eh nur Kleingeld zu sein, wenn sich das ein paar Taschenspieler abgreifen, die Expertentum mimen auf Gebieten, auf denen sie keinen blassen Schimmer haben, dann fällt das wohl unter natürlichen Schwund oder so…

Frau Merkel, wenn Sie wirklich bemerkt haben sollten (so ganz optimistisch bin ich da ja nicht, gebe ich zu…), welchen Dilettanten Sie in diesem vergleichsweise unwichtigen Bereich der Selbstprofilierung aufgesessen sind, dann überlegen Sie mal, ob es u.U. auf anderen Gebieten ähnlich läuft, mit weit ernsteren Konsequenzen. Sowas würde man dann “Fähigkeit zur interdisziplinären Übertragung� nennen, und das wäre dann mal eine Eigenschaft, die tatsächlich was brächte, wenn man Politik nicht nur als Karrieremöglichkeit sieht sondern tatsächlich was “fürs Land und die Menschen darin� tun möchte….

Und wenn Sie sich wirklich ein paar “echte� Videopodcasts (und Podcasts und Blogs) anschauen bekommen vielleicht sogar Sie einen Eindruck dessen, was in der wirklichen Welt außerhalb Ihres Paralleluniversums abgeht. Die sind nämlich manchmal richtig informativ. Jedenfalls mehr als die vorgefilterten Infohäppchen Ihrer “Berater�, die Ihnen so offensichtlich Bilder der vermeintlichen “Wirklichkeit� liefern, die mit eben jener nichts zu tun haben sondern nur dazu dienen, genau das und genau so Dinge zu sehen, wie das von der eigenen Tendenz vorgeschrieben wird. Mit “Realität� aber hat das nichts zu tun. Im Gegensatz zu den Entscheidungen und Rückschlüssen, die Sie und die anderen “Entscheider� aus diesem Zerrbild ziehen - das nämlich hat leider Konsequenzen für die echte Welt. Auch wenn Sie die nicht wahrnehmen, weil das in Ihrer Kunstwelt und Dank ihrer “Berater� nicht wahrnehmbar ist.

Wenn Lyssas Video bei manchem zum Realitycheck gereicht, dass diese Politiker “da oben� auch “nur� normale Menschen sind ist das prima. Wenn darüber hinaus auch der ein oder andere dieser Politiker daraus selbst ebenfalls einen Realitycheck generieren könnte, wäre das traumhaft.

Ach, ich träum’ ja schon wieder, muss das Wetter sein…

22 Kommentare »

  1. schluesselkind meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 11:53

    Schön gesagt; vor allem die Hoffnung auf einen Lerneffekt in Richtung Reality Check ist ein sehr guter Punkt, den bisher auch noch niemand angemerkt hat.

    Zu dem Video selber verstehe ich die ganze Diskussion und Aufregung nicht und - ehrlich - manchmal geht es mir auch tierisch auf den Geist, wie wichtig manche Blogger sich und ihre kleine Blogwelt nehmen. Frau Merkel macht nen Videocast. Der größte Teil der Welt wird es gar nicht wahrnehmen, weil die nicht mal wissen, was ein Blogdings ist, geschweige denn das jetzt wieder. Diejenigen, die es wissen und dann sehen, zucken entweder die Achsel oder schreien Untergang des Abendlandes. Niemand, ich wiederhole, niemand wird durch diese hoch gefährliche Propaganda gebrainwasht und plötzlich alle Probleme im Lande vergessen und fragen, wo er bitte gleich ein Kreuzchen für Frau Merkel machen kann. Lassen wir doch die Kirche mal im Dorf. Das ist ein nettes, kleines Filmchen, ich denke, nichts anderes soll es auch sein. Ich jedenfalls bin schon für kleine Schritte dankbar und finde es positiv, dass La Merkel sich überhaupt so weit vorgewagt hat, in die gefährlichen Regionen jenseits des Teleprompters.Tun diese Kontrollfreaks ja sonst nie. Und wenn man die Reaktionen sieht, versteht man auch warum.

  2. MMarheinecke meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 12:20

    Nein, Sven, diese harmlose Home-Story - in der von vornherein alle eventuell unbequemen politischen Fragen ´rausgekegelt wurden - halte ich für ein typisches Produkt des beratergenerierten Paralleluniversums. Der Don trifft da, denke ich, den Nagel auf den Kopf:
    http: //rebellmarkt.blogger.de/stories/503945/#comments

  3. Sven meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 12:50

    Diese “Harmlosigkeit� kauft doch aber nun wirklich keiner ernsthaft, allein das in einen Status einer Wahrscheinlichkeit zu heben könnte man als Beleidigung an die Intelligenz der Leute auffassen, wenn man wollte, egal, wer diese Vermutung anstellt, also als Hoffnung oder als Befürchtung formuliert!

    Ich habe jedenfalls selbst bei den “begeistertsten� Reaktionen dafür keine Veranlassung gefunden, davon grundsätzlich auszugehen. Klar hat DonA Recht bezüglich der Entstehung und auch der Motivation seitens des Merkels, aber wer behauptet denn irgendwo explizit das Gegenteil? Wie ich das sehe macht sich da niemand, wirklich niemand, Illusionen darüber, dass dieses Ding bis ins letzte Detail gecheckt und abgesegnet ist.

    In seinem Punkt f), “Der indirekte Beweis, dass Blogger, sobald ihnen der Bauch gepinselt wird, so leichtgläubig sind wie ein bildlesender Mallorcaballermann mit 2,8 Promille.� hat er deshalb IMO nicht Recht, denn das ist eine Unterstellung, die jedem Blogger abspräche, differenziert denken zu können und Ebenen auseinanderhalten zu können. Aber wie kein normaler Mensch glaubt, Lenßen & Partner seien echte Anwälte, glaubt doch kein normaler Mensch, dass das Ding ohne Kontrolle, Gegencheck und zig Unterschriften von Planung über Entstehung bis Veröffentlichung gelaufen ist. Ich mag das nicht, wenn ich das Gefühl habe, im Zweifel erstmal für blöd und naiv gehalten zu werden.

    Mir reicht das schon, dass die Politik und die Medien das tun. Von anderen Bloggern erwarte ich da durchaus eine Haltung, die davon ausgeht, dass “wenn ich das kapiere, dann kapieren das die anderen wahrscheinlich auch, selbst wenn sie’s grad nicht explizit in den Disclaimer schreiben�. Ich verweise ergänzend auf Frau Schlüsselkinds kluge Worte. Nur weil ich das Teil gut finde werd’ ich nun nicht plötzlich CDU wählen oder deren politische Positionen toll finden. Wo simmer denn!

  4. Dr. Dean meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 13:09

    Vielleicht bin ich ja zu anspruchsvoll, aber ein “Scoop� sieht für mich doch etwas anders aus, der hätte nämlich auch einen Inhalt.

    Der einzige Inhalt dieses dämlichlichen, sorry, Vlog-Beitrags war für mich, dass Merkel und die verantwortlichen PR-Berater die Bürger für ziemlich unterbelichtet halten. Die Frau von der Binse veralbert mit ihrem Banalitäten-Sortiment die Öffentlichkeit.

  5. Sven meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 13:11

    Seit wann muss ein Scoop heutzutage noch Inhalt haben - den haben ja inzwischen schon die “normalen Professionellen� kaum noch :-D

    Und, wie gesagt: Ob sie wirklich veralbert bezweifle ich eben. Mag sein, dass sie es versucht. Mag aber auch sein, dass die Öffentlichkeit nicht so blöd ist, sich “veralbern� zu lassen. Sondern natürlich weiß, dass das alles andere als “ungeschminkt� ist. So selbstverständlich, dass man das nun IMO wirklich nicht jedesmal dazusagen muss. Das ist, wovon ich ausgehe.

  6. MMarheinecke meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 13:42

    Ja, auch ich mag es nicht, im Zweifel erst mal für blöd und naiv gehalten zu werden. Weil dass, wenn ich meine eigenen Reaktionen, Gefühle, Ab- und Zuneigungen selbstkritisch prüfe, immer wieder feststelle, wie blöd und naiv ich mich anstelle, und wie manipulierbar ich bin.
    Es ist die unangehme Wahrheit! Und ich habe den bösen Verdacht, dass zwar nur wenige Zuschauer “Lensen & Partner� für echte Anwälte halten, aber das “Image� der Anwälte sehr wohl von so einer albernen Serie geprägt werden kann.

    Ja, ich bin oft, zu oft “blöd und naiv�. Und in seinem Punk f) liegt Don goldrichtig. Weil selbst sonst schardsinnige Intellektuelle zu leichtgläubigen Tyrannen-Speichelleckern mutieren, wenn ihnen der Bauch gepinselt wird. (Siehe hier, unten im Beitrag:
    http ://martinm.twoday.net/stories/2352339/

  7. Sven meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 13:45

    Wärst du so naiv, wie du glaubst zu sein, dann würdest du es ja eben nicht merken. Dass du’s “merkst� belegt, dass du’s nicht bist.

    Nein, wie gesagt: ich glaube nicht, dass es eine Mehrheit gibt, die für eine Bauchpinselei jegliche Kritikfähigkeit mal eben so oder gar umfassend über Bord wirft. Nur weil einem situativ ein Bauchpinseln mal gefällt und man das gegebenenfalls auch mal ebeso situativ zeigt, dass einem das gefällt.

    Und jetzt nenn’ mich naiv ;-) , weil ich den Leuten, speziell Leuten, die z.B. in Blogs immer wieder bewiesen haben, dass sie über Dinge nachdenken und sich begründete und kritische Meinungen und Positionen erarbeiten, prinzipiell und pauschal mehr zutraue als einer Schafherde. Z.B. auch zwischen Situativem und Grundsätzlichem unterscheiden zu können. Oder auch mal zwischen Person und Position. Oder medialer Fiktion und Realität.

  8. Schluesselkind meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 13:57

    @Sven: ja, davon würde ich auch ausgehen. Und ich verstehe auch nicht, warum Lyssa vorgeworfen wird, dass sie nicht den “Scoop� landet, den andere, größere, professionellere Medien/ Journalisten schon nicht landen. Da gibt es ja welche, an deren Berichterstattung das informationshungrige Publikum mit gutem Recht viel mehr Ansprüche stellen könnte und deren Nicht-Bedienung dieser Ansprüche viel mehr Anlass zu Sorge geben könnte. Ok, Lyssa übernimmt jetzt eine einflußreiche Stelle bei der WAZ und vielleicht macht sie auch noch mehr Vlogs mit Frau Merkel. Da wird man dann sehen, was dabei herum kommt oder eben nicht. Diesem kleinen Erstlingsteilchen hier wird jedenfalls durch die Aufregung ein Wert beigemessen, den es IMO gar nicht hat.

  9. Sven meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 14:26

    Ja eben - das Ding ist inhaltlich tatsächlich “harmlos�, in völlig wertfreiem Sinne. Und damit auch harmlos, sprich: ohne Auswirkung auf meine grundsätzliche Meinung/Haltung zu dieser Kanzlerin und ihrer Politik. Und warum sollte es dann auf andere eine andere Wirkung haben? Oder: warum sollte man dem Ding überhaupt eine Wirkung (außerhalb eines boulevardesken Tagesinteresses und außerhalb eines “fachlichen� Interesses für eine bestimmte Anwendungsmöglichkeit eines Mediums) zugestehen?

  10. logog meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 14:31

    Lyssa wird in die deutsche Mediengeschichte eingehen als ne Art Sabine Christiansen der Onlinemedien. Sie positioniert sich seit einem halben Jahr. Angefangen von der Freundin-Blogstory über die Coke-WG bis zu ihrem neuen Job bei der WAZ und jetzt als first Anchorwoman in den deutschen Blogs. Bei dem Fotoshooting für die Freundin habe ich noch gedacht, die arme Frau wird da von Burdas Heftchenmachern etwas rumgeschubst und überrumpelt, mittlerweile nehme ich ihr das Unschuldslächeln nicht mehr ab. Hier wird eine große Karriere gebloggt und wir dürfen dabei sein. Wir sind Zeugen, wie die Top-Down-Communication modernisiert wird. Und der gute Brother Hellblazer merkt’s nicht.

    Die Erkenntnis you and the president of the united states sometimes have to stand naked hat uns Bob Dylan schon vor 40 Jahren mitgegeben. Das ist kein Grund Lyssas Coup jetzt so abzufeiern.

  11. | | | z e n z i z e n z i z e n z i c   a r m e e   f r a k t i o n |  meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 14:42

    […] So, nachdem die sich gern im eigenen Mist w�lzende sogenannte Blogosph�re zur Zeit umfangreicher dar�ber berichtet, habe ich mir jetzt die Kinderpropagandashow einer mittelm��igen, im Interview doch recht naiv und unterw�rfig erscheinenden Journalistendarstellerin mit der Bundesmerkel endlich auch einmal angeschaut. Nun ja, verschenkte Lebenszeit, schlechter geht’s kaum und seit wann ist das Bundesmerkel Staatsoberhaupt, wie es die allm�hlich im Rektum der Regierungschefin verschwindende Fragestellerin behauptet? Staatsoberhaupt ist immer noch der Gr��august Bundespr�sident und der hat - soweit mir bekannt - keine bewegten Propagandaschnipsel in propriet�ren Formaten auf seiner Webseite im Angebot. […]

  12. Sven meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 14:58

    Weißt, logog, es ist eben das: ich z.B. hätte über den “Coup� ü-ber-haupt-nichts geschrieben, wenn da nicht soooooo ein “Skandal� “Kommerzialisierung� (Ich kenn das aus der Musik zur Genüge, das ist z.T. auch schnöde und langweiliges elitäres Gehabe) und sonstiges Gebrülle draus gemacht würde, das Teil selbst hätte alles, was ich als “relevant� erachtet hätte, unterflogen. Erst diese Aufgeregtheit machte mich da länger als 5 Minuten aufmerksam auf das Ding. Wie der TB von ZAF belegt bin ich da wohl auch nicht der einzige.

    Und so machte ich eben auch meiner Verwunderung Luft, worüber sich da aufgeregt wird, und das meine ich sowohl technisch als auch was Lyssas “Karriere� betrifft, denn hey, es ist ihr Leben und ihre Karriere, die gestaltet sie ja doch bitte so, wie sie das für gut hält, oder darf sie das als “Bloggerin� nicht mehr, wenn sie sich weiterhin “Bloggerin� nennen dürfen will, gibts da irgendwo eine Instanz, die definiert, was man als Blogger darf und was nicht???

    Es stellt sich also imo die Frage, wer sich hier gegebenenfalls “instrumentalisieren� lässt, die, die mal eben boulevardesk innerhalb 10 Minuten Aumerksamkeit das konkrete Teil ganz nett fanden, die, die daraus einen Medienskandal machen und die Korrumption des hehren Bloggertums an sich samt Weltuntergang befürchten, oder die, die sich von letzterem genervt zeigen, weil sie sich für blöde gehalten vorkommen, weil man ihnen so pauschal und umfassend nicht im geringsten zutraut, auch nur ansatzweise ein Gehirn im Schädel zu haben ;-)

    Und es stellt sich mir die Frage, wer hier wirklich der “Naive� ist, wenn ich da so manchen in seinen Idealvorstellungen (gegen die selbst nix zu sagen ist, solange man weiß, dass es ebensolche sind) “enttäuschten� lese (hier meine ich explizit nicht diejenigen, die sich tatsächlich sachlich-kritisch (und nicht etwa ad hominem, sowas mag ich nicht) mit der Sache auseinandersetzen. Wenn es sie - offensichtlich auch mehr als mich - persönlich so interessiert, dass sie da analysieren und kommentieren möchten, bin ich der letzte, der ihnen dieses Interesse an einer solchen Sache vorwirft)

    Wie dem auch sei, genau diese “Kritik� wird es sein, die dem Teil genau den “Erfolg� beschert, den diese Kritiker befürchten, nicht die paar Leute, die das Ding halt ganz lustig fanden und das sagten, ähnlich, wie sie einen McDonald-Werbespot lustig finden können, aber trotzdem lieber zum Burger King gehen, weil der einfach bessere Burger macht.

    Und falls man es bis hierher wieder vergessen hat: wer meinen Beitrag nochmal liest, nachdem sie/er die Kommentare durch hat, der/dem wird (hoffentlich) auffallen, dass das, was mir da an dem Thema als Zusammenhang wichtig war, nämlich die Kritik an dem Berater-Unwesen in der heutigen Politik und der Realitätsferne der Politikerkaste, vor lauter unwichtigem Kleinkram wie der Frage, ob eine Frau Lyssa Karriere machen darf wie sie will oder nicht, völlig untergegangen ist. Und bitteschön, wer ist für diese Ablenkung verantwortlich? Warn das auch die bösen manipulierenden Selbstdarsteller der Politik und der Medien? ;-)

    Selffulfilling Prophecy nennt man das dann wohl.

  13. marcc meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 15:47

    Ich kenne ja nicht Lyssas Motivation das Video trotz der Änderungswünsche aus dem Kanzleramt zu machen, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich bislang zweimal gerne nichts geschreiben hätte. Aber die Redaktion hat den Platz ja auch für den nächsten Tag eingeplant - und, wichtiger - ich werde ja nach Zeilen bezahlt.

    Und selbst wenn das ein hartes Interview geworden wäre, wäre am Thema rumgenölt worden. Denn von den zig Dingen, die Deutschland beschäftigen wären nur wenige drangekommen. Und da jeder seine eigenen Themen für die wichtigsten hält, wäre das auch wieder nichts gewesen.

    Aber jeder Blogger kann es ja besser machen. Plattform hat er ja schon. YouTube ist ein Klick entfernt. Digicam mit Videofunktion ist auch leicht zu erwerben.

    Und dank der eigenen (gefühlten) Bedeutung wird es doch ein leichtes sein zumindest den Bürgermeister, einen lokalen Mandatsträger aus Land- oder Bundestag vor die Linse und ins Blog zu bekommen. Und dann viel Spaß beim Versuch einen Pudding an die Wand zu nageln.

  14. Sven meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 15:58

    höhö, schönes Bild :-D

  15. logog meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 22:40

    Es ist kein Skandal. Wir können dereinst Zeugnis ablegen, wie eine Medienfigur sich inszeniert. Es ist das Debut politischer Bloggerei mit Breitenwirkung. Ein kostbarer Augenblick.

    24.000 Euro verballerter Steuergelder sind wahrhaft peanuts. Diese Typen sitzen immer an den Futtertrögen. Dass sie es so billig machen, kennzeichnet nur den momentanen Marktwert des Blogdings, den Lyssa gerade nach oben korrigiert.

  16. MiFoMM » Angela Merkel zu Hause - oder Kinderfunk for Dummies meint dazu:,

    16. July, 2006
    @ 23:08

    […] Über Sinn und Unsinn, über die Ausführung u.a.m. streiten nun die Gelehrten Journalisten (- und solche, die es werden wollen -) in den Kommentaren z.B. hier und hier und hier und hier und … […]

  17. rollinger meint dazu:,

    17. July, 2006
    @ 13:13

    ohne die Kommentare zu lesen und ohne das Video gesehen zu haben. Aber Fr. Merkel hat menschlich was nettes, was einfaches, daß mir gefällt. Zu sehen auch bei der WM.
    Nur als Kanzlerin eben nicht

  18. Jens meint dazu:,

    17. July, 2006
    @ 13:28

    > Marktwert des Blogdings, den Lyssa gerade nach oben korrigiert.

    und davon profitieren wir Blogger nunmal. Auch und durchaus vor allem die, die all das so schlimm und böse finden.

  19. loellie meint dazu:,

    17. July, 2006
    @ 14:01

    Der Profit des nach oben korrigierten Marktwertes wird darin bestehen, iregendwann genauso ernst genommen zu werden wie BILD oder Bravo.

    Fuer mich sind Blogs eine art Gegenstimme zum Copy/Paste “Journalismus� einer weitestgehend gleichgeschalteten Medienlandschaft. Wenn “Ihr� kopfueber in die Kloake der Banalitaet springen wollt koennt ihr das gerne tun. Nur braucht euch dann keiner mehr. “CocaCola.com� finde ich jedenfalls auch noch ohne “euch�.
    Da braucht’s keine Instanz und mit schlimm oder boese hat das auch nichts zu tun. Eher mit nutzlos.

  20. Sven meint dazu:,

    17. July, 2006
    @ 14:32

    Ich sehe, wie gesagt, nicht, wo das passieren sollte. Ich verstehe nicht, woher diese Panik kommt. Ich schreibe voraussichtlich auch die nächsten Monate so wie jetzt und über das selbe wie jetzt, und ich gehe davon aus, dass das alle anderen auch so machen.

    Ein anderer Gedanke, ohne hier jemanden “meinen� zu wollen damit:

    Mich erinnern manche Aspekte der Diskussion an meine “Jugend�, als musikalische Geheimtipps begannen, “kommerziell� zu werden und plötzlich von denen, die sie bislang hörten plötzlich abgelehnt wurden, weil die Lieder, die sie noch bis vor kurzem toll fanden, plötzlich auch im Golf des Poppers nebenan im Radio lief. Ich verstehe bis heute nicht die Motivation derer, die diese Geheimtipps, die keine mehr waren, plötzlich in Grund und Boden verdammten, nachdem sie vorher stolz jedem auf die Nerven gingen, dass man die und die Band höre und die gaaaanz arg superklasse seien. Das einzig superklasse scheint das Gefühl gewesen zu sein, einem elitären Kreis von Checkern und Durchblickern anzugehören, während “die anderen� sich mit “seichtem Kommerz abspeisen und ruhig stellen� ließen, auf die man schön herabblicken konnte, diese Nullblicker und dummen Schafe der Kommerzmaschinierie.

    Der Effekt damals war aber immer der: es gab die “Geheimtipps�, die plötzlich für Furore sorgten, danach die Trittbrettfahrer, die das selbe in seicht versuchten und damit tatsächlich auch kurz Erfolg hatten. Erstere gibt es dann bis heute (sofern sie sich nicht selbst per internem Streit o.ä. abgeschossen haben, zwischendurch). Letztere waren und sind Eintagsfliegen.

    Oh, und nochwas anderes als Überlegung: Lyssa lese ich seit langem und immer mal wieder gerne, aber ich habe noch nie Investigatives oder superkritisches von ihr erwartet, weil sie das auch so noch nie geliefert hat, das waren immer schon lockere, leichte “persönliche Homestories�, manchmal durchaus auch mit etwas Schärfe als Würze, aber nicht vergleichbar mit “echten� Polit- oder Gesellschaftskritikblogs anderer, wo es manchmal böse im Rachen brennen kann. Und genau deswegen lese ich da hin und wieder mal rein, weil mir der Stil gefällt und auch, mal zwischenrein eben “sowas� zu lesen.

    Wie gesagt, ich verstehe die Enttäuschung nicht. Wenn jemand wie DonA oder quirinius o.ä. “sowas� abgeliefert hätte, ja, aber doch nicht bei Lyssa - wieso sollte die plötzlich was anderes machen als sie schon immer gemacht hat und wofür sie ja auch nicht grade unbeliebt ist???

    Und nur weil Lyssa das tut, was sie getan hat und immer schon tat werden andere doch nicht plötzlich was anderes machen als das, was wiederum diese immer gemacht haben????

    Die Blosphäre hat imo genug Platz für alle Möglichkeiten dieses Mediums und ist ein Ort und ein Medium, in dem nun wirklich jeder genau das tun kann, was ihm beliebt und entspricht.

    Und wem dies oder jenes nicht gefällt, nein nicht “der soll halt nicht lesen…�, nein, für den gibt es auf jeden Fall in dieser riesigen Bandbreite genau das, was ihm gefällt. Und ist es (die)der nicht ists ein(e) andere(r). Oder gar eine Kombination von ganz verschiedenen.

    Ein bisschen weniger Panik und Aufregung wäre da jedenfalls imo angebracht - ich glaube jedenfalls nicht, dass die (Blog)Welt jetzt untergeht. Um Ehrlich zu sein, ich sehe nicht einmal die oben erwähnte Aufwertung des Blogdings-Marktwertes. Der steigt zwar langsam und stetig, aber mittelfristig IMO dennoch nicht schneller oder langsamer als ohne diese Geschichte hier. Ein kleine Peak, vielleicht. Aber eben nur ein Peak.

  21. logog meint dazu:,

    17. July, 2006
    @ 17:37

    Ja, klar gibt’s immer Frustrationen, wenn eine selbsternannte Avantgarde vom Mainstream überrollt wird. Aber die Nischen werden ja bleiben, wenn Schäuble nicht irgendwann durchdreht, die Blogger als Hassprediger entdeckt und Google beauftragt, die auf dem chinesischen Markt gewonnenen Erfahrungen hier umzusetzen. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Mein Interesse liegt nicht darin, Jemand und die Sachen, die er oder sie macht zu diffamieren, sondern zu beobachten, welcher Typus sich beim rat-race der Kommerzialisierung womit am Markt durchsetzt.

  22. Sven meint dazu:,

    17. July, 2006
    @ 17:54

    Hab ich hier auch keinem unterstellt, drum sagte ich ja, hier mein’ ich keinen. Aber woanders liest sich das schon hier und da so.. :-D

    Haha, ja, die Blogger als Hassprediger, das tät’ denen da gefallen :-):-)

Kommentieren

Chinas Wirtschaftswunder

Klar, erst die billigen Arbeitssklaven ab Kindesalter ausnutzen und den letzten paar hiesigen Arbeitnehmern auch noch erzählen, sie seien selbst Schuld, weil sie es wagen, unter diesen “Weltbedingungen� immer noch Geld für ihre Arbeit haben zu wollen, aber dann jammern, dass das logischerweise mit den Arbeitsplätzen auch dort hin verbrachte Know-How dort doch tatsächlich Füße kriegt.

Und “Plagiate�? Viele dieser “Plagiate� sind die normale Markenproduktion, die halt nur nicht die “Veredlung� durch Anbringung des Markenlogos durch den Betrieb, der die Rechte an dieser Marke hat, erhalten hat. Drum sind viele dieser “Plagiate� auch nicht minderer Qualität als die “Originale�. Weil sie oft gar von denselben Arbeitern in den selben Fabriken an den selben Maschinen hergestellt werden.

Mensch, Wirtschaft, du bist doch selber Schuld, erst den Reibach machen wollen auf Kosten der hiesigen wie der dortigen Allgemeinheit, und dann heulen, wenn sich diese kurzsichtige Strategie als schnellebiger Fehler mit langfristiger Negativbilanz rausstellt.

Und glaubt doch nicht, dass China seine Millarden “Konsumenten� euch überlassen wird, die schöpfen das zuallererst mal schön selber ab. Und ihr könnt froh sein, wenn ihr noch ein paar Krumen abbekommt. Das ist doch alles nichts neues.

China kann eine Chance sein. Aber ohne mittelfristige oder gar langfristige Überlegungen, die man mal in Betracht ziehen könnte, ohne gleich alles in ideologische Schubladen schmeißend abzuwimmeln, sondern nur mit dem schnellen Reibach im Kopf blind vorwärts zu stolpern und sich einem Regime anzubiedern, das letztlich per Ideologie diese Wirtschaft da ja doch sogar verachtet und entsprechend wenig Skrupel hat, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit über den Tisch zu ziehen (nur ein völliger Naivling kann das anders sehen), anstatt genau zu schauen, was gefahrlos geht und was halt nicht (es hat seinen Grund, warum in anderen Ländern Lohnpreise höher sind. Zumeist sind das keine schlechten Gründe, auch aus wirtschaftlicher Sicht!) wird schief gehen, q.e.d..

Vieles, was da heute als “linke Utopien� abgetan wird, ist nicht mal so nebenbei gesagt garnicht so “links�, wie gern getan wird, sondern althergebrachte solide und stinknormale Volkswirtschaftslehre. Kann sich nur scheinbar kaum mehr wer dran erinnern, weil die BWLer im Moment die Überhand haben und definieren, was “Wirtschaft� sei, übersehend, dass die Welt mehr als nur eine Ansammlung von Kennzahlen ist.

Wie blöd kann man denn noch sein! (ach, was frag ich überhaupt…)

(größtenteils via Rollinger)

4 Kommentare »

  1. Felix Deutsch meint dazu:,

    19. May, 2006
    @ 23:58

    Diese BWLer (und der überwiegende Teil der Journalisten in Wirtschaftsredaktionen auch angesehener Zeitungen) übersehen vor allem eine fundamentale Tatsache: “Wirtschaft� umfasst alle am Warenaustausch beteiligten, also eben auch die lohnabhängigen Konsumenten.

    Diese stellen sogar die ĂĽbergrosse Mehrheit dar.

    Dennoch liest man Schlagzeilen wie “Der Wirtschaft geht es gut�: Gemeint sind die Kapitalisten.

  2. Sven meint dazu:,

    21. May, 2006
    @ 19:36

    naja “die Kapitalisten� sind wir systemtechnisch gesehen schon alle, und ich persönlich habe nichtmal was gegen Kapitalismus. Das Problem ist nur, dass es eben nicht “den Kapitalisten� gut geht, sondern einem ganz bestimmten Teil von ihnen, auch auf Kosten der anderen.

    Denen nämlich, die in ihrer Identität vergessen haben, dass sie, bevor sie Kapitalisten sein können, zuallererst mal Menschen sind und Menschen um sich rum haben und eben nicht alleine sind auf der Welt. In einer guten Kindestube beginnt spätestens mit dem 6. Lebensjahr das Lernen dieser Einsicht, “Sozialisation� nennt man das wohl. Und für 4-jährige ist so ein Verhalten und so eine Weltsicht auch völlig “normal� und OK.

    Die, die damals allerdings verpasst haben, zu lernen, dass auch andere mit dem selben Recht Bedürfnisse usw. haben und die eigenen mit denen der anderen irgendwie in Gleichgewicht zu bringen sind, will man irgendwie als soziales Wesen durchs Leben gehen, und bis heute glauben, allein auf der Welt zu sein und die Umwelt als reines Mittel zur eigenen Trieb- und Anspruchsbefriedigung wahrnehmen (�Nochmal! Mehr! Jetzt! Ich hab’ Hunger! Ich will spielen! Ich will aber Pommes!�) haben nur dummerweise im Moment scheinbar das Sagen. Das heißt, wir werden von Ich-fixierten geistig auf der Stufe von 4-jährigen stehenden Sozialneurotikern bestimmt. Und das ist auch für einen Kapitalismus -> auf Dauer tödlich…

  3. rollinger meint dazu:,

    23. May, 2006
    @ 15:02

    Warum bin ich so stolz, daß mein 4 jähriger Sohn, obwohl Einzelkind das Teilen eben bei der Tagesmutter durch seine 3 Kollegen so in sich hat, daß er sein letztes Spielzeug verschenkt und durch ein paar andere Arschgeigen im Kindergarten quasi über den Tisch gezogen wird?
    Was soll ich ihm beibringen? Ist das gut, oder wird er ein Verlierer?

  4. Sven meint dazu:,

    23. May, 2006
    @ 16:35

    Das ist im Moment keine Frage, die du derzeit ausgerechnet mir stellen solltest…

    …obwohl, vor ein paar Wochen wär’s schlechter gewesen, da hätte ich dir tatsächlich einfach geantwortet, mit viel Sarkasmus und gegen alle meine Überzeugungen.

    Frag’ mich in ein paar Wochen nochmal, dann, wenn das so weitergeht wie bislang *klopfaufholz*, bin ich auf einem Stand, der eine “richtige� und “gute� Antwort möglich macht. Hoffentlich…

Kommentieren