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London calling – Watchdogs Legion

OK, I’m biased, seit Jahren fahre ich regelmäßig mindestens ein Mal im Jahr nach England rüber, und 2020 war das erste Jahr seit ich weiß nicht wann, in dem das nicht möglich war, und wer weiß wie’s nach dem vollzogenen Brexit weitergeht.

Also hol ich mir London eben auf den PC. Als jemand, der London inzwischen doch recht gut kennt kann ich also schon einmal das über dieses Spiel sagen: London, speziell die bekannteren Gegenden, ist ausnehmend gut geworden, es macht Spaß, einfach an den Orten, an denen man auch schon mal „in Echt“ war, im Spiel herumzulaufen und auf Sightseeing Tour zu gehen. Natürlich ist das Game-London keine 1:1 Wiedergabe der tatsächlichen Stadt, es fehlen ganze Stadtteile und Straßenzüge und die Größen- und Entfernungsverhältnisse sind entsprechend verzerrt, aber mehr als das Gebotene erwartet glaub ich auch niemand ernsthaft.

Sobald ein Spiel in einer „bekannten“ Umgebung spielt, ist Ubisoft am besten. Drum ist Breakpoint mit seiner sehr generischen Phantasie-Insel ja auch so gefloppt: das Faszinierende an den Ubisoft-Welten ist ja ihre Wiedererkennbarkeit, selbst wenn sie, wie in Wildlands, tatsächlich „nur“ eine grobe Anlehnung im Westentaschenformat oder in Assasins Creed nicht… „aktuell“… sind. Aber ob New York und Washington in Division, Kolumbien in GR Wildlands, Chicago und San Francisco – und jetzt London in Watchdogs – hier glänzt Ubisoft schon aus Tradition.

Aber was ist nun mit dem Spiel selber? Hält es dem Hype und den geweckten Erwartungen Stand, der über die letzten 2 Jahre mit großem Werbeaufwand dran geknüpft wurden?

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Cyberpunk 2077 – das Spiel der verpassten Gelegenheiten

Sooo, nachdem ich jetzt einige Stunden Cyberpunk gespielt habe, hier mal mein „mittendrin“-Fazit zum Game.

Voraus: ich spiels auf einem PC, der wohl noch als „gehobene Mittelklasse“ gelten kann, ein 6 Jahre alter i7 4k, 32GB RAM, NVIDIA 2060S und HD-Auflösung, das Spiel liegt auf einem SSD Laufwerk mit entsprechend schnellen Leseraten und es läuft mit Grafik auf jeweils höchsten Einstellungen ohne V-sync schön flüssig mit durchschnittlich zwischen 40-50fps, mit sehr raren und wenn auch nur kurzen Drops auf rund 35fps, aber nicht drunter. Zu Konsolenversionan kann ich nichts sagen und alles, was ich hier zu Technik und Performance sage gilt entsprechend ausschließlich für die PC Version.

CP muss wohl leider als das Game gelten, das in den letzten Jahren am stärksten overhyped wurde. Das bringt das Spiel in einige Schwierigkeiten, denn wenn Erwartungen sehr hoch sind sind Erwartungen, die nicht erfüllt werden a) zahlreicher und b) wiegen sie schwerer. Ich denke, dass man das bei so manchen Reviews im Hinterkopf behalten muss, einerseits, aber andererseits heißt das nicht, dass, wenn Leute negative Punkte aufführen, diese weniger gültig wären. Und da diese Erwartungen ja durchaus vom Studio selbst geweckt wurden in den letzten 2 Jahre, muss das Game sich auch zum Teil an diesen Versprechen, die da gegeben wurden, messen lassen für eine Bewertung.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls wirklich froh, dieses Jahr das Wort „Ambiguitätstoleranz“ gelernt zu haben…. 😀

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Vom Problem, „systemische“ von „individuellen“ Ebenen zu trennen

Offenbar hat mich eine Diskussion auf Facebook gestern über die Nacht so beschäftigt, dass ich heute früh tatsächlich mit einem Gedanken aufgewacht bin, mit dem ich Leuten, die reflexhaft auf Beschreibungen von Auswirkungen, die die patriarchal geprägten Normen und Muster in unserer Gesellschaft nunmal zeitigen und durch zig empirische Daten eindeutig belegbar sind, mit Unterstellungen, man verbreite „Männerhass“ oder überhaupt seien ja wohl „nicht alle Männer so“, reagieren – oder sie nehmen es gleich als persönlichen Angriff, weil sie sich selbst als männlich identifizieren und sich deshalb als Person direkt „gemeint“ fühlen – den Denkfehler erklären kann, in den sie da getappt sind.

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Corona tralala

Was mich grad nervt ist, dass auch zu diesem Thema wieder wie bei so vielen Themen es zu oft nur polarisierte Positionen gibt: entweder ist alles „Panikmache“ oder „wir werden alle sterben“.

Wer der Fraktion „Alle werden sterben!“ Fakten liefert (z.B. eine realistische Einschätzung dessen, was man aus den bekannten statistischen Zahlen tatsächlich herauslesen kann und was aber eben auch (noch) nicht) „verharmlost“, wer gegenüber der „Alles Panikmache“-Fraktion das selbe tut, „dreht völlig durch“.

Viel zu oft gibt es nur noch die Pole „alles oder nichts“.

Nur ein Faktor, beispielhaft (es gibt noch andere), der zeigt, wie schwierig es derzeit noch ist, eine realistische Einschätzung zu bekommen:

Es wird zu oft mit Zahlen und Prozenten um sich geworfen und Zahlen und Werte miteinander verglichen, die seriöserweise nicht miteinander verglichen werden können

Speziell die sogenannten „Letalitätsraten“ und deren Vergleich zu denen anderer Krankheiten sind ein Quell steter großer Missinterpretation. Ich hab Statistik ziemlich intensiv während des Studium eingebläut bekommen und würde bei Betrachtung des Zustandekommens dieser Werte und Zahlen dringend davon abraten, sie als gleichwertig valide miteinander in Beziehung zu setzen oder gar daraus eine Interpretation zu ziehen.

Die Zahlen zu Corona sind noch viel zu invalide um sowas seriös tun zu können, die Dunkelziffer ist immens hoch (ein Blick in die USA reicht, dort wird davon ausgegangen, dass das Virus bereits sich seit 6 Wochen unerkannt aktiv verbreitet hat bevor dort der erste Fall für die statistische Zählung bestätigt wurde.) und in den Zahlen stecken auch immer noch zu viele Fehler aus der Anfangszeit.

Das ist ein bisschen wie durchschnittliche Sonnentage für eine Region berechnen zu wollen, für die ich 10 Jahre tägliche Wetterdaten habe und die mit einem Wert einer anderen Region vergleichen zu wollen, für die ich nur 4 Monate Beobachtungsdaten habe und im ersten Monat noch die Hälfte der Geräte erst nach und nach kalibriert wurden und es auch danach noch Tage gibt, für die die Messungen fehlen, weil ein Gerät ausgefallen ist und mans erst am nächsten Tag gemerkt hat. Niemand würde ernsthaft hingehen und aus diesen beiden unterschiedlichen Zahlen die Rückschlüsse ziehen, die vergleichbar mit denen wären, die man hier und da zum Thema „Coronavirus vs. Grippe“ zu lesen bekommt. Solche Vergleiche können zum derzeitigen Zeitpunkt schlicht komplett ignoriert werden, damit hat man eine weit höhere Wahrscheinlichkeit, korrekt informiert zu sein.

(Ja, ich weiß, dass man Fehler aus Datenmaterial auch bis zu einem gewissen Grad rausrechnen kann über verschiedene Methoden wie Hochrechnungen, rausrechnen von Extremwerten und anderem, aber a) haben diese Möglichkeiten auch Grenzen und b) gings mir darum, etwas grundsätzliches zu verdeutlichen, wofür eine solche Vereinfachung denk ich legitim ist)

Auch WAS eigentlich genau die Gefahr(en) sind wird immer noch zu oft fehleingeschätzt. Zum einen ist speziell für die Leute in den Risikogruppen ein grundsätzlicher Unterschied ob ein Grippeerreger auf eine gegen ihn geimpfte Bevölkerung trifft oder auf eine, für den es noch keinen egal wie löchrigen Herdenschutz-Effekt gibt.

Zum anderen geht es im „großen Bild“ nicht um Einzelpersonen/-fälle und deren individuelles Risiko sondern um Systeme. Damit die so funktionieren, dass jede*r einzelne von diesen Systemen (z.B. Gesundheitsinfrastruktur wie Krankenhäuser, aber auch deren Personal, Ressourcen, Medikamente etc. pp. – die völlig unnötige Knappheit bei Desinfektion und Gesichtsmasken ist ein Beleg, wieviel Schaden uninformiertes Verhalten anrichten kann, hier von Seiten der Fraktion „Wir werden alle sterben“) möglichst gut aufgefangen wird, so dass auch schwer verlaufende Fälle möglichst nicht zum Tod führen, ist der Faktor Zeit bzw, das Verhältnis Fallzahl zu Zeitraum essentiell.

Absagen von Großveranstaltungen oder Schließung von Orten, wo regelmäßig viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen bis hin zu Quarantänen, aber auch individuelle Nutzung von Möglichkeiten (Home Office, eigenständiges Meiden problematischer Orte wie überfüllte ÖPNVs, strenges Befolgen von Hygienemaßnahmen) sind Maßnahmen, die das Virus nicht verschwinden lassen, aber sie helfen, Zeit zu gewinnen und die Ausbreitung zu verlangsamen, so dass für die dennoch auftretenden schweren Fälle genug Ressourcen da sind und nicht Leute am Ende in Krankenhausfluren liegen anstatt in der Intensivstation. Denn diese dauernd erwähnte „Letalitätsrate“ hat mehrere Faktoren, nicht nur den, wie heftig das Virus grundsätzlich auf den Körper wirkt, sondern eben auch, wie gut die Gesundheitsinfrastruktur mit den schweren Fällen umgehen kann. Und das kann es am besten, wenn es möglichst wenig solcher Fälle gleichzeitig gibt.

Ich kann auch nachvollziehen, dass Leute angesichts der in den meisten Fällen ja durchaus milden Krankheitsverläufe (bis hin zu „unbemerkt“) Quarantänemaßnahmen oder Eventabsagen etc. pp.. für „übertrieben“ halten können, weil ihr persönliches Risiko, schwere Symptome zu entwickeln oder gar zu sterben auch bei Ansteckung recht gering ist.

Aber wenn man dann doch einmal ein bisschen über den eigenen Tellerrand hinaus denkt (was ich muss, denn in meinem Umfeld gibt es ein paar Leute, die tatsächlich hochgefährdet sind, sollten sie sich anstecken) und versteht, dass es bei diesen Maßnahmen während der akuten Phase auch um andere Menschen geht als einen selbst und vor allem auch darum, strukturelle Probleme zu verhindern, die das individuelle Risiko derer, die mit schweren Symptomen auf das Virus reagieren, unnötig zusätzlich erhöht, ärgere ich mich schon ein bisschen auch über die, die diese Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt als Aktionismus diffamieren, weil sie offenbar nicht verstanden haben, warum diese – jetzt im Moment noch – nötig sind. In einigen Wochen mag das dann auch anders aussehen, aber da sind wir halt noch nicht.

Ich bin kein Virologe, für eine Einschätzung des Virus selbst frage ich deshalb ebendiese, und halte mich bei diesen auch an das, was die Mehrheit dieser Leute sagt, weil die Wahrscheinlichkeit, das diese die sind, die richtig(er) liegen, am höchsten ist. Entsprechend diskutiere ich auch nicht über solche Sachen, weil sowas keine Frage von Meinungen ist sondern wissenschaftlicher Fakten. Wer das schöne Interview mit Jürgen Klopp gesehen hat weiß, wie ich das meine.

Ich kenne mich allerdings recht gut mit Statistik aus und für die Analyse der vorliegenden Zahlen reicht schon halbwegs fundiertes Grundlagenwissen, drum traue ich mich zu diesem Punkt ausführlicher was zu sagen.

Der Rest sollte für jede*n, die/der auch ein bisschen versucht, gröbere Logikfallen zu vermeiden, einfach nachzuvollziehen sein, ihr wisst schon, dieser „gesunde Menschenverstand“ von dem immer alle reden, dort angewandt wo er auch hilfreich ist (für die anderen Bereiche gibt es Experten, hört auf sie, sie wissen es besser)


tl;rd:

So eine Pandemie ist eine komplexe Sache, was für die einen beruhigend ist und auch sein darf/sollte, bedeutet für andere, nämlich die in der Gruppe der gefährdeten Personen befindlichen, unter Umständen sogar ein höheres Risiko.

Das anzuerkennen und darauf Rücksicht zu nehmen halte ich für wichtig und hat auch überhaupt nichts mit „durchdrehen“ zu tun sondern mit Achtsamkeit und solidarischem Verhalten.

Angst ist ein ebenso schlechter Ratgeber wie Ignoranz. Nutzt die Informationen, die von seriöser Seite geliefert werden für beides: Ängste abmildern, damit sie nicht blind machen für die Möglichkeiten, die jede*r einzelne ergreifen kann, um eventuelle Risiken möglichst zu verringern, aber gleichzeitig auch eventuelle Ignoranz überwinden.

Denn auch wenn man selbst vielleicht nicht zur Risikogruppe gehört, da draußen laufen Leute rum, die es tun, und die sind auf die Achtsamkeit aller angewiesen, um genauso unbeschadet durch die nächsten Wochen zu kommen wie die, die persönlich wenig zu fürchten haben, egal ob sie jetzt erst recht jede Türklinke ablecken um zu beweisen, dass alles nur ein Hoax der Pharmalobby ist oder sich mit 2 Paletten Ravioli und 100 Pack Klopapier im Keller einschließen.

Man bekommt (nur) was man wählt.

Wer rechte Rattenfänger wählt sorgt dafür, dass großartige Dinge, die funktionieren und Menschen glücklich macht, kaputt gemacht werden. Menschen, die sowas wählen tun das, weil sie anderen Menschen nicht das geringste Quäntchen Glück und Liebe gönnen. Ich hege ein gewisses Mitleid für Menschen, die so verbittert und hasserfüllt sind, dass Missgunst und Negativität ihr Leben so stark bestimmen, dass sie glauben, anderen Menschen antun zu müssen, was sie glauben, selbst erleben zu müssen, weil sie sich so machtlos fühlen, etwas an ihrer eigenen frustrierenden Situation ändern zu können, dass ihr einziges erreichbares „Erfolgserlebnis“ darin besteht, anderen auch das anzutun, was sie glauben, erleiden zu müssen.

Das ändert aber nichts an der Notwendigkeit, zu verhindern, dass solche Menschen auch nur das geringste Quantum an Macht bekommen können.Denn das macht nicht sie glücklicher sondern nur andere ebenso unglücklich. Es kann nichts Gutes entstehen aus Lieblosigkeit, Neid und Missgunst. Es werden nur noch mehr Menschen unglücklich. Niemand hat etwas davon, denn die eigene Situation wird davon nicht ein Jota besser. Im Gegenteil, wenn es nur darum geht, es anderen schlechter gehen zu lassen, dann geht es allen schlechter, niemandem besser. (Außer den braunen Rattenfängern, die sich ins Fäustchen lachen und ihre Kassen und die ihrer reichen Buddies füllen, denn Korruption ist eins ihrer Hauptmerkmale, immer gewesen, die trocknen keinen Sumpf aus, die sind der Inbegriff des Sumpfes.)

Ich hoffe, jede/r Wähler/in, die/der so großen Frust und Zynismus in seinem/ihrem Leben empfindet, dass sie/er glaubt, das nur noch  durch die Wahl von menschenfeindlichen Zynikern und Menschenhassern zum Ausdruck bringen zu können, erkennt noch rechtzeitig, dass sie/er damit nur das eigene Leiden – zusätzlich zu unnötigem Leid für andere – füttern würde und umdenkt. Bitte lasst die faschistischen Rattenfänger rechts liegen, sie werden nichts für euch tun, ihr werdet euch nicht besser fühlen, es wird euch nicht besser gehen, es werden nur mehr Menschen leiden als vorher und an euerem Leid wird sich davon nicht im Geringsten etwas ändern. Im Gegenteil, wenn ihr nach Österreich schaut, könnt ihr sehen, dass die Behauptung der Rattenfänger, sich für „den kleinen Mann“ zu interessieren eine glatte Lüge ist, wie sie es auch in Italien ist.

Also, bitte liebe Frustwähler, überlegt euch das gut: wer Lieblosigkeit, Neid und Missgunst wählt, der bekommt Lieblosigkeit, Neid und Missgunst und nichts sonst. Wenn ihr frustriert seid ob der Lieblosigkeit und mangelnder Solidarität in eurem Leben, wählt nicht mehr des selben sondern Liebe und Solidarität. Und wenns nur ein bisschen ist.

Ich weiß, dass es aktuell schwer ist, in der aktuellen Parteienlandschaft da etwas eindeutiges in dieser Richtung zu finden, und ich bin da auch sehr verzweifelt in dieser Frage, aber wenn sich auch das ändern soll, belohnt die, die wenigstens ein bisschen von diesen Idealen vertreten, so dass sie merken, dass DAS etwas ist, was wichtig ist und zeigt denen, die Missgunst und Lieblosigkeit als Programm vertreten, dass DAS nicht die Welt ist, in der wir leben wollen, weil das am Ende eben niemanden glücklich machen kann. Gerade WENN ihr glaubt, bereits in einer solchen Welt zu leben.

Und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben

In der Mediathek der ARD ist derzeit noch die Doku „Kulenkampffs Schuhe zu sehen. Ich hoffe, dass, wenn die irgendwann „depubliziert“ wird, dass ich die auf Youtube finde, dann werde ich den Link aktualisieren. (edit 29.9.: mal sehen, wie lange dieser Link tut)

Das Fernsehen der 60ger ist zwar einen Ticken früher als meine Kindheitserinnerungen (ich bin ja Jahrgang 1968, entsprechend beginnen meine eigenen TV-Erinnerungen Anfang der 70ger), aber sie haben schon stark auch in die 70ger reingestrahlt – Kuhlenkampf war schon „älter“, aber EWG lief – wie ich grade selbst zu meiner eigenen Überraschung recherchierte – bis tief in die 80ger, wie auch Rosenthal und all die anderen, die in den 60gern begannen meist bis in die 80ger „durchhielten“ und zum Teil sogar auch in den 90gern noch regelmäßig im Fernseher auftauchten. Entsprechend bin ich eher Generation Rosenthal, Fuchsberger und Carrell als Kuli und Valente.

Die Anfänge dessen, in dessen etabliertes Ergebnis ich dann bereits direkt reingewachsen bin, ist hier nachdenklich und unter dem Eindruck einer traumatisierten Generation  (meiner Großeltern – meine Eltern sind jung genug, um das Schlimmste der deutschen Vergangenheit nicht bewusst miterlebt haben zu müssen, auch wenn mein Vater, ’44 geboren, als Baby auf abenteuerlichen Wegen aus Ostpreußen flüchten (oder besser: geflüchtet werden) musste (ich schrob darüber, was das für meine eigenen Prägungen bedeutete, hier) aufgearbeitet.

Wenn heute vor allem 20-30-Jährige verstehen wollen, auf welcher gesellschaftlichen und psychologischen Grundlage das Phänomen des „alten weißen Mannes“, das man heute beobachten kann, aufbaut, sollten sie diese Reportage anschauen, die ohne dieses aktuelle Phänomen direkt zu thematisieren, das mit, wie ich finde, fast liebevollen Nachvollziehbarkeit (ohne etwas zu entschuldigen) zeigt – gerade die „leichte Muse“ der Unterhaltung, die in jener Zeit ständig im Widerspruch mit der immer noch schmerzlich aktuellen Vergangenheit der Menschen steht, die deshalb natürlich auch ständig in diese hineinstrahlt und zeigt, wie die Menschen mit ihren Gefühlen zwischen den Stühlen sitzen, nämlich ihrer Vergangenheit und dem, was sie als Kinder und Jugendliche gelernt und verinnerlicht haben und der Realität, die ihnen jede Minute ihres restlichen Lebens dagt(e) „Es war alles falsch, deine Eltern, Lehrer, Bezugspersonen haben euch belogen und zu Monstern gemacht!“

Und manche der in diesem Umfeld aufgewachsenen heutigen „alten weißen Männer“ haben diesen Zwiespalt übernommen und bis heute nicht aufgelöst bekommen. Und sitzen deshalb gleichzeitig als „liebenswerte Onkels“ bei ihren Familien, aber wüten gleichzeitig heute in den Feuilletons und auf den Stammtischen herum, unfähig zu Reflexion und unfähig, sich mit ihren eigenen Vergangenheiten zu versöhnen, weshalb sie sich auch nie mit anderen versöhnen können werden. Und bei manchen Vergangenheiten kann ich das sogar gut nachvollziehen, denn wenn es nichts gibt, das verziehen werden kann, braucht man Ignoranz als Fertigkeit um überleben oder auch nur sich ertragen zu können. Dass mangelnde Empathie sich selbst gegeüber natürlich auch dazu führt, dass auch die Empathie gegenüber der Außenwelt in Mitleidenschaft gezogen wird, ist dabei eine leider unvermeidbare Konsequenz.

„Und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben!“

Perspektivlosigkeiten

Im November letzten Jahres habe ich meinen letzten Blogartikel „Perspektiven“ geschrieben. Der machte ziemlich die Runde, in einem Maße, das ich so überhaupt nicht erwartet hatte (mein Statistik-Tool behauptet, dass er etwas über 100.000 mal gelesen worden sei, selbst mit Mehrfachaufrufen ist das mein meistgelesener Artikel seit ich blogge) und ich bekam viel und zum deutlich überwiegenden Teil positives Feedback, das mir zeigte, dass ich vielleicht nicht allen im Lande, aber einem nicht wirklich kleinem Teil der Leute da aus der Seele sprechen konnte.

Inzwischen ist einiges an Zeit vergangen, Trump hält die USA in Atem, so dass dortige politische Satire kaum mehr hinterherkommt, jeder neue Skandal, jedes neue „Low“ wird am nächsten Tag schon wieder unterboten, so dass all die Skandale garnicht aufgearbeitet werden können. Was ja vielleicht auch eine Taktik ist – bis überhaupt die Tragweite des einen Skandals auch nur halbwegs erkannt werden kann eine neue Sau rauslassen, und Zack, ist der vorangegangene Skandal schon wieder raus aus den Schlagzeilen. Der Sohn gibt offen einen Gesetzesbruch zu? Einfach mal Nazis gut finden, schon redet kein Mensch mehr drüber. Oder einen Atomkrieg andeuten. Die News der letzten Woche sind gefühlt Jahre her, so sehr sind sie schon ein paar Tage später aus der Erinnerung verdrängt.

Das politische Rechtsaußen-Spektrum hat das als funktionierende Strategie erkannt, bei uns macht das die AfD ja auch schon von Anfang an, inklusive dem Setzen von Narrativen, die ihnen eine Opferrolle zuweist, die wahlweise behauptet, mundtot gemacht zu werden (obwohl es, weils so schöne Quoten macht, keine Talkshow gibt, die sich nicht mindestens einen AfD-Vetreter ins Studio holt, weil die so schöne kontroverse Sachen sagen, das dann in der Folge dafür sorgt, dass am nächsten Tag tolle, klick-trächtige Artikel geschrieben werden können, über die man sich wahlweise aufregen darf oder einfach den braunen Dreck nachplappern als wärs das Normalste der Welt und damit die AfD mehr kostenlose Medienpräsenz hat als alle anderen Parteien – auch das hat ja in den USA für Trump schon genauso funktioniert) oder dass man „Fake News“ über sie verbreite, weil sie ihre Tabubrüche natürlich nie so gemeint haben, wie man sie berichtet (und natürlich freut sich deren Klientel, weil die genau wissen, dass das natürlich doch genau so gemeint war, aber sich diebisch freuen, wie sich ihre Helden und Heldinnen da jedesmal „geschickt“ wieder rauswinden).

Und wenn dann auch noch die BILD munter mithetzt freuen sich die Rechten grade nochmal, dass ihr Pseudothema „relevant“ bleibt, obwohl es das in der Realität überhaupt nicht ist.

Aber gut, DAS alles war ja zu erwarten, wie gesagt, diese Strategien des rechten und braunen Randes sind ja so alt und bekannt wie vorhersehbar (außer, wie es scheint, von den Medien, die sich regelmäßig von denen instrumentalisieren lassen, Lichtenhagen ist über 20 Jahre her und sie haben nichts gelernt).

Mir geht es, wie schon im November, nicht um das Wählerpotential des rechten Randes, denn das ist ja mehr als versorgt, auch nicht um die, deren Interesse die Erhaltung des Status Quo ist, denn auch die sind versorgt, sondern um die Wähler, die weder nach 1932 zurück wollen noch mit dem Status Quo zufrieden sind. Entgegen der letzten Schlagzeilen, die behaupteten, es gäbe „keine Wechselstimmung“, bin ich nach wie vor der Meinung, dass dieser Wähleranteil kein kleiner ist. Perspektivlosigkeiten weiterlesen

Perspektiven

Im Juni Brexit, jetzt Trump, in Europa feiern die rechten Populisten ebenfalls Wahlsieg auf Wahlsieg und überall in den Medien, den „etablierten“ Parteien und auch im eigenen pluralistisch und humanistisch denkenden Freundes- und Bekanntenkreis fragt man sich „Wie kann das passieren?“

Ein bisschen erinnert mich diese Frage an genau die Fragen, die ich dereinst meinen Großeltern und anderen Verwandten im entsprechenden Alter stellte, als ich im jugendlichen Überschwang nicht verstehen konnte, wie es passieren konnte, dass ein hasserfüllter kleiner Popanz und seine hasserfüllte Clique von rassistischen Kackbratzen in Deutschland an die Macht gewählt werden konnte, obwohl diese mit ihrer Geisteshaltung ja wirklich nicht hinterm Berg hielten, und ich andererseits meine Verwandtschaft jener Generation nicht als hasserfüllte dumpfe Rassisten kannte sondern als Menschen, die sich um andere sorgten, Gewalt verabscheuten und sich in der direkten Begegnung stets empathisch und mitfühlend gegenüber jedem Menschen zeigten, egal welcher Hautfarbe oder Herkunft. Perspektiven weiterlesen

I did some things. And do some more.

Man kommt ja zu nix. Der letzte Blogeintrag ist jetzt auch wieder ewig her, und der Sommer ist auch schon wieder vorbei. Aber bei aller Ruhe hier hab ich andernorts ein paar Sachen gemacht.

Neben meinen üblichen fotografischen Exkursionen (über die ich ausführlich dann wieder einen eigenen Fotos, Fotos, Fotos-Artikel rauslasse, wenn ich endlich mit den Fotos der Englandreise im März diesen Jahres fertig geworden bin – erwähnte ich, dass man zu nix käme? Here you go! – und meiner Musik mit den Singvøgeln, den Mannheimer Bahnhofshelfern und für mich alleine, schrob ich unlängst auf dem Fotoschraubr-Blog eine lange vor mir hergeschobene Gegenüberstellung der beiden Fotoportale Ipernity und 500px fertig. Wer wissen möchte, worin die Unterschiede dieser beiden Dienste liegen und ob einer – oder beide – zu ihr/ihm passt, darf sich gern diesen ausführlichen Vergleich durchlesen.

Mit den Bandkollegen habe ich Billy Joel besucht, Mit Jens war ich auf dem Star Citizen Event im Rahmen der Gamescom und dass ich mir ein neues Cajon gekauft habe – ach ja, das hatte ich hier ja schon erzählt und vorgeführt (etwas weiter runterscrollen, da kommt das dann).

Aber letztens dann habe ich tatsächlich mit dem Podcasten angefangen. Mit Jens zusammen. Auf „We know Kung Fu“ könnt ihr euch die ersten beiden Folgen anhören. Hätte nicht gedacht, dass das so viel Spaß macht.

Und irgendwie bin ich in die Orga eines LARP mit reingerutscht, wie die Jungfrau zum Kinde. Eigentlich dachte ich, ich bastle für Jens, der mich fragte, ob ich da aushelfen könnte, nur mal eben einen schnellen kleinen Videoteaser (den es auf der Website zum LARP zu sehen und zu hören gibt). Aber wie es so kommt, offenbar hat es gefallen und jetzt darf ich ein paar Sachen mehr machen fürs „Zeitgeist LARP“. Das wird eine super spannende Geschichte, da bin ich schon sehr gespannt 😀

Uuund das wars jetzt auch schon, mehr als ein klitzekleines Update über die Dinge, die so laufen, sollte das jetzt auch garnicht werden. Weil, wisster ja: man kommt ja zu nix.

 


Be Pride!

Ich bin männlich, weiß, habe einen Job, der mich – knapp, aber immerhin noch – in die Mittelklasse der Gesellschaft verortet und mir damit mehr Teilhabemöglichkeiten an der Welt bietet als sie Menschen haben, die weniger Geld als ich zur Verfügung haben, wie hochwertige Technik für meine Hobbies und für mein Selbstverständnis, Musiker zu sein (Nein, wie 98% aller anderen Musiker kann ich davon nicht leben) oder hin und wieder zu verreisen, ich habe keine sogenannte Behinderung (die Notwendigkeit, eine Brille zu tragen zähle ich da nicht) und ich bin so hetero, wie man es nur sein kann (daran ändert auch nicht, dass es Männer gibt, die ich tatsächlich auch „sexy“ oder „erotisch“ finde).

Das bedeutet, ich bin durch meine „Normalität“ in fast jedem Bereich sehr privilegiert gegenüber so ziemlich jeder Minderheit, weil ich in fast jedem Bereich des Lebens dort, wo ich lebe, Teil der Mehrheitsgesellschaft bin. Und selbst dort, wo es keine Mehrheit gibt – z.B. in meinem Geschlecht, denn es gibt ein klitzekleines bisschen mehr Frauen als Männer – bin ich privilegiert, weil mich traditionell in meiner Heimat-Gesellschaft existierende männliche Privilegien und Stereotypen nach wie vor in der Regel Frauen gegenüber deutlich besser stellen.

Das Problem bei „ererbten“ Privilegien ist, dass man sie als davon Bevorzugter sehr schwer erkennen kann. Deshalb bin ich sehr vorsichtig damit, Menschen, die einer oder mehreren Minderheiten angehören abzusprechen, ein Problem zu haben. Im Zweifel (also wenn ich – wieder einmal – mit einer Diskriminierung oder einer Folge einer solchen konfrontiert werde, die ich noch nicht kannte) glaube ich der/demjenigen deshalb gefälligst einfach mal. Jens hatte da schon vor einiger Zeit einen guten Artikel dazu geschrieben, so dass ich das im Detail nicht wiederholen muss sondern darauf verweisen kann.

Ich hinterfrage meine Privilegien nicht, weil (wie man mir schon zu entsprechenden Gelegenheiten versuchte vorzuwerfen) ich mich gerne als „weißer Ritter“ geriere oder weil ich denke, ich sei besser als andere. Oder, in die andere Richtung, hätte eine Art „schlechtes Gewissen“, was zu einer Art Selbstbestrafung führte.

Ich hinterfrage sie, weil ich eine ziemlich genaue Vorstellung habe von der Welt, in der ich leben will und diese Vorstellung berücksichtigt viele meiner Freundinnen und Freunde und die Lebensumstände, in denen diese leben dürfen sollten, sowie deren tatsächliche Lebensrealität, die bei einigen noch immer weit entfernt ist von der meinen.

Jetzt hat – im Land, in dem mehr Menschen von kleinen Kindern erschossen werden als von Terroristen, weil sie überall Waffen rumliegen haben – ein homophober Täter rund Fünfzig Menschen getötet und ebensoviele verletzt. Und überall auf der Welt, auch hierzulande, wird diese Tat verurteilt und schlimm gefunden. Und das ja auch zu Recht, denn so etwas sollte nicht passieren. Nicht in einer pluralistischen, weltoffenen, friedliebenden und empathischen Gesellschaft, wie ich und viele andere sie sich wünschen. Und man sagt mir, ich sei angegriffen worden, meine Welt sei angegriffen worden.

I beg to differ!

Nein, diese Tat ist kein „Angriff auf unsere offene Gesellschaft“. Be Pride! weiterlesen

Ich bin wieder da. Und was über ein Cajon.

Nach über einem halben Jahr Blogpause wegen eines größeren Serverproblems bin ich endlich wieder da. Und alle meine Blogeinträge ebenfalls. Hurra.

Wenn ich meinen letzten Eintrag so sehe, hat sich nicht so viel getan, der ist, leider, nach wie vor aktuell.

Ansonsten ist einiges passiert in den letzten Monaten, das ich demnächst hier nachholen werde. Viele Fotos, vor allem, mal wieder. Politisch und gesellschaftlich dagegen kann ich eigentlich nur wieder mal feststellen, dass ich das Gefühl habe, in den letzten Jahren schon alles geschrieben zu haben, was mir so auffällt, eigentlich müsste ich nur die Veröffentlichungsdaten aktualisieren, egal, wieviele Jahre ein Artikel zu irgendwas her ist.

Aber es gab auch erfreuliches. Zu allererst: ich habe ein neues Cajon. Und habe in meiner Begeisterung ein Vergleichsvideo zwischen meinem alten Schlagwerk 2inOne Dual und dem neuen J.Leiva Omeya Master gebastelt. Inklusive Sprungpunkte, um einen schnellen Direktvergleich zwischen den beiden, einmal ohne und einmal mit ein paar Effekten machen zu können. Es lohnt sich, das mit guten Boxen oder Kopfhörer anzusehen. Viel Spaß.

 

Wer das gute Stück mal live gespielt sehen und hören möchte: mit den Singvøgeln wird es am 30. April in Mörlenbach und am 29. Mai in Katzwang bei Nürnberg zum Einsatz kommen 🙂

 


Elite:Dangerous – Startertipp

Ich habe angefangen, Elite:Dangerous zu spielen und hing anfangs extrem an dem Umstand fest, dass ich – neben dem Elite-typischen Problem, dass es keine richtige Anleitung gab – nicht wusste, wie ich aus dem extrem demotivierenden Startpunkt mit einem Schiff, mit dem man nichts anfangen kann und wenig Startgeld in einen Zustand kommen könnte, in dem es anfängt, Spaß zu machen.

Ich las dann irgendwo, dass man mit „Mining“ relativ schnell Geld verdienen konnte und nach einigen Youtube-Videos, die mir jeweils Teile dessen zeigte, wie man das macht probierte ich das aus. Und es klappte sehr gut. Vielleicht hab ich einfach nur nicht das richtige Tutorial gefunden, aber ich fand jedenfalls keins, das mir „mal eben“ zeigt, wie das eigentlich geht. Drum dachte ich, ich mach selber mal eins.

Die Sidewinder als Starterschiff ist ein Furunkel am Hintern, das einem extrem schnell den Spaß am Spiel rauben kann. Mit Mining bekommt man diesen unnützen Schrotthaufen schnell los und kann es mit der Adder, dem ersten Schiff, mit dem man ansatzweise was anfangen kann, ersetzen.

Das Video lag jetzt schon eine ganze Weile bei mir rum, ich kam einfach nicht dazu, es früher hochzuladen. Gestern abend dachte ich aber endlich mal dran, das zu tun.

Inzwischen hab ich die erwähnte Cobra MK III, die Credits dafür hab ich mir ebenfalls mit Mining verdient. Und mit den vielen Kopfgeldern, die ich verdiente, weil es offenbar viele NPC (und real player) Piraten gibt, die dachten, eine etwas besser ausgebaute Adder sei ein leichtes Ziel *g* (Man sieht im Video ja, wie ich eine Cobra MK III abschieße (wobei das auch ein extrem dummer NPC war), obwohl das ein weitaus besseres Schiff ist als die kleine Adder *g*).

elite
Meine Cobra, von Jens‘ Cockpit (ebenfalls Cobra) aus gesehen.

 

Und irgendwann bekomme ich es auch mal hin, dass die Tonspur und die Filmspur die selbe Geschwindigkeit haben. Irgendeine Einstellung in meinem Mitschneidetool scheint da noch nicht zu passen, denn eigentlich sollte das nicht passieren, wenn Bild und Ton gleichzeitig aufgenommen werden…

 


Was mit Medien

Immer wieder posten Leute Links zu russischen Staatsmedien in meine Facebook- und Twitter-Timelines, um der „verlogenen Systempresse hierzulande“ etwas „entgegenzusetzen“.

Die hiesigen Medien, ja, darf, kann und muss man kritisieren, wenn manche ihrer Vertreter tendenziös und einseitig berichten. Es passiert, und man muss das dann benennen.

Aber auch wenn es bei uns immer wieder mal, und auch durchaus zu regelmäßig, Medienvertreter gibt, denen man Einseitigkeit vorwerfen kann, ist es schon noch ein Unterschied zu Medien, die tatsächlich staatlich kontrolliert werden und in deren Ländern Journalisten, die kritisch berichten, mit Entlassung bis sogar mit ihrer Ermordung bedroht werden. Und sowas soll als Beleg! herhalten, dass „unsere Medien uns nur belügen!!!EINSELF!!“??

Ich kapiere das nicht: Offenbar kritische Leute, die hiesige Medienberichte hinterfragen und – oft ja zu Recht – Einseitigkeiten und Tendenzen in mancher hiesigen Berichterstattung anprangern, ebenso zu Recht den neutralen Standpunkt speziell der ÖR Medien anmahnen und die Pressefreiheit durch Lobbyeinflüsse und ähnliches gefährdet sehen, sind die selben, die dann ausgewiesene Propagandasender herumschicken und alles, was dort gesagt wird, für die „Wahrheit“ halten?

Zu ziemlich jedem tatsächlich einseitigen oder gar falschen Bericht z.B. in deutschen ÖR Medien finde ich – nicht selten sogar in genau denselben ÖR Medien – Widerspruch und Kritik dazu. Regelmäßig und deutlich.

Wo ist der RT-Bericht, der z.B. eine andere RT-Sendung entlarvt, in der ein komplett mit Jahre alten Bildern aus einer ganz anderen Ecke der Welt gefälschter „Bericht“ über böse „faschistische“ Ukrainer gegen „unschuldige“ Russen, inlusive O-Tönen, die ebenfalls zu einer ganz anderen Gelegenheit entstanden sind, gezeigt wurde? Also vergleichbar mit einem NDR-Bericht, der eine (zwar nicht ebenso dreist gefälschte, aber zumindest einseitige) Berichterstattung z.B. der Tagesschau (und anderen Medien) kritisiert?

Wo also liegt da wohl eher eine „Gleichschaltung der Medien“ vor?

Pressefreiheit ist nicht, wenn Presse nur das berichtet und nur aus der Perspektive, wie ich das gut finde. Pressefreiheit ist, wenn verschiedene Perspektiven möglich sind. Und wenn es möglich ist, dass die eine Perspektive die andere kritisieren darf und das auch tut.

Insoweit bin ich zwar manchmal mit manchen Medienphänomenen hierzulande nicht zufrieden, speziell, wenn es um Lobbyeinflüsse geht. Aber solange diese auch von der hiesigen Presse benannt werden und auch „Nichtjournalisten“ dies tun können und auch tun, ohne mit Prügel, Knast oder gar Tod bedroht zu werden – und das ist hier der Fall, versucht das mal in Russland! – ist mir das hier noch immer hundert Mal lieber als die Zustände der Meinungs- und Presse“freiheit“ in Ländern wie Russland.

Hm. Obs was nützt, wenn ich mal den Russland-Bericht der Reporter ohne Grenzen verlinke?

Ich fürchte ja nicht.

Und ich fürchte, ich muss doch mal diesen langen Artikel schreiben, in dem ich mich mal mit dem Phänomen des polaren schwarz-weiß/gut-böse-Denkens auseinandersetze. Mit all seinen Auswirkungen, speziell den verqueren logischen Fehlschlüssen, die sich daraus ergeben. Hier und da hatte ich Teile davon ja auch immer schon mal angefangen, anhand jeweils aktueller exemplarischer Beispiele. Mit mäßigem Erfolg, da man sich dann meist über die zufälligen Anlässe anstatt über das mir eigentlich wichtige Thema unterhielt – ich muss das also mal versuchen, ohne ein solches Beispiel hinzubekommen, aber das schieb ich ja schon seit Jahren vor mir her. Auch, weil ich weiß, dass das wirklich richtig anstrengend werden wird.

 


Apokalyptiker an der Macht

Ich lagere hier mal einen Gedanken, den ich im Gesichtsbuch als Kommentar schrob auf die Frage nach der Motivation von Überwachung und Kontrolle der eigenen Mitbürger in sich selbst als „freiheitliche Demokratie“ bezeichnenden Ländern, die aufkam, als diese Praxis mit der totalitärer Staaten verglichen wurde. Der Gedanke ist schon sehr alt, ich hatte ihn hier schon im Jahre 2006(!!!) angedeutet, aber noch nicht so ausformuliert wie im Folgenden. Ja, ich schreibe auf jeden Fall noch einen längeren Artikel zum Thema Überwachung. Genau deshalb werfe ich diesen Gedankengang schon mal hier hin, um mich später noch mal drauf beziehen zu können.

Die Motivation [für Überwachung in einem demokratischen Staat] ist in der Tat eine andere [als in einer totalitären Diktatur], und die Motivation ist es auch am Ende, die ein Ergebnis immer mitbestimmt – wir leben (zum Glück) nicht in einem Terrorregime, in dem Überwachung ein Mittel von vielen ist, bzw. als Werkzeug eine Voraussetzung, um programmatisch und „gewollt“ Menschenrechte zu unterdrücken und Macht totalitär und absolut zu erreichen und zu erhalten.

Die Überwachung, wie wir sie heute erleben (und noch bis zum Beginn der 90ger niemals für möglich gehalten hätten, würde ich meinem jüngeren Ich erzählen, was heute abgeht, ich hätte es mir nicht geglaubt, weil ich nie geglaubt hätte, dass „wir“ das zugelassen hätten) hat andere Motivationen: sie spiegelt auf der irrationalen Seite eine Angst vor Kontrollverlust wider, oder aber auch den Glauben, dieser Kontrollverlust sei abwendbar, es ist die Angst alter Männer vor dem Tod und dem „jüngsten Gericht“, die Angst, „Schuld“ zu sein, weil man „nicht alles getan“ habe, aber auch ein Zeichen voranschreitender Technokratie, die ähnliche Motive zum Hintergrund hat, denn technokratische Systeme entheben den einzelnen Menschen seiner Verantwortung und produziert „Schreibtischtäter“ ohne eigenen Willen, die sich ja „nur an Vorschriften gehalten haben“. Ein Zeichen dafür ist die ständig wiederkehrende Argumentation, dass ja „alles gesetzlich geregelt“ sei und damit auch „rechtens“ – dass Gesetze einfach „falsch“ sein können ist da nachrangig. Friedrichs „Supergrundrecht“ spricht da auch Bände. Die Menschenrechte sind da Kollateralschaden, nicht Ziel.

Politik heute ist keine Vision mehr, keine Zukunftsgestaltung, kein Gesellschaftsbild, sondern nur noch Verwaltung und Beharren auf einen Status Quo – „Haltet die Welt an“, aber sie dreht sich eben dennoch weiter.

Die Angstspirale dreht sich ebenso weiter, ein weiteres Signal dafür: der Umgang mit den diversen „Finanzkrisen“, die die unglaublichsten Schreckensszenarien heraufbeschwört, sollte man es nicht schaffen, alles so zu lassen wie es ist, die Möglichkeit, dass eine Veränderung auch eine zum Besseren sein könnte wird nicht einmal mehr als utopische Hoffnungs-Option angenommen, es gibt sie schlicht nicht, die einzige gute oder bessere Zukunft wird in der Vergangenheit gesehen, aber da war ich schon, die war nicht besser. Nur anders.

Das alles erinnert mich an das erste Jahrtausend unserer Zeitrechnung, als das „römische Reich“ auf Teufel komm raus erhalten wurde, selbst als es schon lang nicht mehr existierte sondern irgendein irgendwas nur noch dessen Namen trug, weil man glaubte, dass der Untergang des römischen Reiches das Zeichen sei, dass die Apokalypse käme und man deshalb „trickste“, nach dem Motto: „Schau, es ist doch noch da“ – und wenn nur als Formalität.

Yoda hat recht, wenn er sagt, dass Furcht die größte Gefahr ist, die es für die menschliche Seele gibt.

 

Künstliches Geld

Ich habe drüben im Singvøgel-Weblog was längeres über Geld, Kosten, Bezahlung, Wert und Wertschätzung rund um Musik und Musik“geschäft“ geschrieben.

[…]Es geht um das leidige Geld. Denn es kostet Geld, Musik zu machen, und das nicht zu knapp. Musiker kaufen Instrumente und Zubehör, sie brauchen Räumlichkeiten, sie müssen mobil sein, sie benötigen viel Zeit, zum üben, um Promotion zu machen, um an andere Orte zu kommen. Wenn sie ihre Musik veröffentlichen wollen, benötigen sie weiteres Equipment, noch mehr Zeit, weitere Menschen, die Dinge für sie tun. Wenn ein Album dann veröffentlicht werden soll, muss Artwork erstellt werden, gedruckt, eine CD gepresst, konfektioniert und verschickt werden. Selbst wenn man „nur“ digital veröffentlicht, braucht man einen Distributor, der die Daten auf verschiedene Plattformen verteilt, auf denen sie verkauft werden können.

Auch diese Dienstleistungen kosten erst einmal Geld. Bis ein Musiker oder eine Band ein Album bei iTunes oder Amazon oder Google oder wo auch immer stehen hat, wo das dann für einen Zehner verkauft wird, von dem die Band dann je nachdem zwischen 30 bis 75% des Verkaufspreises abbekommt, ist also schon ein kleiner 5-stelliger Betrag von den Musikern selbst investiert worden, und da ist jetzt nicht mit eingerechnet, was es gekostet hat, überhaupt soweit zu kommen, dass man über eine Produktion eines Albums nachdenken kann, also Ausbildung, Stilentwicklung usw. usf..

[…]

Wer rechnen kann, kann also relativ einfach ausrechnen, ab wann ein Musiker beginnt, den ersten Cent „Gewinn“ zu machen: sobald die Summe der Online-Erlöse und die Summe der Differenz zwischen Stückpreis und Verkaufspreis der verkauften CDs [/ Downloads] langsam in den 5-stelligen Bereich kommt. Und selbst das ist noch eine „falsche“ Rechnung, denn in der Zeit, die das benötigt, sind ja weitere laufende Kosten zu schultern. Aber selbst diese vereinfachte Rechnung zeigt schon, wie schwer es ist für kleine, unabhängige Musiker außerhalb des großen Musik-Business und ohne riesige Fanbase, sich vom Verkauf eigener Musik finanzieren zu können – geschweige denn, davon „leben“ zu können. Bzw.: wie unmöglich, solange DAS die einzige Einnahmequelle bleibt. […]“

weiterlesen: „Umsonst ist nicht kostenlos“

 

Kleine Selbstreflexion: Ich und die Fotografie.

Als Herr Rollinger mit der Idee eines Fotoblogs „für Knipser“ ankam, also weniger Tech-Geschwurbel und Schwanzvergleiche, dafür mehr Motiv und Motivation, fand ich die Idee super. Wir hatten das dann vor einiger Zeit schon mal auf Tumblr versucht, aber die dortige Technik, speziell das umständliche outgesourcete Kommentargeknödel, stellte sich als unpraktisch heraus, so dass das irgendwie wieder einschlief. Letztens dann erinnerten wir uns wieder dran und entschlossen uns, das Projekt noch mal neu anzugehen, diesmal auf wordpress.org. Und – Taddaa – hier ist es: -> Das Fotoschraubr – Blog.

Ich fotografiere ja schon seit ich irgendwas um die 7 oder 8 Jahre alt war. Meine erste Kamera war eine Agfa Agfamatic Sensor, keine Ahnung mehr, ob das die 100 oder 200er war (die 300-er nicht, die hatte einen Belichtungsmesser, sowas hatte meine nicht), jedenfalls mit Würfelblitz.


Jens, muss irgendwann 1977/78 rum sein. Also so 9 oder 10 Jahre alt.

Danach kam dann eine andere, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, nur, dass die diesen anderen Einwegblitz-Typ hatte, so eine Stange mit 8 Blitzen zu zwei 4-er Reihen nebeneinander. Kleine Selbstreflexion: Ich und die Fotografie. weiterlesen