Da Frau Osthoff immer noch nicht tut, was Medien und Soap-Konsumvolk so erwartet haben (und Politiker, die sich gern in einer solchen Umgebung geschmĂŒckt hĂ€tten, wohl, anders kann ich mir deren âEnttĂ€uschungâ? und âUnverstĂ€ndnisâ? nicht erklĂ€ren, denn unverstĂ€ndlich ist daran bei objektiver Betrachtung garnichts) wird das Medienvolk von der Journallie nun auf die schon wĂ€hrend der EntfĂŒhrung begonnene Linie eingeschworen, nur kein Bedauern zu zeigen, sollte dieser âleichtsinnigenâ? Frau doch noch was passieren (meine Meinung dazu schrob ich dort in den Kommentaren ja schon).
All diesen Schreiberlingen, die in meinen Augen keinen Schimmer von journalistischem Handwerk zu haben scheinen, sei dieses ARD-Interview mit Dr. Michael MĂŒller-Karpe vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz, der dort Projekte mit dem Irak koordiniert, ans Herz gelegt, um vielleicht ein bisschen was ĂŒber die HintergrĂŒnde zu verstehen.
tagesschau.de: [âŠ] Womit hat sich Frau Osthoff im Irak beschĂ€ftigt?
Michael MĂŒller-Karpe: Susanne Osthoff hat sich bereits Anfang der neunziger Jahre dafĂŒr eingesetzt, dass die Raubgrabungen, die damals begannen, einer breiten Ăffentlichkeit bekannt wurden. [âŠ]
tagesschau.de: Welchen Stellenwert hat ihre Arbeit fĂŒr die ArchĂ€ologie?
MĂŒller-Karpe: Den kann man gar nicht hoch genug einschĂ€tzen. [âŠ] Susanne Osthoff wollte darauf aufmerksam machen. Allerdings wollte man das nicht hören. [âŠ] Da wurden Aufnahmen gemacht, die jetzt stĂ€ndig gezeigt werden: vorne Susanne Osthoff, die ein Interview gibt, hinten Leute, die in einer archĂ€ologischen StĂ€tte graben. Der Kommentator sagt dann, dies sei Susanne Osthoff bei archĂ€ologischen Ausgrabungen. Das ist Unsinn! Es handelt sich dabei um Raubgrabungen! [âŠ] Und noch nicht einmal jetzt wird es richtig dargestellt.
tagesschau.de: Warum sind die WiderstÀnde denn so gro�
MĂŒller-Karpe: Es ist eine fĂŒr Deutschland höchst brisante und peinliche Angelegenheit. Deutschland ist einer der wenigen Staaten, die die Unesco-Konvention von 1970 zum KulturgĂŒterschutz nicht unterzeichnet haben. Diese Konvention besagt, dass man die Gesetze, die andere LĂ€nder zum Schutz ihres kulturellen Erbes erlassen haben, respektiert. Den eigenen BĂŒrgern wĂŒrde dann der Handel mit RaubgĂŒtern aus solchen LĂ€ndern untersagt.
[âŠ]
Da steckt eine finanzkrÀftige Lobby dahinter, die mit Hehlerware aus Raubgrabungen Geld verdient und die ganz offen mit dem Verlust deutscher ArbeitskrÀfte droht, wenn die Gesetze strenger werden.
[âŠ]
tagesschau.de: HeiĂt das auch: Wenn Susanne Osthoff diese Arbeit nicht machen wĂŒrde, dann wĂŒrde sie im Zweifelsfall niemand machen?
MĂŒller-Karpe: Das ist richtig.
Das ganze Interview unbedingt bei tagesschau.de: âMan kann ihre Arbeit nicht hoch genug einschĂ€tzenâ? lesen!
Unter anderem tĂ€ten einem Journalisten auch ein paar Gedanken ĂŒber die HintergrĂŒnde, warum es einer Bundesregierung so wichtig ist, dass Frau Osthoffs Projekte, die von der öffentlichen Hand mitfinanziert wurden, ab sofort so schön diskreditiert werden. Tipp: Regierungsentscheidungen heutzutage erscheinen nicht zu Unrecht nicht etwa als unter dem Primat des Gemeinwohls sondern unter dem betriebswirtschaftlicher Ăberlegeungen gefĂ€llt.
Wie gut, da einen Grund gefunden zu haben, hier ein paar zigtausend Euro auf einen Schlag einsparen zu können. Wenn die EmpfĂ€ngerin von Fördermitteln erfolgreich als âfanatischâ? u.Ă€. diskreditiert ist, geht das problemlos. So Ă€hnlich, wie das ja auch bei Einsparungen von Sozialleistungen wegen âSozialschmarotzernâ? funktioniert und wie das in einer entsolidarisierten Gesellschaft, in der sich keiner mehr fĂŒr eine Allgemeinheit mitverantwotlich fĂŒhlen muss, eben so ĂŒblich ist. Und dass das auf fruchtbaren Boden fĂ€llt zeigt ein Blick in manche Kommentare bei Herrn Bittner (der dagegen selbst zeigt, dass es noch Journalisten gibt, die nicht jeden gewĂŒnschten âVolkstrendâ? mitmachen).
Diese ganze verfickte hirnlose kurzsichtige ScheiĂ-Egomanen-Gesellschaft kotzt mich allerdings langsam nur noch an.
Nachtrag: Das Ganze erscheint schon bei leichtem Wegkratzen einer dĂŒnnen Schicht als eine (noch dazu sehr platte) politische Kampagne, die ein nur noch peinlich zu nennender âProfijournalismusâ? auch noch mitspielt - vor lauter âschnell noch einen Artikelâ? wird sich da nichtmal 5 Minuten Zeit genommen, auch nur ansatzweise an dieser dĂŒnn ĂŒbertĂŒnchten OberflĂ€che zu kratzen und ein bis zwei Gedanken daran zu verschwenden, welche Interessen die Politik bei dieser Schmierenkomödie verfolgen könnte. Die Zeiten, Spins gut verpacken zu mĂŒssen, sind wohl vorbei, es reichen schon die blödesten Funzeln um einen heutigen âJournalistenâ? zu blenden. Dinge in ZusammenhĂ€nge zu bringen, die eine Zeitfrist von zwei Wochen ĂŒberschreiten kann da eh kaum einer mehr, wieâs aussieht (links via Jens).
Nachtrag2: Ein schöner Kommentar im Tagesspiegel: Susanne von Arabien, der eine schöne und treffende Polemik enthĂ€lt - verlinke ich hier mal, auch um die Journalisten, die sich entgegen des (fĂŒr mich so erscheinenden) Trends differenzierende Sichtweisen zeigen nicht ĂŒber den pauschalen Kamm der oben Charakterisierten Möchtegern-Journalisten zu scheren, auch wenn auch hier noch nicht ganz verstanden wurde, was die Frau da wirklich tat/tut im Irak (und wem das ein Dorn im Auge zu sein scheint):
[âŠ] Prominente, die sonnige StrĂ€nde oder Steuerparadiese bevorzugen, werden deshalb auch nicht expatriiert. Sie will ihre Arbeit fortsetzen, trotz der Gefahr. Tun das Hilfsorganisationen, Reporter, Unternehmer nicht auch, im Irak und anderen Krisen- und Kriegsgebieten? Weil sie tun, was unsereins sich nicht zutraut, zollt man ihnen Respekt. [âŠ]
(via EoK)
Nachtrag3: Interessante Diskussionen auch drĂŒben bei rebellmarkt.
Nachtrag4: Wer sich etwas umfassender - und seriöser - ĂŒber Frau Osthoff und ihre Arbeit informieren möchte, fĂŒr den ist der Wikipedia-Artikel ĂŒber sie u.U. ein brauchbarer Ausgangspunkt. Schön bestĂ€tigt sich da auch mein Eindruck, dass der Versuch, Frau Osthoffs Reputation zu diskreditieren, tatsĂ€chlich von der FAZ auszugehen scheint. Im Weblinkteil gibt es auch ein paar interessante weiterfĂŒhrende Links, u.a. zur NYT etc.
Nachtrag5 (29.12.05): Klar, da zerrt man also nun eine durch jahrelange Ohnmacht in ihrer Arbeit zu Recht frustrierte, von den Boulevardmedien vom Opfer zum TĂ€ter gemachte und durch wochenlange Geiselhaft erfolgreich traumatisierte Person vor die Kamera (wohl noch etwa mit dem Argument, dass man das einer Ăffentlichkeit schulde oder was?) und wundert sich, dass da nix bei rauskommt? AuĂer fĂŒr die BILD, die sich wie nicht anders zu erwarten in einem Zusammenhang zwischen âirrâ?, âradikaler Moslemâ? und Ă€hnlichem vorurteilsgesĂ€ttigten Stichworten pseudomoralisch das Maul zerreiĂt, da gleich neben dem Pin-Up-Girl.
Zum GlĂŒck gibt es wenigstens bei der Netzeitung ein bisschen Reflexion ĂŒber den hier immer offensichtlicher werdenen journalistischen Dilettantismus, der sich von Anfang an durch den âFall Osthoffâ? zieht, der IMO keiner ist, sondern ein âFall Journalistenversagenâ? und ein Fall âPolitikerversagenâ? wie auch ein âFall BĂŒrgerversagenâ?, denn der gemeine Unterschichtenfernseh-Zuschauer frisst ja scheinbar alles an Gammeljournalismus, was ihm vorgeworfen wird und scheiĂt es kurz danach in jede Ecke weiter. Das solltâ ihm mal mit Lebensmitteln passieren, was er sich da medial verfĂŒttern lĂ€sst, da kĂ€mâ er ja aus dem Kotzen nicht mehr raus.
Ich wĂŒnsche jedem, der Frau Osthoff da jetzt in seinen bequemen Sessel pupsend be- oder gar verurteilt drei und mehr Jahre Arbeit unter schwersten existenziell belastenden Bedingungen, allein gelassen von Politik, uninteressant fĂŒr Medien, und am Ende völlig fĂŒr die Katz, und dann vier Wochen EntfĂŒhrung durch Leute, die wahrscheinlich nichtmal die englische oder deutsche Bedienungsanleitung der Handgranaten, Maschinengewehre und Raketenwerfer lesen können, die sie mit sich rumschleppen und auf sie richten. Dann gieĂen wir noch öffentlich einen groĂen Eimer Moral-GĂŒlle ĂŒber das Privatleben, wĂ€hrend die tatsĂ€chliche Leistung völlig im Dunkeln bleibt, weil medial uninteressant, und dann wird man in ein Studio geschubst, voll mit Journalisten-Dilettanten, die keine Ahnung haben, worum es geht. Dazu noch die HĂ€me von selbstgerechten wohlgenĂ€hrten RTL2-News-Guckern und BILD-Lesern, die keine hundertstelsekunde lang auch nur versuchen, sich in eine solche Lage reinzuversetzen aber einen völlig selbstverstĂ€ndlich auf niedrigstem persönlichem Niveau aburteilen und beleidigen (und das Ganze als Teil ihrer âMeinungsfreiheitâ? bezeichnen).
Dann will ich sehen, ob derjenige auf teilweise wirklich blödsinnige Fragen klare und stringente Antworten liefern kann und wie er auf im Vorwurfston moralischer Ăberlegenheit vorgetragene Forderungen nach âDankbarkeitâ? beantwortet.
P.S.: Dr. Dean kam auf die einfache Idee, Frau Osthoffs Interview-Aussagen von dem umliegenden Geplapper zu befreien und stellt eine relativ klare inhaltliche Linie fest, zumindest jedenfalls ist das Ergebnis weniger wirr, wie mit dem anderen Redestrang. Dass da irgendwie zwei Leute jeweils von völlig anderen Dingen sprachen habâ ich auch gemerkt (das ist wie jeweils die HĂ€lfte zweier verschiedener Dialoge aus zwei verschiedenen Filmen gegeneinander geschnitten), aber so genau hatte ich mirâs noch nicht angeschaut. Doch ja, so geht das eigentlich sehr gut. Und ein paar schöne Hintergrundinfos zum Thema Raubgrabungen etc. hat er auch gefunden.
Solange mir keiner von den besserwisserischen GroĂmĂ€ulern, die da jetzt ĂŒber Osthoffs âirrenâ? Auftritt ablĂ€stern, zeigt, dass er durch solche Situationen kommend in einer solchen Situation auch nur einen Tick besser agieren kann möge man sich mir gegenĂŒber mit Urteilen, die sich auf dieses Interview stĂŒtzen, sehr zurĂŒckhalten, wenn er keine gepfefferte Antwort vertragen kann, OK?
Nachtrag6 (29.12.05): Nach der EnttÀuschung mit der SZ (Link da oben) versöhnt mich dieses Interview wieder, das den Fokus mal wieder auf allgemeine Fakten und weg vom hÀmischen Ausverkauf des Privatlebens lenkt:
[âŠ]
SZ: Ihre Erfolge, so heiĂt es, seien bei allem Engagement dĂŒrftig gewesen.
Sommerfeld: Das ist nicht wahr. Seit den frĂŒhen Neunzigern, seit den Zeiten des Embargos, haben sich Hilfsorganisationen ihre Sprach- und Ortskenntnisse zunutze gemacht. Und abgesehen von der humanitĂ€ren Arbeit: Was sie fĂŒr die ArchĂ€ologie geleistet hat, kann man gar nicht hoch genug schĂ€tzen.
Dass es heute ein Bewusstsein fĂŒr Raubgrabungen gibt, ist auch und vor allem ihr Verdienst. Sie hat eine Weltöffentlichkeit hergestellt fĂŒr den Schutz jahrtausendealter Hochkulturen. Das Unesco-Team hat sich die Raubgrabungen aus der Luft angesehen, sie hat Fernsehteams dorthin gebracht und es geschafft, dass es ĂŒberhaupt Bilder gibt. Am spektakulĂ€rsten war ein Bericht in der New York Times aus Isin vor zwei Jahren. Die Aufnahmen sind bis heute fast die einzigen Bilder von Raubgrabungen. Dass GroĂbritannien und die Schweiz die Unesco-Konvention zum Schutz von Kulturgut ratifiziert haben, hĂ€ngt damit zusammen.
[âŠ]
SZ: Als Simona Pari und Simona Torretta nach ihrer EntfĂŒhrung 2004 freigelassen wurden, feierte sie ganz Italien, obwohl auch sie erklĂ€rt hatten, dass sie in den Irak zurĂŒckkehren wollen. Der gröĂte Teil der deutschen Ăffentlichkeit hat sich Susanne Osthoff gegenĂŒber schon wĂ€hrend der EntfĂŒhrung distanziert und ablehnend verhalten.
Sommerfeld: Sie eignet sich nicht als Identifikationsfigur, sie ist nicht zu Weihnachten nach Deutschland gekommen, nicht in Talkshows aufgetreten. Bei vielen herrscht der Eindruck: Die will uns nicht. Und sie ist Muslimin. Der Islam aber wirkt so fremd und gefÀhrlich, dass ein Mensch, der sich freiwillig in diesen Kulturkreis begibt, nicht ganz normal sein kann. Das ist das eine. Vielleicht liegt in der Ablehnung aber auch eine projizierte Furcht: Wenn sie etwas unternimmt gegen die Not im Irak - gegen alle WiderstÀnde - warum tue ich nichts?
(via Dave-Kay)
Nachtrag7 (31.12.05): Schön, die FAZ kann nicht nur Verschwörungstheorien (braucht dafĂŒr aber eine Elke Heidenreich)
Nachtrag8 (31.12.05): Ein weiterer Aspekt in der Welt am Sonntag: âDer BND hat sie ausgepreĂt und weggeworfenâ? - und damit mehr offene Fragen, warum die Frau auch von Seiten der Politik so aggressiv angemacht wirdâŠ
Nachtrag9 (1.1.06): So, und mit diesem Artikel in der FAZ, in dem die Bearbeitung des Interviews Frau Osthoffs im ZDF kritisch hinterleuchtet wird stellt Patrick Bahners den in meinen Augen durch jenen Verschwörungstheorie-Artikel (oben) arg ramponierten Ruf der FAZ wieder halbwegs her, vor allem, wenn er auch das eigene Blatt nicht aus der Kritik lÀsst (Hervorhebung von mir):
[âŠ] Just zu dem Zeitpunkt, da in der deutschen Presse, auch in dieser Zeitung, Zweifel an der SeriositĂ€t von Susanne Osthoffs archĂ€ologischem und humanitĂ€rem Engagement artikuliert wurden, verweigerten ihr die Therapeuten vom ZDF die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Man lieĂ ihr den Appell, die Deutschen sollten sich einmal âGedanken ĂŒber den Hintergrund machen, daĂ sie nicht weit von dem Ganzen entfernt sindâ?.
Es klingt wie eine Weltverschwörungstheorie, wenn sie anfĂŒgt: âIrak ist auch bei uns, ich habe ja erwĂ€hnt warumâ?, aber dieses vorher ErwĂ€hnte ist der Bearbeitung zum Opfer gefallen [âŠ]
(Link via Dr. Dean)
Nachtrag9 (3.1.06): Georg Meggle, Professor fĂŒr Philosophie an der UniversitĂ€t Leipzig mit Themenschwerpunkten u.a. Kommunikation, Kollektive IntentionalitĂ€t und Terrorismus, analysiert das Interview des ZDF in der Telepolis und kommt zu völlig anderen SchlĂŒssen als der gröĂte Teil der Medien und der Ăffentlichkeit. (Und damit zu einem Ergebnis, das mich doch ein wenig beruhigt, denn es bestĂ€tigt auch meine eigene EinschĂ€tzung, so dass ich wohl davon ausgehen kann, noch nicht völlig verscheuklappt zu sein):
[âŠ] Der Kern der Botschaft der ArchĂ€ologin Susanne Osthoff ist sinngemÀà dieser: Verdammt noch mal, unterscheidet doch endlich zwischen dem mir persönlich ZugestoĂenen (ein âkurzes Verbrechenâ?) und dessen gröĂerem Kontext: Das âkurze Verbrechenâ? an mir hat eine âlange Geschichteâ?! Anders ausgedrĂŒckt: Wie wollt Ihr meinen Fall â d.h., mich â âverstehenâ?, wenn Euch der (historische) Kontext derart egal ist?
Dieser Appell steckte schon in der dritten Antwort von Osthoff - und bis dahin waren auch ihre SĂ€tze noch weitgehend grammatisch korrekt. Der Appell blieb absolut wirkungslos. Die TV-Sprecherin â und sicher nicht nur sie - war auf diesem Ohr völlig taub. Kontext war im Rahmen dieser Sendung keiner vorgesehen. Ein tieferes VerstĂ€ndnis gehörte nicht zum Programm. âVerstehen Sie?â? Auch dieses Signal ging ins Leere.
Es bleiben einige Thesen von Susanne Osthoff, die nach ErklĂ€rungen und dann wohl auch nach weiteren Diskussionen verlangen. [âŠ]
Unbedingt lesen! Und spĂ€testens jetzt auch gleich (nochmal) das (nicht gekĂŒrzte) ZDF-Interview Und am besten vorher noch das bei al jazeera, denn darauf wird ja immer mal Bezug genommen, es also als bekannt vorausgesetzt), das, wie ich fĂŒrchte, von all denen, die ĂŒber Frau Osthoff so schnell und einfach den Stab brechen, noch nicht einmal wirklich ernsthaft gelesen wurde!
(via Kommentare bei lautgeben)
Nachtrag10 (3.1.06): Auch in der TAZ beginnt manch einer zu ahnen, dass das, was da abends im ZDF zu sehen und hören war nicht unbedingt das war, was tatsÀchlich kommuniziert wurde oder werden sollte:
[âŠ] Susanne Osthoff nutzt die Gelegenheit, der Ăffentlichkeit mitzuteilen, dass im Irak bittere Not herrscht. An ihrem mit Sturheit gewappneten Eigensinn zerbricht der vom ZDF sorgfĂ€ltig eingefĂ€delte Text. Eine aufregende, emotionsgeladene und glĂŒcklich ĂŒberstandene EntfĂŒhrungsgeschichte war geplant. Aber Osthoff ist gegen allen âprivaten Pipifaxâ?: Wichtig wĂ€re es, âdass die BĂŒrger mal solche Dinge erfahren: weshalb wir da ĂŒberhaupt noch etwas tunâ?. Noch wĂ€hrend sie ihre Hilfslieferungen fĂŒr vierzig irakische Familien organisierte, ging ihr das Geld fĂŒr die Miete im bayerischen Glonn aus. âMein Vermieter hatte ja keine Gnade.â? Und: âIch habe aber gewusst, dass die Leute [im Irak] noch Ă€rmer sind als ich.â? [âŠ]
Nachtrag11 (4.1.06): Die Medienmaschine hat ihren Anspruch auf Personality wohl durchgesetzt - Frau Osthoff spielt nun ein wenig mehr nach deren Regeln, und schon werden die Töne ihr gegenĂŒber freundlicher und fairer. Schade nur, dass Fairness seitens Medien scheinbar nicht von vornherein gegeben wird sondern erst kommt, wenn man tut, was sie wollen.
Ein (ich weiĂ: ungebetener, aberâŠ) Ratschlag von mir: sie sollte tatsĂ€chlich âmitspielenâ?, mit etwas GlĂŒck schauen dann wenigstens ein paar Politiker und Verwaltungsbeamte doof aus der WĂ€sche, denn natĂŒrlich ist das so, dass man auch den Medien Dinge, die sie möchten und erwarten nur gegen Gegenleistung gibt. Hier wĂ€re eine solche, eben der Arbeit und dem Engagement Frau Osthoffs ebensoviel Platz einzurĂ€umen, als Bedingung dafĂŒr zu setzen, dass man auch âPersonalityâ?-Themen zulĂ€sst, die eigentlich keinen Arsch was angehen. Wer das System nicht Ă€ndern kann muss es wohl versuchen zu nutzenâŠ
Nachtrag12 (6.1.06): Auch RTL versucht nun, den von den Medien zerstörten Ruf Frau Osthoffs wieder ein wenig herzustellen (via Dr.Dean). Ist da nach doch inzwischen sehr massiver Kritik der letzten Zeit an den Medien ein allgemeines Umschwenken, gar eine aus Selbsterkenntnis gewonnene Einsicht zu erkennen, oder ist man nur zufrieden, weil Frau Osthoff den Forderungen der Medien nun doch ein wenig entgegenkommt und âpersönlichesâ? zulĂ€sst, die Medien sich also âerfolgreichâ? sehen, Frau Osthoff gegenĂŒber ihren Willen mit Druck durchgesetzt zu haben?
Vor allem aber bin ich mal gespannt, ob das Thema âRaubgrabungenâ? mit diesem nun endlich doch noch erfolgreich aufâs Private verlagerten Schwerpunkt nochmal je aufs Tablett kommt. Nein, von den Medien erwarte ich das nun wirklich nicht - aber u.U. schafft Frau Osthoff es, wenn sie nun nach den vorgegebenen Regeln spielt, hier doch nochmal einen unerwarteten Schachzug einzubringenâŠ
Nachtrag13 (10.1.06): Nachdem Frau Osthoff nun bei Beckmann war (hier mit Real-Video - und hier gleich der Kurzverriss) und damit dem âBedĂŒrfnisâ? der Medien (die das freilich als BedĂŒrfnis des Zuschauers kaschieren) nach Personality und emotionalem Inhalt endlich entsprochen hat, so dass diese in den letzten Tagen sichtlich versuchten, einiges von dem, was sie kaputt gemacht haben wieder zu relativieren, gibt es sogar richtig selbstkritische Töne zur selbstgewĂ€hlten Aufgabe der Massenmedien und zu deren Methodik, die sich um Fakten und HintergrĂŒnde nicht bemĂŒht solange nur genug Emotion vermittelt werden kann:
[âŠ] Wir sind eben, seit ein paar Jahren, keine Ăberbringer von Nachrichten mehr, wir verkaufen Emotionen, erzĂ€hlen Geschichten, entwerfen Weltbilder, wir suchen nicht Distanz, sondern NĂ€he, wir vermengen das, was in den Zeitungen frĂŒher voneinander getrennt wurde, wir machen es inzwischen fast alle so Ă€hnlich wie âBildâ. Jede Geisel muss fĂŒr eine runde Geschichte stehen, ihr Schicksal muss eine Botschaft enthalten, sie darf nicht einfach nach Hause gehen, erleichtert sein und schweigen. Wer schweigt, macht sich verdĂ€chtig.
Wenn diese Maschine erst einmal lĂ€uft, kann keine Macht sie anhalten, so lange, bis es uns langweilig wird. Osthoff wurde Opfer eines Verbrechens, sie muss sich deshalb nicht fĂŒr ihr Leben rechtfertigen. Sie muss nicht sympathisch sein. Solche SĂ€tze sind Theorie. In der Praxis sieht es so aus, dass Osthoff sich bei ihren ersten Medienauftritten dumm angestellt hat und jetzt vor der Frage steht, ob sie als verrĂŒckte Rabenmutter in die Geschichte eingehen möchte, wer will das schon. Also musste sie zu Beckmann gehen, und Beckmann stellte ihr die Mutter aller Fragen: âWas war das fĂŒr ein GefĂŒhl?â [âŠ]
Damit schlieĂe ich fĂŒr mich dieses Thema zumindest halb zufrieden ab, denn fĂŒr einen Journalismus, der es zumindest stellenweise noch schafft, sich selbst und seine Mechanismen zu reflektieren gibt es noch Hoffnung. Auch die, dass aus dieser Selbsterkenntnis vielleicht doch noch mal die Einsicht erwĂ€chst, dass Journalismus, so er professionell sein will, nicht nur bestimmte Dinge besser nicht macht, will er sich noch selbst im Spiegel ansehen, sondern vielleicht sogar wieder seine Aufgabe findet: im Berichten ĂŒber HintergrĂŒnde, Fakten, ZusammenhĂ€nge, die Zeitrahmen von mehr als drei Wochen umfassen und in professioneller Recherche und Handwerk, das den Bedarf an Wissen bedient. Und nicht nur den kurzfristiger Soap-Unterhaltung. Denn dafĂŒr sind andere da. Vielleicht passiert sowas ja irgendwann, wenn die Beckmanns und Kerners und wie sie alle heiĂen endlich aufhören, Vorbild fĂŒr den Journalismus zu sein anstatt abschreckendes Beispiel, wie es sein sollteâŠ
Das war dann wohl der letzte Nachtrag einer der letzten NachtrĂ€ge, viel mehr ist nun erstmal nicht mehr zu erwarten, denke ich. Weitere weiterfĂŒhrende Links könnt ihr gerne (und werde ich ggf.) trotzdem noch in die Kommentare setzen. Die lohnen sich ĂŒbrigens auch zu lesen, denn ein paar Links, die ich jetzt nicht hier in den Artikel ĂŒbernommen habe, gibt es dort auch jetzt schon.
(Danke an Silke, die mir die obigen Links unten in die Kommentare schrieb)
âŠdenn einen habâ ich noch:
Nachtrag14 (11.1.06): Auch die SZ verreisst die Beckmann-Sendung. Oder besser: den Beckmann. Und mit Recht.
[âŠ] GĂ€nzlich verbieten sich all die anderen Fragen, die zuletzt von der sensationsgierigen Allgemeinheit an die Adresse der ehemaligen Geisel gestellt wurden. Es geht AuĂenstehende schlicht nichts an, wie gut sich Susanne Osthoff um ihre Tochter kĂŒmmert, wie das VerhĂ€ltnis zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern ist, wie stark sie raucht, oder wie medientauglich sie ist. Völlig deplaciert - weil womöglich gefĂ€hrlich - ist eine öffentliche Diskussion ĂŒber ihr VerhĂ€ltnis zum Bundesnachrichtendienst.
Reinhold Beckmann muss sich vor diesem Hintergrund die Frage gefallen lassen, warum er all diese NebensÀchlichkeiten in seiner Sendung eine volle Sendezeit lang thematisiert hat.
Um als Einzelgast bei ihm geladen zu werden, reicht ein Ministeramt in der Regel nicht aus. Da mĂŒsste sich schon die Kanzlerin oder ein Ă€hnliches Kaliber die Ehre geben. Im Gegensatz zu der Irak-Expertin ist die Kanzlerin allerdings seit Jahrzehnten im Umgang mit den Medien geschult. Susanne Osthoff hingegen war bis vor wenigen Wochen ein Mensch, dem die Medien keinerlei Beachtung schenkten (Anmerkung Sven: zumindest nicht die deutschen). All die wohlfeilen Kritiker der gebĂŒrtigen Bayerin sollten sich daher die ehrliche Frage stellen, wie glatt und geschmeidig sie wohl bei einem jĂ€hen Auftritt in einer 75-Minuten-Sendung mit der ungewöhnlich hohen Quote von 22,5 Prozent rĂŒberkĂ€men.
[âŠ]
Doch die PrioritĂ€ten des Reinhold Beckmann waren offensichtlich anders gelagert. Das vorranige Ziel des Fernsehmanns lautete wohl, Teilhaber zu werden an der medialen Inszenierung, zu der der EntfĂŒhrungsfall Osthoff inzwischen verkommen ist. Diese Gelegenheit wollte er sich bei aller echten oder unechten EinfĂŒhlsamkeit nicht entgehen lassen.
(via Dave-Kay)
Nachtrag15 (14.1.06): FĂŒr diese Zusammenstellung (beim Demagogen) diverser Beckmann-Bashings seitens einiger namhafter Feuilletons auf Beckmanns Behauptung, seine Schmierigkeit beim Osthoff-Interview, die ihm von z.B. Antje Vollmer vorgeworfen wurde sei âweder beim Zuschauer noch in den Feuilletons angekommenâ? lohnt es sich, doch nochmal einen Nachtrag zu machen. Und natĂŒrlich, dem Link zu folgen
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rafael meint dazu:,
14. December, 2006
@ 15:38
Danke fĂŒrd den spannenden Bericht! Ich komme aus der Schweiz uund habe auch schon Posts veröffentlicht in Bezug auf die zunehmende AuslĂ€nderfeindlichkeit. Und ich finde, dass das ein akkutes Problem darstellt. Die GrĂŒnde mögen vielfĂ€ltig sein aber gerade im Rechtspopulismus und bei Jungen muss dringed Gegenruder gegeben werden!
Sven meint dazu:,
15. December, 2006
@ 19:56
@jess (dessen âKommentarâ? ich nicht freigeschaltet habe): wenn du mehrseitige Pamphlete ablassen willst, dann eröffne ein eigenes Blog. Meins ist keine Plattorm fĂŒr dĂŒmmliche Polarisierungs-Rethorik xenophober Vorurteilsnachquatscher.
@jeden weiteren (oder gleichen unter anderem Namen) Kommentator, der hier versucht, einen ad hominem-Kommentar gegen einen der Initiatoren dieses Projektes abzuladen: vergiss es, der Versuch, nachvollziehbare Ergebnisse umfassender Forschungsprojekte dadurch relativieren zu wollen, einen beteiligten Forscher auf persönlicher Ebene âschlechtâ? zu machen, indem man ihm (wie das dafĂŒr ĂŒblich ist) âpersönlicheâ? Intention zu unterstellen sucht (natĂŒrlich hat jeder Forscher persönliche Intentionen: nĂ€mlich das Interesse an seinem Forschungsgegenstand. sonst wĂŒrde er was anderes beforschen oder angeln gehn) ist durchsichtig, langweilig und natĂŒrlich fĂŒr das Thema und seine HintergrĂŒnde völlig ohne Belang.
Drum wird sowas auch in Zukunft nicht den Spam-Ordner verlassen.
Du magst dĂ€mlich genug sein, auf solcherlei unsachliche Pseudo-â?Argumentationâ?, deren einziger Zweck pure Ablenkung sein muss, reinzufallen. Aber halte bitte nicht jeden anderen fĂŒr ebenso dĂ€mlich wie du es bist!
Dr. Dean meint dazu:,
17. December, 2006
@ 22:51
Ich mag den Begriff âgruppenbezogene Menschenfeindlichkeitâ? und so manches, was dieses bielefelder Institut veröffentlicht. Leider aber ist die Studie methodisch schwach, ja, sogar sehr schwach. Es wird ii.d.R. zumeist mit einer einzelnen (!), ohnehin fragwĂŒrdig gestalteten Frage gleich eine ganze Kategorie politischen Denkens beim Befragten, Ă€hem, erforscht.
Bei dieser Studie fehlt, sorry, jedes ernst gemeinte Erkenntnisinteresse, adĂ€quates Differenzieren und Nachforschung, geschweige denn ergĂ€nzende Forschung im Feld, um aufgeworfene Fragestellungen besser beantworten zu können. Das wissenschaftliche Gegenteil ist der Fall, die ganze âStudieâ? ist in meinen Augen reine Effekthascherei, die Fragestellungen sind sogar auf maximale Skandalisierung des erhaltenen Ergebnisse designt.
So gut dies alles letzlich auch gemeint sein mag: Ich hasse derartig liederliche sozialwissenschaftliche âStudienâ?.
Dass es bei den meisten Fragestellungen (nein: allen!) fĂŒr den Befragten nicht einmal die Antwortmöglichkeit âweiĂ nichtâ? gab, auch dies dient in erster Linie weniger dazu, die Wirklichkeit abzubilden, sondern vielmehr dazu, am Ende möglichst skandalöse Prozentzahlen zu erhalten.
Noch ĂŒbler: Das bielefelder Institut hat aus der bereits in der Vergangenheit geĂ€uĂerten Kritik nichts gelernt, und suhlt sich, wie ich finde unverantwortlich, im vermeintlchen Glanz des massenmedialen Interesses.
Ich meine: Man hÀtte mit einer sorgfÀltiger und vor allem wissenschaftlich einwandfreier designten Studie in vielen Bereichen differenziertere, wirklichkeitsnÀhere und teils sogar diametral völlig entgegen gesetzte Ergebnisse erhalten.
Diese Chance wurde vertan.
Sven meint dazu:,
18. December, 2006
@ 01:13
Stimmt, rein wissenschaftlich gesehen gibt es da methodische SchwĂ€chen, wobei ich das âmöglichst skandalöseâ? da nicht so recht finden kann, genau genommen finde ich eben die medialen âSkandaleâ? gerade dort so nicht wieder (ich erwĂ€hnte ja die sonderbaren Ăberschriften âOst vs. Westâ?, gerade diesen âFokusâ? finde ich in den Studien selbst nicht, auch wenn deren Zahlen das sogar hergĂ€ben), insoweit kann ich der Schwere deiner Kritik nicht ganz folgen. Was ich dort finde und wie das dann in den Medien rezipiert wird bekomme ich fĂŒr mich als auĂenstehenden Betrachter nicht zusammen.
Die grundsĂ€tzlichen Ăberlegungen, vor allem eben zu Fragen nach demokratischen oder auch gestalterischen Teilhaben (bzw. auch ânurâ? das GefĂŒhl davon) erscheinen mir allerdings - auch aus eigener Erfahrung, z.B. in dem Mikrokosmos von Vereinen, in denen ich genau das (Hierarchieetablierung, Verdrossenheiten, Frust, Konsequenzen daraus) erlebt habe - sehr plausibel.
Dass man Statistiken natĂŒrlich grundsĂ€tzlich auch mit einem relativierendem Auge betrachten muss, ja, das ist natĂŒrlich auch klar. Gerade auch dann, wenn Zahlen âzuâ? absolut werden. Aber hier sehe ich âFehlerâ? durchaus in den Details, fĂŒr die Grundtendenzen finde ich die Datenbasis ausreichend - als jemand, der hier weniger nach âwisenschaftlicher Exaktheitâ? hinterm Komma sucht (und dem es deshalb ziemlich wurscht ist, ob VerhĂ€ltnisse grob 30 zu 70 sind oder 23,678 zu 67,638 zu Rest âunentschiedenâ?) sondern nach einer hinreichenden groben Basis, um eine grobe Richtung zu haben, in die genauer hinzuschauen sich dann mal lohnt. GegenĂŒber plumpen StammtischsprĂŒchen brauche ich keine hochdetaillierte und komplexe Zahlenbasis auf drei Stellen genau sondern einen klare Alternative, die durchaus erstmal ein Ă€hnlicher Scherenschnitt sein darf wie die populistischen SprĂŒche am Stammtisch auch.
Oder ist âWirklichkeitsnahâ? erst dann erreicht, wenn man wirklich jedes Detail und jeden Einzelfall in die Relationen mit reinrechnet? Wenn ich sag âdie Sonne scheintâ? kann der Himmel Wolkenlos bis halb bedeckt sein, aber wichtig ist erstmal festzustellen, dass die Sonne scheint, oder bin ich mit dieser Aussage nicht âwirklichkeitsnahâ?, weil ich die Information rud um den Sonnenschein âunterdrĂŒcktâ? habe? Oder ist es nicht ertsmal so, dass welche Wolken, so doch zur Sonne noch welche da sind, das genau sind, Cirrus, Wölkchen, Schicht oder was auch immer, da erstmal wurscht ist, wenn es um die Frage âSonne oder keineâ? gehtâŠ
Was natĂŒrlich korrekt ist: methodische Ungenauigkeiten öffnen âad homenemâ?-Kritikern, die mit dem Angriff auf das âEngagementâ? oder gar den âCharakterâ? der Betreiber versuchen, sĂ€mtliche Ergebnisse oder Ăberlegungen zu diskreditieren (finde den Detailfehler, am besten schon in der Persönlichkeit, dann kann man versuchen, alles andere ebenfalls mit ins Klo spĂŒlen) um den (logisch natĂŒrlich völlig daneben gehenden) RĂŒckschluss zu provozieren, dass dann natĂŒrlich âdie Wahrheitâ? im Gegenteil der Aussage lĂ€ge, deren Urheber man da gerade versucht, âunglaubwĂŒrdigâ? zu reden, TĂŒr und Tor. QED, ich hatte von dieser Sorte hier schon zwei Kommentare, die versuchten, mit einer solchen âArgumentationâ? zu âbelegenâ?, dass dann ânatĂŒrlichâ? das Gegenteil von âMultikultiâ? das anzustrebende Ideal sei. Insoweit ist es in der Tat schade, dass sich da jemand ohne Not in dieser Form angreifbar macht, und das natĂŒrlich ist ein legitimer Kritikpunkt.
(Wird Zeit, dass ich endlich mal die Zeit finde, ĂŒber diese Augustinische polare âWahrheitsâ?-Logik was zu schreiben, denn das ist ein dermaĂen internalisierter Denkansatz in unserer Gesellschaft, der mich immer öfters zur WeiĂglut bringt. Schon fast schlimmer als diese Schuld-ScheiĂe.)
Aber wie gesagt: ich habe das hier ja nicht als Rezeption hochwissenschaftlicher Erkenntnisse zur Erbauung fĂŒr Soziologen mit dem Anspruch an wissenschaftlicher Detail-Akkuratesse gesetzt, sondern eben, weil hier ohne völligem (und unverstĂ€ndlichem) Klein-Klein-Detail-Gefuddel in abgehobener Sprache und âintellektualisiertemâ? Duktus ein paar ganz ânormaleâ? (und fĂŒr mich im Alltag nachvollziehbare) Dinge klar und deutlich zum Ausdruck kommen - und auch hinreichend plausibel, solange ich da keine AnsprĂŒche anlege, die an anderen holzschnittartigen Darstellungen witzigerweise auch kein Journalist oder Politiker vermisst. Genau genommen ist das im Vergleich zu den anderen Holzschnitten, die so auf dem Markt sind, sogar noch kupferstichartig genau. Und damit genau genug.
âChance vertanâ? sehe ich deshalb nicht. Eher so rum: Schade, wenn man die Chance, hier mal auf auch fĂŒr den âNormalmenschenâ? verstĂ€ndliches und nachvollziehbares zurĂŒckgreifen zu können, vertĂ€te, nur weil das Ganze halt nicht mit 1000%-gem Elfenbeinturm-Anspruch und mehr FuĂnotentext als Inhalt, wie das fĂŒr âwissenschaftlichesâ? eher âĂŒblichâ? wĂ€re, vorliegt (und dann eh kein Otto-Normal mehr verstehen könnte, also was tĂ€tâs nĂŒtzen wennâs so wĂ€re?). Wieso etwas verwerfen, das jeglichem Stammtischgelaber immer noch haushoch ĂŒberlegen ist? Weilâs nicht reinweiĂ ist sondern an manchen Punkten ein paar graustichigkeiten zeigt? Auch ein Grauschleier auf einem weiĂen Stoff macht das Hemd, das draus genĂ€ht wird nicht schwarz, sondern es bleibt ein weiĂes Hemd. Und wenn ich eine schwarze Weste drĂŒberziehe dann ist es sogar ârichtigâ? weiĂ, weil ĂŒber den Kontrast der graue Schleier völlig in den Hintergrund tritt.
Sorry, aber da habe nun ich keinerlei VerstĂ€ndnis dafĂŒr.