Archiv des Monats: Januar 2011

Schmarotzerländer

Heute früh im Radio gehört: Hessen, Bayern und Baden-Württemberg finden Solidarität Scheiße und sehen im Länderfinanzausgleich „Sozialmissbrauch“ seitens der „Nehmerländer“. Spontan die Formulierung „Schmarotzerländer“ im Kopf gehabt.

Und die Überlegung, dass ein Aussteigen aus dem Länderfinanzausgleich doch nur zu mehr Wirtschaftsflüchtlingen aus den ärmeren Bundesländern führen wird. Da ist das Boot in den reichen Ländern dann ganz schnell voll, sie werden sich dann schützen müssen vor der Brandenburger-Schwemme, vor plattdeutschen Schleswigern und über spitze Steine stolpernden Bremern, die sich abgerissen und verlumpt von Schleppern über die grüne Grenze Thüringens nach Bayern schieben lassen oder bei Ludwigshafen in überfüllten, lecken Kähnen sich über den Rhein zu retten versuchen (wie viele bezahlen diesen Versuch mit dem Leben, weil die kaputten Schaluppen mitten im Fluss kentern oder von gewissenlosen holländischen Schubverbänden gerammt und versenkt werden) und behaupten, sie würden verfolgt, dabei wollen sie nur an „unser Geld“, Mappus hängt in Stuttgart Plakate „Schwaben den Schwaben“ auf, und in Hessen gewinnt die CDU mit Unterschriften „gegen Niederdeutsche“ die nächsten Wahlen. Allenthalben hört man „Die schwätzet net wie mir, un indegriere wellet die sich a nedde“ und ähnliche Ressentiments, „Und wie die sich schon anziehen!“ schimpft der Allgäuer Almdudler-Sepp beim Anblick von Piet Heinersen, Flüchtling aus einem kleinen ehemaligen Fischerdorf nahe dem berüchtigten Piratennest Husum.

Die nächste soziale Katastrophe blüht dann den Transferländern Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Thüringen, da in diese „sicheren Drittländer“ die aufgegriffenen Wirtschaftsflüchtlinge wieder abgeschoben werden und dort in Flüchtlingslagern zusammengepfercht werden, aber die durch den nicht mehr zu zahlenden Länderfinanzausgleich freien Gelder werden dann in diese Länder gepumpt, da diese drohen, die Flüchtlinge sonst nicht zurückzunehmen, ….

Schweißgebadet wachte ich auf – ich muss wohl nach den Nachrichten nochmal eingedöst sein….


links for 2011-01-13

  • Wenn Demagogen rufen kommen die willfährigen Helfer gerannt: "[…] Schüler Celik hatte unter den Folgen der Verdächtigung zu leiden. In der Schule hatte sich der Vorfall schnell herumgesprochen: „Ich bin in den Pausen als Terrorist und Osama bin Laden beschimpft worden.“ Der junge Mann hielt dem Druck nicht stand, brach die Ausbildung ab, jobbte unter anderem bei Conti und hofft nun, das Fachabitur nachmachen zu können. Seine Strafanzeige gegen die Pädagogin wegen Verleumdung wurde von der Staatsanwaltschaft nicht weiter verfolgt.[…]"

links for 2011-01-11

  • Haaaahahaahahaaaahahahaahaahaha…: "[…]Bilder, die entschlüsselt abgerufen werden, können aber trotzdem heruntergeladen und danach ohne die Verschlüsselung wieder hochgeladen werden, oder?
    Das ist richtig. Die Frage ist aber, was technologisch möglich ist und das sollte man versuchen zu erreichen, sofern es Sinn macht. Dass Dateien kopiert und wieder online gestellt werden, ist nicht zu verhindern. In der Regel wird dies aber die Ausnahme bleiben. […]"
  • "[…] Institutionen, die ihre Existenz auf Heimlichkeit und Halbwahrheiten aufbauen, müssen eher vor Enthüllungen zittern, als solche, die offen und transparent agieren. Regierungen, die im Interesse ihrer Bürger arbeiten und die Grundlagen ihrer Entscheidungsprozesse öffentlich machen, müssen Enthüllungen nicht fürchten; solche, die sich Gesetze von Lobbyistenverbänden vorformulieren lassen oder denen ihre jeweiligen Parteikassen wichtiger sind als der Staatshaushalt, schon. Ein Staat besitzt keine Privatsphäre, er hat kein Recht auf Heimlichkeit. Er ist allein seinen Bürgern verpflichtet und der Default-Status für Regierungsinformationen sollte "frei" lauten. […]"

links for 2011-01-08

  • […] The revelation that government is doing something in private other to what it is claiming in public should be met not by indifference or complacency, but outrage. Enduring national security does not demand secrecy, except where strictly necessary; it demands above all reaffirmation of the most fundamental values that underpin democracy — transparency, accountability and, perhaps most importantly in this case, participation. […] The prevailing and lazy assumption is implied but all too clear: that the foreign policy élite, and government, should be left to get on with the job, with whatever secrecy that they demand. If the last few years tell us anything, it should be that foreign policy and war are too important to be left to government alone. […]
  • "[…] The US government has subpoenaed the social networking site Twitter for personal details of people connected to Wikileaks, court documents show.[…] The subpoena requested the details of Mr Assange, Pfc Manning and Icelandic MP Birgitta Jonsdottir, as well as Dutch hacker Rop Gonggrijp and US programmer Jacob Appelbaum, both of whom have previously worked with Wikileaks. The information sought includes mailing addresses and billing information, connection records and session times, IP addresses used to access Twitter, email accounts, as well as the "means and source of payment". […]"

links for 2011-01-06

  • "[…] Wir haben mit dem Grundgesetz das Dogma der Meinungsfreiheit geschaffen – gleichzeitig haben wir dieses Dogma jedoch hinterfragt und eine kulturell bedingte Einschränkung gesetzt – sehr spezifisch, sehr präzise. Hier liegt keine grundsätzliche Einschränkung der Meinungsfreiheit vor, nein, hier liegt die gesellschaftliche Einigung auf die unbedingte Anerkennung eines Verbrechens, dem Holocaust, vor. Dagegen kannst du opponieren. Doch fühle dich dabei bitte nicht im Recht. […]"

links for 2011-01-05

  • […]Wir haben ein Jahr der Provokationen hinter uns. Sarrazin, Westerwelle, Schwarzer, und jetzt nocheinmal Sarrazin, dem die FAZ an Weihnachten die erste Seite ihres Feuilletons zur Verfügung stellte (wortgleicher Artikel in der Sächsischen Zeitung, hier noch eine Reaktion von Jakob Augstein nebst Nachtrag). Nach chinesischen Sternzeichen war es das Jahr des Broders. Alle diese Provokateure haben uns weismachen wollen, es ginge ihnen um eine Sache, als wären sie einem höheren Zweck verpflichtet und opferten sich nur, um das Thema aufs Tapet zu bringen. Das hat – gerade im Fall Sarrazin – zu dem Missverständnis geführt, hinter dem Schnauzbart den Märtyrer durchschimmern zu sehen. Provokateure sind Egozentriker. Es sind Leute, die gerne „ich“ sagen. […]"