Ach hätt’ ich heut bloß keine Nachrichten geguckt, dann müsste ich nicht wieder völlig genervt von unseren Politikerdarstellern sein, und ebenso von so manchem, der sich gern als Journalist sähe.
Amoklauf in einer Schule. Und wieder fällt keinem was anderes ein als irgendwas erschießen verbieten zu wollen, mal wieder irgendwelche Computerspiele am besten (denn das spielen diese Leute ja nicht, ist also für sie kein Verlust, im Gegensatz z.B. wäre das Angehen von Schützenvereinen unschön, denn dort kann man ja im Trachtenjankerl auf Stimmenfang gehen).
Von “Internetpolizei� ist die Rede, die “gewaltbereite Jugendliche aufspüren� soll. Von “Killerspielen, die in die gleiche Größenordnung wie Kinderpornogrphie gestellt werden� sollen. Und davon, dass “Gesetzgebung nicht vor der privaten Haustür aufhören� dürfe. OK, auch nichts Neues.
Ist ja auch fein, denn dann muss man sich - wie immer - nicht um die echten Ursachen kümmern, um eine Gesellschaft, die die, die es nicht packen nicht nur fallenlässt sondern noch dazu als “Sozialschmarotzer� oder ähnliches verunglimpft und ihnen nicht mal mehr das Recht zum Bejammern ihrer Situation zugesteht, geschweige denn natürlich, Möglichkeiten aufzuzeigen, sie ändern zu können.
Dann muss man sich nicht um den inzwischen noch stärker als zu meiner Zeit gewachsenen Druck und gnadenlosere Auslese in den Schulen kümmern - bzw. hinterfragen, ob dieser von der Politik ja so eingerichteten Verhältnisse nicht vielleicht doch keine so tolle Idee gewesen sein könnten. Dann muss man nicht zugeben, dass alle “Fordern und Fördern�-Sprüche reine PR sind, was das “ö� betrifft, in Zeiten immer weiter gekürzter oder gleich mal komplett gestrichener Etats für Jugendhäuser, Aktionen und Initiativen.
Wo bitte sind denn die Journalisten, die den Namen noch verdienen, und die den Stoibers, Merkels & Co. ihre dummen, populistischen Law & Oder-Sprüche um die Ohren hauen und sie mit der Realität konfrontieren, die mal eben garnichts mit Computerspielen, aber dafür viel mit sozialer Kälte, politischer und gesellschaftlicher Inkompetenz und einem von die Realität flüchtenden Politikern verursachte Stimmung zu tun hat, durch die immer weniger Menschen in immer engere Normen passen und die die aus dieser rausfallen keine Perspektive mehr für ihr Leben finden?
Wo sind die Journalisten, die einem Politiker, der seinen Müll in ihr Mikro seiert, einfach mal sagt: “Und diesen Schwachsinn meinen sie jetzt Ernst und soll die Antwort auf ein breites soziales Problem in unserer Gesellschaft von wenigen Gewinnern und immer mehr Verlieren sein? Das graue Zeug da zwischen ihren Ohren, benutzen sie das eigentlich auch irgendwann mal für was anderes als ihren momentanen persönlichen Vorteil oder volksverdummenden Blödsinn loszulassen? Welches Volk vertreten sie denn so als “Volksvertreter� eigentlich? Schon mal da drüber nachgedacht?�
Aber was reg’ ich mich auf - erstens hab’ ich das ja mehr als einmal alles schonmal gesagt, und zweitens wird wieder nichts anderes passieren als etwas wilder Aktionismus, irgendwelche Gesetzesverschärfungen, die noch mehr Leute willkürlich kriminalisieren, während “echte� Kriminalität immer noch nicht mehr wird, auch wenn es Medien und Politik so gerne anders hätten, und ich darf mich in einem Monat, einem Jahr, oder gleich morgen wieder fragen, warum eigentlich wieder alle ganz überrascht sind, denn letztlich ist das alles, Ursache wie Auswirkung, ein alter Hut.
Ich hab’ sowas von die Schnauze voll von diesen ganzen dilettantischen Arschlöchern da in Politik und Medien. Wenn man die wenigstens einfach ignorieren könnte in ihren Scheinwelten da, aber das geht ja auch nicht, denn es ist ja nicht nur dummes Geschwätz, die machen ja auch noch irgendwelches Zeugs, das dann sehr reale Auswirkungen hat auf z.B. auch mein Leben. Oder eben auf das von Leuten, die nie gelernt haben, mit ihrer Wut und ihrem Frust, überhaupt nicht wahrgenommen zu werden, und wenn, dann als “Loser�, der’s am besten auch nicht anders verdient hat, anders umzugehen als gewalttätig zu werden.
Und so erwarte ich die nächsten “überraschten� und “schockierten� Schlagzeilen von “unverständlichen� Taten.
Wenn der nächste Massenmörder allerdings ein Trachtenjankerl im Schrank hängen hat, dann möchte ich bitte sämtliche Trachtenumzüge verboten wissen. Und die Kundendatenbanken von “Landhaus Moden� sofort in die Rasterfahndung überführt. Und Leute, die sich öffentlich in Tracht zeigen bitte präventiv erstmal einbuchten.
Zum konkreten Thema hat Jens inzwischen ein paar Sachen zusammengetragen, wunderbar, dann kann ich mir das ja sparen.
Und die Nachrichten in den nächsten Tagen meiden.
Ist besser fĂĽr den Blutdruck.
Und senkt die Gefahr, Amok zu laufen.
Achso, und vielleicht liest ja mal einer von euch Politikern oder Journalisten den Abschiedsbrief des Typen, der da rumgeballert hat. Am besten, bevor er/sie den Mund aufmacht und irgendwelche eigenen “Überlegungen� zum Besten gibt.
Da steht nämlich, finde ich, ziemlich deutlich und eindeutig drin, warum er das gemacht hat - und das “warum� fragt ihr doch allenthalben, oder? Achso, rhetorische Frage, sorry dann…
Denn: Oh Wunder: es ist etwas völlig anderes als ihr interpretiert, hofft, vermutet, postuliert. Und, oh weiteres Wunder: es ist verständlich.
(bevor jetzt wer Panik kriegt: nein, nur weil ich etwas verstehe muss ich es nicht befürworten oder entschuldigen. Oder gar selber so sehen. Ich weiß, sollte klar sein. Aber ich sag’s lieber trotzdem nochmal. Nicht, dass die “Internet-Polizei� auf komische Gedanken…)
P.S.: an die, die die Veröffentlichung dieses Briefes Scheiße finden, weil sie “Glorifizierungen� fürchten, oder “Nachahmer�: Dann müsste man auch “Die Leiden des jungen Werther� von Goethe verbieten, um Selbstmord als Möglichkeit, aus jugendlicher Depression zu fliehen, als “Beispielhaft� auszuschließen. Aber so wie die große Mehrheit nunmal Alternativen auch zu dieser “Möglichkeit� findet, so findet eine Mehrheit auch Alternativen zu Amokläufen oder Gewalt im Allgemeinen.
Gegen Dinge allerdings, die versucht werden aus der Wahrnehmung zu nehmen, kann man sich nicht frei entscheiden, denn meine Entscheidungen kann ich nur an dem ausrichten, was ich auch wahrnehmen kann. Deshalb hat dieser Typ auch so entschieden: er konnte keine Alternative, keine Zukunft und keine “Verbesserungsmöglichkeit� wahrnehmen, um sich für diese und gegen die Destruktion zu entscheiden. Ja, teils liegt das an seiner eigenen Wahrnehmung, die ihn blind sein ließ gegenüber Alternativen. Aber teils liegt sowas auch an einer Gesellschaft und deren “Leitfiguren�, dass diese Alternativen nicht mehr als erreichbar gelten - oder gar als nicht (mehr) vorhanden…
schluesselkind meint dazu:,
16. July, 2006
@ 11:53
Schön gesagt; vor allem die Hoffnung auf einen Lerneffekt in Richtung Reality Check ist ein sehr guter Punkt, den bisher auch noch niemand angemerkt hat.
Zu dem Video selber verstehe ich die ganze Diskussion und Aufregung nicht und - ehrlich - manchmal geht es mir auch tierisch auf den Geist, wie wichtig manche Blogger sich und ihre kleine Blogwelt nehmen. Frau Merkel macht nen Videocast. Der größte Teil der Welt wird es gar nicht wahrnehmen, weil die nicht mal wissen, was ein Blogdings ist, geschweige denn das jetzt wieder. Diejenigen, die es wissen und dann sehen, zucken entweder die Achsel oder schreien Untergang des Abendlandes. Niemand, ich wiederhole, niemand wird durch diese hoch gefährliche Propaganda gebrainwasht und plötzlich alle Probleme im Lande vergessen und fragen, wo er bitte gleich ein Kreuzchen für Frau Merkel machen kann. Lassen wir doch die Kirche mal im Dorf. Das ist ein nettes, kleines Filmchen, ich denke, nichts anderes soll es auch sein. Ich jedenfalls bin schon für kleine Schritte dankbar und finde es positiv, dass La Merkel sich überhaupt so weit vorgewagt hat, in die gefährlichen Regionen jenseits des Teleprompters.Tun diese Kontrollfreaks ja sonst nie. Und wenn man die Reaktionen sieht, versteht man auch warum.
MMarheinecke meint dazu:,
16. July, 2006
@ 12:20
Nein, Sven, diese harmlose Home-Story - in der von vornherein alle eventuell unbequemen politischen Fragen ´rausgekegelt wurden - halte ich für ein typisches Produkt des beratergenerierten Paralleluniversums. Der Don trifft da, denke ich, den Nagel auf den Kopf:
http: //rebellmarkt.blogger.de/stories/503945/#comments
Sven meint dazu:,
16. July, 2006
@ 12:50
Diese “Harmlosigkeit� kauft doch aber nun wirklich keiner ernsthaft, allein das in einen Status einer Wahrscheinlichkeit zu heben könnte man als Beleidigung an die Intelligenz der Leute auffassen, wenn man wollte, egal, wer diese Vermutung anstellt, also als Hoffnung oder als Befürchtung formuliert!
Ich habe jedenfalls selbst bei den “begeistertsten� Reaktionen dafür keine Veranlassung gefunden, davon grundsätzlich auszugehen. Klar hat DonA Recht bezüglich der Entstehung und auch der Motivation seitens des Merkels, aber wer behauptet denn irgendwo explizit das Gegenteil? Wie ich das sehe macht sich da niemand, wirklich niemand, Illusionen darüber, dass dieses Ding bis ins letzte Detail gecheckt und abgesegnet ist.
In seinem Punkt f), “Der indirekte Beweis, dass Blogger, sobald ihnen der Bauch gepinselt wird, so leichtgläubig sind wie ein bildlesender Mallorcaballermann mit 2,8 Promille.� hat er deshalb IMO nicht Recht, denn das ist eine Unterstellung, die jedem Blogger abspräche, differenziert denken zu können und Ebenen auseinanderhalten zu können. Aber wie kein normaler Mensch glaubt, Lenßen & Partner seien echte Anwälte, glaubt doch kein normaler Mensch, dass das Ding ohne Kontrolle, Gegencheck und zig Unterschriften von Planung über Entstehung bis Veröffentlichung gelaufen ist. Ich mag das nicht, wenn ich das Gefühl habe, im Zweifel erstmal für blöd und naiv gehalten zu werden.
Mir reicht das schon, dass die Politik und die Medien das tun. Von anderen Bloggern erwarte ich da durchaus eine Haltung, die davon ausgeht, dass “wenn ich das kapiere, dann kapieren das die anderen wahrscheinlich auch, selbst wenn sie’s grad nicht explizit in den Disclaimer schreiben�. Ich verweise ergänzend auf Frau Schlüsselkinds kluge Worte. Nur weil ich das Teil gut finde werd’ ich nun nicht plötzlich CDU wählen oder deren politische Positionen toll finden. Wo simmer denn!
Dr. Dean meint dazu:,
16. July, 2006
@ 13:09
Vielleicht bin ich ja zu anspruchsvoll, aber ein “Scoop� sieht für mich doch etwas anders aus, der hätte nämlich auch einen Inhalt.
Der einzige Inhalt dieses dämlichlichen, sorry, Vlog-Beitrags war für mich, dass Merkel und die verantwortlichen PR-Berater die Bürger für ziemlich unterbelichtet halten. Die Frau von der Binse veralbert mit ihrem Banalitäten-Sortiment die Öffentlichkeit.
Sven meint dazu:,
16. July, 2006
@ 13:11
Seit wann muss ein Scoop heutzutage noch Inhalt haben - den haben ja inzwischen schon die “normalen Professionellen� kaum noch
Und, wie gesagt: Ob sie wirklich veralbert bezweifle ich eben. Mag sein, dass sie es versucht. Mag aber auch sein, dass die Öffentlichkeit nicht so blöd ist, sich “veralbern� zu lassen. Sondern natürlich weiß, dass das alles andere als “ungeschminkt� ist. So selbstverständlich, dass man das nun IMO wirklich nicht jedesmal dazusagen muss. Das ist, wovon ich ausgehe.
MMarheinecke meint dazu:,
16. July, 2006
@ 13:42
Ja, auch ich mag es nicht, im Zweifel erst mal für blöd und naiv gehalten zu werden. Weil dass, wenn ich meine eigenen Reaktionen, Gefühle, Ab- und Zuneigungen selbstkritisch prüfe, immer wieder feststelle, wie blöd und naiv ich mich anstelle, und wie manipulierbar ich bin.
Es ist die unangehme Wahrheit! Und ich habe den bösen Verdacht, dass zwar nur wenige Zuschauer “Lensen & Partner� für echte Anwälte halten, aber das “Image� der Anwälte sehr wohl von so einer albernen Serie geprägt werden kann.
Ja, ich bin oft, zu oft “blöd und naiv�. Und in seinem Punk f) liegt Don goldrichtig. Weil selbst sonst schardsinnige Intellektuelle zu leichtgläubigen Tyrannen-Speichelleckern mutieren, wenn ihnen der Bauch gepinselt wird. (Siehe hier, unten im Beitrag:
http ://martinm.twoday.net/stories/2352339/
Sven meint dazu:,
16. July, 2006
@ 13:45
Wärst du so naiv, wie du glaubst zu sein, dann würdest du es ja eben nicht merken. Dass du’s “merkst� belegt, dass du’s nicht bist.
Nein, wie gesagt: ich glaube nicht, dass es eine Mehrheit gibt, die für eine Bauchpinselei jegliche Kritikfähigkeit mal eben so oder gar umfassend über Bord wirft. Nur weil einem situativ ein Bauchpinseln mal gefällt und man das gegebenenfalls auch mal ebeso situativ zeigt, dass einem das gefällt.
Und jetzt nenn’ mich naiv
, weil ich den Leuten, speziell Leuten, die z.B. in Blogs immer wieder bewiesen haben, dass sie über Dinge nachdenken und sich begründete und kritische Meinungen und Positionen erarbeiten, prinzipiell und pauschal mehr zutraue als einer Schafherde. Z.B. auch zwischen Situativem und Grundsätzlichem unterscheiden zu können. Oder auch mal zwischen Person und Position. Oder medialer Fiktion und Realität.
Schluesselkind meint dazu:,
16. July, 2006
@ 13:57
@Sven: ja, davon würde ich auch ausgehen. Und ich verstehe auch nicht, warum Lyssa vorgeworfen wird, dass sie nicht den “Scoop� landet, den andere, größere, professionellere Medien/ Journalisten schon nicht landen. Da gibt es ja welche, an deren Berichterstattung das informationshungrige Publikum mit gutem Recht viel mehr Ansprüche stellen könnte und deren Nicht-Bedienung dieser Ansprüche viel mehr Anlass zu Sorge geben könnte. Ok, Lyssa übernimmt jetzt eine einflußreiche Stelle bei der WAZ und vielleicht macht sie auch noch mehr Vlogs mit Frau Merkel. Da wird man dann sehen, was dabei herum kommt oder eben nicht. Diesem kleinen Erstlingsteilchen hier wird jedenfalls durch die Aufregung ein Wert beigemessen, den es IMO gar nicht hat.
Sven meint dazu:,
16. July, 2006
@ 14:26
Ja eben - das Ding ist inhaltlich tatsächlich “harmlos�, in völlig wertfreiem Sinne. Und damit auch harmlos, sprich: ohne Auswirkung auf meine grundsätzliche Meinung/Haltung zu dieser Kanzlerin und ihrer Politik. Und warum sollte es dann auf andere eine andere Wirkung haben? Oder: warum sollte man dem Ding überhaupt eine Wirkung (außerhalb eines boulevardesken Tagesinteresses und außerhalb eines “fachlichen� Interesses für eine bestimmte Anwendungsmöglichkeit eines Mediums) zugestehen?
logog meint dazu:,
16. July, 2006
@ 14:31
Lyssa wird in die deutsche Mediengeschichte eingehen als ne Art Sabine Christiansen der Onlinemedien. Sie positioniert sich seit einem halben Jahr. Angefangen von der Freundin-Blogstory über die Coke-WG bis zu ihrem neuen Job bei der WAZ und jetzt als first Anchorwoman in den deutschen Blogs. Bei dem Fotoshooting für die Freundin habe ich noch gedacht, die arme Frau wird da von Burdas Heftchenmachern etwas rumgeschubst und überrumpelt, mittlerweile nehme ich ihr das Unschuldslächeln nicht mehr ab. Hier wird eine große Karriere gebloggt und wir dürfen dabei sein. Wir sind Zeugen, wie die Top-Down-Communication modernisiert wird. Und der gute Brother Hellblazer merkt’s nicht.
Die Erkenntnis you and the president of the united states sometimes have to stand naked hat uns Bob Dylan schon vor 40 Jahren mitgegeben. Das ist kein Grund Lyssas Coup jetzt so abzufeiern.
| | | z e n z i z e n z i z e n z i c a r m e e f r a k t i o n | meint dazu:,
16. July, 2006
@ 14:42
[…] So, nachdem die sich gern im eigenen Mist w�lzende sogenannte Blogosph�re zur Zeit umfangreicher dar�ber berichtet, habe ich mir jetzt die Kinderpropagandashow einer mittelm��igen, im Interview doch recht naiv und unterw�rfig erscheinenden Journalistendarstellerin mit der Bundesmerkel endlich auch einmal angeschaut. Nun ja, verschenkte Lebenszeit, schlechter geht’s kaum und seit wann ist das Bundesmerkel Staatsoberhaupt, wie es die allm�hlich im Rektum der Regierungschefin verschwindende Fragestellerin behauptet? Staatsoberhaupt ist immer noch der Gr��august Bundespr�sident und der hat - soweit mir bekannt - keine bewegten Propagandaschnipsel in propriet�ren Formaten auf seiner Webseite im Angebot. […]
Sven meint dazu:,
16. July, 2006
@ 14:58
Weißt, logog, es ist eben das: ich z.B. hätte über den “Coup� ü-ber-haupt-nichts geschrieben, wenn da nicht soooooo ein “Skandal� “Kommerzialisierung� (Ich kenn das aus der Musik zur Genüge, das ist z.T. auch schnöde und langweiliges elitäres Gehabe) und sonstiges Gebrülle draus gemacht würde, das Teil selbst hätte alles, was ich als “relevant� erachtet hätte, unterflogen. Erst diese Aufgeregtheit machte mich da länger als 5 Minuten aufmerksam auf das Ding. Wie der TB von ZAF belegt bin ich da wohl auch nicht der einzige.
Und so machte ich eben auch meiner Verwunderung Luft, worüber sich da aufgeregt wird, und das meine ich sowohl technisch als auch was Lyssas “Karriere� betrifft, denn hey, es ist ihr Leben und ihre Karriere, die gestaltet sie ja doch bitte so, wie sie das für gut hält, oder darf sie das als “Bloggerin� nicht mehr, wenn sie sich weiterhin “Bloggerin� nennen dürfen will, gibts da irgendwo eine Instanz, die definiert, was man als Blogger darf und was nicht???
Es stellt sich also imo die Frage, wer sich hier gegebenenfalls “instrumentalisieren� lässt, die, die mal eben boulevardesk innerhalb 10 Minuten Aumerksamkeit das konkrete Teil ganz nett fanden, die, die daraus einen Medienskandal machen und die Korrumption des hehren Bloggertums an sich samt Weltuntergang befürchten, oder die, die sich von letzterem genervt zeigen, weil sie sich für blöde gehalten vorkommen, weil man ihnen so pauschal und umfassend nicht im geringsten zutraut, auch nur ansatzweise ein Gehirn im Schädel zu haben
Und es stellt sich mir die Frage, wer hier wirklich der “Naive� ist, wenn ich da so manchen in seinen Idealvorstellungen (gegen die selbst nix zu sagen ist, solange man weiß, dass es ebensolche sind) “enttäuschten� lese (hier meine ich explizit nicht diejenigen, die sich tatsächlich sachlich-kritisch (und nicht etwa ad hominem, sowas mag ich nicht) mit der Sache auseinandersetzen. Wenn es sie - offensichtlich auch mehr als mich - persönlich so interessiert, dass sie da analysieren und kommentieren möchten, bin ich der letzte, der ihnen dieses Interesse an einer solchen Sache vorwirft)
Wie dem auch sei, genau diese “Kritik� wird es sein, die dem Teil genau den “Erfolg� beschert, den diese Kritiker befürchten, nicht die paar Leute, die das Ding halt ganz lustig fanden und das sagten, ähnlich, wie sie einen McDonald-Werbespot lustig finden können, aber trotzdem lieber zum Burger King gehen, weil der einfach bessere Burger macht.
Und falls man es bis hierher wieder vergessen hat: wer meinen Beitrag nochmal liest, nachdem sie/er die Kommentare durch hat, der/dem wird (hoffentlich) auffallen, dass das, was mir da an dem Thema als Zusammenhang wichtig war, nämlich die Kritik an dem Berater-Unwesen in der heutigen Politik und der Realitätsferne der Politikerkaste, vor lauter unwichtigem Kleinkram wie der Frage, ob eine Frau Lyssa Karriere machen darf wie sie will oder nicht, völlig untergegangen ist. Und bitteschön, wer ist für diese Ablenkung verantwortlich? Warn das auch die bösen manipulierenden Selbstdarsteller der Politik und der Medien?
Selffulfilling Prophecy nennt man das dann wohl.
marcc meint dazu:,
16. July, 2006
@ 15:47
Ich kenne ja nicht Lyssas Motivation das Video trotz der Änderungswünsche aus dem Kanzleramt zu machen, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich bislang zweimal gerne nichts geschreiben hätte. Aber die Redaktion hat den Platz ja auch für den nächsten Tag eingeplant - und, wichtiger - ich werde ja nach Zeilen bezahlt.
Und selbst wenn das ein hartes Interview geworden wäre, wäre am Thema rumgenölt worden. Denn von den zig Dingen, die Deutschland beschäftigen wären nur wenige drangekommen. Und da jeder seine eigenen Themen für die wichtigsten hält, wäre das auch wieder nichts gewesen.
Aber jeder Blogger kann es ja besser machen. Plattform hat er ja schon. YouTube ist ein Klick entfernt. Digicam mit Videofunktion ist auch leicht zu erwerben.
Und dank der eigenen (gefühlten) Bedeutung wird es doch ein leichtes sein zumindest den Bürgermeister, einen lokalen Mandatsträger aus Land- oder Bundestag vor die Linse und ins Blog zu bekommen. Und dann viel Spaß beim Versuch einen Pudding an die Wand zu nageln.
Sven meint dazu:,
16. July, 2006
@ 15:58
höhö, schönes Bild
logog meint dazu:,
16. July, 2006
@ 22:40
Es ist kein Skandal. Wir können dereinst Zeugnis ablegen, wie eine Medienfigur sich inszeniert. Es ist das Debut politischer Bloggerei mit Breitenwirkung. Ein kostbarer Augenblick.
24.000 Euro verballerter Steuergelder sind wahrhaft peanuts. Diese Typen sitzen immer an den Futtertrögen. Dass sie es so billig machen, kennzeichnet nur den momentanen Marktwert des Blogdings, den Lyssa gerade nach oben korrigiert.
MiFoMM » Angela Merkel zu Hause - oder Kinderfunk for Dummies meint dazu:,
16. July, 2006
@ 23:08
[…] Über Sinn und Unsinn, über die Ausführung u.a.m. streiten nun die Gelehrten Journalisten (- und solche, die es werden wollen -) in den Kommentaren z.B. hier und hier und hier und hier und … […]
rollinger meint dazu:,
17. July, 2006
@ 13:13
ohne die Kommentare zu lesen und ohne das Video gesehen zu haben. Aber Fr. Merkel hat menschlich was nettes, was einfaches, daß mir gefällt. Zu sehen auch bei der WM.
Nur als Kanzlerin eben nicht
Jens meint dazu:,
17. July, 2006
@ 13:28
> Marktwert des Blogdings, den Lyssa gerade nach oben korrigiert.
und davon profitieren wir Blogger nunmal. Auch und durchaus vor allem die, die all das so schlimm und böse finden.
loellie meint dazu:,
17. July, 2006
@ 14:01
Der Profit des nach oben korrigierten Marktwertes wird darin bestehen, iregendwann genauso ernst genommen zu werden wie BILD oder Bravo.
Fuer mich sind Blogs eine art Gegenstimme zum Copy/Paste “Journalismus� einer weitestgehend gleichgeschalteten Medienlandschaft. Wenn “Ihr� kopfueber in die Kloake der Banalitaet springen wollt koennt ihr das gerne tun. Nur braucht euch dann keiner mehr. “CocaCola.com� finde ich jedenfalls auch noch ohne “euch�.
Da braucht’s keine Instanz und mit schlimm oder boese hat das auch nichts zu tun. Eher mit nutzlos.
Sven meint dazu:,
17. July, 2006
@ 14:32
Ich sehe, wie gesagt, nicht, wo das passieren sollte. Ich verstehe nicht, woher diese Panik kommt. Ich schreibe voraussichtlich auch die nächsten Monate so wie jetzt und über das selbe wie jetzt, und ich gehe davon aus, dass das alle anderen auch so machen.
Ein anderer Gedanke, ohne hier jemanden “meinen� zu wollen damit:
Mich erinnern manche Aspekte der Diskussion an meine “Jugend�, als musikalische Geheimtipps begannen, “kommerziell� zu werden und plötzlich von denen, die sie bislang hörten plötzlich abgelehnt wurden, weil die Lieder, die sie noch bis vor kurzem toll fanden, plötzlich auch im Golf des Poppers nebenan im Radio lief. Ich verstehe bis heute nicht die Motivation derer, die diese Geheimtipps, die keine mehr waren, plötzlich in Grund und Boden verdammten, nachdem sie vorher stolz jedem auf die Nerven gingen, dass man die und die Band höre und die gaaaanz arg superklasse seien. Das einzig superklasse scheint das Gefühl gewesen zu sein, einem elitären Kreis von Checkern und Durchblickern anzugehören, während “die anderen� sich mit “seichtem Kommerz abspeisen und ruhig stellen� ließen, auf die man schön herabblicken konnte, diese Nullblicker und dummen Schafe der Kommerzmaschinierie.
Der Effekt damals war aber immer der: es gab die “Geheimtipps�, die plötzlich für Furore sorgten, danach die Trittbrettfahrer, die das selbe in seicht versuchten und damit tatsächlich auch kurz Erfolg hatten. Erstere gibt es dann bis heute (sofern sie sich nicht selbst per internem Streit o.ä. abgeschossen haben, zwischendurch). Letztere waren und sind Eintagsfliegen.
Oh, und nochwas anderes als Überlegung: Lyssa lese ich seit langem und immer mal wieder gerne, aber ich habe noch nie Investigatives oder superkritisches von ihr erwartet, weil sie das auch so noch nie geliefert hat, das waren immer schon lockere, leichte “persönliche Homestories�, manchmal durchaus auch mit etwas Schärfe als Würze, aber nicht vergleichbar mit “echten� Polit- oder Gesellschaftskritikblogs anderer, wo es manchmal böse im Rachen brennen kann. Und genau deswegen lese ich da hin und wieder mal rein, weil mir der Stil gefällt und auch, mal zwischenrein eben “sowas� zu lesen.
Wie gesagt, ich verstehe die Enttäuschung nicht. Wenn jemand wie DonA oder quirinius o.ä. “sowas� abgeliefert hätte, ja, aber doch nicht bei Lyssa - wieso sollte die plötzlich was anderes machen als sie schon immer gemacht hat und wofür sie ja auch nicht grade unbeliebt ist???
Und nur weil Lyssa das tut, was sie getan hat und immer schon tat werden andere doch nicht plötzlich was anderes machen als das, was wiederum diese immer gemacht haben????
Die Blosphäre hat imo genug Platz für alle Möglichkeiten dieses Mediums und ist ein Ort und ein Medium, in dem nun wirklich jeder genau das tun kann, was ihm beliebt und entspricht.
Und wem dies oder jenes nicht gefällt, nein nicht “der soll halt nicht lesen…�, nein, für den gibt es auf jeden Fall in dieser riesigen Bandbreite genau das, was ihm gefällt. Und ist es (die)der nicht ists ein(e) andere(r). Oder gar eine Kombination von ganz verschiedenen.
Ein bisschen weniger Panik und Aufregung wäre da jedenfalls imo angebracht - ich glaube jedenfalls nicht, dass die (Blog)Welt jetzt untergeht. Um Ehrlich zu sein, ich sehe nicht einmal die oben erwähnte Aufwertung des Blogdings-Marktwertes. Der steigt zwar langsam und stetig, aber mittelfristig IMO dennoch nicht schneller oder langsamer als ohne diese Geschichte hier. Ein kleine Peak, vielleicht. Aber eben nur ein Peak.
logog meint dazu:,
17. July, 2006
@ 17:37
Ja, klar gibt’s immer Frustrationen, wenn eine selbsternannte Avantgarde vom Mainstream überrollt wird. Aber die Nischen werden ja bleiben, wenn Schäuble nicht irgendwann durchdreht, die Blogger als Hassprediger entdeckt und Google beauftragt, die auf dem chinesischen Markt gewonnenen Erfahrungen hier umzusetzen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Mein Interesse liegt nicht darin, Jemand und die Sachen, die er oder sie macht zu diffamieren, sondern zu beobachten, welcher Typus sich beim rat-race der Kommerzialisierung womit am Markt durchsetzt.
Sven meint dazu:,
17. July, 2006
@ 17:54
Hab ich hier auch keinem unterstellt, drum sagte ich ja, hier mein’ ich keinen. Aber woanders liest sich das schon hier und da so..
Haha, ja, die Blogger als Hassprediger, das tät’ denen da gefallen
:-)