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Der Krieg der Banken…

Ich habe zwar zur Ursache der Inflation in der Weimarer Republik eine etwas andere Meinung, und auch ein paar mal zu oft “ausländisch” vor dem Wort “Bank” suggerieren mir etwas zu stark, dass es da Unterschiede zu “inländischen” gäbe, als ob Banken nicht sowieso schon lange so international wären, dass eine irgend-”ländische” Zuordnung irgendeine Relevanz hätte - aber im Großen und Ganzen ein höchst interessanter, höchst aufrührerischer Artkel, vor allem in Hinblick auf die allenthalben kolportierte Inflationspanik, die speziell hier in und von deutschen Medien geschürt wird und mit der derzeit alles abgebügelt wird, was nicht ins “alternativlose” Konzept passt.

Und wieder überraschenderweise in der FAZ, der man wohl als letztes eine manische Linkstendenz nachsagen kann. Auch wenn man in letzter Zeit öfters dort was liest, was man eigentlich eher in einer Frankfurter Rundschau oder gar einer TAZ erwarten würde…

FAZ: “Der Krieg der Banken gegen das Volk”

[…]Bankstrategen haben gelernt, über ihre Pläne nicht demokratisch abstimmen zu lassen, nachdem die Isländer 2010 und 2011 es zweimal abgelehnt haben, der Kapitulation ihrer Regierung vor Großbritannien und den Niederlanden nach den massiven Verlusten isländischer Banken zuzustimmen. Und den Griechen, denen in diesem Herbst ein Referendum verwehrt wurde, blieb nichts übrig, als massenhaft auf die Straßen zu gehen, um ihren Widerstand gegen die von der Europäischen Zentralbank geforderten Privatisierungen zu zeigen.[…]

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Google+

Google ermöglicht jetzt auch Einladung per Link. Wer also noch nicht schon hat und noch will: -> hier klicken.

Die Pseudonymfrage ist nach wie vor offen. Aber da letztlich nichts davon besser wird, dass man schweigend zusieht unterstütze ich nach wie vor auch Pseudonymaccounts auf Google+ und hoffe, dass diese Einladung vor allem Leute nutzen, die auch nichts gegen Pseudonyme haben. Insoweit ist diese Einladung auch so zu verstehen: dass ich genau solche Leute damit einlade.

Das heißt nicht, dass jeder ein Pseudonym nutzen muss wenn er nicht mag (ich machs ja auch nicht - aber warum sollte ich anderen was verbieten, nur, weil ichs selbst anders mache/machen kann? Eben!) - aber kann und darf wenn er will oder muss. Und wer trotz untenstehender Links nicht verstehen mag, warum die Möglichkeit für Pseudonyme, Autonyme und auch Anonyme wichtig und richtig sind: holt euch woanders eine Einladung, ich lade euch explizit nicht ein…

Und verweise bei dem Thema auch auf das englische “My name is me” sowie das von Jens eröffnete tumblr-Blog “Fuck Yeah Pseudonyms”, wo es ähnliche Statements auch auf deutsch gibt. Und jeder seine hinzufügen kann.

 


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Google+ und die Pseudonyme

So, nachdem dieser leidige bescheuerte Umgang mit Pseudonymen bei Google+ weiter anhält und ständig halbwegs willkürlich Konten gesperrt oder gar gelöscht werden (und nein, ich meine keine “Businessaccounts” sondern stinknormale Personen/Privataccounts), halte ich Google+ nicht für realistisch brauchbar. Schade, technisch hätte das wirklich Potential und ich habe schon nach kürzester Zeit dort mehr Aktivität reingelegt als in Twitter oder facebook, weil die Usability einfach 10mal besser als alles andere ist, sogar trotz noch fehlender APIs und manchen beta-Humplers.

Aber sowas wie das hier geht gar nicht. Und das ist ja nicht der erste Fall, sowas passiert dort nach wie vor ständig.

IMO macht diese Unsicherheit, sämtliche Daten, die man in der Google-Cloud stecken hat zu verlieren (oder zumindest den Zugriff darauf), die dieses Gebahren verursacht, dieses “Google+” nicht einmal als beta-Test benutzbar. Zumal ich langsam das Gefühl habe, dass ich mich irgendwann auch lächerlich mache, wenn ich Google an anderer Stelle ständig verteidige (an diesen Stellen wo ich das tue, stehe ich freilich nach wie vor zu meinen Standpunkten, aber irgendwann muss man wohl Prioritäten setzen)

Da ich auch keine Lust auf die immer wieder kehrenden unreflektierten 50ger-Jahre-Kommentare á la “Wer nichts zu verbergen hat…” und “Geh doch nach drüben wenns dir hier nicht gefällt” habe lasse ich die Kommentare zu diesem Posting drüben bei Google+ zu und verweise statt dessen darauf, dass nur weil man selbst vielleicht so privilegiert ist, dass man nicht betroffen von der Notwendigkeit ist oder das halt nicht “braucht” (wie z.B. ich), das nicht heißt, dass das für alle anderen auch zu gelten haben muss und dass man niemandes Freiheit oder Möglichkeit einschränken muss, solange diese mir weder schadet oder mich irgendwo einschränkt.

Und ich sehe nicht, wo der Umstand, dass jemand anderes sich nicht mit einem (vermeintlichen!) “echten” Namen zeigen möchte, mir irgendwelche Freiheiten oder Möglichkeiten nimmt oder mir damit gar schadet.

In diesem Thread dürfte dann auch eh das meiste dazu stehen , in dieser DRadio-Sendung wurde zu dem Punkt auch einiges gesagt (Player oben rechts), wenns noch mehr braucht: hier und hier.

Wenn Google dieses “Internet” irgendwann vielleicht doch mal kapiert hat und G+ als social network wieder benutzbar sein sollte schau ich wieder rein. Bis dahin findet man mich ja auch auf Twitter, facebook und auf meinem Blog (auch alles in meinem G+ - Profil verlinkt).

Und bis dahin verweise ich nochmal auf diese schöne wikia-Seite, die jedem, der denkt, er sei nicht betroffen, mal durch eine Aufzählung aller, die es sind, zeigt, dass außerhalb seiner eigenen Person, da draußen in der Welt, es auch andere Menschen gibt, die andere Voraussetzungen haben als er selbst. Und dass viele davon auch auf seine Solidarität angewiesen sind. Und nicht auf seine Ignoranz.

So long.

Nachtrag: Umfassend zum Thema. Mehr geht nicht. Und deutlicher auch nicht.

 


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Rost

Letzten Sonntag haben Duke, Karan und ich uns erst die Bronze- und Eisenzeit angesehen, in der Ausstellung “Die Kelten”, bevor wie die verpasst hätten, da die nur noch bis 22. Mai geht, um dann die ausgehende Stahlzeit des späten 20. Jahrhunderts zu begehen.

So eine Stahlhütte ist schon ein sehr beeindruckendes Teil, vor allem, wenn sie über 100 Jahre alt ist und fast ebenso lange in Betrieb war. Und noch beeindruckender ist, wie (mit ein wenig Hilfe, denn viel dieses Grüns ist gepflanzt) die Natur sich so ein riesiges vor sich hin rostendes Stahl- und Eisenmonster, das wie ein abgestürztes Raumschiff aus einer anderen Welt und Zeit wirkt, erschließt.

Ich bin froh, dass die Digitalfotografie erfunden wurde - ich hätte mich arm fotografiert, wenn das alles entwickelt und auf Abzüge belichtet hätte werden müssen. Man kann da ja wirklich Tage lang drin rumlaufen und fotografieren bis einem der Auslösefinger blutet und entdeckt doch immer wieder mehr Interessantes.

Völklinger Hütte

Völklinger Hütte

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Nochmal zu dieser Pranger-Sendung bei RTLII

Dass ich der Meinung ist, RTLII mache Profite und Frau zu Guttenberg Eigenpublicity mit und auf dem Rücken von missbrauchten Kindern, und dass diese deshalb in meinen Augen Teil des (angeblichen - eher müsste ich sagen “die wahren Protagonisten des”) Geschäfts mit dem Missbrauch von Kindern sind, habe ich ja schon letzte Woche gesagt.

Es hat jetzt genau zwei Folgen gebraucht, um den ersten Fall zu haben, der andeutet, wie es weitergehen wird, wenn die damit weitermachen.


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Die Pranger-Sendung “Tatort Internet”

überzeugte mich davon, dass Frau zu Guttenberg persönliches Geltungsbedürfnis auf Kosten missbrauchter Kinder auslebt und RTL II nunmehr nicht nur mit Schmuddelsex sondern mit Kindesmissbrauch Geld verdient. Für mich gehören Frau zu Guttenberg ebenso wie RTL II nunmehr zu denen, die aus Kindesmissbrauch Profit schlagen. Ebenso wie die flankierenden Printmedien Stern und FAZ, für die das Thema für mein Dafürhalten schlicht Auflage - und damit ebenfalls Profit - bedeutet, die scheinbar wichtiger ist als journalistische Qualität und Ethik. Oder auch nur das, was man allgemein “Anstand” nennt.

Wer also - wie ich - auch nach bestimmt 16 Jahren Aktivität im Internet noch nie einen sogenannten “Kindesmissbrauch” gesehen hat, über den man laut Propaganda jeigentlich allenthalben stolpern soll, und auch sonst noch nicht: spätestens wer diese Sendung geschaut hat müsste meiner Meinung nach jetzt sagen: “Ja, ich war schon mal Zeuge von Kindesmissbrauch”.

’nuff said, sonst sag ich am Ende doch noch was justiziables…

Nachtrag 12.10.2010: So schnell gehts - scheinbar gibt es erste Opfer dieser Geldschneiderei mit dem Leid anderer.

(Inhaltliches siehe heise, süddeutsche-blog, sogar der focus, und viele andere)


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Stopp ACTA

ACTA ist ein hinter dem Rücken der Öffentlichkeit ausgearbeiteter Vertrag, der ohne jede Rücksicht auf die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft, auf Bürgerrechte und notwendige demokratische Prozesse beschlossen werden soll. Dieser Vertrag zielt scheinbar darauf ab, extreme Grundsatzänderungen [zum Umgang mit dem und Zugriff auf das Internet - Erg. Sven] auf globaler Ebene einzuführen - ohne Beteiligung der internationalen Gemeinschaft oder gar der betroffenen Bürger der an den Verhandlungen teilnehmenden Länder!

Stopp-ACTA.info
Stopp ACTA @ Facebook
Stopp ACTA-Petition der jungen Piraten

Hintergrundartikel bei Golem



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Schreibtischtäter

Was über Jahre hinweg kein Journalistenprofi geschafft hat - oder sich nie traute - stellten nun ein paar Studenten bei einem Besuch von Condoleeza Rice an der Stanford University bloß: Rice hat neben einem höchst seltsamen Geschichtsverständnis das Verhalten der Beteiligten in der Kommandokette der Bush-Administration in Bezug auf die Folterpraktiken der USA als eines entlarvt, das man wohl eindeutig als “Schreibtischtäter-Verhalten” bezeichnen muss. Rices Ansicht nach habe sie keine Folter erlaubt, weil ihre Anweisungen “vom Präsidenten authorisiert worden” seien und sie deshalb nicht “gegen die Vorschriften […] verstoßen” habe.

[…] by definition if it was authorized by the President, it did not violate our obligations under the Convention against Torture […]

Wenn ich das richtig einschätze, glaubt sie relativ verzweifelt selber daran, dass sie “rechtens” gehandelt habe und Gesetzestexte und entsprechend ausgelegte Anweisungen von “oben” alles so rechtfertigt, dass sie keinerlei Verantwortung - oder gar Schuld, deren Natur es ist, dass diese stets beim anderen zu liegen hat - für ihre eigenen Handlungen zu tragen habe, da sie ihre Handlungen in der “Rechtssicherheit” von Vorschriften und Anweisungen und deren Auslegungen und Interpretationen begangen haben will.

Damit steht Condie letztlich aber nur in der Tradition der auch hierzulande grassierenden Methode, Entscheidungen in einer rein bürokratisch gedachten Art und Weise rein “juristisch” legitimieren zu wollen (Hierzulande werden nach diesem Muster zum Beispiel aus menschlicher Sicht völlig wahnwitzige Abschiebungen begründet).

Also die Vorschriftengemäßheit einer Handlung - indem sie so in vorhandene Gesetze, Vorschriften und Anweisungen “eingepasst” wird, dass keine Anweisung, Vorschrift oder Gesetz verletzt worden ist - wird als alleiniger Maßstab für die ethisch-moralische Bewertung der Tat genommen. Juristische “Rechtmäßigkeit” (wobei über eine solche bekanntermaßen meißt ja auch stets gestritten werden kann, da man auf diesem Gebiet alles so oder so auslegen kann, dieses Rechtsverständnis steht wohl in der guten Tradition der christlichen Bibelauslegung, die auch alles, was sie möchte, mit irgendeinem Bibelzitat begründen kann, inklusive des völligen Gegenteils) wird mit Gerechtigkeit verwechselt. Oder gar, wenn es richtig zynisch wird, fehlende Gerechtigkeit damit gerechtfertigt und manchmal gar mit den Worten “aber so sind nunmal leider die Vorschriften” bedauert.

Die interessanten Teile, auch in Hinblick auf Condies “Vergesslichkeit” gegenüber Aussagen des Roten Kreuzes (PDF) und ihrer Auslegung, wer bei ihr so alles die OSCE repräsentieren darf, hat Thomas Nephew hier nochmal schriftlich (englisch) festgehalten und kommentiert, aber weil ich oben etwas vom “seltsamen Geschichtsverständnis” schrob will ich diese Perle der Rice’schen Historiendeutung noch schnell nachliefern:

1ST QUESTIONER [3:30]: …even in World War II, as we faced Nazi Germany, probably the greatest threat that America has ever faced, even then…
RICE [3:37]: With all due respect, Nazi Germany never attacked the homeland of the United States.
1ST QUESTIONER [3:44]: They bombed our allies.
RICE [3:46]: Just a second. Three thousand Americans died in the Twin Towers and in the Pentagon.
1ST QUESTIONER [3:52]: Five hundred thousand died in World War II, and yet we did not torture the prisoners of war. […]


Achso, ich erinnere daran: es stellen sich aktuell zwei Menschen in Deutschland zur Wahl zum Bundeskanzler, von denen die eine, wäre sie damals schon an der Macht gewesen, Deutschland am Irakkrieg beteiligt hätte, und die sich an Bush ranschneckte und ihm versicherte, mit ihr wäre ihm so ein Desaster wie mit Schröder nicht passiert (das war echt das einzige, was dieser Typ richtig gemacht hat) und deren Innenminister ebenfalls kein Problem mit Folter zu haben scheint, solange es jemand anderes tut. Und der andere dafür verantwortlich ist, dass ein deutscher Staatsbürger, der von der CIA entführt, gefoltert und nach Guantanamo verschleppt wurde, dort um Jahre länger festgehalten wurde als “nötig” - oder auch nicht, denn man weiß ja, “die Vorschriften” und “alles im gesetzlichen Rahmen” und so…. Für mich macht das beide - nicht nur aus diesem Grund, aber wenns sonst nichts gäbe, würde es auch reichen - unwählbar.

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Derweil in Berlin

Schäuble findet das Bundesverfassungsgericht scheiße, weil’s ihm ständig seine Spielzeuge wegnimmt. Bundesverfassungsgericht, aufpassen, sonst wirst du auch abgeschafft. Dauert nicht mehr lang: kein Grundgesetz, keine Verfassung - kein danach benanntes Gericht. Das war ja einfach.

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Mal so ‘ne Frage…

Wenn ein Bundeswehreinsatz, den ich mitbezahle, einen Piratenangriff auf ein “deutsches Handelsschiff” verhindert, dieses aber, wie in einem späteren Bericht zu lesen, “unter der Flagge von Antigua und Barbuda” fährt, dann frage ich mich, wieso ich eigentlich bezahlen soll, dass jemand geschützt wird, der sich an diesen Kosten nicht nur nicht beteiligt, weil er halt “nicht von hier” ist (das wäre OK, weil Nothilfe jedem gewährt werden sollte, egal, welcher Herkunft), sondern sich dieser Beteiligung offensichtlich aktiv und gezielt entzogen hat, indem er als “deutsches Handelschiff” offensichtlich alles getan hat, um keine Steuern in Deutschland zahlen zu müssen.

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Verlängerung der Schutzfrist des Copyrights für Tonaufnahmen

Ein Repost eines Postings von Januar aus dem Singvøgel-Weblog aus aktuellem Anlass

17. Januar 2009, um 11:07 Uhr

Ein Video der Open Rights Group erläutert - leider bisher nur auf englisch - Hintergründe und Auswirkungen der von der EU geplanten Verlängerung der Schutzfrist von Tonaufnahmen, das offensichtlich ein weiteres Gesetz ist, das den Verfassern direkt von interessierten Lobbyisten, hier wohl der Rechteverwertungsindustrie, in die Feder diktiert wurde.

Da wir als Musiker von diesem Gesetz direkt betroffen sind - und wieder mit dem Schein-Argument “das geistige Eigentum von Künstlern zu schützen” gerade Künstlern sowohl künstlerische Möglichkeiten und Freiheiten wie auch konkret faktisch finanzielle Teilhabe an den eigenen Werken gekürzt werden (letzteres eine Tendenz, die ja schon seit Jahren auch bei der GEMA - mit dem selben Argument - zu verfolgen ist) - unterstützen wir die Forderung der “Soundcopyright”-Initiative, dieses Gesetzesvorhaben zu stoppen. (via netzpolitik).

Eine Ausweitung des in Teilen eh schon völlig überzogenen und kulturfeindlichen Umgangs mit - nein, eben am Ende nicht dem Urheberrecht, sondern den Verwertungs- und Monetarisierungsrechten derer, die mit den Werken von Kulturschaffenden schlicht “Geschäft” machen und sonst nix, mit teils absurdesten Auswüchsen, ist nicht nur nicht notwendig sondern wäre ein weiterer Sargnagel für ebendas, was da vorgeblich “geschützt” werden soll: Kultur und Kunst.


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Jetzt dreh’n sie völlig ab

Gestern kurz in die Nachrichten gezappt und festgestellt, dass mal wieder eine Panikwelle anläuft, um vielleicht doch noch vor der Wahl die Bürgerrechte auszuhebeln und dieses komische “Grundgesetz” doch noch in den Orkus zu befördern. Das Prinzip, dass man als unschuldig gilt, solange eine Schuld nicht bewiesen ist wird mit dem Prinzip ersetzt, dass jeder Schuldverdächtig ist, dessen Unschuld noch nicht bewiesen ist. Also rund 88 Mio Menschen hier in Deutschland.

Und wenn das endlich durchgesetzt ist ist der Schritt, als tatsächlich schuldig zu gelten, weil man noch keinen amtlichen Gesinnungstest absolviert hat auch nicht mehr weit?

Jedenfalls: Im Moment wird mal wieder das Terror-Gespenst an die Wand gemalt, und dass dazu Anschläge herhalten müssen, die schon Jahre her sind, in Ermangelung “frischer” eindrucksvoller Bluttaten scheint dem willfährigen Qualitätsjournalismus, der die aktuelle Kampa “Terrorgefahr 2009 - jetzt geht’s lo-hos” verbreitet und mitspielt als gäbe es keine echten Probleme im Land, mal wieder überhaupt nicht aufzufallen.

Die Strafbarkeit “vorverlagern” euphemisiert man also jetzt, wenn der Rechtsstaat zu einem totalitären System umgebaut werden soll.

Und die Sozen?

“Keiner muss Angst haben vor dem Gesetz, da die Verdächtigen im Zweifelsfall natürlich freigesprochen werden.”

Hallo????

Zum einen: wie zynisch ist das denn? Willkürlich mutmaßlich unschuldig verhaftet, wer weiß wie lange “präventiv” eingesperrt (zumindest solange bis der Job weg ist?), wie ein Verbrecher behandelt werden, usw. ist nichts, wovor man Angst haben muss, weil man “am Ende ja freigesprochen wird???

Zum anderen: kann mir jemand beim derzeitigen Bezahl-Rechts-System garantieren, dass ich, wenn ich unschuldig verhaftet und “vorverlagert” wie ein Straftäter behandelt werde, wirklich am Ende “freigesprochen” werde? “Werde” impliziert eine Sicherheit, die ich dem heutigen Rechtssystem kaum zugestehen kann, geschweige denn einem, das nicht mal mehr so tut, als ob es die Rechtsprinzipien, die im Grundgesetz stehen, noch respektiert, bzw. dazu im krassen Kontrast stünde.

Ein Kurnaz oder ein Andrej Holm jedenfalls lassen mich da durchaus zweifeln, ob man da “keine Angst” haben müsse. Nachtrag:: und ich will nicht wissen, wie dann schon nur solche Bagatellfälle unter einem geänderten Rechtsverständnis ablaufen.

Das ist nämlich eher wie die Hexenprobe: Fesseln und ins Wasser werfen, wenn sie schwimmt ist sie eine Hexe, wenn sie untergeht war sie keine Hexe. Dann wird sie auf dem geweihten Teil des Friedhofs begraben und gilt als “in den Himmel gekommen”.

Der nächste Schritt ist die Logik der Inquisition, die besagte, dass der Umstand, dass man vor die heilige Inquisition zitiert wird, schon Beleg der Schuld ist, denn jemand, der unschuldig ist wäre von einer heiligen Instanz ja nie angeklagt worden.

Was meinte Schäuble dereinst mal in ebendieser Logik sinngemäß zum Bundestrojaner? “Ich habe da garkeine Angst, da ich ein anständiger Mensch bin und anständigen Bürgern schickt das BKA keinen Bundestrojaner” oder so ähnlich?

Ich neige nicht zu Verschwörungstheorien. Ich bin jemand, der vom Prinzip überzeugt ist, dass man keine Verschwörung oder auch “nur” Intention vermuten braucht, wo Diletantismus, Dummheit und/oder Unfähigkeit als Erklärung völlig ausreichen.

Aber so langsam frage ich mich ja schon, was diese nunmehr seit Jahren unvermindert vehemente Tendenz zu Überwachung, Repression, Aufkündigung der Gewaltenteilung, Ermöglichung von Willkür und Abbau von Kontrolle zu Gunsten der Exekutivgewalten, bis hin zur immer wieder geforderten Freigabe der Bundeswehr für “Einsätze” im “Inneren” - was ja logisch nur heißt: Anerkennung, dass das eigene Volk als Feind definierbar ist, denn ein “Verteidigungsfall” bedeutet ja, dass gegen einen Feind zu kämpfen sei, und “innen” heißt nunmal: Wir!

Ich ertappe mich aber immer öfters, gerade auch bei der parallelen Beobachtung der aktuellen Wirtschaftsverbrechen (vulgo: “Bankenkrise” oder “Wirtschaftskrise” genannt) und dem Umgang mit diesen bzw. der Beobachtung der weiter rapide aufklaffenden Schere zwischen Reich und Arm, dass mir Gedanken aufkeimen, Verdächte, dass es da Zusammenhänge geben könnte, die mit der Angst eines verarmenden Mittelstandes zu tun haben könnte, der Wut eines mehr und mehr chancenlosen “Prekariats”, der Ignoranz und Arroganz welt- und lebensferner “Eliten”, denen das Zitat des “dann sollen sie doch Kuchen essen” durchaus zuzutrauen wäre usw… Man könnte wirklich meinen, dass da jemand Angst vor Aufständen oder ähnlichem hat und sich schonmal Werkzeuge und Möglichkeiten zurecht legen will, mit sowas “umgehen” zu können…

Nein, warum sollte es denn hierzulande Aufstände geben, das ist ja absurd. Noch will ich einfach an Dummheit und irrationale Ängste glauben. Denn würde ich tatsächlich anderes für realistisch halten - nein, das will ich nichtmal denken.

Noch.


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Jetzt will Schäuble bei jedem Internetnutzer mitsurfen

Schäuble plant verdachtslose Aufzeichnung des Surfverhaltens im Internet

[…] Der neue Vorstoß des Bundesinnenministers ist im Entwurf eines „Gesetzes zur Stärkung der Sicherheit in der Informationstechnik des Bundes“ vom 14.01.2009[1] versteckt. Jeder Anbieter von Internetdiensten wie Google, Amazon oder StudiVZ soll danach künftig das Recht erhalten, das Surfverhalten seiner Besucher ohne Anlass aufzuzeichnen – angeblich zum „Erkennen“ von „Störungen“. Tatsächlich würde der Vorstoß die unbegrenzte und unbefristete Speicherung jeder Eingabe und jedes Mausklicks beim Lesen, Schreiben und Diskutieren im Internet legalisieren. Die Surfprotokolle dürften an Polizei, Bundeskriminalamt, Geheimdienste sowie an die Unterhaltungsindustrie herausgegeben werden. Eine richterliche Anordnung ist nicht vorgeschrieben, eine Beschränkung auf schwere Straftaten nicht vorgesehen.

„Schäuble will nun nicht nur wissen, wann wir unter welcher Adresse ins Internet gehen, sondern auch, was wir dort tun. Als nächstes will er wahrscheinlich aufzeichnen lassen, welche Gespräche wir im Cafe führen oder welche Fernsehsendungen wir sehen. Das ist ungeheuerlich, zumal es in einem ganz anderen Gesetz versteckt wird”, ergänzt Ralf Bendrath vom Netzwerk Neue Medien […]

Die müssen vor diesem “Internet” wirklich eine Schweineangst haben. Es geht wohl wirklich und unaufhaltsam in Richtung Überwachungsstaat. Wenn die so weitermachen dürfen die ängstlichen alten Männer allerdings am Ende allerdings zu Recht Angst haben. Und nicht nur vor dem Internet…

Nachtrag: jetzt auch bei Heise:

[…] Ähnliche Kritik äußerte zuvor bereits der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar. Ihn stört vor allem, dass das BSI “die gesamte Sprach- und Datenkommunikation aller Unternehmen und Bürger mit Bundesbehörden ohne Anonymisierung beziehungsweise Pseudonymisierung abhören und auswerten” können soll. […]

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Leseempfehlung zur Hessenwahl

Stern.de: Eiskalt abserviert

Als Ermittler holten sie für den Staat Millionen, auch bei den großen Banken. Doch plötzlich war Schluss. Plötzlich störten sie die Geschäfte und wurden als Querulanten aus dem Dienst gemobbt. Die Geschichte von Rudolf Schmenger und seinen Kollegen von der Steuerfahndung Frankfurt […]

Da mir - mal wieder - die weiteren Worte fehlen (zumindest solche, die nicht justiziabel sind oder als Aufruf zu Straftaten missverstanden werden könnten) ergeht hier nur der Lesetipp. Ich hoffe, diese Geschichte dreht zur Abwechslung mal etwas weitere Runden und wird nicht so folgenlos bleiben wie es nach all den Erfahrungen mit den vielen im Sande verlaufenen Skandalen und Korruptionsfällen der letzten Jahre zu befürchten steht (jaja, lasst mir doch meine letzten Illusionen, immerhin ist Weihnachten) und wünsche schöne Feiertage.

(via Kommentar 10)

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Foto im Raum

Der Herr Redunzl hat ein Stöckchen geworfen, das ich zur Abwechslung sehr gerne annehme, weil es weit weg von den üblichen platten “Fußpilz oder Nagelbettentzündung” - Allerweltsfragen ist sondern richtig interessant werden kann (was die bisherigen Beiträge dazu auch belegen). (Nachtrag: das Stöckchen kommt wohl ursprünglich von hier)

Es fragt nach einem “Foto im Raum” und der “Geschichte” dazu, wobei ich “Raum” mal eben auch frei mit “Zeit” interpretiere und deshalb ein Foto gewählt habe, das wohl einen der größten Einflüsse zeigt, die ich in meinem Leben so mitbekam. Es ist ein Foto der Band “Sound Express”, in der mein Vater Schlagzeug spielte. Das Bild muss so irgendwann Anfang bis spätestens Mitte der 70-er Jahre aufgenommen worden sein, ich glaube nicht, dass es von später als 1975 sein kann.

Sound Express

Auf dem Foto ist mein Vater wohl etwa zehn Jahre jünger als ich es heute bin, und auch das ist ein ganz seltsames Gefühl, da Väter ja gefühlt freilich niemals jünger als man selbst sind, das geht ja garnicht, entsprechend seltsam ist es, wenn ich versuche, mir das Foto “nur” als ein Foto von rund 30-jährigen Musikern anzusehen, denn in dieser Rolle sehe (und fühle) ich etwas so völlig anderes als wenn ich mir das Bild im Bewusstsein, “ein Foto mit meinem Vater drauf, von früher” anschaue - das ist ein richtig seltsames Phänomen, leicht verwirrend, aber auch faszinierend: denn ich merke, dass nicht die Rolle des Betrachteten wechselt sondern meine: einmal schaut ein 40-jähriger Schlagzeuger hin, das andere mal ein 7-jähriger kleiner Junge. Und obwohl der Gegenstand sich nicht verändert unterscheiden sich die beiden Wahrnehmungen in einer fast atemberaubenden Art und Weise.

Aber ich wollte ja eigentlich was zu diesem Bild und dem Einfluss, für das es steht erzählen. weiterlesen »

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