Archiv des Monats: August 2010

Sklavenhändler

Mir gehen die Worte aus, ich kann garnicht ausdrücken, wie wütend ich gerade (mal wieder) bin….

[…] „Es werden auch im Bereich geringqualifizierter Arbeit sehr viel mehr Arbeitsplätze entstehen als viele Skeptiker glauben. Früher wurden an der Tankstelle die Scheiben gewischt oder es wurden morgens Brötchen ausgetragen“. Vereinzelt gebe es auch hierzulande schon Schuhputzer oder wie in den USA Tütenpacker im Supermarkt. […]

(via Telepolis: Neue Diskussion um Arbeitspflicht für Hartz-IV-Bezieher)

Genau, Arme sollen gefälligst Armenarbeit machen, wie die Verzweifelten in Amerika. Und wenn sie nicht verzweifelt genug sind, das freiwillig zu tun, dann eben mit Zwang. Hat damals ja auch schonmal funktioniert, damit die Wirtschaft anzukurbeln und die Reichen noch reicher zu machen.

Diesem Unterdrückungs- und Demütigungssystem spreche ich jegliche soziale Intention im Sinne „soziale Sicherheit und Achtung aufs Gemeinwohl“ ab und bin inzwischen stattdessen überzeugt, dass mit HartzIV der Sozialstaat abgeschafft wurde und ein klassistisches Kastenwesen eingeläutet wurde. Die Reportagen, die du zu sehen bekommst und dich aushaken lassen gehören da genau hinein in die Propaganda, die das Bild der „typischen HartzIV-Schicht“ malt und festigt.

Wir hauen Millionen und Abermillionen für unterirdische Bahnhöfe und ähnlichen Kram raus, für Kriege und für Banken, die sich verspekulierten und schenken weitere Milliarden deren Kunden, die ihnen das Geld zum spielen überließen, weil sie hofften, noch reicher zu werden – aber die Schlagzeilen machen alle halbes Jahr ein Einzelfall HartzIV, mal ists wer, der doch tatsächlich „uns Steuerzahlern“ 10 Euro zuviel „aus der Tasche zieht“, so dass er statt 50 mal 60 Euro zum ausgeben hat, oder mal eine Familie die (wenn sie überhaupt echt ist) nicht gebildet genug ist (was auch zum System gehört) und sich in „Reality-Shows“ von einem Kamerateam vorführen und ausschlachten lässt und an den Pranger stellen lässt und dem vor Abstiegsangst getriebenen Mittelständler ein gruslig-exotisches Bild mit der unterschwelligen Botschaft „Das wird aus dir, wenn du nicht spurst! Und bist du erst mal drin, kommst du da auch nie wieder raus“ in sein Wohnzimmer bringt.

Kocht denn das Wasser schon längst und wir blöden Frösche habens einfach nicht bemerkt und sind schon tot oder können wir noch raus aus dem Topf?

Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?
Sklavenhändler, ich tu alles für dich!
Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?
Sklavenhändler, ich tu alles für dich!

Ich verkauf dir meine Hände, ich verkauf dir meinen Kopf.
Ich versprech dir, nicht viel zu denken, und ich schau dir nicht in deinen Topf.
Für mich bist du der Engel, der uns Armen Arbeit gibt.
Ohne dich wär ich verhungert, ich bin froh, daß es dich gibt.

Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?
Sklavenhändler, ich tu alles für dich!
Sklavenhändler, geh zum Telefon.
Hörst du nicht, es klingelt schon.

Und wenn ich sieben fuffzich verdiene, geb ich dir drei fuffzich ab.
Ich brauch nur was zu essen und vielleicht ein bißchen Schnaps.
Ich brauch überhaupt nicht viel Geld, denn ich bin ein schlechter Mensch.
Ich hab mein ganzes Leben nichts gelernt, außer daß man besser die Fresse hält.

Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?
Sklavenhändler, ich tu alles für dich!
Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?
Sklavenhändler, ich tu alles für dich!