15 Gedanken zu „Der Herr Grupp war da gestern richtig wütend

  1. Du guckst zu wenig Talkshows 🙂
    Mangels Konkurrenz ist immer er derjenige, der die Made-in-Germany-Flagge hochhalten muß und den anderen erklären, daß es funktioniert, daß es nicht zu teuer ist in Deutschland.

    Der Mann ist so überhaupt gar nicht mein Fall, eher so ein Patriarch, der überall dazwischenquatscht, wie das in Familienunternehmen häufig ist, aber er überzeugt einfach moralisch. Und gestern hat er wieder genau das gesagt, was ich auch gerade dachte. Er ist einfach richtig – weil die sog. Unternehmer, denen er da immer gegenübergestellt wird, das aber nicht verstehen, muß er sehr laut reden…

  2. Ja, stellenweise ein bissl viel Schaum vorm Mund und ein bissl arg herrisch im Eindruck, es täte seiner eigenen Sache gut, da ein bisschen auf die Perfomance zu achten, aber das betretene Gesicht von seinem Nachbarn machte meinen Abend, und der Mann macht ja hauptberuflich Klamotten und nicht Öffentlichkeitsarbeit 😀

  3. Wolfgang Grupp steht für eine große Anzahl von Mittelständlern, denen noch ein bisschen mehr am Herzen liegt als ihre eigenen Pfrüde und er tritt mir immer ein bisschen zu sehr deutsch-national auf.

    Dieser Kramer-Fuzzi allerdings kann gerne da bleiben, wo er gerade ist, wer heute in Deutschland über zu hohe Lohnnebenkosten jammert, hat nix mitbekommen. Schade, dass die Diskussion sich an dieser Stelle nicht um die Lohnstückkosten gedreht hat, da relativiert sich dieses Gejammer (oder Gebrüll) ganz schnell.

  4. Mein Eindruck von Herrn Grupp in zwei Sätzen: Der Mann tut das Richtige, jedoch nicht aus den Motiven, die er so laut herausposaunt. Offen gesagt erscheint er mir in erster Linie als narzisstischer Poser und erst danach als verantwortlicher Unternehmer (weil diese Rolle ihm die erwünschte öffentliche Aufmerksamkeit verschafft).

    Sorry, meine Sympathie gewinnt keiner allein dadurch, dass er sagt, was ich hören will. Echtes soziales Verantwortungsbewusstsein ist m.E. nicht bloß ein Unterhaltungsprogramm für eine One-Man-Show.

  5. Oh, doch, seine Motive nehm ich ihm durchaus ab, aber ich teile einige davon nicht, da mir einige zu ultrakonservativ sind und mir manche Ecke der gezeigten Geisteshaltung zu sehr bei den Industriefürsten des 19. Jahrhunderts hängengeblieben scheint. Nichtsdestotrotz: er hat manche Volltreffer in seinen Punkten, z.B., dass mit den Steuergeldern des hier produzierenden Mittelstands die Billigkonkurrenz bezahlt wird, indem von diesem Geld Gehälter, von denen alleine niemand hier überleben kann, aufgestockt werden. Das ist tatsächlich skandalös und schädlich für die hiesige Wirtschaft. Und dass Vorstände und Politiker zwar ständig von Verantwortung schwätzen und mit einer solchen ihre immensen Gehälter und Boni rechtfertigen, aber eben tatsächlich garkeine Verantwortung übernehmen (im Sinne von: Schulden, die man machte, auch wirklich bezahlen), wenn es um Verluste geht.

  6. Für mich ist es aber nicht egal, wieso jemand auf eine bestimmte Weise wirtschaftet. Ein Unternehmertum nach den Vorstellungen von Grupp ist in meinen Augen ein Unternehmertum nach Gutsherrenart. Vielleicht handelt er persönlich in seinen Betrieben tatsächlich nach den Prinzipien, die er propagiert, weil ihm dann sein Spiegelbild besser gefällt. Aber den meisten anderen Kapitalisten ist ihr Spiegelbild mittlerweile offensichtlich egal; für die zählt nur der Profit. Und dagegen helfen imo keine Appelle an ein Gewissen. Denn da ist keins (auf das man sich verlassen könnte!). Arbeitnehmer müssen wieder stärker rechtlich abgesichert werden, um nicht länger auf Gedeih und Verderb der Unternehmerwillkür ausgeliefert zu sein. Und ihnen diese Rechte zurückzugeben, ist Aufgabe unserer Regierenden, die dabei allerdings aus meiner Sicht auf ganzer Linie versagen.

  7. Ich stimme Iris zu, ich bin mir auch sicher, dass er sich in seinem Unternehmen auch seinen MitarbeiterInnen (Damen, wie er sie nennt), wie ein Patriarch aufführt. Mir ist er unsympathisch. Dennoch sagt er auch das richtige und dass er so einen Pseudounternehmer, wie den Kramer sofort zum Brüllen gebracht hat, war schon sehr interessant zu beobachten.

  8. Über den Mann gibt es eine Dokumentation, „König von Burladingen“ oder so ähnlich. Das ist dermassen grotesk, man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll.

    Der Hubschrauberpilot legt während Besichtigung der Läden Klamotten zusammen und kassiert, während der Chef die Verkäuferinnen rund macht.

    Die Sekretärin muss zu diesen Ladenbesichtigungen mit dem Hubschrauber mit, hat aber grässliche Flugangst.

    Der Chef steht alle naselang vor einem Spiegel und zieht sich den Scheitel nach.

    In einer Sequenz sieht man eine Minute lang nur seine rechte Hand, hektisch gestikulierend.

    Sehr sehenswert. Ich hab Tränen gelacht und frage mich immer und immer wieder, in welcher Verfassung jemand sein muss, so einen Film über sich machen zu lassen.

  9. Dann ist es wohl auch seiner Unternehmerwillkür zuzuschreiben, daß er nach Tarif bezahlt, obwohl er nicht müßte und allen Mitarbeiterkindern einen Ausbildungsplatz garantiert?

    Wer das alles aus reiner Willkür macht – weil er es für richtig hält nämlich – der darf so viele Spleens haben, wie er will.

  10. @Sanníe: Ja, es ist Willkür. Die muss sich zwar für die abhängig Beschäftigten nicht zwangsläufig immer negativ auswirken. Aber ein System, das einen Arbeitnehmer allein vom Gutdünken des Arbeitgebers abhängig macht, ist ungerecht. Es hat imo Ähnlichkeit mit Leibeigenschaft. Kein einzelner Mensch sollte so viel Macht über andere haben. Und wieso sollte man, wegen seiner Beschäftigungspolitik, über Grupps Spleens hinwegsehen? Seine Beschäftigten arbeiten für ihn, und er sahnt den größten Teil des durch ihre Leistung erwirtschafteten Profits ab. Ist das denn nicht genug, um gerechten Lohn und Arbeitsbedingungen zu verdienen? Diese Gönnerhaftigkeit, mit der Grupp sich für eine Fairness feiern lässt, die m.E. eigentlich selbstverständlich (und deshalb gesetzlich garantiert!) sein sollte, geht mir auf den Geist.

  11. Ich hab gar nichts gegen den Mann. Nur staune ich über die Selbstdarstellung. Es ist ja niemand gezwungen, seltsame Dokumentationen über sich drehen zu lassen.

    Was die Beschäftigungssituation betrifft, ist das dort an der Alb ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis. Das ist ein bischen abgelegen, folglich muss die Firma versuchen, die Leute aus der näheren Umgebung an sich zu binden. Jemand aus Stuttgart, Mannheim oder dem Norden geht dort nicht hin. Gleichzeitig haben die Leute nur die Wahl, dort zu arbeiten (so fürchterlich viele Firmen gibt es nicht) oder wegzuziehen.

    Mit dem sehr deutlich vertretenen altmodischen Arbeitsethos kommen die meisten in der Gegend wohl klar, die sind alle irgendwie so.

    Vor der Geradlinigkeit des Herrn Grupp kann man jederzeit den Hut ziehen. In vielen Facetten scheint er allerdings gedanklich über die sechziger Jahre nicht hinausgekommen zu sein.

  12. naja – nicht jeder unternehmer muss spekulantentum und wirtschaftsliberalismus toll finden. man kann auch an-sich rechtskonservativ sein und soziale marktwirtschaft toll finden.

    also –
    wo er recht hat, hat er recht.
    wo nicht, da nicht.

    gut finde ichs, das er aus unternehmerposition heraus die momentane chaoswirtschaft zurecht kritisiert. total beknackt finde ich seinen affenwerbespot und sein „nationales geschwafel“

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