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Er gab uns 39

Seit Westerwelle und Öttinger den QualitĂ€tsstandard in Sachen englische Sprache neu gesetzt haben sind offensichtlich alle Anstrengungen aufgegeben worden, die Auswirkungen der Bildungsmisere noch irgendwie kaschieren zu wollen…


(via Niggemeier)

2 Kommentare

Nachrichtenboykott

Immer noch. Und irgendwie habe ich das GefĂŒhl, dass ich nichts verpasse. In der Frage, ob mich das beunruhigt oder beruhigt entscheide ich mich einfach mal egoistisch fĂŒr letzteres. Zumindest muss ich mich nicht ĂŒber die jĂŒngsten Möchtegernwichtigkeiten dieser dilettantischen Möchtegerneliten in Politik und Medien aufregen. Das ermöglicht einen ruhigen Schlaf.

2 Kommentare

Wie produziere ich eine neue Generation von linken Terroristen?

fragt SPON und bietet seit langem endlich mal wieder einen Artikel, den ich verlinken kann. NatĂŒrlich ist seine Auflistung der Geschehnisse vor, wĂ€hrend und nach dem G8-Gipfel lange nicht komplett (es fehlen z.B. die ums mehrere hundertfache (!) ĂŒbertriebenen “Verletztenâ€?-Zahlen nach Krawallen und so einiges mehr, aber das wĂ€ren ja u.U. Dinge, die auch ein schlechtes Licht auf die “unabhĂ€ngigenâ€? Medien werfen könnten, die gern allzu unkritisch jedes gestreute GerĂŒcht zur Tatsache hochstilisierten) und auch leider der Gestalt, dass man die HintergrĂŒnde um das, was in der Liste aufgefĂŒhrt wurde, kennen muss, um damit wirklich was anfangen zu können. Aber man muss wohl froh sein, dass es ĂŒberhaupt in den Medien solche Reflektionen gibt, auch wenn sie dĂŒrftiger ausfallen als man es sich wĂŒnscht. Der Anspruch sinkt mit dem allgemeinen Mangel.

Das Fazit ist jedenfalls Hoffnung weckend, dass die etablierten Medien nicht alle nur Spins und PR-Blasen nachplappern:

[
] Die Pointe zum Schluss - Phase 4 - ist nun die Forderung nach einer europaweiten Autonomendatei. Die brauchen wir freilich so wenig wie Kampfjets ĂŒber Zeltlagern oder DrahtgefĂ€ngnisse. Stattdessen brauchen wir schnell eine Datei von Beamten und Politikern, die eine politische Protestbewegung - ĂŒber deren Forderungen man trefflich streiten kann - in die Terrorecke drĂ€ngen wollen. Demonstranten haben ein Recht auf Hysterie - der Staat niemals.

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Propaganda und PR

Die BBC-Doku “Propaganda in Americaâ€?, die auf YouTube in 6×10min-HĂ€ppchen aufgeteilt ist, beleuchtet die Entstehung und Entwicklung der sogenannten “Public Relationâ€? ausgehend von Freud und der “Entdeckungâ€? der Psychologie, die sich schnell nicht nur mit dem Individuum beschĂ€ftigte sondern auch mit der sogenannten “Masseâ€?, bis zu dem, wie sich PR als Manipulations-, Lobby- und Themensteuerungsinstrument heute darstellt.

Eine interessante Dokumentation (und Analyse), zum einen fĂŒr’s historische Interesse an Politik, Wirtschaftsentwicklungen und gesellschaftlichen PhĂ€nomenen, zum andern natĂŒrlich auch fĂŒr’s “fachlicheâ€?, egal ob es sich um das Themenfeld Werbung, PR oder Psychologie handelt - oder um Politik oder Soziologisches.

Persönlich empfinde ich viele der implizierten RĂŒckschlĂŒsse fĂŒr etwas weit gehend, man könnte am Ende meinen, der Mensch wĂ€re der PR “schutzlos ausgeliefertâ€? und könne tatsĂ€chlich beliebig manipuliert werden, da habe ich einfach einen andere Einstellung zu dem, was ich “freien Willenâ€? nennen möchte.

Zum anderen scheint mir das Teil hin und wieder in eine Wahrnehmungsfalle zu rutschen, der vor allem Verschwörungstheoretiker gern erliegen, nĂ€mlich, dass Entwicklungen im der RĂŒckschau schnell “gradlinigâ€? und damit geplanter und “gewollterâ€? erscheinen als sie waren - Folgerichtigkeiten einer Entwicklung entstehen auch ohne bewusste Steuerung und nicht jede KausalitĂ€t ist eine, die jemand bewusst und zielgerichtet angestoßen hat. Dinge gehen auch mal ihren Gang und fĂŒhren zu Folgen, ohne dass Involvierte da Hand anlegen - oft genug gar “trotzâ€? deren AktivitĂ€ten.

Bei Entwicklungen sieht man halt im RĂŒckblick nicht mehr irgendwelche Kreuzungen und Abzweigungen, die in die andere Richtung gesehen Wegen verschiedene Richtungen und Richtungswechsel verpassen, egal, ob die Abzweigungen bewusst gewĂ€hlt wurden oder es mehr oder weniger eine Windböe zu dieser Zeit war, die die Schritte nach links oder rechts weiterlenkten. weiterlesen »

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Was ist da los in diesem Land?

Das Institut fĂŒr interdisziplinĂ€re Konflikt- und Gewaltforschung der UniversitĂ€t Bielefeld hat eine Studie ĂŒber die Verbreitung fremdenfeindlicher Einstellungen in Deutschland (PDF) veröffentlicht, die belegt, dass Fremdenfeindlichkeit in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat und findet die Ursache dafĂŒr vor allem in Zukunfts- und ExistenzĂ€ngsten, die primĂ€r mit diesen “Fremdenâ€? nichts zu tun hat, so dass hier also eine Projektion vorliegt. Das GefĂŒhl “nichts tunâ€? zu können weil man keine Teilhabe an demokratischen Prozessen mehr habe, aber auch mangelnde Integration sowohl in den Bereitschaften als auch den Möglichkeiten verstĂ€rken offensichtlich die Bereitschaft, einen SĂŒndenbock fĂŒr die eigene Lage zu suchen, der im “Fremdenâ€? gesucht und gefunden wird.

Das PhĂ€nomen, das das IKG “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeitâ€? nennt, wird in verschiedenen laufenden Projekten, die sich dem Thema sowohl theoretisch als auch ganz praktisch nĂ€hern, auf eine Weise beackert, wie ich sie sonst nirgends in dieser Genauigkeit gefunden habe, und die Ergebnisse der abgeschlossenen Einzelprojekte sind schon fĂŒr sich interessant.

Aber erst im Zusammenhang mit weiteren Ergebnissen und HintergrĂŒnden werden tatsĂ€chliche Ursachen und auch Auswirkungen deutlich, die viel mit einer Gesellschaft in Angst und OhnmachtsgefĂŒhlen zu tun hat und wenig mit irgendwelchen vordergrĂŒndigen SĂŒndenböcken, die Politik und Ideologien als vermeintlich einfache Lösung fĂŒr durchgreifende gesellschaftliche und soziale Probleme anzubieten haben.

Ja, die hier verlinkten Beispiele haben nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Das ist aber Absicht: Fremdenfeindlichkeit ist ein Symptom fĂŒr ein tiefgehendes Problem sowohl der Gesellschaft, aber auch der politischen Klasse. Dass die vordergrĂŒndigen Themen bei gleicher Grundproblematik so austauschbar sind belegt IMO deutlich, dass diese vordergrĂŒndigen AufhĂ€nger und Projektionsmechanismen nichts mit den tatsĂ€chlichen Problemfeldern zu tun haben - sonst wĂ€ren sie nicht so beliebig austauschbar. Die Suche nach Schuldigen löst nunmal keine strukturellen Probleme.

Die bisherigen Ergebnisse und RĂŒckschlĂŒsse werden hier verstĂ€ndlich zusammengefasst. Das Fazit beschreibt soziale Entwicklungen und PhĂ€nomene, auf die bislang seitens der Politik kaum reagiert wird, im Gegenteil: die liefert nurmehr immer neue SĂŒndenböcke, auf die sich diese Angst und Unsicherheit projezieren soll. Und lenkt damit auch nur vom eigenen Versagen ab:

[
] Seit dem Beginn der Erhebungen in 2002 sind die Ängste um die eigene soziale Situation deutlich angestiegen, ebenso wie das GefĂŒhl politischer Einflusslosigkeit.
Angst verbindet sich mit einer drastisch gestiegenen Orientierungslosigkeit darĂŒber, was zu tun ist (ca. 63%), wo man steht (ca. 64%). Dies gilt inzwischen auch in den zahlenmĂ€ĂŸig breiten mittleren Lagen, also in der sozialen und politischen Mitte der Gesellschaft.
Insbesondere soziale Desintegration als AbstiegsĂ€ngste und Orientierungslosigkeit haben zur Folge, dass das Potential fĂŒr rechtspopulistische Propaganda gegen Fremde, Juden und fĂŒr hĂ€rtere Bestrafungen etc. von 2002 mit 20% auf 26% in 2005 angestiegen ist.

Das Auseinanderdriften von ökonomischer Entwicklung und gesellschaftlicher Integration hat sozial zerstörerische Folgen. Das machtlose Verzagen gegenĂŒber den Starken in der Gesellschaft ist verbunden mit Artikulation der Ungleichwertigkeit gegenĂŒber Schwachen, wie z.B. Fremde, Muslime, Homosexuelle, Obdachlose, Juden. Insbesondere die konkurrenzorientierte Fremdenfeindlichkeit und das Einfordern von Etabliertenvorrechten steigen seit 2002 an. Dies dient einer Demonstration von Überlegenheit, Selbststabilisierung und Selbstaufwertung in unsicheren Zeiten.

Unklar sei, wohin die Entwicklung der Folgen eines ĂŒberwĂ€ltigenden Kapitalismus fĂŒhrt, zumal bereits 2003 fast 82% in der Bevölkerung glaubten, dass letztendlich die Wirtschaft und nicht die demokratisch legitimierte Politik entscheidet, mitsamt den Folgen fĂŒr die IntegrationsqualitĂ€t dieser Gesellschaft und die Anerkennung schwacher Gruppen. [
]

Muss ich mich eigentlich wundern, dass die mediale Berichterstattung vor allem in ihren Schlagzeilen zu einem großen Teil gleich wieder nur auf PolaritĂ€ten (hier Ost und West) abfĂ€hrt und selten genauer hinschaut, was diese Zahlen da eigentlich an Grundproblematiken wiedergeben und damit grade die Tendenz der Wahrnehmungsfilterung unterstĂŒtzen, die den Boden fĂŒr die beschriebene Symptomatik liefert?

4 Kommentare »

  1. rafael meint dazu:,

    14. December, 2006
    @ 15:38

    Danke fĂŒrd den spannenden Bericht! Ich komme aus der Schweiz uund habe auch schon Posts veröffentlicht in Bezug auf die zunehmende AuslĂ€nderfeindlichkeit. Und ich finde, dass das ein akkutes Problem darstellt. Die GrĂŒnde mögen vielfĂ€ltig sein aber gerade im Rechtspopulismus und bei Jungen muss dringed Gegenruder gegeben werden!

  2. Sven meint dazu:,

    15. December, 2006
    @ 19:56

    @jess (dessen “Kommentarâ€? ich nicht freigeschaltet habe): wenn du mehrseitige Pamphlete ablassen willst, dann eröffne ein eigenes Blog. Meins ist keine Plattorm fĂŒr dĂŒmmliche Polarisierungs-Rethorik xenophober Vorurteilsnachquatscher.

    @jeden weiteren (oder gleichen unter anderem Namen) Kommentator, der hier versucht, einen ad hominem-Kommentar gegen einen der Initiatoren dieses Projektes abzuladen: vergiss es, der Versuch, nachvollziehbare Ergebnisse umfassender Forschungsprojekte dadurch relativieren zu wollen, einen beteiligten Forscher auf persönlicher Ebene “schlechtâ€? zu machen, indem man ihm (wie das dafĂŒr ĂŒblich ist) “persönlicheâ€? Intention zu unterstellen sucht (natĂŒrlich hat jeder Forscher persönliche Intentionen: nĂ€mlich das Interesse an seinem Forschungsgegenstand. sonst wĂŒrde er was anderes beforschen oder angeln gehn) ist durchsichtig, langweilig und natĂŒrlich fĂŒr das Thema und seine HintergrĂŒnde völlig ohne Belang.

    Drum wird sowas auch in Zukunft nicht den Spam-Ordner verlassen.

    Du magst dĂ€mlich genug sein, auf solcherlei unsachliche Pseudo-â€?Argumentationâ€?, deren einziger Zweck pure Ablenkung sein muss, reinzufallen. Aber halte bitte nicht jeden anderen fĂŒr ebenso dĂ€mlich wie du es bist!

  3. Dr. Dean meint dazu:,

    17. December, 2006
    @ 22:51

    Ich mag den Begriff “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeitâ€? und so manches, was dieses bielefelder Institut veröffentlicht. Leider aber ist die Studie methodisch schwach, ja, sogar sehr schwach. Es wird ii.d.R. zumeist mit einer einzelnen (!), ohnehin fragwĂŒrdig gestalteten Frage gleich eine ganze Kategorie politischen Denkens beim Befragten, Ă€hem, erforscht.

    Bei dieser Studie fehlt, sorry, jedes ernst gemeinte Erkenntnisinteresse, adĂ€quates Differenzieren und Nachforschung, geschweige denn ergĂ€nzende Forschung im Feld, um aufgeworfene Fragestellungen besser beantworten zu können. Das wissenschaftliche Gegenteil ist der Fall, die ganze “Studieâ€? ist in meinen Augen reine Effekthascherei, die Fragestellungen sind sogar auf maximale Skandalisierung des erhaltenen Ergebnisse designt.

    So gut dies alles letzlich auch gemeint sein mag: Ich hasse derartig liederliche sozialwissenschaftliche “Studienâ€?.

    Dass es bei den meisten Fragestellungen (nein: allen!) fĂŒr den Befragten nicht einmal die Antwortmöglichkeit “weiß nichtâ€? gab, auch dies dient in erster Linie weniger dazu, die Wirklichkeit abzubilden, sondern vielmehr dazu, am Ende möglichst skandalöse Prozentzahlen zu erhalten.

    Noch ĂŒbler: Das bielefelder Institut hat aus der bereits in der Vergangenheit geĂ€ußerten Kritik nichts gelernt, und suhlt sich, wie ich finde unverantwortlich, im vermeintlchen Glanz des massenmedialen Interesses.

    Ich meine: Man hÀtte mit einer sorgfÀltiger und vor allem wissenschaftlich einwandfreier designten Studie in vielen Bereichen differenziertere, wirklichkeitsnÀhere und teils sogar diametral völlig entgegen gesetzte Ergebnisse erhalten.

    Diese Chance wurde vertan.

  4. Sven meint dazu:,

    18. December, 2006
    @ 01:13

    Stimmt, rein wissenschaftlich gesehen gibt es da methodische SchwĂ€chen, wobei ich das “möglichst skandalöseâ€? da nicht so recht finden kann, genau genommen finde ich eben die medialen “Skandaleâ€? gerade dort so nicht wieder (ich erwĂ€hnte ja die sonderbaren Überschriften “Ost vs. Westâ€?, gerade diesen “Fokusâ€? finde ich in den Studien selbst nicht, auch wenn deren Zahlen das sogar hergĂ€ben), insoweit kann ich der Schwere deiner Kritik nicht ganz folgen. Was ich dort finde und wie das dann in den Medien rezipiert wird bekomme ich fĂŒr mich als außenstehenden Betrachter nicht zusammen.

    Die grundsĂ€tzlichen Überlegungen, vor allem eben zu Fragen nach demokratischen oder auch gestalterischen Teilhaben (bzw. auch “nurâ€? das GefĂŒhl davon) erscheinen mir allerdings - auch aus eigener Erfahrung, z.B. in dem Mikrokosmos von Vereinen, in denen ich genau das (Hierarchieetablierung, Verdrossenheiten, Frust, Konsequenzen daraus) erlebt habe - sehr plausibel.

    Dass man Statistiken natĂŒrlich grundsĂ€tzlich auch mit einem relativierendem Auge betrachten muss, ja, das ist natĂŒrlich auch klar. Gerade auch dann, wenn Zahlen “zuâ€? absolut werden. Aber hier sehe ich “Fehlerâ€? durchaus in den Details, fĂŒr die Grundtendenzen finde ich die Datenbasis ausreichend - als jemand, der hier weniger nach “wisenschaftlicher Exaktheitâ€? hinterm Komma sucht (und dem es deshalb ziemlich wurscht ist, ob VerhĂ€ltnisse grob 30 zu 70 sind oder 23,678 zu 67,638 zu Rest “unentschiedenâ€?) sondern nach einer hinreichenden groben Basis, um eine grobe Richtung zu haben, in die genauer hinzuschauen sich dann mal lohnt. GegenĂŒber plumpen StammtischsprĂŒchen brauche ich keine hochdetaillierte und komplexe Zahlenbasis auf drei Stellen genau sondern einen klare Alternative, die durchaus erstmal ein Ă€hnlicher Scherenschnitt sein darf wie die populistischen SprĂŒche am Stammtisch auch.

    Oder ist “Wirklichkeitsnahâ€? erst dann erreicht, wenn man wirklich jedes Detail und jeden Einzelfall in die Relationen mit reinrechnet? Wenn ich sag “die Sonne scheintâ€? kann der Himmel Wolkenlos bis halb bedeckt sein, aber wichtig ist erstmal festzustellen, dass die Sonne scheint, oder bin ich mit dieser Aussage nicht “wirklichkeitsnahâ€?, weil ich die Information rud um den Sonnenschein “unterdrĂŒcktâ€? habe? Oder ist es nicht ertsmal so, dass welche Wolken, so doch zur Sonne noch welche da sind, das genau sind, Cirrus, Wölkchen, Schicht oder was auch immer, da erstmal wurscht ist, wenn es um die Frage “Sonne oder keineâ€? geht
 ;-)

    Was natĂŒrlich korrekt ist: methodische Ungenauigkeiten öffnen “ad homenemâ€?-Kritikern, die mit dem Angriff auf das “Engagementâ€? oder gar den “Charakterâ€? der Betreiber versuchen, sĂ€mtliche Ergebnisse oder Überlegungen zu diskreditieren (finde den Detailfehler, am besten schon in der Persönlichkeit, dann kann man versuchen, alles andere ebenfalls mit ins Klo spĂŒlen) um den (logisch natĂŒrlich völlig daneben gehenden) RĂŒckschluss zu provozieren, dass dann natĂŒrlich “die Wahrheitâ€? im Gegenteil der Aussage lĂ€ge, deren Urheber man da gerade versucht, “unglaubwĂŒrdigâ€? zu reden, TĂŒr und Tor. QED, ich hatte von dieser Sorte hier schon zwei Kommentare, die versuchten, mit einer solchen “Argumentationâ€? zu “belegenâ€?, dass dann “natĂŒrlichâ€? das Gegenteil von “Multikultiâ€? das anzustrebende Ideal sei. Insoweit ist es in der Tat schade, dass sich da jemand ohne Not in dieser Form angreifbar macht, und das natĂŒrlich ist ein legitimer Kritikpunkt.

    (Wird Zeit, dass ich endlich mal die Zeit finde, ĂŒber diese Augustinische polare “Wahrheitsâ€?-Logik was zu schreiben, denn das ist ein dermaßen internalisierter Denkansatz in unserer Gesellschaft, der mich immer öfters zur Weißglut bringt. Schon fast schlimmer als diese Schuld-Scheiße.)

    Aber wie gesagt: ich habe das hier ja nicht als Rezeption hochwissenschaftlicher Erkenntnisse zur Erbauung fĂŒr Soziologen mit dem Anspruch an wissenschaftlicher Detail-Akkuratesse gesetzt, sondern eben, weil hier ohne völligem (und unverstĂ€ndlichem) Klein-Klein-Detail-Gefuddel in abgehobener Sprache und “intellektualisiertemâ€? Duktus ein paar ganz “normaleâ€? (und fĂŒr mich im Alltag nachvollziehbare) Dinge klar und deutlich zum Ausdruck kommen - und auch hinreichend plausibel, solange ich da keine AnsprĂŒche anlege, die an anderen holzschnittartigen Darstellungen witzigerweise auch kein Journalist oder Politiker vermisst. Genau genommen ist das im Vergleich zu den anderen Holzschnitten, die so auf dem Markt sind, sogar noch kupferstichartig genau. Und damit genau genug.

    “Chance vertanâ€? sehe ich deshalb nicht. Eher so rum: Schade, wenn man die Chance, hier mal auf auch fĂŒr den “Normalmenschenâ€? verstĂ€ndliches und nachvollziehbares zurĂŒckgreifen zu können, vertĂ€te, nur weil das Ganze halt nicht mit 1000%-gem Elfenbeinturm-Anspruch und mehr Fußnotentext als Inhalt, wie das fĂŒr “wissenschaftlichesâ€? eher â€œĂŒblichâ€? wĂ€re, vorliegt (und dann eh kein Otto-Normal mehr verstehen könnte, also was tĂ€t’s nĂŒtzen wenn’s so wĂ€re?). Wieso etwas verwerfen, das jeglichem Stammtischgelaber immer noch haushoch ĂŒberlegen ist? Weil’s nicht reinweiß ist sondern an manchen Punkten ein paar graustichigkeiten zeigt? Auch ein Grauschleier auf einem weißen Stoff macht das Hemd, das draus genĂ€ht wird nicht schwarz, sondern es bleibt ein weißes Hemd. Und wenn ich eine schwarze Weste drĂŒberziehe dann ist es sogar “richtigâ€? weiß, weil ĂŒber den Kontrast der graue Schleier völlig in den Hintergrund tritt.

    Sorry, aber da habe nun ich keinerlei VerstĂ€ndnis dafĂŒr.

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Resignation?

Es gĂ€be einen Haufen Kram, mal wieder, ĂŒber den es sich zu schreiben lohnte, rein thematisch, wenn ich nicht das GefĂŒhl hĂ€tte, dass darĂŒber nicht schon seit Jahren immer wieder geschrieben wĂŒrde ohne dass das irgendeine Relevanz zu haben schien.

Da ist die Diskrepanz zwischen jubelnder Wirtschaft mit Rekordgewinnen, die gleichzeitig aber immer noch tausende von ArbeitsplĂ€tzen abbaut, nebenher aber ihren Managern 30%ige Lohnsteigerungen angedeihen lĂ€sst, gleichzeitig den anderen Angestellten und Arbeitern nicht nur keinerlei Gehaltsaufbesserung gönnt, sondern im Gegenteil, mehr Arbeit fĂŒrs selbe Geld fordert, was einer LohnkĂŒrzung entspricht, wĂ€hrend die Arbeitslosen sich immer wieder mit modernen Versklavungen per 1-Euro-Jobs oder gar unentgeltlichem Reichsarbeitsdienst konfrontiert sehen und wenn sie sich dagegen wehren als “Sozialschmarotzer” verunglimpft werden - aber was soll ich darĂŒber schreiben, was ich nicht schon vor Monaten oder gar Jahren geschrieben habe?

Dann gab es ja Demos in Ungarn, zu denen mir auffiel, wie unterschiedlich da ZDF und ARD drĂŒber berichteten - in “heute” sprach man von friedlichen Großdemos, die am Ende “Dank” irgendwelcher Hools und Rechtsradikaler gewalttĂ€tig wurden, in der Tagesschau gab es ausschließlich “rechtsradikale Ausschreitungen”, von friedlichen und nicht-extremen Demonstranten war keine Rede.

Derweil ging es in Thailand ab, und auch hier habe ich bei den Mainstreammedien nicht durchgeblickt, was da nun wirklich los ist. Aber zum GlĂŒck gibt es ja Weblogs.

Dann heute frĂŒh in der Tagesschau, heißt es zur Lage der AusbildungsplĂ€tze, dass dieses Jahr ĂŒber 3000 Stellen mehr fehlen als letztes Jahr und mehr oder weniger wörtlich, dass die höhere Zahl daran lĂ€ge, dass man nicht damit rechnete, dass so viele Jugendliche, die letztes Jahr schon leer ausgingen, sich dieses Jahr vöööllig ĂŒberraschend nochmal versuchten irgendwo zu bewerben. Und ich fragte mich, ob denn die, die sowas schreiben eigentlich realisieren, was sie da schreiben. Oder spĂ€testens der, der einen solchen offensichtlichen KĂ€se vorlesen muss, nicht innerlich gepeinigt aufschreit ob der Hirnrissigkeit des da zu lesenden. Ich mein - was sollte denn ansonsten mit denen passieren? Lösen die sich normalerweise in Luft auf, wenn das Jahr rum ist? Oder muss ich mal nachschauen, ob die Suizidrate stĂ€rker gesunken ist als erwartet? Manchmal fragt man sich echt, was so manche da im Wasser haben, das tut doch physisch weh, im Hirn.

Ansonsten hab’ ich mir vor ein paar Tagen eine fette BĂ€nderdehnung im Bassdrumfuß zugezogen, die ich jetzt schnellstens auskurieren muss, um den Gig am 6. Oktober nicht zu gefĂ€hrden. Nach einem Wochenende mit einem Ibuprofenspiegel von 1600mg und einer halben Familientube Voltaren geht das inzwischen auch ohne Schmerzmittel, aber auftreten ist halt nach wie vor nicht.

Naja, und dann gibt’s ja noch meine fĂŒr manche etwas seltsameren “Special Interest”-Themen, die ich aber bekanntermaßen wo anders beackere. Da habe ich gestern Nacht mal einen bösen Artikel schreiben mĂŒssen. War einfach mal nötig.

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Terror fĂŒrs Wirtschaftswachstum

Juhuu, endlich haben wir unsere eigenen Terroristen, endlich Sondersendungen, Überschriften wie “Der Terror ist in Deutschland angekommen” zieren die Gazetten, das ganze auch noch rechtzeitig zum Ende der politischen “Sommerpause”, so dass man auch dort ein Thema hat, auf das man sich stĂŒrzen kann, um ja nicht in die Verlegenheit zu kommen, etwa dringende Probleme wie Kinderarmut (die ja auch “nur” ein Symptom fĂŒr viel grĂ¶ĂŸere Probleme ist), eine boomende Selbstbedienungs-Wirtschaft, die an der Bevölkerung völlig vorbeigeht, das Bildungs-Desaster und was da sonst noch so an kleinen und großen Aufgaben drĂ€ut angehen zu mĂŒssen.

Oder zugeben zu mĂŒssen, dass man weder Plan oder Interesse hat, da ran zu gehen, letzteres auch, weil man unter UmstĂ€nden schon an der Karriere nach der Karriere bastelt?

Denn irgendwie stimmt es schon komisch, wenn Ex-Politiker plötzlich in VorstĂ€nden oder AufsichtsrĂ€ten von Konzernen oder LobbyverbĂ€nden auftauchen, wie als rein zufĂ€llig herausgegriffenes aktuelles Beispiel ein Herr Schilly, seiner Zeit zufĂ€llig derjenige, der den E-Pass einfĂŒhrte und nun zufĂ€llig in den AufsichtsrĂ€ten von Byometric Systems AG und SAFE ID Solutions sitzt - Firmen, die im Bereich Iriserkennung und Hard- und Softwareproduktion fĂŒr biometrische ReisepĂ€sse tĂ€tig sind (via). Ein Schelm, der sich was Böses dabei denkt


Jedenfalls haben “wir” endlich eigene Terroristen, und endlich können die “Sicherheitsexperten” und vor allem jene, die sich dafĂŒr halten wieder mit ihren WĂŒnschen und Begehrlichkeiten hausieren gehen, krĂ€ftig unterstĂŒtzt von Medien (nicht alle, es gibt positive Ausnahmen, die genauer hinschauen, was da - auch von den Kollegen - plötzlich unreflektiert gefordert wird), die sich ĂŒberschlagen mit neuen Spekulationen (denn irgendwas fundiertes wissen die ja auch nicht wirklich) und Bedrohungsszenarien, nach denen morgen schon der Wochenmarkt in Dingdongfliesingen oder Hinterwaldklabusterungen Ziel eines Massakers sein könnte, dem Tausende, nein Millionen zum Opfer fallen werden.

Und so ruft alles nun nach noch mehr Überwachungskameras (Ja wie, haben nicht die, die es schon gibt, zu dem Fahndungserfolg gefĂŒhrt, wie die Spindoctors uns gerne Glauben machen wĂŒrden? Mal davon ab: haben sie nicht, denn der Typ wurde ja nicht von Kameras sondern auf Grund eines Tipps des libanesischen Geheimdienstes gefasst. Geht aber grade wieder unter, natĂŒrlich. Und was sollen die verhindern??? SelbstmordattentĂ€ter, die sich denken “Mist, wenn ich mich dort hinten sprenge kriegen sie mich, weil sie mich dann auf Band haben
”???), natĂŒrlich sollen alle möglichen Daten nun lĂ€nger und vor allem schön zentral archiviert werden, am besten digital, so dass noch in zwei Jahren das Material biometrisch durchforstet werden kann und FinanzĂ€mter Fahnder feststellen können, wo jeder, dessen Foto eingespeist wird, zu einem bestimmten Zeitpunkt war (man kann das ja dann mit den Einlogdaten des Handys abgleichen und mit den Erfassungen der Kameras des Mautsystems oder so) - wer nichts zu verbergen hat, dem sollte das ja nix ausmachen, gelle?

Im Radio faseln sie sogar völlig schmerzbefreit ĂŒber bewaffnete Zugbegleiter - juhuu, der erschießt dann die Kofferbombe, die irgendwo in einem Bahnhof rumsteht? Oder soll der eine jener hĂ€ufigen und gefĂ€hrlichen ZugentfĂŒhrungen verhindern (Szenario “Hey, LokfĂŒhrer, Du fĂ€hrst jetzt nicht nach MĂŒnchen sondern nach Dubai, sonst ramm’ ich dir den Mitropa-Plastiklöffel ins Kreuz!”)?

(Das einzig beruhigende an diesem Kasperletheater ist ja, dass dieser ganze Dreck sowieso nix bringt und auch nicht funktioniert, weil die, die das Zeug technisch “realisieren” noch dilettantischer sind als die, den Murks vorantreiben)

Mal schaun, da wird’s doch mal wieder Zeit fĂŒr die Forderung nach Bundeswehr im Inland, oder? Wo bleibt das denn eigentlich, haben die das aus Versehen vergessen?

Warum eigentlich nicht gleich das blöde Grundgesetz endlich abschaffen, das Kriegsrecht ausrufen, Ausgangssperre ab 18 Uhr - ach nein, ab 20 Uhr, bis dahin muss ja konsumiert werden fĂŒr das Wirtschaftwachstum der oberen 2%, sorry ich vergaß - danach aber natĂŒrlich alles nach Hause und brav Werbung gucken, fĂŒr den nĂ€chsten Tag.

Habt ihr Flachhirne eigentlich mal drĂŒber nachgedacht, dass ihr genau das macht, was die Terroristen wollen, mit eurer Hosenscheißerei? “Ui”, denken die sich da, “das macht ja richtig Eindruck was wir da tun”, denken die sich da. “Ui, lass uns doch noch einen draufsetzen”, denken die sich da. Das sind nĂ€mlich Ă€hnlich Hirnsedierte wie ihr. Die denken da Ă€hnlich wie ihr. Überlegt mal, wie geil ihr es findet, euere eigenen Fressen in den Medien zu sehen, egal welche und wurscht warum. Gell? Und die erstmal!

Hirnsedierten ein Übermaß an Aufmerksamkeit zukommen zu lassen aber lĂ€sst die sich erst richtig wichtig fĂŒhlen, und auch völlig der RealitĂ€t entgleiten. Kann man ja schön an euch selber sehen.

Einen Scheiß geb’ ich auf die “Terroristen”. Wir haben echte Probleme hier im Land. Kriegt endlich eure korrupten Ärsche hoch! Bevor euch von ganz anderer Seite in ebenjene getreten wird, dann, liebe Leute, ist die Kacke aber wirklich mal am dampfen!

Ach ich rech mich uff - ich darf echt keine Nachrichten mehr gucken oder hören. Krieg ich bloß so’nen Hals von.

Nachtrag: Die (sowohl die wie jene) sollten lieber mal ‘nen guten Film schauen, vielleicht kapiern die ja dann mal worum’s geht im Leben:


7 Kommentare

  1. bembelkandidat meint dazu:,

    22. August, 2006
    @ 16:19

    wichtige themen, die du da ansprichst! angst verstĂ€rken, schĂŒren, um dahinter all’ die sauereien zu verstecken, worĂŒber sich die leute sonst vielleicht aufregen wĂŒrden. gleichzeitig die ĂŒberwachung ausbauen, um, ja um wen eigentlich besser kontrollieren zu können
???!!!
    hm, finde mal wieder die trackback-uri nicht, sorry, daher manuell:
    “
 schon mal ĂŒberlegt, wer wirklich ĂŒberwacht werden soll? wer letztlich beobachtet wird? richtet sich das geschrei nach mehr ĂŒberwachung wirklich (nur) gegen die tatsĂ€chlichen und vermeintlichen terroristen???
 “
    http://www.iminform.de/blog/bembelkandidat/2006/cctv-wollt-ihr-die-totale-ueberwachung/

  2. bembelkandidat meint dazu:,

    22. August, 2006
    @ 16:20

    grmpf, nach dem kommentieren erscheint die uri brav unter dem kommentar


  3. joe_f meint dazu:,

    22. August, 2006
    @ 16:37

    Mit diesem ganzen Terrorgedöns verbindet mich ja eine, Ă€h, besondere Erfahrung, letztes Jahr im Wahlkampf. Da tingelte dieser Binninger, der letztens die “sinnvolle” Idee hatte, so genannte “Rail Marshalls” einzusetzen, durch seinen Wahlkreis im Landkreis Böblingen. An einem Tag hatte er den Schönbohm im Schlepptau, und ich schrieb fĂŒr mein Provinzblatt darĂŒber. Schönbohm erklĂ€rte, er wisse nicht, wo die Grenze ist, Binningers Meinung war ebenfalls, nun ja, vorgefasst. Diese Leute lassen kein bisschen mit sich reden und sind so scharf darauf, die Demokratie besser heute als morgen anzuschaffen. Meines Erachtens hat das schon krank- und zwanghafte ZĂŒge. ErklĂ€ren kann ich mir das nicht. Was ist denn bitte so geil daran, BĂŒrgerrechte abzuschaffen? Mir kommt immer wieder der Gedanke: Der Konservatismus muss dringend auf die Couch. Am besten lebenslang.

  4. Sven meint dazu:,

    22. August, 2006
    @ 17:07

    Ja, bembel, und bei mir in der Moderation - mein SpamKarma ist recht empfindlich justiert, weil ich lieber einen guten Kommentar eine Stunde spĂ€ter per Hand freischalte (und ihn damit auch noch gleich mitbekomme ;-) ) als dreißig Spams per Hand aus onlinestehenden Kommentaren rauszupopeln :-)

    (Aber ich werd’ mal ins Template gehen und einen Satz schreiben, der um Geduld bittet, falls ein Kommentar nicht gleich da ist, damit man wenigstens weiß, dass es nicht an einem selber liegt, wenn man was abschickt und das nicht aufzutauchen scheint
)

    (so, erledigt :-) )

  5. Sven meint dazu:,

    22. August, 2006
    @ 17:37

    joe, das erklĂ€r’ ich mir ganz leicht, das ist ganz einfach die Angst alter MĂ€nner vor Kontrollverlust. Am Stammtisch heißt das “Wo kĂ€men wir denn dahin, wenn jeder machen könnte was er will” oder die “Hottentotten” werden beschworen.

    Das sind psychologisch gesehen ganz ganz arme Schweine, deren eigenes Leben völlig Angst- und damit Fremdbestimmt verlĂ€uft, Angst vor VerĂ€nderung, Angst letztlich vor dem Tod, die bis in alltĂ€glichste Kleinigkeiten hineinreicht. Die Reaktion auf diese Angst zeigt sich in psychotischem Verhalten (”Mehr desselben” - hier: Mehr Kameras, mehr Kontrolle, usw.), das natĂŒrlich nichts nĂŒtzt sondern (und deshalb) damit den Wunsch nach “noch mehr” wachsen lĂ€sst (sonst wĂ€r’s ja nicht psychotisch) - zu beobachten ist dieses Muster z.B. auch bei Ko-AbhĂ€ngigkeiten Marke “Wenn ich mich nur genug anstrenge, dann Ă€ndert sich
” 
natĂŒrlich garnichts, sondern sorgt eben gerade dafĂŒr, dass alles so bleibt oder schlimmer wird, worauf man sich noch mehr anstrengt, es noch schlimmer wird, usw


    So wie Terroristen sich freilich, wie kleine Kinder, ebenfalls bestĂ€tigt fĂŒhlen, wenn die Reaktion der Elterninstanzen eine sofortige Aufmerksamkeit ist (denn es ist wurscht, ob die Aufmerksamkeit “positiv” oder “negativ” ist - wer mit Kindern zu tun hat, weiß das). Denn auch das Verhaltensmuster von Terroristen weist psychotische (wie auch neurotische) Muster auf bzw. braucht solche HintergrĂŒnde.

    Mit Menschen, die in solchen psychotischen Mechanismen gefangen sind, kann man nicht “reden”, solange sie nicht selbst (und vor sich selbst) erkennen/akzeptieren, dass sie da ein Problem haben, dass ihnen letztlich keiner außer ihnen selbst lösen kann - erzĂ€hl’ nem Alki, der sich mitten im Suchtverhalten befindet, dass er Alkoholiker ist
.

    Nur ist ein Grund halt noch lange keine Entschuldigung. Und ob ich beruhigter bin, zu wissen, dass da auf allen Seiten Psychotiker und Neurotiker sitzen weiß ich auch nicht so recht
 dein Gedanke mit der Couch ist da schon ganz treffend. *schluck*

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Wenn politische Entscheidungen nicht mehr auf Fakten basieren

kommen Populisten wie die Schönbohms, SchĂ€ubles, Schillys, Kochs und wie sie alle heißen (Stoibers und Becksteins nicht zu vergessen) ihrem offensichtlichen Ziel, aus einem sozialen Rechtsstaat einen - gar schon willkĂŒrlich anmutenden - bĂŒrokratischen Obrigkeitsstaat, die dessen Einwohner in völliger Ohnmacht als Spielball der “MĂ€chtigenâ€? zurĂŒcklĂ€sst, zu machen gefĂ€hrlich nahe.

Denn gerade das stĂ€ndige “Sicherheitsâ€?-Gequatsche, das dem Otto Normal da draußen suggeriert, die Zeiten wĂŒrden immer gefĂ€hrlicher und unsicherer, Verbrechen all ĂŒberall, gegen das nur ein “hartes Vorgehenâ€? hĂŒlfe, basiert, wie das Wissenschaftsmagazin “nanoâ€? berichtete, auf einer vor allem durch die Boulevardisierung in den Medien zurĂŒckfĂŒhrbaren Verzerrung der RealitĂ€t und damit der Wahrnehmung eben jener seitens des BĂŒrgers.

[
]Obwohl man in den Nachrichten permanent ĂŒber Kriminaldelikte hört und liest, sinkt die Zahl der Straftaten in Deutschland tatsĂ€chlich von Jahr zu Jahr. Das hat Christian Pfeiffer, ehemaliger Justizminister von Niedersachsen und heutiger Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts des Bundeslandes anhand von Statistiken festgestellt: “Die gefĂŒhlte KriminalitĂ€tstemperatur entspricht absolut nicht der RealitĂ€t.â€? Im Vergleich zu vor zehn Jahren ging die Zahl der Morde um 40,8 Prozent zurĂŒck.

BankĂŒberfĂ€lle nahmen um 44,4 Prozent ab und die Zahl der WohnungseinbrĂŒche sank um 45,7 Prozent. [
]

nano: Immer weniger Verbrechen, doch die Angst wird grĂ¶ĂŸer

Nun ist das ja vom Effekt her nicht wirklich neu (und langsam weiß ich wieder, warum ich mein Blog mal so nannte wie es jetzt heißt), aber die These dass schwerpunktmĂ€ĂŸig “das Fernsehen Schuldâ€? sei ging mir da heute nicht mehr aus dem Kopf, denn mein Grundreflex ist eigentlich der, zu sagen (Ă€quivalent zu den dĂŒmmlichen Diskussionen um “Killerspieleâ€? und all den Quatsch) dass ich das eigentlich nicht so recht glauben kann. Und in der vereinfachten These einer “direktenâ€? KausalitĂ€t auch nicht tue, denn letztlich gewinnt man Kompetenz, hier Medienkompetenz, nicht durch Vermeidung (oder gar Verboten, wie die populistischen Politiker allenthalben aktionistisch aus solchen Studien schließen, um sich letztendlich aber nur um ihre eigenen Verantwortungen zu drĂŒcken) sondern durch reflektierte BeschĂ€ftigung mit entsprechenden Dingen.

Erschreckend und neu war fĂŒr mich allerdings die Information ĂŒber manche Konsequenz dieser Tendenzen, z.B. dass trotz RĂŒckgang der KriminalitĂ€t die GefĂ€ngnisse voller sind als je, weil das Strafrecht völlig gegen den Trend immer mehr verschĂ€rft wurde, immer mit dem Argument, “abschreckenâ€? zu mĂŒssen, zu Gunsten einer Sicherheit, die in Wahrheit schon lĂ€ngst grĂ¶ĂŸer war und ist als wie sie uns da verkauft wird. Warum? Vielleicht hat nano mit dieser These ja recht:

[
]Wie Justiz-Professor Bernhard Haffke von der Uni Passau herausgefunden hat, hat es seit 1998 im deutschen Strafrecht nur noch GesetzesverschĂ€rfungen gegeben. Bei fast allen grĂ¶ĂŸeren StraftatbestĂ€nden hob der Gesetzgeber die Strafandrohungen ganz wesentlich an. Dabei war die Zahl der Straftaten schon vorher kontinuierlich massiv zurĂŒckgegangen. Ein Grund fĂŒr diese VerschĂ€rfung könnte in der Legitimation des Staates liegen.

In Zeiten, in denen der Staat den BĂŒrgern offensichtlich keine ausreichende Sozial-, Renten- und Gesundheitsversorgung mehr anbieten kann und auch bei der Schaffung von ArbeitsplĂ€tzen versagt, muss er sich eben anders legitimieren. Um die hohen Ausgaben fĂŒr die eigene Unterhaltung zu rechtfertigen, propagiert die Politik den Sicherheitsstaat und die EinschrĂ€nkung von Freiheitsrechten, obwohl sie eigentlich die Demokratie schĂŒtzen soll. [
]

nano: Weniger Verbrechen - mehr Menschen sitzen im GefÀngnis

Dann fiel mir aber ein, dass es einen eklatanten Unterschied gibt zwischen dem, was man heute (nicht nur, aber dort noch immer sehr viel stĂ€rker) von den Privaten auf den Bildschirm geschmiert bekommt und dem, was ich von “Fernsehkonsumfreudigeneren Zeitenâ€? her kenne, bevor ich in den letzten Jahren selbst mein Medienverhalten Ă€nderte (nĂ€mlich, immer weniger und dafĂŒr immer gezielter und punktueller fern zu sehen - eben wegen jener VerĂ€nderungen). Heißt, anstatt (wie auch Pfeiffer allzuoft) stĂ€ndig nur QuantitĂ€ten gegeneinander zu stellen und lustige Kausalketten drauf aufzubauen, wĂ€re es wohl mal interessant, sich die qualitativen VerĂ€nderung des Wahrzunehmenden anzuschauen und mit dem abzugleichen, was die Leute aus ihren Wahrnehmungen auf die sie umgebende “RealitĂ€tâ€? zurĂŒckschließen.

In den letzten paar Jahren kamen gerade in den Privaten inflationĂ€r Formate auf, die bewusst die bisher halbwegs klaren Grenzen zwischen fiktionalen Inhalten (wie Krimis, Actionfilme o.Ă€.) und RealitĂ€t “vermittelndenâ€? (wie Reportagen und Dokumentationen) aufweichen - da werden jeden Tag auf mehreren Sendern von “echtenâ€? Richtern und “echtenâ€? StaatsanwĂ€lten o.Ă€. “FĂ€lleâ€? behandelt, einerseits so banal und damit “alltĂ€glichâ€? wie möglich, andererseits so schlecht “gestelltâ€?, dass es einen an die nachgespielten FĂ€lle von “XY-Ungelöstâ€? erinnert - und die waren ja auch “echtâ€?, das machte ja damals schon den Grusel aus.

Wenn das Argument korrekt ist, dass “Killerspieleâ€? und “Gewaltfilmeâ€? einen “normalâ€? sozialisierten Menschen nicht zum schießwĂŒtigen Gewaltmonster mutieren lassen, eben, weil (und diese Erfahrung kann ich voll und ganz bestĂ€tigen) schon Kinder sehr gut zwischen ihren fiktionalen Spielwelten, und eben auch denen im “gespieltenâ€? Film oder Computerspiel, und der “Welt in echtâ€? unterscheiden können, dann ist es wohl genau diese Tendenz, seitens der Massenmedien diesen Unterschied immer mehr verschwimmen zu lassen, die tatsĂ€chlich die fiktionale “kriminelleâ€? Welt in die völlig ungefĂ€hrliche RealitĂ€t als Wahrnehmung ohne reales GegenstĂŒck herĂŒberschwappen lĂ€sst.

Das Ergebnis sind völlig ĂŒberĂ€ngstliche Eltern und Großeltern, die ihre Kinder am liebsten nur noch mit Bodyguard “nach draußenâ€? lassen wĂŒrden und nicht mehr schlafen können, wenn der Sprössling beginnt, abends auf Parties zu gehen oder gar mal ĂŒber Nacht wegbleiben zu wollen, Menschen, die sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus trauen und Kinder, die durch das Beispiel ihrer Eltern und Großeltern tatsĂ€chlich schon richtige Phobien entwickeln und die Umwelt als potentiell bedrohlich beigebracht bekommen, und damit langsam eine wachsende AtmosphĂ€re gegenseitigen Misstrauens, das ich persönlich jetzt schon als unertrĂ€glich empfinde.

Und dann kommen die Herren Politiker auch noch und nutzen auf unverantwortlichste Art und Weise diese völlig unbegrĂŒndeten Ängste fĂŒr ihre Zwecke. Klar, wer Angst hat muckt nicht auf. Es gibt Dinge inzwischen, da muss man sich schon sehr anstrengen, fiktionale Vorstellungen streng von realistischen Handlungen getrennt zu halten.

Ob es da wirklich hilfreich ist, diese TrennungsschĂ€rfe auch noch bewusst und mit “Gewaltâ€? aufzuweichen? Nicht, dass eben jene Herren eines Tages aufwachen und um sie herum haben sich gerade die Fiktionen, die so “in echtâ€? freilich keiner wirklich wollen kann, Bahn in die RealitĂ€t gebrochen, die sie tatsĂ€chlich verhindern wollten
 man wird ja nochmal trĂ€umen dĂŒrfen
 noch, jedenfalls.

Mal sehn wie lange noch
.

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Stoiber auch “irrâ€??

Wenn ein Nicht-Medienprofi, noch dazu kurz nach lebensbedrohenden Erfahrungen, vor laufender Kamera Schwierigkeiten in stringenter und eloquenter Formulierung des gesprochenen Wortes zeitigt, ist eine solche Person (bestenfalls!) “irrâ€?.

Was ist dann jemand, der unverstĂ€ndliches Zeug in ein Mikrofon brabbelt (inklusive Original als mp3), dem man aber eine jahrelange Erfahrung im Umgang mit Medien und öffentlicher Rede zugestehen muss und der ĂŒber vergleichsweise unemotionale Thematiken spricht?

In der Transkription von Mathias Schindler liest sich das ĂŒbrigens so, und dabei sind schon einige â€œĂ€hâ€?s weggelassen worden, die den “Satzâ€? zu einem noch unverstĂ€ndlicheren Wust fragmentiert hĂ€tten:

“Wenn Sie vom Hauptbahnhof in MĂŒnchen mit zehn Minuten ohne daß Sie am Flughafen noch einchecken mĂŒssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen am am Hauptbahnhof in MĂŒnchen, starten Sie ihren Flug - zehn Minuten schauen Sie sich mal die großen FlughĂ€fen an, wenn Sie in Heathrow in London oder sonstwo meine s Charles de Gaulle in Ă€h Frankreich oder in Rom wenn Sie sich mal die Entfernungen ansehen, wenn Sie Frankfurt sich ansehen, dann werden Sie feststellen, daß zehn Minuten Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen um ihr Gate zu finden - Wenn Sie vom Flug- Ă€h vom Hauptbahnhof starten Sie steigen in den Hauptbahnhof ein, Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen in an den Flughafen Franz-Josef Strauß dann starten Sie praktisch hier am Hauptbahnhof in MĂŒnchen - das bedeutet natĂŒrlich daß der Hauptbahnhof im Grunde genommen nĂ€her an Bayern an die bayerischen StĂ€dte heranwĂ€chst weil das ja klar ist, weil aus dem Hauptbahnhof viele Linien aus Bayern zusammenlaufen.â€?

Nachtrag: Mario hat inzwischen das RÀtsel um die Herkunft dieses Zeitdokuments gelöst.

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Frau Osthoff und die Medien

Da Frau Osthoff immer noch nicht tut, was Medien und Soap-Konsumvolk so erwartet haben (und Politiker, die sich gern in einer solchen Umgebung geschmĂŒckt hĂ€tten, wohl, anders kann ich mir deren “EnttĂ€uschungâ€? und “UnverstĂ€ndnisâ€? nicht erklĂ€ren, denn unverstĂ€ndlich ist daran bei objektiver Betrachtung garnichts) wird das Medienvolk von der Journallie nun auf die schon wĂ€hrend der EntfĂŒhrung begonnene Linie eingeschworen, nur kein Bedauern zu zeigen, sollte dieser “leichtsinnigenâ€? Frau doch noch was passieren (meine Meinung dazu schrob ich dort in den Kommentaren ja schon).

All diesen Schreiberlingen, die in meinen Augen keinen Schimmer von journalistischem Handwerk zu haben scheinen, sei dieses ARD-Interview mit Dr. Michael MĂŒller-Karpe vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz, der dort Projekte mit dem Irak koordiniert, ans Herz gelegt, um vielleicht ein bisschen was ĂŒber die HintergrĂŒnde zu verstehen.

tagesschau.de: [
] Womit hat sich Frau Osthoff im Irak beschÀftigt?

Michael MĂŒller-Karpe: Susanne Osthoff hat sich bereits Anfang der neunziger Jahre dafĂŒr eingesetzt, dass die Raubgrabungen, die damals begannen, einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden. [
]

tagesschau.de: Welchen Stellenwert hat ihre Arbeit fĂŒr die ArchĂ€ologie?

MĂŒller-Karpe: Den kann man gar nicht hoch genug einschĂ€tzen. [
] Susanne Osthoff wollte darauf aufmerksam machen. Allerdings wollte man das nicht hören. [
] Da wurden Aufnahmen gemacht, die jetzt stĂ€ndig gezeigt werden: vorne Susanne Osthoff, die ein Interview gibt, hinten Leute, die in einer archĂ€ologischen StĂ€tte graben. Der Kommentator sagt dann, dies sei Susanne Osthoff bei archĂ€ologischen Ausgrabungen. Das ist Unsinn! Es handelt sich dabei um Raubgrabungen! [
] Und noch nicht einmal jetzt wird es richtig dargestellt.

tagesschau.de: Warum sind die WiderstĂ€nde denn so groß?

MĂŒller-Karpe: Es ist eine fĂŒr Deutschland höchst brisante und peinliche Angelegenheit. Deutschland ist einer der wenigen Staaten, die die Unesco-Konvention von 1970 zum KulturgĂŒterschutz nicht unterzeichnet haben. Diese Konvention besagt, dass man die Gesetze, die andere LĂ€nder zum Schutz ihres kulturellen Erbes erlassen haben, respektiert. Den eigenen BĂŒrgern wĂŒrde dann der Handel mit RaubgĂŒtern aus solchen LĂ€ndern untersagt.

[
]

Da steckt eine finanzkrÀftige Lobby dahinter, die mit Hehlerware aus Raubgrabungen Geld verdient und die ganz offen mit dem Verlust deutscher ArbeitskrÀfte droht, wenn die Gesetze strenger werden.

[
]

tagesschau.de: Heißt das auch: Wenn Susanne Osthoff diese Arbeit nicht machen wĂŒrde, dann wĂŒrde sie im Zweifelsfall niemand machen?

MĂŒller-Karpe: Das ist richtig.

Das ganze Interview unbedingt bei tagesschau.de: “Man kann ihre Arbeit nicht hoch genug einschĂ€tzenâ€? lesen!

Unter anderem tĂ€ten einem Journalisten auch ein paar Gedanken ĂŒber die HintergrĂŒnde, warum es einer Bundesregierung so wichtig ist, dass Frau Osthoffs Projekte, die von der öffentlichen Hand mitfinanziert wurden, ab sofort so schön diskreditiert werden. Tipp: Regierungsentscheidungen heutzutage erscheinen nicht zu Unrecht nicht etwa als unter dem Primat des Gemeinwohls sondern unter dem betriebswirtschaftlicher Überlegeungen gefĂ€llt.

Wie gut, da einen Grund gefunden zu haben, hier ein paar zigtausend Euro auf einen Schlag einsparen zu können. Wenn die EmpfĂ€ngerin von Fördermitteln erfolgreich als “fanatischâ€? u.Ă€. diskreditiert ist, geht das problemlos. So Ă€hnlich, wie das ja auch bei Einsparungen von Sozialleistungen wegen “Sozialschmarotzernâ€? funktioniert und wie das in einer entsolidarisierten Gesellschaft, in der sich keiner mehr fĂŒr eine Allgemeinheit mitverantwotlich fĂŒhlen muss, eben so ĂŒblich ist. Und dass das auf fruchtbaren Boden fĂ€llt zeigt ein Blick in manche Kommentare bei Herrn Bittner (der dagegen selbst zeigt, dass es noch Journalisten gibt, die nicht jeden gewĂŒnschten “Volkstrendâ€? mitmachen).

Diese ganze verfickte hirnlose kurzsichtige Scheiß-Egomanen-Gesellschaft kotzt mich allerdings langsam nur noch an.

Nachtrag: Das Ganze erscheint schon bei leichtem Wegkratzen einer dĂŒnnen Schicht als eine (noch dazu sehr platte) politische Kampagne, die ein nur noch peinlich zu nennender “Profijournalismusâ€? auch noch mitspielt - vor lauter “schnell noch einen Artikelâ€? wird sich da nichtmal 5 Minuten Zeit genommen, auch nur ansatzweise an dieser dĂŒnn ĂŒbertĂŒnchten OberflĂ€che zu kratzen und ein bis zwei Gedanken daran zu verschwenden, welche Interessen die Politik bei dieser Schmierenkomödie verfolgen könnte. Die Zeiten, Spins gut verpacken zu mĂŒssen, sind wohl vorbei, es reichen schon die blödesten Funzeln um einen heutigen “Journalistenâ€? zu blenden. Dinge in ZusammenhĂ€nge zu bringen, die eine Zeitfrist von zwei Wochen ĂŒberschreiten kann da eh kaum einer mehr, wie’s aussieht (links via Jens).

Nachtrag2: Ein schöner Kommentar im Tagesspiegel: Susanne von Arabien, der eine schöne und treffende Polemik enthĂ€lt - verlinke ich hier mal, auch um die Journalisten, die sich entgegen des (fĂŒr mich so erscheinenden) Trends differenzierende Sichtweisen zeigen nicht ĂŒber den pauschalen Kamm der oben Charakterisierten Möchtegern-Journalisten zu scheren, auch wenn auch hier noch nicht ganz verstanden wurde, was die Frau da wirklich tat/tut im Irak (und wem das ein Dorn im Auge zu sein scheint):

[
] Prominente, die sonnige StrÀnde oder Steuerparadiese bevorzugen, werden deshalb auch nicht expatriiert. Sie will ihre Arbeit fortsetzen, trotz der Gefahr. Tun das Hilfsorganisationen, Reporter, Unternehmer nicht auch, im Irak und anderen Krisen- und Kriegsgebieten? Weil sie tun, was unsereins sich nicht zutraut, zollt man ihnen Respekt. [
]

(via EoK)

Nachtrag3: Interessante Diskussionen auch drĂŒben bei rebellmarkt.

Nachtrag4: Wer sich etwas umfassender - und seriöser - ĂŒber Frau Osthoff und ihre Arbeit informieren möchte, fĂŒr den ist der Wikipedia-Artikel ĂŒber sie u.U. ein brauchbarer Ausgangspunkt. Schön bestĂ€tigt sich da auch mein Eindruck, dass der Versuch, Frau Osthoffs Reputation zu diskreditieren, tatsĂ€chlich von der FAZ auszugehen scheint. Im Weblinkteil gibt es auch ein paar interessante weiterfĂŒhrende Links, u.a. zur NYT etc.

Nachtrag5 (29.12.05): Klar, da zerrt man also nun eine durch jahrelange Ohnmacht in ihrer Arbeit zu Recht frustrierte, von den Boulevardmedien vom Opfer zum TĂ€ter gemachte und durch wochenlange Geiselhaft erfolgreich traumatisierte Person vor die Kamera (wohl noch etwa mit dem Argument, dass man das einer Öffentlichkeit schulde oder was?) und wundert sich, dass da nix bei rauskommt? Außer fĂŒr die BILD, die sich wie nicht anders zu erwarten in einem Zusammenhang zwischen “irrâ€?, “radikaler Moslemâ€? und Ă€hnlichem vorurteilsgesĂ€ttigten Stichworten pseudomoralisch das Maul zerreißt, da gleich neben dem Pin-Up-Girl.

Zum GlĂŒck gibt es wenigstens bei der Netzeitung ein bisschen Reflexion ĂŒber den hier immer offensichtlicher werdenen journalistischen Dilettantismus, der sich von Anfang an durch den “Fall Osthoffâ€? zieht, der IMO keiner ist, sondern ein “Fall Journalistenversagenâ€? und ein Fall “Politikerversagenâ€? wie auch ein “Fall BĂŒrgerversagenâ€?, denn der gemeine Unterschichtenfernseh-Zuschauer frisst ja scheinbar alles an Gammeljournalismus, was ihm vorgeworfen wird und scheißt es kurz danach in jede Ecke weiter. Das sollt’ ihm mal mit Lebensmitteln passieren, was er sich da medial verfĂŒttern lĂ€sst, da kĂ€m’ er ja aus dem Kotzen nicht mehr raus.

Ich wĂŒnsche jedem, der Frau Osthoff da jetzt in seinen bequemen Sessel pupsend be- oder gar verurteilt drei und mehr Jahre Arbeit unter schwersten existenziell belastenden Bedingungen, allein gelassen von Politik, uninteressant fĂŒr Medien, und am Ende völlig fĂŒr die Katz, und dann vier Wochen EntfĂŒhrung durch Leute, die wahrscheinlich nichtmal die englische oder deutsche Bedienungsanleitung der Handgranaten, Maschinengewehre und Raketenwerfer lesen können, die sie mit sich rumschleppen und auf sie richten. Dann gießen wir noch öffentlich einen großen Eimer Moral-GĂŒlle ĂŒber das Privatleben, wĂ€hrend die tatsĂ€chliche Leistung völlig im Dunkeln bleibt, weil medial uninteressant, und dann wird man in ein Studio geschubst, voll mit Journalisten-Dilettanten, die keine Ahnung haben, worum es geht. Dazu noch die HĂ€me von selbstgerechten wohlgenĂ€hrten RTL2-News-Guckern und BILD-Lesern, die keine hundertstelsekunde lang auch nur versuchen, sich in eine solche Lage reinzuversetzen aber einen völlig selbstverstĂ€ndlich auf niedrigstem persönlichem Niveau aburteilen und beleidigen (und das Ganze als Teil ihrer “Meinungsfreiheitâ€? bezeichnen).

Dann will ich sehen, ob derjenige auf teilweise wirklich blödsinnige Fragen klare und stringente Antworten liefern kann und wie er auf im Vorwurfston moralischer Überlegenheit vorgetragene Forderungen nach “Dankbarkeitâ€? beantwortet.

P.S.: Dr. Dean kam auf die einfache Idee, Frau Osthoffs Interview-Aussagen von dem umliegenden Geplapper zu befreien und stellt eine relativ klare inhaltliche Linie fest, zumindest jedenfalls ist das Ergebnis weniger wirr, wie mit dem anderen Redestrang. Dass da irgendwie zwei Leute jeweils von völlig anderen Dingen sprachen hab’ ich auch gemerkt (das ist wie jeweils die HĂ€lfte zweier verschiedener Dialoge aus zwei verschiedenen Filmen gegeneinander geschnitten), aber so genau hatte ich mir’s noch nicht angeschaut. Doch ja, so geht das eigentlich sehr gut. Und ein paar schöne Hintergrundinfos zum Thema Raubgrabungen etc. hat er auch gefunden.

Solange mir keiner von den besserwisserischen GroßmĂ€ulern, die da jetzt ĂŒber Osthoffs “irrenâ€? Auftritt ablĂ€stern, zeigt, dass er durch solche Situationen kommend in einer solchen Situation auch nur einen Tick besser agieren kann möge man sich mir gegenĂŒber mit Urteilen, die sich auf dieses Interview stĂŒtzen, sehr zurĂŒckhalten, wenn er keine gepfefferte Antwort vertragen kann, OK?

Nachtrag6 (29.12.05): Nach der EnttÀuschung mit der SZ (Link da oben) versöhnt mich dieses Interview wieder, das den Fokus mal wieder auf allgemeine Fakten und weg vom hÀmischen Ausverkauf des Privatlebens lenkt:

[
]
SZ: Ihre Erfolge, so heißt es, seien bei allem Engagement dĂŒrftig gewesen.

Sommerfeld: Das ist nicht wahr. Seit den frĂŒhen Neunzigern, seit den Zeiten des Embargos, haben sich Hilfsorganisationen ihre Sprach- und Ortskenntnisse zunutze gemacht. Und abgesehen von der humanitĂ€ren Arbeit: Was sie fĂŒr die ArchĂ€ologie geleistet hat, kann man gar nicht hoch genug schĂ€tzen.

Dass es heute ein Bewusstsein fĂŒr Raubgrabungen gibt, ist auch und vor allem ihr Verdienst. Sie hat eine Weltöffentlichkeit hergestellt fĂŒr den Schutz jahrtausendealter Hochkulturen. Das Unesco-Team hat sich die Raubgrabungen aus der Luft angesehen, sie hat Fernsehteams dorthin gebracht und es geschafft, dass es ĂŒberhaupt Bilder gibt. Am spektakulĂ€rsten war ein Bericht in der New York Times aus Isin vor zwei Jahren. Die Aufnahmen sind bis heute fast die einzigen Bilder von Raubgrabungen. Dass Großbritannien und die Schweiz die Unesco-Konvention zum Schutz von Kulturgut ratifiziert haben, hĂ€ngt damit zusammen.

[
]

SZ: Als Simona Pari und Simona Torretta nach ihrer EntfĂŒhrung 2004 freigelassen wurden, feierte sie ganz Italien, obwohl auch sie erklĂ€rt hatten, dass sie in den Irak zurĂŒckkehren wollen. Der grĂ¶ĂŸte Teil der deutschen Öffentlichkeit hat sich Susanne Osthoff gegenĂŒber schon wĂ€hrend der EntfĂŒhrung distanziert und ablehnend verhalten.

Sommerfeld:
Sie eignet sich nicht als Identifikationsfigur, sie ist nicht zu Weihnachten nach Deutschland gekommen, nicht in Talkshows aufgetreten. Bei vielen herrscht der Eindruck: Die will uns nicht. Und sie ist Muslimin. Der Islam aber wirkt so fremd und gefÀhrlich, dass ein Mensch, der sich freiwillig in diesen Kulturkreis begibt, nicht ganz normal sein kann. Das ist das eine. Vielleicht liegt in der Ablehnung aber auch eine projizierte Furcht: Wenn sie etwas unternimmt gegen die Not im Irak - gegen alle WiderstÀnde - warum tue ich nichts?

(via Dave-Kay)

Nachtrag7 (31.12.05): Schön, die FAZ kann nicht nur Verschwörungstheorien (braucht dafĂŒr aber eine Elke Heidenreich)

Nachtrag8 (31.12.05): Ein weiterer Aspekt in der Welt am Sonntag: “Der BND hat sie ausgepreßt und weggeworfenâ€? - und damit mehr offene Fragen, warum die Frau auch von Seiten der Politik so aggressiv angemacht wird


Nachtrag9 (1.1.06): So, und mit diesem Artikel in der FAZ, in dem die Bearbeitung des Interviews Frau Osthoffs im ZDF kritisch hinterleuchtet wird stellt Patrick Bahners den in meinen Augen durch jenen Verschwörungstheorie-Artikel (oben) arg ramponierten Ruf der FAZ wieder halbwegs her, vor allem, wenn er auch das eigene Blatt nicht aus der Kritik lÀsst (Hervorhebung von mir):

[
] Just zu dem Zeitpunkt, da in der deutschen Presse, auch in dieser Zeitung, Zweifel an der SeriositĂ€t von Susanne Osthoffs archĂ€ologischem und humanitĂ€rem Engagement artikuliert wurden, verweigerten ihr die Therapeuten vom ZDF die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Man ließ ihr den Appell, die Deutschen sollten sich einmal „Gedanken ĂŒber den Hintergrund machen, daß sie nicht weit von dem Ganzen entfernt sindâ€?.

Es klingt wie eine Weltverschwörungstheorie, wenn sie anfĂŒgt: „Irak ist auch bei uns, ich habe ja erwĂ€hnt warumâ€?, aber dieses vorher ErwĂ€hnte ist der Bearbeitung zum Opfer gefallen [
]

(Link via Dr. Dean)

Nachtrag9 (3.1.06): Georg Meggle, Professor fĂŒr Philosophie an der UniversitĂ€t Leipzig mit Themenschwerpunkten u.a. Kommunikation, Kollektive IntentionalitĂ€t und Terrorismus, analysiert das Interview des ZDF in der Telepolis und kommt zu völlig anderen SchlĂŒssen als der grĂ¶ĂŸte Teil der Medien und der Öffentlichkeit. (Und damit zu einem Ergebnis, das mich doch ein wenig beruhigt, denn es bestĂ€tigt auch meine eigene EinschĂ€tzung, so dass ich wohl davon ausgehen kann, noch nicht völlig verscheuklappt zu sein):

[
] Der Kern der Botschaft der ArchĂ€ologin Susanne Osthoff ist sinngemĂ€ĂŸ dieser: Verdammt noch mal, unterscheidet doch endlich zwischen dem mir persönlich Zugestoßenen (ein “kurzes Verbrechenâ€?) und dessen grĂ¶ĂŸerem Kontext: Das “kurze Verbrechenâ€? an mir hat eine “lange Geschichteâ€?! Anders ausgedrĂŒckt: Wie wollt Ihr meinen Fall – d.h., mich – “verstehenâ€?, wenn Euch der (historische) Kontext derart egal ist?

Dieser Appell steckte schon in der dritten Antwort von Osthoff - und bis dahin waren auch ihre SĂ€tze noch weitgehend grammatisch korrekt. Der Appell blieb absolut wirkungslos. Die TV-Sprecherin – und sicher nicht nur sie - war auf diesem Ohr völlig taub. Kontext war im Rahmen dieser Sendung keiner vorgesehen. Ein tieferes VerstĂ€ndnis gehörte nicht zum Programm. “Verstehen Sie?â€? Auch dieses Signal ging ins Leere.

Es bleiben einige Thesen von Susanne Osthoff, die nach ErklÀrungen und dann wohl auch nach weiteren Diskussionen verlangen. [
]

Unbedingt lesen! Und spĂ€testens jetzt auch gleich (nochmal) das (nicht gekĂŒrzte) ZDF-Interview Und am besten vorher noch das bei al jazeera, denn darauf wird ja immer mal Bezug genommen, es also als bekannt vorausgesetzt), das, wie ich fĂŒrchte, von all denen, die ĂŒber Frau Osthoff so schnell und einfach den Stab brechen, noch nicht einmal wirklich ernsthaft gelesen wurde!

(via Kommentare bei lautgeben)

Nachtrag10 (3.1.06): Auch in der TAZ beginnt manch einer zu ahnen, dass das, was da abends im ZDF zu sehen und hören war nicht unbedingt das war, was tatsÀchlich kommuniziert wurde oder werden sollte:

[
] Susanne Osthoff nutzt die Gelegenheit, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass im Irak bittere Not herrscht. An ihrem mit Sturheit gewappneten Eigensinn zerbricht der vom ZDF sorgfĂ€ltig eingefĂ€delte Text. Eine aufregende, emotionsgeladene und glĂŒcklich ĂŒberstandene EntfĂŒhrungsgeschichte war geplant. Aber Osthoff ist gegen allen “privaten Pipifaxâ€?: Wichtig wĂ€re es, “dass die BĂŒrger mal solche Dinge erfahren: weshalb wir da ĂŒberhaupt noch etwas tunâ€?. Noch wĂ€hrend sie ihre Hilfslieferungen fĂŒr vierzig irakische Familien organisierte, ging ihr das Geld fĂŒr die Miete im bayerischen Glonn aus. “Mein Vermieter hatte ja keine Gnade.â€? Und: “Ich habe aber gewusst, dass die Leute [im Irak] noch Ă€rmer sind als ich.â€? [
]

Nachtrag11 (4.1.06): Die Medienmaschine hat ihren Anspruch auf Personality wohl durchgesetzt - Frau Osthoff spielt nun ein wenig mehr nach deren Regeln, und schon werden die Töne ihr gegenĂŒber freundlicher und fairer. Schade nur, dass Fairness seitens Medien scheinbar nicht von vornherein gegeben wird sondern erst kommt, wenn man tut, was sie wollen.

Ein (ich weiß: ungebetener, aber
) Ratschlag von mir: sie sollte tatsĂ€chlich “mitspielenâ€?, mit etwas GlĂŒck schauen dann wenigstens ein paar Politiker und Verwaltungsbeamte doof aus der WĂ€sche, denn natĂŒrlich ist das so, dass man auch den Medien Dinge, die sie möchten und erwarten nur gegen Gegenleistung gibt. Hier wĂ€re eine solche, eben der Arbeit und dem Engagement Frau Osthoffs ebensoviel Platz einzurĂ€umen, als Bedingung dafĂŒr zu setzen, dass man auch “Personalityâ€?-Themen zulĂ€sst, die eigentlich keinen Arsch was angehen. Wer das System nicht Ă€ndern kann muss es wohl versuchen zu nutzen


Nachtrag12 (6.1.06): Auch RTL versucht nun, den von den Medien zerstörten Ruf Frau Osthoffs wieder ein wenig herzustellen (via Dr.Dean). Ist da nach doch inzwischen sehr massiver Kritik der letzten Zeit an den Medien ein allgemeines Umschwenken, gar eine aus Selbsterkenntnis gewonnene Einsicht zu erkennen, oder ist man nur zufrieden, weil Frau Osthoff den Forderungen der Medien nun doch ein wenig entgegenkommt und “persönlichesâ€? zulĂ€sst, die Medien sich also “erfolgreichâ€? sehen, Frau Osthoff gegenĂŒber ihren Willen mit Druck durchgesetzt zu haben?

Vor allem aber bin ich mal gespannt, ob das Thema “Raubgrabungenâ€? mit diesem nun endlich doch noch erfolgreich auf’s Private verlagerten Schwerpunkt nochmal je aufs Tablett kommt. Nein, von den Medien erwarte ich das nun wirklich nicht - aber u.U. schafft Frau Osthoff es, wenn sie nun nach den vorgegebenen Regeln spielt, hier doch nochmal einen unerwarteten Schachzug einzubringen


Nachtrag13 (10.1.06): Nachdem Frau Osthoff nun bei Beckmann war (hier mit Real-Video - und hier gleich der Kurzverriss) und damit dem “BedĂŒrfnisâ€? der Medien (die das freilich als BedĂŒrfnis des Zuschauers kaschieren) nach Personality und emotionalem Inhalt endlich entsprochen hat, so dass diese in den letzten Tagen sichtlich versuchten, einiges von dem, was sie kaputt gemacht haben wieder zu relativieren, gibt es sogar richtig selbstkritische Töne zur selbstgewĂ€hlten Aufgabe der Massenmedien und zu deren Methodik, die sich um Fakten und HintergrĂŒnde nicht bemĂŒht solange nur genug Emotion vermittelt werden kann:

[
] Wir sind eben, seit ein paar Jahren, keine Überbringer von Nachrichten mehr, wir verkaufen Emotionen, erzĂ€hlen Geschichten, entwerfen Weltbilder, wir suchen nicht Distanz, sondern NĂ€he, wir vermengen das, was in den Zeitungen frĂŒher voneinander getrennt wurde, wir machen es inzwischen fast alle so Ă€hnlich wie „Bild“. Jede Geisel muss fĂŒr eine runde Geschichte stehen, ihr Schicksal muss eine Botschaft enthalten, sie darf nicht einfach nach Hause gehen, erleichtert sein und schweigen. Wer schweigt, macht sich verdĂ€chtig.

Wenn diese Maschine erst einmal lĂ€uft, kann keine Macht sie anhalten, so lange, bis es uns langweilig wird. Osthoff wurde Opfer eines Verbrechens, sie muss sich deshalb nicht fĂŒr ihr Leben rechtfertigen. Sie muss nicht sympathisch sein. Solche SĂ€tze sind Theorie. In der Praxis sieht es so aus, dass Osthoff sich bei ihren ersten Medienauftritten dumm angestellt hat und jetzt vor der Frage steht, ob sie als verrĂŒckte Rabenmutter in die Geschichte eingehen möchte, wer will das schon. Also musste sie zu Beckmann gehen, und Beckmann stellte ihr die Mutter aller Fragen: „Was war das fĂŒr ein GefĂŒhl?“ [
]

Damit schließe ich fĂŒr mich dieses Thema zumindest halb zufrieden ab, denn fĂŒr einen Journalismus, der es zumindest stellenweise noch schafft, sich selbst und seine Mechanismen zu reflektieren gibt es noch Hoffnung. Auch die, dass aus dieser Selbsterkenntnis vielleicht doch noch mal die Einsicht erwĂ€chst, dass Journalismus, so er professionell sein will, nicht nur bestimmte Dinge besser nicht macht, will er sich noch selbst im Spiegel ansehen, sondern vielleicht sogar wieder seine Aufgabe findet: im Berichten ĂŒber HintergrĂŒnde, Fakten, ZusammenhĂ€nge, die Zeitrahmen von mehr als drei Wochen umfassen und in professioneller Recherche und Handwerk, das den Bedarf an Wissen bedient. Und nicht nur den kurzfristiger Soap-Unterhaltung. Denn dafĂŒr sind andere da. Vielleicht passiert sowas ja irgendwann, wenn die Beckmanns und Kerners und wie sie alle heißen endlich aufhören, Vorbild fĂŒr den Journalismus zu sein anstatt abschreckendes Beispiel, wie es sein sollte


Das war dann wohl der letzte Nachtrag einer der letzten NachtrĂ€ge, viel mehr ist nun erstmal nicht mehr zu erwarten, denke ich. Weitere weiterfĂŒhrende Links könnt ihr gerne (und werde ich ggf.) trotzdem noch in die Kommentare setzen. Die lohnen sich ĂŒbrigens auch zu lesen, denn ein paar Links, die ich jetzt nicht hier in den Artikel ĂŒbernommen habe, gibt es dort auch jetzt schon.

(Danke an Silke, die mir die obigen Links unten in die Kommentare schrieb)


denn einen hab’ ich noch:

Nachtrag14 (11.1.06): Auch die SZ verreisst die Beckmann-Sendung. Oder besser: den Beckmann. Und mit Recht.

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] GĂ€nzlich verbieten sich all die anderen Fragen, die zuletzt von der sensationsgierigen Allgemeinheit an die Adresse der ehemaligen Geisel gestellt wurden. Es geht Außenstehende schlicht nichts an, wie gut sich Susanne Osthoff um ihre Tochter kĂŒmmert, wie das VerhĂ€ltnis zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern ist, wie stark sie raucht, oder wie medientauglich sie ist. Völlig deplaciert - weil womöglich gefĂ€hrlich - ist eine öffentliche Diskussion ĂŒber ihr VerhĂ€ltnis zum Bundesnachrichtendienst.

Reinhold Beckmann muss sich vor diesem Hintergrund die Frage gefallen lassen, warum er all diese NebensÀchlichkeiten in seiner Sendung eine volle Sendezeit lang thematisiert hat.

Um als Einzelgast bei ihm geladen zu werden, reicht ein Ministeramt in der Regel nicht aus. Da mĂŒsste sich schon die Kanzlerin oder ein Ă€hnliches Kaliber die Ehre geben. Im Gegensatz zu der Irak-Expertin ist die Kanzlerin allerdings seit Jahrzehnten im Umgang mit den Medien geschult. Susanne Osthoff hingegen war bis vor wenigen Wochen ein Mensch, dem die Medien keinerlei Beachtung schenkten (Anmerkung Sven: zumindest nicht die deutschen). All die wohlfeilen Kritiker der gebĂŒrtigen Bayerin sollten sich daher die ehrliche Frage stellen, wie glatt und geschmeidig sie wohl bei einem jĂ€hen Auftritt in einer 75-Minuten-Sendung mit der ungewöhnlich hohen Quote von 22,5 Prozent rĂŒberkĂ€men.

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Doch die PrioritĂ€ten des Reinhold Beckmann waren offensichtlich anders gelagert. Das vorranige Ziel des Fernsehmanns lautete wohl, Teilhaber zu werden an der medialen Inszenierung, zu der der EntfĂŒhrungsfall Osthoff inzwischen verkommen ist. Diese Gelegenheit wollte er sich bei aller echten oder unechten EinfĂŒhlsamkeit nicht entgehen lassen.

(via Dave-Kay)

Nachtrag15 (14.1.06): FĂŒr diese Zusammenstellung (beim Demagogen) diverser Beckmann-Bashings seitens einiger namhafter Feuilletons auf Beckmanns Behauptung, seine Schmierigkeit beim Osthoff-Interview, die ihm von z.B. Antje Vollmer vorgeworfen wurde sei “weder beim Zuschauer noch in den Feuilletons angekommenâ€? lohnt es sich, doch nochmal einen Nachtrag zu machen. Und natĂŒrlich, dem Link zu folgen :-)


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